Nationalfeiertage der Welt

Itadakimasu

In einer neuen Serie präsentiert der traveller übers Jahr die Nationalfeiertage und Besonderheiten der beliebtesten Reiseziele – lehrreich, humorvoll, persönlich. Diesmal: Japan.

Die Japaner sind ein strebsames Volk und nehmen sich nur wenig Urlaub. Die gesetzlichen Feiertage bieten jedoch viel Gelegenheit zur Erholung, denn ganze 16 Nationalfeiertage (in Landessprache shukujitsu genannt) wird es 2022 in Japan geben. Damit kommt man auf fast drei Wochen. Und anders als hierzulande werden die Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, am darauffolgenden Montag nachgeholt – praktisch. Zahlreiche weitere Feiertage runden das Jahr ab, diese sind zumeist aber gewöhnliche Arbeitstage.

Die Zeit vor lauter Zeitrechnungen übersehen

Heute, am 11. Februar 2022, allerdings geht es um den wohl „traditionellsten“ und am engsten mit der Geschichte der Nation verbundenen Feiertag – der Mutter aller Feiertage, quasi – dem Gedenktag der mythischen Staatsgründung. So bestieg am 11. Februar 660 v. Chr. der erste Tennō (jap. für „Kaiser“) Jimmu den japanischen Thron und soll somit das japanische Reich begründet haben. Vor Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Japan auf dieses Ereignis aufbauend auch eine andere Zeitrechnung als Europa. Insgesamt gibt es sogar vier Zählweisen in Japan – das aus China stammende gengō-System, das auf sogenannte „Ären“ basiert, die der Tennō zu bestimmten Anlässen oder Thronbesteigungen ausrief (in Japan heißt dieses System nengō); das ebenfalls aus China stammende System der Tierkreiszeichen, das sich periodisch alle sechzig Jahre wiederholt; die westliche Zeitrechnung und die davon abgeleitete kōki (wörtl. „kaiserliche Aufzeichnung“), welche die japanische Reichsgründung 660 v. Chr. als Ausgangspunkt nimmt. So fängt letztere Art der japanischen Zeitrechnung 660 v. Chr. mit kōki 1 an, heute sind wir bei kōki 2682. Die Zählweise wurde bis zur Kapitulation Japans und der anschließenden Neuordnung des Landes unter der Besatzung der Alliierten offiziell beibehalten. Heute benutzt man vorwiegend den gregorianischen Kalender, der ebenfalls bereits länger – seit 1868 mit der sog. Meiji-Restauration eingeführt – in Japan kursierte.

Somit haben wir in Japan also das Jahr 2022 – nach gregorianischem Kalender [seireki] – gleichzeitig aber auch das 2. Jahr Reiwa – nach dem nengō-System und dem amtierenden Kaiser Naruhito seit 01. Mai 2019 (dessen Geburtstag am 23. Februar ist übrigens ebenso ein Nationalfeiertag) – das Jahr des Tigers, geprägt vom Element Wasser – das laut dem System der Tierkreiszeichen besonders von Flexibilität, Rationalität und Mut geprägt ist – sowie nach der kaiserlichen Aufzeichnung kōki das Jahr 2682 – Puhh, ganz schön verwirrend.

Die "goldene" Ferienzeit

Bevor ich allerdings in die Aufteilung der Monate in Dekaden übergehe, möchte ich mich doch lieber wieder auf die Feiertage besinnen und auf den 03. Mai aufmerksam machen. Denn dann feiern die Japaner den Gedenktag der Verfassung, deren aktuelle Fassung am 03. Mai 1947 festgeschrieben wurde. Zugleich ist der Feiertag Teil der Golden Week – Japans wichtiger Feriensaison neben dem Neujahr. In der letzten April- und ersten Maiwoche fallen dann mehrere Feiertage – der Shōwa-Tag (29. April) – zu Ehren des Geburtstags des Shōwa-Tennō Hirohito –, der Gedenktag der Verfassung (03. Mai), der Tag des Grüns (04. Mai) und der Kindertag (05. Mai) – sowie häufig ein Brückentag zusammen. Somit ist diese Zeit im Frühjahr besonders beliebt für Reisen ins In- und Ausland. Reisenden nach Japan sei deshalb empfohlen: entweder die Woche meiden oder rechtzeitig im Voraus Hotels, Flüge, Züge und ähnliches buchen und reservieren.

Lasst uns essen!

Jetzt aber genug von Namen, Daten und viel zu komplexen Zeitrechnungen. Denn was Japan als Reiseziel so begehrenswert macht (für mich zumindest), sind nicht die Feiertage, sondern ni hon shoku – Japanisches Essen. Denn während die Existenz des Tennō Jimmu nach wie vor als eher mythische Person diskutiert wird, ist Japans Küche mehr als real und außerdem unwiderstehlich köstlich. Neben Sushi, Ramen und Tempura gibt es hierzulande weniger bekannte Köstlichkeiten, die einen Besuch in jedem Fall lohnen. So lockt Osaka als „Küche Japans“ mit allerlei Streetfood-Ständen, Tokio trumpft mit unscheinbaren, authentischen und besonders empfehlenswerten Restaurants und die kleineren Städte in den Präfekturen haben so einiges zu bieten. Also, wie die Japaner so schön vor dem Essen sagen: Itadakimasu („Lasst uns essen!")

Hier ein paar appetitliche Vorschläge für den nächsten Japan-Besuch:

  • Okonmiyaki – der pfannkuchenähnliche Fladen besteht meistens aus Mehl, Kohl, Ei, Wasser und Dashi und wird auf einer heißen Eisenplatte gegart. Die „Toppings“ können je nach Region variieren oder selbst zusammengestellt werden.
  • Yakitori – die leckeren Hühnchenspieße werden häufig an der Straße gegrillt und sind auch in vielen Supermarktketten zu haben. Gewürzt werden sie dezent mit Salz oder einer Soja-Saucen-Mischung.
  • Soba-Nudeln – die aus Buchweizen bestehenden Nudeln sind in den gebirgigeren Regionen Japans, wie der Präfektur Iwate, sehr beliebt – und zudem noch recht gesund. Außer man tritt die wanko soba Nudel-Challenge an, bei der mehr als 100 kleine Schüsseln der Nudeln verputzt werden.
  • Tonkatsu – „Schnitzel auf japanisch“ oder Schweinekotelett in japanischem Paniermehl herausgebraten. Für Wiener ein must-try!
  • Shabu-Shabu – Das gesellige Brühe-Fondue erinnert stark an Silvester hierzulande. Mit dem Ersatz des heißen Fetts durch Brühe ist es aber um einiges gesünder.
  • Unagi – Mutige wagen sich an Aal heran, einer der Fischspezialitäten in Japan, heran. Geschmacklich ist er aber bestimmt nicht jedermanns Sache, dafür besonders nahrhaft und gesund.
  • Tako-yaki – die kleinen Oktopusbällchen eignen sich ideal als Snack bei Festen oder in Vergnügungsparks. Vegetarische Varianten gibt es auch mit Champignons oder Tofu.
  • Wagyu Rindfleisch – das wohl wertvollste Fleisch der Welt ist eine wahre Delikatesse und in den besten Restaurants Japans erhältlich.

Das gibt es nur in Japan

  • Wellness auf Japanisch – Ein entspannendes Bad in den japanischen heißen Quellen, genannt Onsen, geht immer. Ein japanisches Sprichwort besagt, dass ein Onsen sogar in der Lage ist, alles zu heilen, nur den Liebeskummer wohl nicht. Aber egal, bei den wohligen Temperaturen bis 42 Grad, wird einem dennoch warm ums Herz. Onsen gibt es übrigens fast in ganz Japan, vom sibirischen Hokkaido bis zum subtropischen Okinawa-Archipel. Einer der wohl bekanntesten Onsen-Orte ist Beppu auf Kyushu, wo es neben den heißen Quellen noch einen Zoo, Vergnügungsparks und Einkaufszentren gibt. Doch der Ausblick in die Natur bleibt der wichtigste Bestandteil des Onsen-Erlebnisses. Hier ein kleiner Onsen-Guide.
  • Die Kirschblüte und ihre Betrachtung – Rosa in allen Schattierungen gibt es zur Kirschblütenzeit in Japan, wenn das laue Frühlingswetter die Schnee- und Regenschauer ablöst. Bereits im Jänner blühen die ersten Bäume in Okinawa, im März erreichen die Blüten die Hauptinsel, beginnend mit Kyushu. Um den Japan-Urlaub möglichst perfekt zu machen, sollte man sich vorher über die beste Reisezeit für die Kirschblüte informieren. Hier geht es zur Kischblüten-Vorhersage.
  • Bahn frei für Japan – Die pünktlichsten und sichersten Züge gibt es in Japan – und das bereits seit den 60er Jahren. Denn der bekannteste Zug Japans, der shinkansen, wurde anlässlich der Olympischen Spiele 1964 erstmals in Tokyo eingesetzt – und verbindet seitdem mit berauschenden 320 km/h (das neueste Modell heißt hayabusa) die Hauptstadt mit den wichtigsten Landesteilen. Mit dem Japan Rail Pass kommen auch Touristen in den Genuss des einmalig öffentlichen Verkehrs in Japan. Mehr Infos dazu hier.

Wissenswertes über Japan

  • Japan hat trotz der beschränkten Fläche die elftgrößte Population auf Erden – gesamt 126 Mio. Menschen.
  • In Japan leben die ältesten Menschen der Welt – nur Hong Kong übertrifft die Lebenserwartung von 84 Jahren
  • Das Land der Automaten stellt pro 24 Einwohner einen Verkaufsautomaten
  • Die teuerste Melone kommt aus Japan – Preis rund 200 Pfund (rund 240 Euro)
  • Basashi ist ein beliebtes regionales japanisches Gericht, das aus rohen Pferdefleischscheiben mit Ingwer und Zwiebeln besteht – Mahlzeit!
  • Die ersten geishas waren übrigens Männer und unter der Bezeichnung taikomochi oder houkan bekannt.
  • Gute Nachrichten für Solo-traveller – Japan gilt als die Welthauptstadt für Solo-Essen - die schrumpfende Bevölkerung und die Zunahme von Single-Haushalten haben dazu geführt, dass die Nachfrage nach einem Tisch für eine Person ganz normal ist. Hier geht es zum Restaurant-Quide.

Einzigartige Unterkünfte

  • Wie ein Lord aus dem vierzehnten Jahrhundert fühlt man sich bei einer Übernachtung in der Burg Ōzu.
  • Buddhistische Praktiken lernt man am besten bei einer Übernachtung im Waqoo Miidera Tempel kennen.
  • Im Nipponia Hotel Igaueno Jokamachi übernachtet man in einem wunderschön restaurierten historischen Herrenhaus im Zentrum einer alten Ninja-Hochburg.
  • Gelebte Tradition findet man in einem typisch japanischen ryokan. die Zimmer sind mit weichen Strohmatten, den Tatami, ausgelegt, die Einrichtung ist sparsam und geschmackvoll und die Schiebewände öffnen sich oft zu einem kleinen japanischen Garten. Die Japan Ryokan & Hotel Association ist ein Zusammenschluss von ausgewählten Ryokan und bietet über die eigene Seite einen eifnachen Buchungsservice an.

Tourismus in Zahlen

Japan verzeichnete 2019 insgesamt 32 Mio. Touristen und lag damit nach absoluten Zahlen weltweit auf Platz 21. So wurden allein im Tourismussektor rund 43,95 Mrd. Euro erwirtschaftet. Das entspricht zwar nur 0,99 % des BIP, dafür aber ca. 30 % aller internationalen Tourismuseinnahmen in Fernost-Asien. Die beliebtesten Städte Japans sind Tokio, Osaka, Kyoto, Chiba und Fukuoka. Im Schnitt gaben Touristen 2019 etwa 1.379 Euro pro Person aus.

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