ÖRV

Eva Buzzi wird laut sein!

Mit einjähriger Verspätung und diesen anderen Zeiten angepasst lief auch die 60. Generalversammlung des Österreichischen ReiseVerbandes (ÖRV) virtuell ab und war dennoch eine sehr emotionale Zusammenkunft. Denn der langjährige „Mr. ÖRV“, Josef Peterleithner, übergab den präsidialen Vorsitz an Eva Buzzi. Damit ist der ÖRV nach Annemarie Richard zum zweiten Mal fest in weiblicher Hand.

Es war also „Joschis“ – wie ihn nicht nur die ÖRV Mitglieder, sondern eigentlich die ganze Reisebranche weit über Österreichs Grenzen hinaus nennt – letzte Generalversammlung, die der scheidende ÖRV Präsident mit einer Gedenkminute für zwei kürzlich der Touristik eng verbundenen Menschen begann: Komm. Rat Günter Arlow, der Mann mit der Pfeife und Touristiker aus Leidenschaft, war von 2001 – 2002 ÖRV Präsident, verstarb am 15. Jänner im 77. Lebensjahr und Ingrid Bahrer-Fellner, 23 Jahre fixer Bestandteil des KURIER Reiseresorts und ab 2013 auch deren Leiterin, verstarb nach langer schwerer Krankheit im Alter von 63 am 13. Mai.

Zurück ins normale Leben

Die erste virtuelle Generalversammlung des ÖRV fand richtungsweisend an dem Tag statt, an dem auch die Einreiseverordnung offiziell das regelt, was mit 19. Mai dem „3G Prinzip“ folgend wieder möglich sein wird. Getestet, geimpft oder genesen zum Wirten, ins Café, Theater, Kino und natürlich auf Reisen gehen – die Freude aufs normale Leben ist, ob beim Kunden oder Touristker, riesengroß. Der 18. Mai war aber vor allem für Joschi ein besonderer Tag. Der, wie er sagt, seit Monaten erstmals wieder Anzug trug, weil sich das für den Präsidenten immer und zum Adieu sagen sowieso, so gehört. Nach mehr als 20 Jahren im Vorstand des ÖRV und neun Jahre als Präsident, hängt Josef Peterleithner nun den ÖRV-Job an den Nagel, um künftig das zu tun, was vor allem in den letzten 14 Monaten viel zu kurz kam.

„Die Corona Pandemie hatte auch auf mein Leben große Auswirkungen und führte zu einer Werteverschiebung. Ich möchte mehr Zeit für meine Familie und mich, für die Natur und mein Wohnmobil,“ sagt er und dieser Wunsch ist nach mehr als 14.000 E-Mails zum Thema Corona, einer 365/24 Verfügbarkeit und medialer Dauerpräsenz – „bei uns waren in den letzten Monaten mehr unterschiedliche TV-Teams als Freunde zu Besuch“ –verständlich. „Ich möchte auch wieder mehr Zeit für meinen Arbeitgeber, TUI, der mich finanzierte und mir damit über die Jahre ermöglichte, die ehrenamtliche Funktion des ÖRV Präsidenten auszuüben und last but not least gibt es einen jüngeren Kandidaten,“ betont Peterleithner mit einem lachenden aber auch einem ein wenig weinenden Auge. Denn, mag es für den privaten Joschi und seine Familie eine bewusste und richtige Entscheidung gewesen sein, keine weitere Amtszeit mehr anzuhängen, für den Vollbluttouristiker und Präsidenten aus und mit Leidenschaft – was ihm von manchem Kleingeist oft als Vereinsmeierei ausgelegt wurde, was dem ÖRV in den neun Jahren „Peterleithner“ jedoch nur zum Vorteil gereichte – ist der Abschied doch mit Wehmut verbunden.

Große Wehmut kam dann auch in den Dankesworten – vorrangig an „die zwei“ im ÖRV-Hintergrund, Susanne Gahn und Walter Säckl – zum Ausdruck: „Wer Susi und Walter kennt, weiß, dass beide ganz besondere Menschen sind und über die Jahre alles, wirklich alles, mitgetragen haben. Ohne Walters Kreativität hätten wir keine Kongresse von derart hoher Qualität mit grandiosen Speakern und Referenten gehabt. Danke auch dem Präsidium, besonders meinem Vize und starker Stimme im Verband, Gunther Hölbl (Kuoni) und Gerhard Aigner (VB Group Austria Trend Hotels), der penibel mit den beiden Rechnungsprüfern Stephan Linhart (Austrian) und Andreas Sturmlechner (Europäische Reiseversicherung/TTC) aufs Vereinsvermögen geschaut hat. Danke an Herlinde Friesl-Koller (vormals Prima Reisen), dass auch immer die Kleinen und Großen an einem Tisch gesessen sind, mit dem einzigen Ziel, die Kunden glücklich zu machen. Danke an Ulli Soukop (Costa), Gregor Kadanka (Mondial) und alle Ausschussmitglieder und an Michael Schlögl (GRUBER-reisen), Hannes Schierl (sabtours) – ihn kenne ich seit 45 Jahren – und Hannes Schwarz, der wieder in die Touristik (Mondial) zurückgekehrt ist. Danke an alle Mitglieder und danke an die Fachpresse, die durchaus kritisch aber immer da war, wann sie gebraucht wurde und unterstützte, wenn es um Wesentliches ging. Denn, wir sitzen alle im gleichen Boot, das in der Vergangenheit von allen gut gesteuert wurde. Und natürlich einen großen Dank an meine Frau und meine Familie für das Verständnis und den großen Verzicht in den vergangenen Jahren.“

Der ÖRV wird weiblich(er)

Peterleithner schließt mit einem Danke und wünscht viel Glück für den weiteren gemeinsamen Erfolg – „mit mir als Mitarbeiter bei TUI Österreich“. Dann übergibt der „Alte“ den Statuen folgend und nach ordnungsgemäßer und einstimmiger Wahl an die „Neue“. An Wunschkandidatin Eva Buzzi, seit 15 Jahren Geschäftsführerin der hundertprozentigen Tochter der ÖBB-Personenverkehr, Rail Tours Touristik GmbH und damit wird der ÖRV nach Annemarie Richard, wieder von einer Frau angeführt. Mit Helga Freund als Vizepräsidentin und Ulli Soukop als Schriftführerin ist das Präsidium, mit Christian Bruckmüller (On Tour) als Kassier der Hahn im Korb, nun fest in weiblicher Hand. 

Ambitioniertes „Regierungsprogramm“

Eva Buzzis Handschrift wird eine andere sein, was auch gut und richtig ist. Dennoch ist sich die neue ÖRV Präsident bewusst, in welch große Fußstapfen sie tritt, denn neun Jahre Joschi haben den ÖRV geprägt, wie es auch schon einfachere Zeiten gegeben hat, das Amt zu übernehmen. Aber auch schwierigere, sagt sie mit Verweis auf das vergangenen Jahr, wovon Peterleithner wahrlich ein langes Lied singen kann. „Jetzt aber ist endlich Licht am Ende des Tunnels und die 3Gs werden helfen, die Touristik wieder auf Schiene zu bringen,“ ist Buzzi sicher und freut sich mit ihrem Team und den Jungen im Team, Max Schlögl (GRUBER-reisen) und Johannes Schierl (sabtours), die neben viel Knowhow vor allem einen anderen Blickwinkel einbringen, „den wir alten Schlachtrösser schon ein wenig verloren haben“, auf die große gemeinsame Aufgabe.

Die da lautet:

  • Die Bedeutung der Branche nach außen noch deutlicher machen. „Wir müssen laut sein und klar machen, dass unsere Beratungsleistung wertig und nicht umsonst ist.
  • Wir müssen dem Tourismusministerium vermitteln, dass es neben den heimischen Betrieben auch eine starke heimische Reisebranche gibt.
  • Wir müssen in Brüssel gemeinsam mit europäischen Partnern laut auf eine Insolvenzabsicherung der Airlines drängen.
  • Gemeinsam mit dem ÖVT und der WKO, diese hervorragende Zusammenarbeit ist mir besonders wichtig und soll fortgeführt werden, denn gemeinsam sind wir einfach lauter.
  • Eine lange Liste, auf die Eva Buzzi auch die Frage wohin mit dem ÖRV geschrieben hat:
  • Was verlangen /benötigen die Mitglieder und bieten wir das?
  • Haben wir ausreichend Expertise im Verband?
  • Wollen/können wir zukaufen?
  • Welche Zusatzleistungen können wir zur Verfügung stellen, um das Leben einfacher zu machen?

Wenn man bedenkt, dass Eva Buzzi in ihrem Brotberuf bei den ÖBB keine Nebenbeschäftigung, sondern einen Fulltimejob ausübt und wie sie sagt, ihr nicht wirklich langweilig ist, eine durchaus ambitionierte to do Liste für die erste Amtsperiode. Aber mit Unterstützung und dem „alten“ Mastermind im Hintergrund kann man der Frau Präsidentin sehr viel zutrauen. Gewachsen ist sie der Aufgabe allemal.

Der ÖRV Herbstkongress findet von 07. – 08. 10. in den Kasematten in Wr. Neustadt statt.

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