Marketagent

Shoppen am Sonntag?

Der zweite Lockdown ist ein weiterer harter Einschnitt in die heimische Wirtschaft. Besonders die Gastronomie und der Handel haben dahingehend gerade in der Vorweihnachtszeit mit massiven wirtschaftlichen Einbußen zu rechnen. Die daraus resultierende Diskussion um eine mögliche Öffnung von Geschäften an den beiden Adventsonntagen nach dem Lockdown heizt aktuell die Gemüter an. Einer repräsentativen Umfrage des Online Research Instituts Marketagent zufolge, überwiegen trotz mancher Vorteile in erster Linie Sorge und Skepsis hinsichtlich dieser erweiterten Öffnungszeiten. Auch die Inanspruchnahme der zusätzlichen Einkaufsgelegenheiten würde sich – aus heutiger Sicht – in Grenzen halten.

Wenn der Weg der Konsumenten Lockdown-bedingt nicht zum lokalen Händler sondern digital in den Online-Shop führt, ist für die heimischen Geschäfte Feuer am Dach.

"Den Sonntagsöffnungszeiten als gewisse Form der Kompensation entgangener Umsätze begegnen die Österreicher jedoch tendenziell mit Abneigung: Nur gut jeder Dritte befürwortet die Ausnahmeregelung an den zwei Adventsonntagen nach dem Lockdown. Die übrigen knapp zwei Drittel können dem Vorschlag indes wenig abgewinnen", gibt Marketagent-Geschäftsführer Thomas Schwabl einen ersten Einblick in die Umfrageergebnisse.

(K)Ein Plus für den Handel?

Gut 3 von 10 Befragten gehen noch einen Schritt weiter und lassen kein gutes Haar an der Idee der Sonntagsöffnungszeiten. „Vorteile? Gibt’s nicht“, lautet ihr schlichtes Urteil. Die übrigen sehen jedoch durchaus positive Aspekte.

An erster Stelle steht für 37 % der Österreicher ein höherer Umsatz für den Handel, der durch die zusätzlichen Einkaufstage erzielt werden könnte. Jeder Dritte erkennt darin die Möglichkeit, die Umsatzeinbußen aufgrund des Lockdowns zumindest etwas zu kompensieren. Praktisch denken zudem je gut 3 von 10: Die Sonntagsöffnung würde nicht nur flexiblere Einkäufe ermöglichen, sondern auch den Kundenstrom umverteilen, was eine Entlastung des Handels an den Samstagen bewirken könnte. Jeweils gut 27 % haben darüber hinaus Vorteile für die heimische Wirtschaft im Sinn: Die zusätzlichen Einkaufsmöglichkeiten könnten diesbezüglich positive Effekte mit sich bringen und die Verluste an den ausländischen Online-Handel reduzieren.

Dass die Skepsis gegenüber der potenziellen Sonntagsöffnungszeiten die Meinung der Bevölkerung prägt, zeigt jedoch ein Blick auf die Bewertung der möglichen Nachteile.

Die Befragten sorgen sich dabei besonders um die Handelsangestellten: Je knapp 6 von 10 befürchten einen negativen Einfluss auf deren Familienleben sowie eine allgemein stärkere Belastung.

"Zudem ist den Österreicherinnen und Österreichern ihr Sonntag als wöchentlicher „Ruhetag für alle“ heilig. Dass dieser verloren gehen könnte, ist für 58 % nicht vorstellbar. In Folge stellt die Aussicht auf eine zeitlich begrenzte Sonntagsöffnung im Advent für die Hälfte auch eine ernstzunehmende Gefahr dar, dass sich daraus reguläre Sonntagsöffnungszeiten entwickeln könnten", erklärt Lisa Patek, Marketingleiterin von Marketagent.

Kritik üben 4 von 10 außerdem an dieser Regelung als weiteren Schritt in Richtung „Konsumgesellschaft“. Nur 6 Prozent können gar keinen Nachteil an einer möglichen Öffnung des Handels an den beiden Sonntagen nach dem Lockdown ausmachen.

Österreichs Shoppingverhalten bei einer potenziellen Sonntagsöffnung

Um den Mehrwert der Sonntagsöffnungszeiten zu ermitteln, ist zuletzt ein Blick auf die Nutzung dieses Angebots durch die heimischen Konsumenten unentbehrlich. Aus heutiger Sicht würde nur knapp jeder vierte Befragte die Möglichkeit der zusätzlichen Einkaufstage in Anspruch nehmen. Mehr als drei Viertel geben hingegen an, an den beiden Adventsonntagen kein Geschäft aufsuchen zu wollen.

"Ob die Österreicher einen Shoppingtrip unternehmen würden, ist dabei vor allem auch eine Frage des Alters: Je jünger die Befragten, desto größer der Anteil an Personen, die die Einkaufsmöglichkeit am Sonntag nutzen würden", ergänzt Schwabl.

Am interessantesten wären die zusätzlichen Öffnungszeiten übrigens mit Abstand im Lebensmittelhandel (68 %), außerdem in Drogerien und Parfümerien (43 %), für mehr als 4 von 10 im Schuhhandel und für jeweils gut ein Drittel im Baumarkt bzw. Gartencenter sowie im Elektro(nik)-Fachhandel. Als Anreiz, wieder verstärkt im stationären anstatt im Online-Handel zu shoppen, wird die mögliche Regelung jedoch nur von gut 3 von 10 empfunden. 59 % sehen hier keine zusätzliche Motivation, lokal einzukaufen.

Ob die Sonntagsöffnungszeiten an den beiden Adventsonntagen nach dem Lockdown tatsächlich Realität werden, steht noch in den Sternen und ist für die heimische Bevölkerung derzeit schwer abschätzbar. 44 % äußern die Vermutung, dass es dazu kommen wird, die übrigen Befragten bezweifeln dies hingegen.

Um fairere Verhältnisse für den aktuell geschlossenen Handel zu schaffen, wäre jedoch eine andere Maßnahme für etwas mehr als jeden zweiten Österreicher während des Lockdowns vorstellbar: Während Elektrohandel, Baumarkt und Co. geschlossen sind, verkauft so manches Lebensmittelgeschäft auch Non-Food-Artikel – ein Nachteil für die spezialisierten Fachläden. Die Hälfte der Befragten plädiert hier für einen Verzicht auf den Verkauf derartiger Waren durch den Lebensmittelhandel, die andere Hälfte sieht dazu jedoch keinen Anlass.

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