Nationalfeiertage der Welt

Nau mai, haere mai! 

Mit dem Waitangi Day gedenkt Neuseeland am 06. Februar diesem Vertrag zwischen der englischen Krone und den Maoris.

Ein stechender Blick mit diabolisch-verdrehten Augen und eine herausgestreckte lange Zunge waren die „Waffen“, mit denen die Maoris den „pakehas“ – dem weißen Mann aus Europa – den Gusto auf ihr Land verderben wollten. Nur ließ sich der vom kriegerischen „haka“ Gehabe der Ureinwohner Neuseelands nicht wirklich beeindrucken und nahm das Land mit dem „Treaty of Waitangi“ für die britische Krone in Anspruch.

Was fällt Ihnen spontan zu Neuseeland ein? Zu einem Land, das es zumindest geologisch gesehen, eigentlich gar nicht gibt. Weil Neuseeland geografisch zu Ozeanien und damit zu all jenen Inseln gehört, die geologisch betrachtet eben keinem der sieben Kontinente zugeordnet werden können. Mittelerde halt - und jetzt wird es bei Vielen sicher klick machen. Genau, die „Herr der Ringe“ Trilogie - und die ist ein waschechter Neuseeländer, die ausschließlich auf der Nord- und Südinsel gedreht wurde und einen regelrechten Mittelerde-Tourismusboom auslöste. Vom üppig grünen Farmland rund um Matamata in der Region Waikato über Wellington bis Nelson, Takaka Hills, Canterbury, Twizel, Glenorchy am Lake Wakatipu und ins Fjordland wurde Neuseeland zur Kulisse für die alternative Welt der mystischen Mittelerde und damit zum Hauptdarsteller dieses Star-besetzten und mit 17 Oscars auszeichneten Fantasy-Epos.

Ein Gemälde von Meisterhand

Alternative Welt, ja das passt sehr gut zu diesem von Besonderheiten und Unikaten nur so übersprudelnden Land. Das Mystische und Geheimnisvolle aus der Tolkienschen Trilogie – wofür Neuseeland übrigens auch für die „Hobbit Trilogie“ und „Die Chroniken von Narnia“ die lebendige Szenerie bildete – ist diesem dunkelgrünen Land am anderen Ende der Welt einfach angeboren. Und die Maori, die indigene Bevölkerung Neuseelands - die irgendwann vor tausend Jahren aus ihrer polynesischen Heimat Hawaiki auf die Insel kamen - mit ihren dunklen Augen, langen Zungen und fantasievollen Ganzkörper-Mokos, passen perfekt in dieses großartige Gemälde von ungezähmter Wildnis, mächtigen Bergen, heißen Thermen und dunklen Fjorde, goldenen Stränden und einsamen Buchten, romantischen Städtchen und pulsierenden Metropolen. Auf das – wohl wenig überraschend – die Europäer aus der alten fernen Welt alsbald spitzten. 

Von „Staten Landt“ bis Neuseeland

Bevor jedoch das British Empire 1840 mit dem sogenannten „Treaty of Waitangi“ das Abkommen zwischen der britischen Krone und den Maoris niederschrieben und damit Neuseeland aus der Taufe hoben, sollte ein gewisser Abel Tasman rd. 200 Jahre zuvor als erster Europäer sein niederländisches Entdeckerauge auf die Westküste der Südinsel werfen. Tasman stolperte aber wohl eher zufällig über die Süd- und Nordinsel – auf die er angeblich nie einen Fuß setzte – denn eigentlich war er auf Expeditionssuche nach dem großen Südkontinent. Gehindert hat ihn das wie auch die erste unglückliche Begegnung mit den Maoris jedoch nicht, das Land „vorsorglich“ für die Vereinigten Niederlande als „Staten Landt“ zu annektieren. Niederländische Kartografen machten alsbald „Nieuw Zeeland“ daraus – womit Neuseeland auf den Landkarten fix verankert war. Das war’s dann aber auch mit der holländischen „Eroberung“, denn für Tasmans Auftraggeber, die Niederländische Ostindien-Kompanie, war Neuseeland keine goldene Kuh, die es lohnte, ordentlich zu melken. 

Tasman war übrigens nicht der einzige, der auf der Suche des auf der Südhalbkugel vermuteten großen Südkontinents war. Vielmehr hatte er mit dem Briten James Cook eine Entdecker-Koryphäe ersten Ranges als Konkurrenz, der ebenfalls auf der Suche nach dem sagenhaften Südkontinent war und dabei weite Teile Ozeaniens sowie viele Inseln und Inselgruppen im Pazifik entdeckte. Cook hat Neuseeland erfolgreich umsegelt, ausgiebigste kartographierte und zwei Expeditionen hierhin geleitet. Und nur am Rande erwähnt: James Cook und seine Crew betraten 1770 als erste Europäer Australien und kamen damit Neuseeland sehr nahe. 

Und dann kamen die pakehas …

Aus heutiger Sicht kann man durchaus sagen, dass Cooks Forschungsreise ans andere Ende der Welt einen ersten „Neuseeland-Reiseboom“ auslöste, denn die Zahl der europäischen Siedler wuchs ab da stetig. Bis 1839 – und damit ein Jahr, bevor die Briten die Inseln per „fairen“ Vertrag mit den Maoris kolonialisierten – lebten rd. 2.000 pakehas in Neuseeland. Das Zusammentreffen und vor allem Leben zweier völlig unterschiedlicher Kulturen führte zunehmend zu Problemen und Reibereien, was für die britischen Handelsinteressen gar nicht gut war. Also setzte die britische Regierung James Busby als ihren verlängerten Arm ein, um den britischen Interessen per Gesetz Genüge zu tun. Ach ja, dass die pakehas, die hauptsächlich als Wal- und Robbenfänger tätig waren, die Maori für ihre Stammeskriege auch mit europäischen Waffen und so mancher Krankheit „beglückten“, war wie in vielen Kronkolonien, ganz egal welcher Nation, Teil der „missionierenden“ europäischen Aufgabe. Ja, und auch die Franzosen wollten Neuseeland – zumindest was Handel und Besiedlung betrifft – sagen wir mal näher kennenlernen und begannen 1835 Land zu kaufen. Für die Briten ein no go, also unterzeichnete man mit 34 Maori-Häuptlingen eine Unabhängigkeitserklärung, die Neuseeland zu einem eigenständigen Staat unter britischer Herrschaft machte und festlegte, dass „ohne Einverständnis der Maori kein Anspruch auf Neuseeland gemacht werden könnte“. Damit war der Vertrag von Waitangi als Gründungsdokument Neuseelands geboren. Papier ist halt nur geduldig, denn das mit dem ungetrübten Besitz von Land, Wäldern, Fischgründen für die Maori-Stämme war dann – sagen wir mal – doch nicht so exakt formuliert, was über die Jahre zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Die letztlich erst vom 1975 von der Neuseeländischen Regierung gegründeten Waitangi Tribunal geregelt wird.  Bis dato konnten zahlreiche Forderungen der Maori Stämme in Form von finanziellen Kompensationen oder Landzusprüchen entsprochen werden wie das Land in Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen für die Stammesmitglieder weiter investiert. 

Alle feiern den „Treaty of Waitanig“

Auch wenn die Europäer Neuseeland „entdeckten“, die Briten über längere Zeit die „Chefs“ im Land waren, der Vertrag von Waitangi vielleicht doch ein bisserl einseitig war und trotz Unabhängigkeit die Verbundenheit zur britischen Krone auch heute noch besteht: Die ersten Siedler von Neuseeland waren die Maoris, das sie Aotearoa – „Land der langen weißen Wolke“ – nannten. Sie prägten mit ihren Bräuchen, ihrer Sprache, ihren Tradition und ihrer Küche über tausende Jahre das Land und sind auch heute, im hochtechnisierten Zeitalter ein integraler Bestandteil des Lebens und der Identität von Neuseeland. Dazu gehört ganz stark auch Neuseelands Nationalfeiertag - der Waitangi Day – den das ganze Land am 6. Februar im Gedenken an den Vertrag von Waitangi ausgelassen feiert. Und wäre nicht Corona, und wären die Grenzen zu Neuseeland nicht (noch) immer geschlossen, dann würden auch wieder viele Besucher am „Whakanuia“ – am fröhlichen Feiern – teilnehmen. Dabei köstliches Maori-kai aus Süßkartoffeln und Buschkräutern, das in „hangi“ – unterirdischen Öfen – geschmort wird, essen, dazu köstlichen Maori-Wein trinken und dabei viel über die Lebensweise der Maori erfahren. Sie würden die „Wakas“ – die traditionelle Maori-Bootsparade von typischen Maori-Schiffen in der Okahu-Bucht verfolgen. Um dann dem jährlichen Highlight, einer Zeremonie frühmorgens im Maori Versammlungshaus bei Waitangi in der Bay of Islands auf jenem Grundstück beizuwohnen, wo am 6. Februar 1840 der „Treaty of Waitanig“ unterzeichnet wurde. 

Übrigens auch für King Kong oder Last Samurai gab dieses wundervolle, dunkelgrüne Land die Filmkulisse. Ja, ein Urlaub wie im Film, das ist Neuseeland, wer einmal dort war, möchte immer wieder eine Fortsetzung „drehen“. Na dann: Nau mai, haere mai - Willkommen in Neuseeland!

Das gibt es nur in Neuseeland

  • Neuseeland war das erste Land der Welt, das seinen Ureinwohnern das Wahlrecht gewährte und mit dem Māori Representation Act am 10. Oktober 1867 gleichzeitig vier Sitze im Parlament zusicherte, drei für die Nordinsel und einen für die Südinsel.
  • Der Maui-Delfin ist mit einer Länge von 1,5 Metern der kleinste und gleichzeitig auch der mittlerweile seltenste Delfin der Welt. Nur noch knapp 70 Tiere leben ausschließlich in den flachen Küstengewässern der Westküste.
  • Neuseeland gilt im Falle einer globalen Krise als das sicherste Land der Welt 
  • Neuseeland besitzt keine Atomkraftwerke, ist Schlangen-frei und es gibt auch kaum Spinnen.
  • Obwhl die Schaf-Population stark rückläufig ist, stehen den fünf Millionen Einwohnern noch immer mehr als 20 Millionen Schafen gegenüber.
  • Der Blue Lake im Nelson Lakes Nationalpark verfügt über das klarste natürliche Süßwasser der Welt. 
  • Einer der höchsten und ältesten Bäume der Welt – der Kauri Baum – findet sich noch im Norden der Nordinsel, ist zwischen 1.500 und 2.500 Jahre alt, 50 Meter hoch, hat einen Stammdurchschnitt von 13,7 Metern und steht unter Naturschutz. 
  • Moko ist die Kunst der Maori Tätowierung und Teil des kulturellen Erbes und Identität des Landes. Nur Tätowierungen, die von Maori auf Maori gemacht werden, gelten als Moko.
  • Tui ist in Neuseeland kein Reiseveranstalter, sondern eine neuseeländische Biermarke, vor allem aber der musikalische Superstar unter Neuseelands Vögel. Er kann fliegen und als Papagei Geräusche, Gesänge und auch Stimmen perfekt imitieren kann.
  • Die Tuatara Echse existiert seit rd. 200 Mio. Jahren, sieht als frisch geschlüpft mit drei Augen, aber keinen Ohren ziemlich vorzeitlich aus, kann bis zu 100 Jahre alt werden und lebt auf den, Neuseeland vorgelagerten Inseln. 


Besondere Hotels

  • Manakau PurePod: Inmitten einer weitläufigen Hochebene mit grandiosem Blick auf die mächtige Seaward Kaikoura-Bergkette und den Mt. Manakau logiert man rd. zweieinhalb Stunden nördlich von Christchurch in einem gläsernen Öko-Würfel mit allem Komfort und kann sich mit dem integrierten Teleskop die Milchstraße ins Himmelbett holen. 
     
  • Woodlyn-Park: Diese Moteleinheiten – nur wenige Minuten von den Waitomo Glow Worm Caves auf der Nordinsel entfernt, wo mit den Arachnocampa luminosa eine nur auf Neuseeland lebende Glühwürmchenart „leuchtet“ - zählen zu den zehn einzigartigsten Unterkunftsbetrieben der Welt. Sie sind teils aus recycelten und natürlichen Materialen erbaut und bieten vom Übernachten in einer Hobbit-Höhle, in einem ehemaligen Marine Patrouillenboot, Kriegsflugzeug oder in einem Waggon aus der Dampfzug-Ära außergewöhnliche Urlaubserlebnisse. 
     
  • Larnach Castle & Gardens: In Neuseelands einzigem, liebevoll renovierten und international mehrfach prämierten Schloss, Larnach Castle, in Dunedin auf der Halbinsel Otago, wird der Traum von „einmal wie ein König wohnen“ mit viel Luxus wahr. 
     
  • Minaret Station Alpine Lodge: Diese familiengeführten nur vier privaten Chalets auf rd. 1.000 Meter Höhe sind eine der abgelegensten und privatesten Luxus-Lodges der Welt und nur per Hubschrauber von Queenstown erreichbar. Umgeben von Nationalparks, Bergen und dem Wanaka-See gibt es keine Straße, dafür einen fantastischen Blick auf die grandiose Fjordlanschaft Neuseelands – viel Ruhe inklusive. 
     
  • Valley View: Glamping der besonderen Art wird im Waitaki Valley in 28 m2 großen „gläsernen Kugeln“ – von der Big Ben Kuppel bis zur Te Kohurau Kuppel mit Super-Kingsize-Bett, feinen Daunendecken, Bettzeug aus Leinen und vielen weiteren Annehmlichkeiten – auch Handy-Empfang gibt es! - und mit atemberaubendem frühmorgendlichen Sonnenaufgängen zum puren Natur-Luxusgenuss.


Tourismus in Neuseeland

2019 verzeichnete Neuseeland vier Millionen Touristen und lag damit nach absoluten Zahlen weltweit auf Platz 79. Allein im Tourismus-Sektor wurden vor der Corona-Krise rd. 9,3 Mrd. Euro erwirtschaftet, was fünf Prozent des BIPs und ca. 16 Prozent aller internationalen Tourismuseinnahmen in Australien und Neuseelands entsprach. 1995 lagen die Einnahmen aus dem Tourismus mit 1,70 Mrd. Euro bei rd. 3,6 Prozent des Bruttonationalproduktes. Dies entsprach bei damals rund 1,41 Mio. Touristen also etwa 1.205 Euro pro Person. Innerhalb von 23 Jahren hat sich die Tourismus-Wirtschaftsleistung spürbar gesteigert. Im letzten Jahr der Erhebung (2018) nahmen die Umsätze mit 9,28 Mrd. Euro einen Anteil von 5,2 Prozent des Bruttonationalproduktes ein. Jeder Besucher gibt damit heute im Schnitt 2.406 Euro für seinen Urlaub in Neuseeland aus.


Quellennachweise
https://www.newzealand.com/de/
https://traveltrade.newzealand.com/
https://www.laenderdaten.info/
dpa/fvw.de

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