ÖRV, ÖVT, WKO

Offener Brief – Restart der Reisebranche

In einem neuerlichen Offenen Brief äußern die Interessensvertretungen der heimischenTouristiker ÖVT, ÖRV und der Fachverband der Reisebüros der WKO, aber auch Vertreter der Airlinebranche ihre Bedenken gegenüber den nach wie vor europaweit unklaren und ineffizienten Regelungen zu Reisebestimmungen, Tests und Impfungen und fordern von der Bundesregierung klare Vorgaben, die einen Restart der Reisebranche ermöglichen. Gerade im Hinblick auf die Sommersaison ist schnelles Handeln gefragt!

Offener Brief zum Restart der Reisebranche

Sehr geehrter Herr/Frau Bundesminister/in,

auch im neuen Jahr bleibt die Corona-Pandemie wenig überraschend das beherrschende Thema für die heimische Tourismusbranche.

Die aktuell wirkende Verlängerung des Lockdowns stellt sowohl für die Hotellerie als auch für die Reisebürobranche einen schweren Rückschlag dar. Während Hotels mit Ausnahme von Geschäftsreisenden keine Gäste beherbergen dürfen, fällt für die Reisebürobranche durch den verlängerten Lockdown die stärkste und wichtigste Buchungszeit ins Wasser. Durch den Lockdown werden die – an sich geöffneten Geschäftslokale – nur vereinzelt von Kunden aufgesucht.

Jene Kunden, die tatsächlich den Weg in ihr Reisebüro finden, berichten von starker Verunsicherung aufgrund der unklaren Aussichten. Für die Sommersaison stellt dies naturgemäß eine große Gefahr dar.

Damit der heimische Outgoing-, als auch der für Österreich so bedeutende Incoming-Tourismus eine Perspektive erhält, brauchen wir klare Ansagen und europaweit sowie allenfalls auch international harmonisierte und effiziente Regelungen zu:

  • Reisebestimmungen (insbesondere zu Einreisebestimmungen)
  • Corona-(Schnell)-Tests
  • Impfungen

Konkret sollten sich unseres Erachtens die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union insbesondere auf folgende Punkte verständigen und diese in abgestimmter Weise gemeinsam verfolgen:

  • Erhöhung der Impfquoten innerhalb der gesamten EU. Da zu erwarten ist, dass international viele Staaten auf entsprechende Impfungen bei Einreise beharren, ist es essenziell, Impfungen rasch voranzutreiben. Die EU-Kommission hat in diesem Zusammenhang vor Kurzem die Empfehlung veröffentlicht, zumindest 70 % der erwachsenen Landesbevölkerung bis zum Sommer 2021 zu impfen. Begrüßenswert wäre weiters im Sinne der Planbarkeit eine klare zeitliche Perspektive für die Bevölkerung hinsichtlich der verfügbaren Impfungen bereitzustellen.
  • EU-weite einheitliche (Ein)reisebestimmungen und Definition von Inzidenzraten, ab denen Lockerungen von bestehenden Beschränkungen in einzelnen Regionen vorzunehmen sind.
  • Ausarbeitung eines digitalen Passenger Locator Formulars und eines elektronischen internationalen (oder zumindest Europäischen) Gesundheitspasses, aus dem ersichtlich wird, ob der Reisende vor kurzem negativ auf das Coronavirus getestet wurde oder bereits geimpft ist.
  • Aufbau eines gemeinsamen Systems zum grenzüberschreitenden Nachweis von Testungen und Impfungen.
  • Sicherstellung zuverlässiger, erschwinglicher und effizienter Tests als Ersatz für Quarantänemaßnahmen und andere Einschränkungen des freien Personenverkehrs.
  • Weitere Überlegungen zum Einsatz von Antigentests als Ersatz für PCR-Tests.
  • Informationen über geplante Einschränkungen der Reisefreiheit sollten klar, umfassend und vor allem rechtzeitig (mindestens 5 Tage vor Inkrafttreten der geplanten Maßnahmen) erfolgen.
  • Ständig wechselnde und nicht abgestimmte Reisebeschränkungen sollten in Zukunft verhindert werden, um so Unternehmen und Konsumenten Stabilität zu bieten. Insbesondere Landeverbote, die aus epidemiologischer und wirtschaftlicher Sicht sinnlos bzw. kontraproduktiv sind und leicht umgangen werden können (z.B. durch Umsteigeverbindungen), müssen der Vergangenheit angehören.
  • Entwicklung und Umsetzung einer langfristigen Strategie, um mit ähnlichen Krankheiten oder Bedrohungen umgehen zu können.

Die soeben genannten Punkte stellen alle einen wichtigen Beitrag zur dringend benötigten Planungssicherheit für die kommenden Monate dar. Ohne konkrete Regeln, in welcher Form ein sicheres Reisen im kommenden Sommer möglich ist, muss die heimische Tourismusbranche in einer Art Winterstarre verharren, in der weder Airlines Flugpläne erstellen, noch Reiseveranstalter Reiseangebote entwickeln, oder Incomer Verträge über Incentivegruppen, Kongresse etc. abschließen können. Insbesondere im letztgenannten für die österreichische Wirtschaft so wichtigen Incomingbereich wird der Wettbewerb zwischen den Destinationen stark anziehen und bereits heute berichten einige Incomer, dass sie Reisegruppen für den Sommer an andere Länder verlieren.

Uns allen ist bewusst, dass die derzeitige virologische Situation angespannt ist, mittels der bereits heute bestehenden Instrumente (umfassende Testungen von Reisenden, Contact-Tracing und schrittweise auch Impfungen) muss aber in naher Zukunft ein sicheres Reisen ermöglicht werden, um den für Österreich und Europa so wichtigen Tourismus nicht nachhaltig zu schädigen.

Wir, die Unterzeichner dieses Briefes, bitten Sie daher eingehend, sich für die rasche und umfassende Umsetzung unserer Forderungen auf europäischer Ebene einzusetzen und so dem österreichischen Tourismus zu einem erfolgreichen Restart zu verhelfen. Wir sind natürlich gerne bereit, Sie dabei mit all uns verfügbaren Mitteln zu unterstützen und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Mag. Gregor Kadanka
Obmann des Fachverbandes der Reisebüros

Mag. Susanne Kraus-Winkler
Obfrau des Fachverbandes Hotellerie

Phillies Ramberger
Präsidentin Österr. Verein für Touristik

Dr. Josef Peterleithner
Präsident Österr. ReiseVerband

Sonja Buocz-Lamatsch
BAR Austria

Stephan Linhart
Head of Sales Austrian Airlines

Dr. Günther Ofner
Vorstandsdirektor Flughafen Wien

Bernhard Brauneder
General Manager Amadeus Austria

Den originalen Offenen Brief finden Sie hier: 

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