Motel One

Hotelgruppe leidet unter Corona-Krise

Corona macht auch der Münchener Hotelgruppe Motel One schwer zu schaffen, die in Österreich mit aktuell sieben Häusern vertreten ist. Die Auslastung der derzeit insgesamt 77 Hotels mit 21.847 Zimmern hat sich heuer im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahresperiode von 31 auf 12 % mehr als halbiert. Der Umsatz sackte von 119,7 auf 42,5 Mio. Euro um fast zwei Drittel ab. Der Nettoverlust wurde aber von 51,3 auf 31,9 Mio. Euro eingedämmt, wie das Unternehmen bekanntgab.

Vor Zinsen Steuern und Abschreibungen vervielfachte sich der Verlust (EBITDA) der Budget-Design-Hotelgruppe mit Hauptsitz in München gegenüber dem ersten von der Pandemie nur zur Hälfte geprägten Halbjahr 2020 von 14,1 auf 60,9 Mio. Euro. Doch für das zweite Halbjahr 2021 rechnet Motel One mit etwas besseren Geschäften. Die Auslastung soll sich weiter verbessern, erwartet das Management. Immerhin waren die Hotels im zweiten Quartal 2021 mit durchschnittlich 16 % bereits etwas stärker gebucht als im Quartal davor.

Die Auswirkungen der Pandemie zu managen und dabei den Blick in die Zukunft zu richten, bleibe aber "weiterhin herausfordernd", so das Unternehmen. Der Juni habe sich mit einer Auslastung von rund 25 % seit Restart als ein "erster Lichtblick" präsentiert, der sich auch im Juli mit zu erwartenden 35 % weiter fortsetzen dürfte. Zudem sendeten erste Messen, wie die IAA und die EXPO REAL in München positive Signale. Die europaweit anziehenden Corona-Inzidenzen seien jedoch "ein Dämpfer". Motel One hofft, dass eine vierte Welle aufgrund der hohen Impfquoten und niedrigerer Hospitalisierungsrate milder ausfällt und nicht zu einem wiederholten Lockdown für die Branche führt. Das Unternehmen bleibe "positiv gestimmt", sei aber "auf alle Szenarien vorbereitet".

Zwar habe sich die Nachfrage ab Mitte Juni nach dem monatelangen Lockdown erholt, allerdings fehle der Stadthotellerie nach wie vor die elementare Basis des Messe-, Kongress- und weiteren Eventgeschäfts. Auch eine größere Nachfrage bei international Reisenden sei bisher noch ausgeblieben. Attraktiv und somit kleine Lichtblicke für den Inlandstourismus in Deutschland und Österreich sind den Unternehmensangaben zufolge Städte wie Salzburg, Lübeck, Rostock oder Freiburg.

Nimmt man das Vor-Corona-Halbjahresergebnis von 2019 mit einem Nettogewinn von 37 Mio. Euro als Grundlage, so habe die Pandemie - selbst nach Abzug der Covid-Hilfen - bei der Hotelgruppe alleine für die beiden ersten Halbjahre 2020 und 2021 zu Ertragseinbußen von 157 Mio. Euro geführte, strich das Unternehmen in einer Aussendung vom Dienstag hervor.

Dennoch bleibt Motel One auf Expansionskurs. Im Jahresabstand kamen mitten in der Pandemie drei neue Häuser hinzu - zwei in Deutschland (Köln und Hamburg) sowie eines in Linz. Das Hotel in der oberösterreichischen Landeshauptstadt wurde vergangenen November gleich zu Beginn des Lockdowns eröffnet, die beiden deutschen Hotels heuer im zweiten Quartal. 2022 sollen hierzulande zwei weitere Häuser hinzukommen - eines in Graz und eines in Innsbruck.

Das Unternehmen blickt jedenfalls laut Eigenangaben "positiv gestimmt in die zweite Jahreshälfte" 2021. Im dritten Quartal werde je ein Hotel in Nürnberg, Stuttgart und Aachen in Betrieb genommen. Zudem habe Motel One jüngst einen Mietvertrag für ein Hotel in New York, Downtown Manhattan, unterschreiben und damit den Markteintritt in die USA sichern können. Nach einem umfangreichen ReDesign soll das Haus mit 326 Zimmern spätestens im Februar 2022 seine Türen öffnen.

"Durch das positive Working Capital und die starke Reduzierung des 'ReDesign Capex' konnte der operative Cash-Abfluss auf 53 Mio. Euro begrenzt werden", teilte Motel One mit. Um für weitere Unwägbarkeiten der Krise gerüstet zu sein, seien Darlehen in Höhe von 170 Mio. Euro abgerufen worden, davon das im Vorjahr bereits vertraglich fixierte KfW-Darlehen von der deutschen staatlichen Förderbank KfW von 162 Mio. Euro. Nach Investitionen in neue Hotelprojekte von 13 Mio. Euro in Immobilien und 11 Mio. Euro in FF&E (Furniture, Fixtures and Equipment, also Möbel, Einrichtungsgegenstände und Ausrüstung) wuchs der Cash-Bestand heuer im ersten Halbjahr den Angaben zufolge um 149 (Vorjahr: 21) Mio. Euro. Mit einem Cash-Bestand von 312 (Vorjahr: 204) Mio. Euro fühlt sich Motel One "sicher aufgestellt".

Das Eigenkapital sei im Jahresabstand coronabedingt von 487 auf 431 Mio. Euro gesunken. Die Eigenkapitalquote verringerte sich von 71 auf 61 % und verbleibe damit "auf einem soliden Niveau". Das Unternehmen bedauert, dass die in Deutschland seit Juni 2021 bestehende Überbrückungshilfe III zur Förderung besonders stark betroffener Unternehmen durch den Bund auf maximal 40 bzw. 52 Mio. Euro begrenzt werde und damit den größeren Unternehmen dieser Branche nicht gerecht werde. Die entsprechende EU-Verordnung sehe diese Begrenzung nicht vor und der Branchenverband des deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes Dehoga sei diesbezüglich in Gesprächen mit den deutschen Ministerien.

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