ÖRV Kongress

Peterleithner-Festspiele und packende Vorträge

Viel Emotionen und lachende Gesichter brachte der erste Tag des Frühjahrskongresses des ReiseVerbands im OÖNachrichten FORUM in Linz. Joschi Peterleithner wurde als Ehrenpräsident gekürt und erhielt von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

„In Linz beginnt’s“ ist ein Spruch, mit dem man in Oberösterreich jahrelang Tourismuswerbung betrieben hat. Dazu passt das Motto „Zeit wird’s“, unter dem der ÖRV Frühjahrskongress 2022 steht. Zeit für Aufbruch und Optimismus, aber auch für das Ende von letzten Reiserestriktionen und vor allem der Pandemie und des Kriegs in der Ukraine. Die letzten beiden Jahre haben wirtschaftlich an der Branche deutlich genagt. Die Umsätze der Reisebüros und Veranstalter fielen von 4,3 Mrd. Euro (2019) auf 897 Mio. Euro (2020) bzw. 1,1 Mrd. Euro (2021) zurück. Ein längerfristiges Problem: Ein Viertel der Mitarbeiter hat die Branche verlassen, sieben Prozent der Reisebüros sperrten zu. Für das Reisejahr 2022 rechnet ÖRV-Präsidentin Eva Buzzi mit 70 % des Umsatzes des Vorkrisenjahres 2019. Die Zeichen stehen aber auf Aufschwung, die Reiselust in der Bevölkerung ist groß und der Nachholbedarf massiv. Dazu passend gab die ÖRV-Spitze auch die Pläne für den beliebten Herbstkongress bekannt. Wenn nichts dazwischenkommt, geht es von 22. bis 25. Oktober in die Schweiz.

Peterleithner-Festspiele

Nach der einstimmigen Entlastung des Vorstands stellte Eva Buzzi zwei Anträge: Dr. Gunther Hölbl (Kuoni Österreich) zum Ehrenmitglied und den langjährigen ÖRV-Präsidenten Joschi Peterleithner zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Unter großem Jubel bedankte sich Peterleithner: „Ich bin berührt, gerührt und dankbar. Einerseits der TUI, die es ermöglicht hat, neben viel Freizeit auch Arbeitszeit der ÖRV zur Verfügung stellen zu können. Und den Kolleg:innen, die den ÖRV dorthin gebracht haben, wo er ist.“

Dann ging es mitten rein in den Kongress von rund 140 Mitgliedern und prominent besetzten Reihen aus der Politik und des österreichischen Tourismus. Mit dabei waren u. a. Tourismuslandesrat Markus Achleitner, Linz-Bürgermeister Klaus Luger, Tourismusministerium-Sektionsleiterin Ulrike Rauch-Keschmann, Tourismusministerium-Servicestellenleiterin Gerlinde Weilinger, OÖ Tourismus-Chef Andreas Winkelhofer, Linz Tourismus-Geschäftsführer Georg Steiner sowie von den Schwesternverbänden ÖVT-Präsidentin Phillies Ramberger und ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer.

Für die Begrüßungsworte reiste wie schon im Herbst in Wr. Neustadt Tourismusministerin Elisabeth Köstinger an. Ein großes Symbol der Wertschätzung für die Branche. Sie versprühte viel Optimismus und betonte: „Wir mussten vieles neu lernen – aber zugleich haben wir gemerkt, wie viel Dynamisches in der Krise entsteht.“ Und: „Ich verspreche Ihnen, dass im Bundesministerium die Türen für die Branche offenbleiben werden.“ Vor allem aber hatte sie eine weitere Überraschung im Gepäck: Sie überreichte ÖRV-Ehrenpräsidenten Joschi Peterleithner unter Standing Ovations der Kongress-Teilnehmer:innen für sein Engagement um die Reisebranche das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Vor allem seine Menschlichkeit zeichne den Geehrten aus, so die Ministerin. Der ÖRV-Ehrenpräsident zeigte sich tief gerührt und erzählte von seiner Kindheit auf dem heimatlichen Bauernhof in Salzburg, seiner liebevollen Mutter und der Chance, die ihm seine Eltern gaben, Karriere zu machen. „Ich werde die Auszeichnung – genauso wie die Ehrenpräsidentschaft – mit Würde, Ehre und Stolz tragen. Die Überraschung ist mehr als gelungen ... Ich bin froh, dass ich heute einen Anzug angezogen habe“, so Peterleithner.

Vortragende, die begeistern

Ein Über-den-Tellerrand-Schauen ist das Programm des 61. Kongresses, betonte Präsidentin Eva Buzzi im traveller-Interview. Speziell der erste Tag lieferte Themen und Inhalte gegen den Strich gebürstet. Für viele wahrscheinlich überraschend war etwa die Eloquenz und der Humor, die der Jurist und „Anwalt der Republik“, der Präsident der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn an den Tag legte. Er analysierte knallhart die Fehler der Krisenmechanismen in Österreich und betonte: „Wir alle sind Staat. In Krisen sollte das Ordnungssystem schlank sein, um zu funktionieren.“

Anschließend fegte der ehemalige Politiker und jetzige Autor und Unternehmer Matthias Strolz über die Bühne: „Du musst dich on the job immer wieder neu erfinden.“ Den ersten Teil beendete der künstlerische Leiter von Ars Electronica, Gerfried Stocker, mit seinem Vortrag zu Reisen in digitalen Zeiten und der „Immigrationswelle“ in den digitalen Raum. Nach der Pause analysierte die Psychologin Heidi Kastner die Dummheit und hielt fest: „Ein untrügliches Zeichen von Dummheit ist, wenn man auf alle Fragen eine Antwort gibt.“ Es gebe zwar ein Recht auf eine eigene Meinung, aber kein Recht auf eigene Fakten. Anschließend hielt Walter Osztovics die Herausforderungen der gesellschaftlichen und politischen Veränderungen auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität fest.

Fußballtrainer Peter Stöger, der Kandidat auf den Teamchefposten war, beschloss den Nachmittag mit einem launigen Vortrag über Teamgeist und fasste zusammen: „Eigentlich musst du die Menschen gernhaben, sonst wird das nix.“ Der Ausklang des ereignisreichen ersten Kongresstags fand mit einem Abendessen in der beeindruckenden Linzer Brauerei und danach bei kühlen Drinks in der amadeus Bar statt.

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