Nationalfeiertage der Welt

Talpra magyar, hí a haza!

Unsere lieben Nachbarn aus Ungarn feiern die Unabhängigkeit – von uns. Dem großen Freiheitskampf des 19. Jahrhunderts wird am 15. März gedenkt, allerdings ohne großes Prosit.

Rot, saftig, würzig. Ich sage es gleich, ganz subjektiv und doch voller Überzeugung, das allerbeste Gulasch überhaupt kocht meine Mama. Mit der Einschränkung, dass das, was in Österreich als Gulasch gilt, in der Heimat dieser Speise  Pörkölt heißt. Das gulyás in Ungarn ist für uns die Gulaschsuppe. Wie man es auch dreht und wendet und löffelt – es ist eine Köstlichkeit, die Basis für viele Varianten und ein Symbol für den Vielvölkerstaat des ehemaligen Habsburger-Reiches. In Zeiten, in denen in Europa gerade Grenzen mit Gewalt neugezogen werden und Bomben unter anderem auf Lemberg (ukrainisch Lwiw) donnern, tauchen Erinnerungen an die Geschichte auf. 

Und so ist einer der Nationalfeiertage Ungarns (Nemzeti ünnep) einer, der seinen Ursprung in der Doppelmonarchie hat. Ungarn war immer schon ein sehr stolzes Land, gleichzeitig aber lange Zeit unter Fremdherrschaft, darunter der Osmanen und eben auch der Habsburger. Im den Jahren 1848/49 brodelte es unter den Völkern Europas, Revolutionen lagen in der Luft. Der ungarische Landtag als Vorläufer des Parlaments hatte seinen Sitz in Pressburg, der heutigen Hauptstadt der Slowakei, Bratislava (ungarisch Pozsony). Dort köchelte unter den politischen Vertretern das ungarische Nationalgefühl immer weiter hoch, bis am 15. März 1848 in Pest und Buda Massendemonstrationen begannen, die die Schaffung eines demokratischen Staates in Ungarn zum Ziel hatten. Ein Affront für den Kaiser in Wien, dessen Armee im später bewaffneten Konflikt herbe Niederlagen einstecken musste. Heiraten und damit enge Beziehungen knüpfen konnten die Habsburger, das Militärische war nicht so ihres.

Erst durch die Unterstützung der Russen (!) konnten die aufständischen Ungarn besiegt werden, die Revolution scheiterte. Das ganze Land befand sich fortwährend in einer Art „passiven Widerstand“, der letztlich im Ausgleich mit Österreich 1867 mündete. Der Keim für den späteren Zerfall des Großreichs war längst gelegt. 

Bier und Kokarden

Ungarns wohl berühmtestes Gedicht bezieht sich ebenfalls auf den Ausbruch der Revolution. Die erste Strophe in Sándor Petőfis Nemzeti Dal (Nationallied) lautet: 

Auf, die Heimat ruft, Magyaren! 
Zeit ist’s, euch zum Kampf zu scharen!
Wollt ihr frei sein oder Knechte?
Wählt! Es geht um Ehr und Rechtei
Schwören wir beim Gott der Ahnen:
Nimmermehr beugen wir uns den Tyrannen!
Nimmermehr!

Obwohl der Freiheitskampf krachend scheiterte, feiern die Ungarn diesen für sie so wichtigen Moment in der Geschichte des Landes. Lange Zeit ohne Bier! Was das Eine mit dem Anderen zu tun hat, werden Sie fragen. Nun, 13 revolutionäre Generäle und Anführer wurden hingerichtet (Märtyrer von Arad, ungarisch „Aradi vértanúk), die österreichischen Generäle stießen mit Bier an. In Ungarn verbot man daraufhin für 150 Jahre bzw. bis 1999 das Anstoßen mit Bier. Noch heute empfinden es viele ältere Menschen als unhöflich, mit Bier anzustoßen. Die jüngere Generation hebt die Gläser mittlerweile ohne Schuldgefühl. Stolz tragen die Ungarn an diesem Feiertag die rot-weiß-grünen Farben, gerne in Form eine Kokarde – ein ursprünglich kreisförmiges Abzeichen, meist mit militärischer oder politischer Bedeutung – mit Bändern. Im Pester Teil am Kopf der Elisabethbrücke der Hauptstadt erinnert übrigens der 15. März-Platz (Március 15. tér) an die Revolution.

Nachdem der 15. März 2022 auf einen Dienstag fällt, wurde der Montag zum Fenstertag erklärt und damit gibt es vier arbeitsfreie Tage für die Ungarn in Folge. Zahlreiche Veranstaltungen für die ganze Familie und historisch Interessierte laden an den Tagen zum Feiern an. Staatliche Auszeichnungen wie der Széchenyi-Preis für Wissenschaft und Forschung und der Kossuth-Preis für Kunst und Kultur werden vergeben. Der 15. März selbst beginnt mit dem feierlichen Flaggenaufzug am Kossuth tér (Platz) vor dem Parlament, wo Ministerpräsident Viktor Orbán seine Festrede hält. Es folgt ein Friedensmarsch. Die üblichen Kranzniederlegungen im ganzen Land dürfen nicht fehlen.

Wie in mehreren Ländern beschränken sich die Ungarn nicht auf nur einen Nationalfeiertag. Am 20. August wird der Staatsgründung und dem Staatsgründer König István I. (Stefan I.) gedacht. Und am 23. Oktober dem ebenfalls gescheiterten Aufstand 1956 gegen die Kommunisten und den Einfluss der Sowjetunion. Das viele Leid führte aber zur liberalisierten Form des Staatssozialismus, was allgemein als Gulaschkommunismus bekannt wurde. 


Diese Plätze muss man besuchen (nur eine kleine Auswahl)

  • Die Hauptstadt Budapest (www.budapestinfo.hu/de/) hat einige der schönsten historischen Bauten Europas vorzuweisen. Entspannt lässt sich der Tag in einem der fantastische Kaffeehäuser verbringen oder feiernd ausklingen lassen bei einem Drink in einer der Ruinen-Bars. Eines der besten Musikfestivals Europas ist das Sziget Festival auf der Donauinsel (szigetfestival.com/de/).
     
  • Ungarn ist berühmt für seine Heilbäder. Dort kann man umgeben von historischer oder moderner Architektur fröhlich wellnessen. Zum Beispiel im Széchenyi-Heilbad (www.szechenyifurdo.hu/) oder das Heilbad Hévíz (www.heviz.hu/de), das einen großen Thermalsee sein Eigen nennen kann.
     
  • Der größte Binnensee Mitteleuropas, der Balaton oder Plattensee (visithungary.com/category/balaton), ist auch eine bedeutende Urlaubsregion. Hier befinden sich einladende Badeorte, Weinanbaugebiete und ein Nationalpark. Die Stadt Siófok zieht als Partypeople Menschen aus aller Welt an.
     
  • Pécs (Fünfkirchen) ist die Stadt des ungarischen Jugenstils und der schönen Künste und war 2010 Kulturhauptstadt Europas (visithungary.com/category/pecs-region). 2.000 Jahre Stadtgeschichte lassen sich in den zahlreichen Sehenswürdigkeiten wiederentdecken. 


Ungarns Tourismus in Zahlen

Der Tourismus in Ungarn feierte vor der Pandemie eine stetige Aufwärtsentwicklung. Lagen die Ankünfte von Touristen im Jahr 2009 noch bei 7,2 Mio., waren es 2019 bereits 13,5 Mio. Die Nächtigungen beliefen sich im letzten Vorkrisenjahr noch auch 33,2 Mio. Der Anteil der Nächtigungen von Gästen aus dem Ausland beträgt 47,4 %. Der Anteil des Tourismussektors am BIP beläuft sich auf mehr als 6 Prozent.

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