Nationalfeiertage der Welt

Satyameva Jayate

In einer neuen Serie präsentiert der traveller übers Jahr die Nationalfeiertage und Besonderheiten der beliebtesten Reiseziele – lehrreich, humorvoll, persönlich. Diesmal: Indien, das am 26. Jänner feiert.

Was hat Indien gemein mit Sri Lanka, St. Lucia, Mauritius, Seychellen, Kanada, USA, Malediven, Jamaika, Katar, Malta, Zypern und Kenia? Ihre Nationalfeiertage verdanken sie der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich, wobei es Kanada "nur" bis zur Autonomie geschafft hat. Für die ehemalige Weltmacht und Industrienation ist dies heutzutage wohl einer der größten Exportschlager nach den Beatles und Dyson-Staubsaugern.

Auch die Inder dachten sich nach Jahrhunderten der Fremdherrschaft "die spinnen die Briten". Ab 1756, als die British East India Company von ihren Hafenstützpunkten im heutigen Kolkata, Chennai und Mumbai weite Teile des Landes beherrschten, waren die blassen Ausländer die Anschaffer im Land. Nach dem 2. Weltkrieg, in dem über zwei Millionen indische Soldaten an der Seite ihrer Kolonialherren kämpften, war die Chance zur Unabhängigkeit gekommen. Was der bewaffnete Widerstand nicht schafft, gelang einem kleinen Mann in weiten weißen Gewändern und weniger Besitz als Fingern an seinen Händen. Mahatma Gandhi, seine Mitstreiter und Anhänger zwangen die Besatzer in die Knie. Das Spinnrad schlug das Schwert. Mit einem Wermutstropfen: Die fast den gesamten Subkontinent umfassende Kolonie wurde in zwei Staaten aufgeteilt, die Indische Union und Pakistan. Damit gelang den Briten ein weiterer Exporthit: Es wurde auf der Weltkarte einmal mehr die Saat für künftige Konflikte gepflanzt, die Jahrzehnte später noch immer gedeihlich sprießen. 

Gefeiert wird die Unabhängigkeit Indiens (Swatantrata Divas) am 15. August, der an jenen Tag im Jahre 1947 erinnert, als die Briten ihre Flaggen einzogen und der Mountbatten-Plan in Kraft trat. Benannt ist der nach dem britischen Generalgouverneur und Vizekönig von Indien, Lord Louis Francis Albert Victor Nicholas Mountbatten, und beschreibt die Maßnahmen zur Entlassung Britisch-Indiens in die Unabhängigkeit. Moment einmal, werden Sie nun sagen, Ende Jänner sind da ja noch ein paar Monate hin, was schreibt der traveller da? Nun, so groß und vielfältig wie das Land nun einmal ist, braucht es auch mehr als einen Tag, um die Nation gebührend zu feiern. 

Am 26. Jänner ist es der Tag der Republik, denn die Verfassung trat erst im Jänner 1950 in Kraft. Statt Kaiser von Indien – wie die britischen Monarchen sich rühmten – also Republik. Gefeiert wird das mit einer Militärparade auf der Zeremonialstraße in Neu-Delhi die unter anderem am Präsidentenpalast und dem an den Arc de Triomphe angelehnten India Gate vorbeiführt und am Roten Fort in Alt-Delhi endet. Der Sieg der Unbewaffneten wird also mit waffenstrotzender Machtschau begangen. Die Inder freuen sich auf einen arbeitsfreien Tag und einige von ihnen erhalten sogar Auszeichnungen. Am Vorabend des „Tages der Republik“ verleiht der indische Präsident jährlich „Padma Awards“ an Zivilisten für „außergewöhnliche und hervorragende Leistungen“, für „herausragende Dienste von hohem Rang“ und für „besondere Verdienste“. 

Und dann gibt es noch den dritten Nationalfeiertag, der Gandhi Jayanti, der an Gandhis Geburtstag am 2. Oktober gefeiert wird. Der Unabhängigkeitsführer erlebte die Ausrufung der Republik übrigens nicht mehr, er wurde von seinem ehemaligen Unterstützer und späteren nationalistischen Hindu Nathuram Godse erschossen, weil er Gandhis gewaltlosen Kampf für die Freiheit, wie er selbst sagte, nie verstanden habe. Den bewaffneten Widerstand erkannte er hingegen als „religiöse Pflicht“. Nach der gewonnenen Unabhängigkeit wurde „Satyameva Jayate“ (Wahrheit allein triumphiert), ein Teil eines Mantras aus der hinduistischen Schrift Mundaka Upanishad, das nationale Motto Indiens. Die Wahrheit ist, dass Gewalt keine Lösung ist.

Besonderheiten zu den Nationalfeiertagen

  • Es ist heuer das 75-jährige Jubiläum der Unabhängigkeit Indiens (Azadi Ka Amrit Mahotsav), die im August gefeiert wird. Der Premierminister hält auf dem Roten Fort wie üblich eine Fernsehansprache.
     
  • Sehr wichtig für das nationale Gedenken ist das Hissen der Flagge, ein Absenken der Flagge ist per Strafe verboten.
     
  • In mehreren Regionen hat zum Unabhängigkeitstag Drachenfliegen Tradition, es finden auch Wettkämpfe statt. 
     
  • Die Filmindustrie des Landes – die Bezeichnung Bollywood wird in Indien nicht gerne verwendet, weil man nicht mit Hollywood verglichen werden möchte – versorgt ihr Publikum übrigens seit Jahrzehnten passend zum Feiertag mit patriotischen Liedern. Die Songs Phir Bhi Dil Hai Hindustani (Mein Herz schlägt indisch) oder Sandese Aate Hai sind echte Hits. 

Wissenswertes über Indien

  • Der Name Indien ist vom Strom Indus abgeleitet, dessen Name wiederum auf das Sanskrit-Wort „sindhu“ mit der Bedeutung „Fluss“ zurückgeht.
     
  • Die indische Flagge besteht aus drei horizontalen Streifen, oben safranfarben, in der Mitte weiß und unten grün. Im Zentrum befindet sich ein marineblaues Chakra mit 24 Speichen als Symbol für – so eine Interpretation – Entwicklung, Gesetz und Wahrheit. Die offizielle Flagge darf nur aus Khadi, einem von Hand gesponnenen Garn, gefertigt sein.
     
  • Das hinsichtlich seiner Landesfläche siebtgrößte Land der Erde hat mit knapp 1,4 Milliarden Einwohnern die zweitmeisten nach China. Die Fertilitätsrate geht allerdings zurück und liegt nur mehr bei 2,2 Kindern pro Frau. 
     
  • Die sechstgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und mit Abstand größte Demokratie verzeichnet allerdings nur ein Bruttoindlandsprodukt pro Kopf von 1.700 Euro (Österreich: 42.200 Euro). 
     
  • Indien konnte im Vorkrisenjahr 2019 über 17,9 Million internationale Touristen begrüßen. Der Tourismussektor trägt mit einem Anteil von über 9 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Rund 43 Millionen Menschen haben Jobs im Tourismussektor. 

Das gibt es nur in Indien

  • Mit 1,6 Millionen Mitarbeitern ist die indische Eisenbahn der größte Arbeitgeber der Welt.
     
  • 11 % des weltweiten Goldvorkommens befindet sich in indischen Haushalten. Das ist mehr als die Goldreserven vom internationalen Währungsfond, Deutschland, den USA und der Schweiz zusammen.
     
  • Im Hinduismus gibt es zirka 330.000 Götter.
     
  • In Westbengalen müssen Kühe einen Ausweis mit Foto besitzen.
     
  • Die indische Fluggesellschaft GoAir stellte nur weibliche Stewardessen an, weil diese weniger wiegen und damit eine halbe Million US-Dollar pro Jahr an Treibstoffkosten eingespart werden können.

Besondere Hotels

  • Das Oberoi Udaivilas in Udaipur erstreckt sich über 50 Hektar am Ufer des Pichola-Sees. Die Architektur ist den Palästen von Rajasthan nachempfunden und wurde auf dem 200 Jahre alten Jagdrevier des Maharana von Mewar erbaut.
     
  • Ebenfalls in Udaipur, auch „die weiße Stadt” genannt, in Rajasthan, im Nordwesten Indiens, befindet sich das Taj Lake Palace. Es war im James-Bond-Streifen Octopussy der Wasserpalast der Titelheldin.
     
  • Die ehemalige Kriegsfestung Alila Fort Bishangarh ist heute ein edles Hotel. Ob Spa oder Kerkerbesichtigung – das Gebäude beeindruckt jeden, der es von außen sieht oder betritt. 
     
  • Eine beeindruckende Mischung aus Stil und erstklassiger Einrichtungen, kombiniert mit traditioneller Architektur im Kathkunia-Stil und Ästhetik verspricht The Himalayan Village.
     
  • Dieses „Hotel“ ist einen halben Kilometer lang. Der Maharadscha-Express ist ein Luxuszug, der ein Dutzend Ziele in Nordwest- und Zentralindien ansteuert und mit dem man Indiens größte Attraktionen bewundern kann.

(alle Angaben mit Vorbehalt auf Vollständigkeit)
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