Nachruf

Josef Plischke

Abschied von einem Pionier und Vordenker – Josef Plischke, eine große Persönlichkeit und ein Gestalter der Reisebranche, hat am 30. November 2020 die Bühne des Lebens für immer verlassen. Die Geschichte seines Lebenswerks und ein Nachruf von Engelbert „Bertl“ Egger.

Josef Plischke, geboren am 27. Februar 1928 in Zwittau, dem damaligen Sudentendeutschland, begann in den 1950iger Jahren im Tourismus für ein Busunternehmen im Allgäu zu arbeiten. 1956 startete er als Reiseleiter für das hintere Ötztal.

Ende der 1960er Jahre gründete Plischke gemeinsam mit seiner Frau Anke seine Incoming Agentur in Sölden und war damals für die Marken Hummel Reisen, Scharnow, Touropa und Dr. Tigges – heute TUI – verantwortlich. Mit sechs Mitarbeiter war er als VOLLAGENTUR für den Betteneinkauf, Vertragsverhandlungen mit den Hoteliers, Bettensicherung und natürlich für die Betreuung der Gäste während des Aufenthaltes zuständig.

Nun wollte Josef Plischke aber immer schon weitere Gebiete als Agentur erschließen, was jedoch seitens der genannten Partner nicht möglich war. Also wechselte er 1974 als Agentur zu Neckermann + Reisen und verlegte gleichzeitig den Standort nach Innsbruck. Die Agentur Plischke war nunmehr für ganz Österreich verantwortlich und damit war REISEN+FREIZEIT, so der neue Name des Unternehmens, die sich als geniale Marke etablieren sollte, geboren. Dahinter steckte die Idee, neben Reiseservice irgendwann auch als Ausstatter für alles, was man in der Freizeit benötigt, zu fungieren.

Alsbald wurde ein Vertrag für die Länder Deutschland, Holland und Belgien – wo Neckermann bereits tätig war – unterzeichnet und damit war die erste „General-Agentur“ in Österreich, welche für das gesamte Gebiet verantwortlich war, gegründet, weitere Regionen wie die Dolomiten, Südtirol, der Gardasee sowie die Ligurische Küste und Ungarn sollten bald folgen. In den besten Jahren war die Agentur REISEN+FREIZEIT (R+F) für mehr als 500.000 Gäste und 28.000 Hotelbetten zuständig und somit in den 1980er Jahren das größte Incoming-Reisebüro in Österreich. Alleine rund 250.000 Gäste wurden in Italien betreut.

Revolutionäre Meilensteine

1978 erfolgte die Standortverlegung nach Salzburg und Josef Plischke begann mit dem Aufbau der Reisebürokette in Österreich. R+F war das erste Reisebüro mit einem Computerreservierungssystem, das mittels Standleitung nach Frankfurt zur NUR Touristik verbunden war. Damit konnten die Buchungen bereits direkt in das gesamte Angebot von Neckermann eingebucht werden. Das war „revolutionär“ und ich erinnere mich noch, als ich 1981 bei R+F begonnen habe und die Kunden fragten, ob Sie bei der Eingabe der Daten ihrer Reise zusehen dürfen. Travi Austria oder Start waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Österreich als Veranstalter-Buchungstool vorhanden.

Die Reisebürokette entwickelte sich bestens, in relativ kurzer Zeit wurden in Österreich 14 Standorte mit 85 Mitarbeiter und weitere drei Büros in Deutschland aufgebaut. Und R+F entwickelte die ersten Spezial-Programme: Tavernen-Urlaub in Griechenland, am Peleponnes und auf Kreta, mit wöchentlichen Charterflügen ab Linz und Wien. Rund 14.000 Gäste wurden jährlich verwöhnt.

Auch das Incoming-Geschäft wies enorme Zuwächse auf, was Josef Plischke dazu veranlasste, weitere Märkte, speziell im Gruppen- und Incentivesegment zu erschließen. So wurden 1983 Büros in Paris, London, Frankfurt und Los Angeles eröffnet. Damit gab es international 25 Incoming-Büros und 20 Reisebüros in Österreich und Deutschland und R+F war Arbeitgeber für ca. 200 Mitarbeiter sowie in der Saison von rd. 150 Freelancern.

1984 erfolgte dann der Verkauf des Reiseveranstalters Neckermann Österreich an REISEN+FREIZEIT, welcher 1988 an Kuoni weiterverkauft wurde. Ein Jahr später, 1985, wurde die Agentur Plischke zum GSA von Delta Airlines, damals die zweitgrößte amerikanische Fluggesellschaft und in Österreich ein Offline Carrier, der in Europa gerade mal Frankfurt und München bediente. 1989 hat Josef Plischke, der immer schon einem „weltweiten Denken“ folgte, mit R+F goes Worldwide und der damalige Thomas Cook PLC, die wiederum im Besitz der Midland Bank war, eine Generalagentur für Österreich unterzeichnet. Gleichzeitig wurde „JP“ zum CEO of the European Advisory Board ernannt und zeichnet zudem für den Aufbau einer Europäischen Incoming Agentur verantwortlich.

In Salzburg etablierte sich sein erstes First-Class-Reisebüro, ein Rund-um-Service für besondere Kunden bis hin zu Hochzeitsreisen, zur ersten Adresse und Ende der 1980er Jahre wurde die R+F Gruppe berechtigt, das Salzburger Landeswappen zu führen. Damit aber nicht genug, JP startete quasi als Abschluss seiner Karriere noch ein neues Projekt mit großzügigen Reisecenters in den großen österreichischen Städten, um wie ursprünglich geplant, auch den zweiten Teil der Marke, FREIZEIT, zu forcieren.

Während des ersten Golf-Krieges kamen dann wirtschaftliche Schwierigkeiten, sodass Plischke 1992 seine Anteile an die Dr. Degener GmbH – die heutige TUI – verkaufte.

Josef Plischke blieb der Touristik auch danach beratend im China Reise-Geschäft aktiv erhalten. Bereits Anfang der 2000er Jahre plädierte er für den Aufbau eines Incomings für künftige Reisende aus China.

Die Touristik war sein berufliches Leben, dennoch waren trotz der vielen Aufgaben und Visionen und deren Umsetzungen die Familie und hier vor allem die Ausbildung seiner Söhne für ihn das Allerwichtigste. Auch im Unternehmen war er trotz oder gerade wegen seiner Konsequenz für viele eine Vaterfigur, ein Boss aber auch ein Mensch, mit dem man gerne ein oder zwei Bier getrunken hat. Josef Plischke war ein Vollblut-Touristiker, der „seinen“ Weg gegangen ist.

Jetzt tritt Josef Plischke seine letzte REISE(N) an, um die FREIZEIT auf der anderen Seite des Lebens zu „genießen“. Reise in Ruhe und schlafe in Frieden.

Viele Mitarbeiter trauern um ihren „Papa Pli“, wie er liebevoll genannt wurde und teilten mir mit, dass sie bei R+F die wohl schönste berufliche Zeit erlebt haben.

Josef Plischke hinterlässt seine Frau Anke, die beiden Söhne, Stefan und Markus und drei Enkelkinder. Ihnen gilt unsere aufrichtige Anteilnahme.

Persönliche Worte von Bertl Egger

Josef Plischke war ein Mensch, den Umsichtigkeit in jeder Hinsicht und positives Denken über alles auszeichnete. Selbst in den Krisen, die wir bereits mitgemacht haben, galt sein Wort. Wir können das, wir kommen da raus, war seine erklärte Devise, und das würde er mit Sicherheit auch jetzt, in der Coronakrise so sehen. Vieles, was die Entwicklung des Tourismus (vor Corona) betrifft, vor allem die Entwicklung bei den Leistungsträgern, die das Wort „Loyalität“ nicht mehr kannten, die sich immer mehr vom Vertrieb abgewandt haben und nur mehr auf billig und auf Masse abzielten, hat er gar nicht mehr für gut befunden.

 „Bleiben Sie ehrlich, wie Sie sind, strebsam, wie Sie es zeigen, Sie sind ein hervorragender Touristiker, der noch große Aufgaben vor sich hat,“ So lauteten seine Worte, als ich 1992 das Unternehmen R+F verließ. Sein Führungsstil hat mich begeistert, er war stets motivierend und sein Verhandlungsgeschick war wohl einzigartig. Ich konnte sehr viel mitnehmen und vom Menschen Josef Plischke lernen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Bestattung findet im engsten Kreis der Familie in St. Johann in Tirol statt. Am 12.12. wird es einen Gedenk-Gottesdienst in Salzburg geben, der aufgrund der Kleinheit der Kirche und den Corona-Beschränkungen ebenfalls nur im kleinsten Kreis stattfindet.

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