ÖRV

Musterschüler Kreuzfahrtschiffe

Einmal mehr muss die Kreuzfahrtenbranche als Sündenbock in der Klima-Diskussion herhalten. Neuen Stoff dafür liefert ein in Lissabon präsentierter EU-Bericht, wonach Schiffe im Jahr 2018 für 13,5 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich seien – ähnlich viel wie die Luftfahrt. 

In der Klimadebatte wird oft außer Acht gelassen, dass der Anteil der Kreuzfahrtschiffe am internationalen zivilen Schiffsverkehr mit 386 schwimmenden Hotels gegenüber 99.000 anderen Schiffen gerade einmal bei 0,39 Prozent liegt. Und, so Eva, Buzzi, Präsidentin des Österreichischen ReiseVerbandes (ÖRV) „Die Cruiseliner sind in Sachen Umweltbelastung wesentlich besser als ihr Ruf.“

Im – durchaus berechtigten – Kreuzfeuer der EU-Kritik am Schiffsverkehr steht der hohe Ausstoß an Schwefel- und Stickstoff-Emissionen. Laut gemeinsamem Bericht der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) und der Europäischen Umweltagentur (EEA) verursachten Schiffe, die 2018 in Häfen des europäischen Wirtschaftsraumes anlegten, 140 Millionen CO2-Emissionen – rund ein Fünftel der CO2-Belastung. „Diese Belastung ist ernst zu nehmen, die Kreuzfahrtenbranche arbeitet jedoch bereits seit vielen Jahren an drastischen Maßnahmen zur Verbesserung der Öko-Bilanz,“ betont Manuela Gollner, Leiterin des ÖRV-Kreuzfahrten-Ausschusses. „Innerhalb des Schiffsverkehrs gehören die Schiffsreise-Anbieter gewiss zu den Musterschülern: Laut CLIA, dem internationalen Verband der Kreuzfahrtindustrie, sind bereits 111 der derzeit 253 registrierten Schiffe mit modernen Abgasnachbehandlungssystemen ausgestattet, die die Schadstoffemissionen um 90 bis 99 Prozent reduzieren.“

Von wegen dreckig! 

Dennoch kursieren seit Jahren in den sozialen Medien Berichte, wonach die 15 größten Luxusliner „mehr Dreck in die Luft schleudern als fünf Millionen Autos“. Unzulässigerweise wird in dieser Studie der Ausstoß der Schiffe von verschwefeltem Schweröl mit dem Ausstoß von Autos mit schwefelfreiem Sprit verglichen. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen,“ so Gollner. „Es ging nicht um CO2-Emissionen oder Stickoxide, sondern um Schwefeldioxid. Bereits seit 2015 ist in der Nord- und Ostsee der Einsatz von Schweröl ohne Filtern verboten, seit 2020 gilt ein strenges Schwefel-Limit von 0,5 Prozent beziehungsweise in den Schutzzonen Ostsee, Nordsee, Ärmelkanal und nordamerikanische Gewässer von 0,1 Prozent. Die Reedereien haben mit dem Einsatz von neuen Technologien und alternativen Treibstoffen rechtzeitig darauf reagiert. Zukunftsweisende Projekte beschäftigen sich mit der Entwicklung von Kreuzfahrtschiffen mit Wasserstoffantrieb.“

Hohes Investment in Umweltschutz

Jeder vierte Ausgaben-Euro der Reedereien in Europa wurde im Vorjahr in den umweltschonenden Schiffsneubau beziehungsweise eine umweltfreundliche Umrüstung investiert, betont der ÖRV. Die Reedereien setzen immer mehr auf Treibstoff sparende Designs – etwa Schiffsrumpfe mit geringem Wasserwiderstand, ökonomische Routen- und Geschwindigkeitsplanungen sowie innovative Energiespar-Lichtlösungen, Wassereinsparungssysteme und modernstes Abfallmanagement. Umweltschutzoffiziere an Bord sorgen zudem dafür, dass Seereisen so umweltschonend wie möglich ablaufen.

Ein weiterer Kritikpunkt des EU-Berichts an der Schifffahrt sind Belastungen der Unterwasser-Ökosysteme durch Lärm und der Transport von Arten, in Gewässer, die dort nicht heimisch sind. „Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass ein Kreuzfahrtschiff nur zu 60 Prozent auf See unterwegs, zu 40 Prozent liegt es in einem Hafen,“ so die ÖRV-Kreuzfahrten-Expertin. Und um während des Hafen-Aufenthalts die Energieversorgung möglichst umweltschonend zu gestalten, setzen auch immer mehr europäische Häfen auf Landstrom-Versorgung – etwa Deutschlands meist frequentierte Hafenstadt Hamburg, aber auch Kiel, Göteborg, Oslo, Antwerpen und Lübeck.

Engagement in den Klimaschutz

Die Kreuzfahrten-Branche gibt sich freilich mit dem bereits Erreichten nicht zufrieden und engagiert sich weltweit im Klimaschutz – etwa mit dem EU-Projekt „Sustainable Cruise“ in sieben Mittelmeer-Hafenstädten, wo gezielte Umweltschutz-Maßnahmen gefördert und umgesetzt werden sowie in Zusammenarbeit mit dem WWF und der Nachhaltigkeitsinitiative FUTOURIS. 

Dazu die ÖRV-Präsidentin Eva Buzzi: „Die gesamte Reisebranche und insbesondere der Kreuzfahrtensektor sind intensiv bemüht, den ökologischen Fußabdruck auf Reisen zu verringern. Schließlich ist unsere Erde nicht nur die Lebensgrundlage der Menschheit, sondern auch die substanzielle Grundlage für das Geschäftsmodell der internationalen Touristik.“
 

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