Lufthansa

Wegen Preiskampfs Gewinnziel für 2019 gesenkt

Der AUA-Mutterkonzern Lufthansa bekommt den Preiskampf in Europa immer stärker zu spüren, eine der am heißesten umkämpften Fronten ist der Flughafen Wien. Seit der Pleite von Niki 2017 versuchen gleich mehrere Billigfluglinien, den Heimatflughafen der Austrian Airlines zu erobern. Aber: "Spaß hat derzeit keiner hier in Wien", sagte AUA-Sprecher Peter Thier am Montag zur APA.

Die Lufthansa sprach in ihrer Mitteilung am Sonntagabend, mit der sie den Aktienkurs auf Talfahrt schickte, explizit von Österreich. Die Erträge im Europaverkehr, insbesondere in den Heimmärkten Deutschland und Österreich, seien durch anhaltende Überkapazitäten auf den Kurzstrecken unter Druck. Aggressiv in den Markt drängende Wettbewerber seien zudem bereit, erhebliche Verluste hinzunehmen, um ihre Marktanteile auszubauen.

"Wien ist ein schwieriger Markt und bleibt auch schwierig aufgrund des starken Wettbewerbs der Billigflieger", erklärte dazu der AUA-Sprecher. "Der Flughafen Wien ist um 25 % gewachsen, auch wir wachsen aufgrund der guten Nachfrage, aber diese 25 Prozent sind sicherlich nicht nachhaltig und spiegeln eher den starken Andrang der Billigflieger wider. Auf das Ergebnis, und dabei bleiben wir, wird es sich negativ auswirken."

Die AUA hat schon im ersten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben. Der operative Verlust betrug 99 Mio. Euro, das ist ein um 26 Mio. Euro höherer Verlust als im Winterquartal 2018. In den vergangenen fünf Jahren gab es für die AUA keinen schlechteren Jahresauftakt. Den Gewinn des Vorjahres von 83 Mio. Euro wird die AUA heuer nicht mehr erreichen. Das Ziel für heuer lautet, in den schwarzen Zahlen zu bleiben.

Auch an den Billigfliegern Lauda, Level, Vueling, EasyJet und Wizz Air geht der Preiskampf nicht spurlos vorüber. Die Laudamotion-Mutter Ryanair berichtete im Geschäftsjahr 2018/19, das bis März lief, einen Gewinnrückgang von 39 % auf 885 Mio. Euro. Allein für Lauda fielen Anlaufverluste von 139,5 Mio. Euro an. Der Chef der ungarischen Billigairline Wizz Air, Jozsef Varadi, nannte die Entwicklung in Wien kürzlich ein "Blutbad", meinte aber, trotz der Konkurrenz bereits ein Jahr nach dem Start profitabel zu sein.

Momentan steckt keiner der Konkurrenten zurück. Die Lufthansa-Führung geht davon aus, dass der europäische Markt mindestens bis Ende 2019 so herausfordernd bleibt. Lufthansa Group werde ihre führende Position in den Heimatmärkten im harten Wettbewerb verteidigen, hieß es in der Aussendung des Konzern. Die AUA versucht derzeit mit Kampfpreisen die Konkurrenz aus Wien zu vertreiben - vorerst ohne Erfolg.

"Rückzugstendenzen sehen wir noch keine, eher das Gegenteil, aber was man auch sieht, ist, dass angekündigtes Wachstum von manchen Fluglinien verschoben wird von Wien in andere Hubs", erklärte AUA-Sprecher Thier.

Dem AUA-Personal steht wegen des Drucks auf die Profitabilität auch ein neues Sparprogramm ins Haus.

"Wir wollen 30 Millionen Euro pro Jahr nachhaltig einsparen; durch Personal- und Sachkostenmaßnahmen", sagte Vorstandschef Alexis von Hoensbroech vor gut einer Woche im "Kurier". Details lies er offen: "Erst im Herbst werden wir mehr wissen. Wie viele und welche Mitarbeiter, inwieweit wir mit der Fluktuation auskommen und ob es einen Abbau geben wird."

Die Lufthansa hatte Sonntagabend mitgeteilt, wegen des harten Preiskampfes in Europa ihr Gewinnziel für heuer nicht mehr halten zu können. Die Kranich-Linie erwartet für 2019 nur noch einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 2,0 und 2,4 Milliarden Euro, bisher waren 2,4 bis 3,0 Milliarden Euro erwartet.

Die Mitteilung ließ die Lufthansa-Aktie am Montagvormittag an der Frankfurter Börse abstürzen: Die Papiere verloren fast elf Prozent und steuerten auf den größten Tagesverlust seit fünf Jahren zu. Der Ausverkauf erfasste den gesamten Luftfahrt-Sektor. Aktien von Air France und der British-Airways-Mutter IAG verloren jeweils bis zu vier Prozent. Ryanair, EasyJet und Wizz büßten bis zu fünf Prozent ein.

Noch im Mai hatte die Lufthansa ihre Gewinnprognose trotz des schwierigen Umfelds bekräftigt. Nun hieß es, die bereinigte Ebit-Marge werde in diesem Jahr wohl eher bei 5,5 bis 6,5 (vorher: 6,5 bis 8,0) % liegen. Für Eurowings erwartet der Konzern sogar eine negative bereinigte Ebit-Marge zwischen minus 4 und minus 6 Prozent. Dort würden die Kosten langsamer als erwartet sinken. Das Management habe für Eurowings nun "weitere Turnaround-Maßnahmen" beschlossen, die in Kürze vorgestellt werden sollen.

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