Nationalfeiertage der Welt

Aussie Aussie Aussie – Oi Oi Oi!

In einer neuen Serie präsentiert der traveller übers Jahr die Nationalfeiertage und Besonderheiten der beliebtesten Reiseziele – persönlich, humorvoll, lehrreich und mit ganz viel Reiselust! Diesmal: Australien, das am 26. Jänner feiert.

Auch wenn sich der Nationalfeiertag in seiner Begrifflichkeit von Land zu Land unterscheidet – die Bedeutungen reichen von der Staatsgründung, Erlangung der Unabhängigkeit, Einheit oder Neutralität über die Kapitulation bzw. Befreiung von Zwangsherrschaften bis zum „einfachen“ Befeiern der Landesflagge – ist das jährliche Erinnern an ein für den jeweiligen Staat elementares Ereignis die verbindende Klammer aller nationalen Staatsfeiertage. Das man, je nach Staatsform, entsprechend laut oder leise zelebriert.

Austr(i)aliens verwundetes Herz

Mir waren die (heutigen) Aussies immer schon sehr sympathisch, und das nicht bloß, weil sie besonders cool und lässig sind und die ewige Verwechslung des Zwergerl im Herzen Europas mit dem 90-mal größeren fernen Kontinent sehr amüsante Ausprägungen hervorgebracht hat.

Dabei ist die Fehldeutung für die meisten Australier „eine Angelegenheit höchster Peinlichkeit und wie ein Pfeil, der mitten durchs Herz des kulturellen Selbstverständnisses geht.“ So definierte es zumindest die australische Tageszeitung „The Advertiser“, denn wie man den vielfältigen tropisch bis subtropischen fünften Kontinent mit dem Minimundus-Staat am anderen Ende der Welt, ohne Koalas und Kängurus, verwechseln kann, ist den stolzen Aussies ein großes Rätsel. 

Vom Fettnäpfchen zur Partyzone

Stimmt schon, nicht alles was verkehrt geht, ist auch wirklich lustig. Wenn etwa Weltkonzerne wie Airbus aufgrund eines angeblichen Tippfehlers in der leidigen österreichischen Eurofighter-Causa das falsche Land in ihren Dokumenten führen oder Weltpolitiker, wie dereinst der amerikanische Präsident, Georg W. Bush, dem damaligen australischen Premierminister John Howard beim Besuch der österreichischen Truppen im Irak, explizit dankte. Und auch Ban Ki-moon, ehemaliger und durchaus österreichaffiner UN-Generalsekretär, trat 2014 ins Fettnäpfchen, als er bei der UNO-Konferenz in Wien nämlich der australischen Regierung für die Organisation der Veranstaltung dankte. Naja, Politiker sind halt auch nur Menschen.

Solange man aber die beiden Nationalfeiertage, nur weil beide am. 26. Tages eines Monats stattfinden - die einen feiern im Jänner die anderen im Oktober – verwechselt, ist doch alles halb so schlimm. Oder könnten Sie sich vorstellen, dass ganz Österreich am 26. Oktober von Bregenz bis Eisenstadt eine einzige BBQ-Partyzone ist? Dass das Wiener Entlastungsgerinne mit UNO City und Reichsbrücke als Kulisse, Schauplatz einer großen Hafenparade – mit Tret- und Ruderbooten anstatt mit feinen Yachten und stattlichen Hochseeschiffen – wird und in Podersdorf am Neusiedlersee ein Megafeuerwerk gezündet wird, das bis zum Bodensee leuchtet? Denn genauso groß, bunt und ausgelassen und mit sehr viel Bier feiert Australien Jahr für Jahr am 26. Jänner seinen Nationalfeiertag. 

Eigentlich kein Jubeltag

Dabei ist dieser Tag in der Geschichte des Landes ein gerade in der Retrospektive noch eher schwieriges Datum und ist eigentlich alles andere, als zur fröhlichen Unbeschwertheit prädestiniert. Landeten doch am 26. Jänner 1788 die ersten elf Schiffe der sogenannten First Fleet mit rd. 1.000 Frauen und Männern in Port Jackson. Gut drei Viertel davon waren bekanntlich Sträflinge. Diese „ersten Australier“ begründeten Sydney Cove, das heutige Sydney und legten den Grundstein für die bis weit ins 20. Jahrhundert anhaltende Diskriminierung der First People Australiens, der Aborigines und Torres-Strait-Islanders. 

Das offizielle Australien und auch der Großteil der Bevölkerung haben sich längst für dieses dunkle Kapitel in der Geschichte des Landes – und bitte, welche Nation hat keine befleckte Vergangenheit? – entschuldigt. Für den dereinst von den britischen Siedlern und späteren Kolonialherren initiierten Genozid und die gewaltsame Assimilationspolitik ebenso wie für die Tragödie um die „Gestohlenen Generationen“, für die zigtausend zwangsadoptierten Aborigineskinder, die zwischen 1920 und 1969 ihrer Herkunft und Kindheit beraubt wurden und damit zur Stolen Generation wurden. Seit 1998, jeweils am 26. Mai, sagt das ganze Land am sogenannten National Sorry Day, kollektiv sorry.  

Damit hat das junge, moderne und weltoffene Australien den Grundstein für ein neues soziales und kulturelles Miteinander in diesem wunderbaren weiten Land gelegt. Was man am 26. Jänner quer über den ganzen Kontinent – von Sydney bis Darwin und von Perth bis Brisbane – mit dem Australia Day gemeinsam feiert und das Land für einen Tag zu einer familiären BBQ-Partymeile macht.  

Besonderheiten zum Australia Day

  • Perth: Spektakuläres Feuerwerk 
  • Sydney: Große Hafenparade 
  • Australia Day-Schlachtruf: Aussie Aussie Aussie – Oi Oi Oi!
  • Australia Day Mini Lamington Cupcake: Lamington ist ein klassisches australisches Dessert, das aus einem in geschmolzene Schokolade und Kokosraspeln getauchtes Biskuitquadrat besteht und in der Australia Day Version mit einem Vanille Cupcake „kombiniert“ wird.
  • Australia Day Cockroach Races: Im Story Bridge Hotels in Brisbane finden seit 1981 anlässlich des Nationalfeiertages die Cockroach Racing World Championships statt, bei denen Kakerlaken im sportlichen Wettrennen gegeneinander antreten.

Das gibt es nur in Australien

  • In der Nullarbor Plain – Karstwüste im südlichen Australien – liegt mit 146 Kilometern ohne einzige Kurve die längste gerade Straße der Welt. Mit einer Gesamtlänge von 1.256 Kilometern befährt man hier die längste, geradeste und flachste Straße Australiens, kann auf dem weltweit längsten Golfplatz – 1.365 Kilometer lang, mit einem Loch in jeder Stadt bzw. jedem Roadhouse – eine Runde spielen oder von den längsten Meeresklippen der Welt Wale beobachten. 
  • Jedem Aussie stehen 380.000 m2 zur Verfügung, die Mehrheit der Australier (90 %) lebt jedoch maximal 50 km vom Meer entfernt und mehrheitlich in Großstädten.
  • Mit 34.000 km² ist die Anna Creek Rinderfarm in South Australia größer als Belgien und die größte „Cattle Station“ der Welt.

Besondere Hotels

  • Lord Neslon Brewery Hotel: Das älteste Hotel von Sydney, 1841 gegründet und von damaligen Sträflingen dereinst als viktorianisches Herrenhaus erbaut, befindet sich im historischen Viertel von Syndney. In der im Hotel befindlichen ältesten Pub-Bierbrauerei können die besten und international prämierten Biersorten Australiens verkostet werden.
  • Reef Suites Hotel: Urlauben unter Wasser, mit atemberaubendem Blick auf die spektakuläre Unterwasserwelt des Great Barrier Reefs im Luxus-Ökohotel vor der Küste von Queensland.
  • Q-station: Heute Boutique-Hotel der Accor Group mit fantastischem Blick über den Hafen von Sydney, war das Gebäude früher als Quarantäne-Station von Sydney die „erste“ Adresse für alle Einwanderer.
  • Wollemi Cabins: Mit Blick in den Blue Mountains Regenwald, thront man hoch über den Baumwipfeln in einem der weltbesten Baumhäuser, mit purem Luxus und kulinarischen Wohlfühl-Köstlichkeiten.

Tourismus in Zahlen

2019, im Jahr vor Corona kamen neun Millionen Touristen nach Australien, was im weltweiten Touristen-Ranking Platz 43 bedeutete. Mit rd. 40,7 Mrd. Euro (2018) erwirtschafte die Tourismusindustrie fast 10 Prozent des Gesamtexports und 3,3 Prozent des australischen BIPs. Ca. 4,5 Prozent aller Arbeitsplätze – rd. 510.000 Jobs – werden bzw. wurden vor Corona im Tourismus generiert. 

www.australia.com
www.australiaday.org.au
lovingaustralia.de/australia-day/

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