Lufthansa

Reisesommer nicht verloren

Inmitten der nur langsam abebbenden Corona-Infektionswelle in Europa setzt die Lufthansa auf eine starke Erholung bei Flugreisen in Sommer.

Fortschritte beim Impfen und Aussichten auf ein Ende der Quarantänepflicht gäben Anlass zu Optimismus, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag. Dass sich die EU um eine schnelle Einführung des europäischen Impfzertifikats für freies Reisen bemüht, zeigt nach Spohrs Auffassung den Willen zur Lockerung der Reiserestriktionen.

Das gilt auch für eine Öffnung für Einreisen geimpfter US-Bürger, die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Wochenende angekündigt hat. "Das wird eher eine Frage von zwei, drei Wochen und nicht von Monaten sein", sagte Spohr. Der "Pessimismus der deutschen Regierung" werde die Öffnung zu den USA nicht bremsen.

Nach einem erneuten Milliardenverlust im ersten Quartal dieses Jahres hat Europas umsatzstärkster Luftverkehrskonzern seine Erwartungen für eine Erholung des Luftverkehrs weiter nach hinten verschoben. Der bereits angekündigte Personalabbau scheint unausweichlich zu bleiben.

"Je länger die Krise dauert, desto größer wird die Sehnsucht der Menschen, wieder zu reisen", sagte der Lufthansa-Chef. Deshalb werde die Nachfrage im zweiten Halbjahr stark wachsen. Die steigenden Corona-Infektionszahlen im Frühjahr machten allerdings die Hoffnungen der Branche auf ein Anspringen des in der Pandemie erlahmten Passagierluftverkehrs zunichte. Deshalb reduzierte auch die Lufthansa ihre Angebotsprognose für das Gesamtjahr von bis zu 50 auf 40 % des Vorkrisenniveaus.

Derzeit hält die Lufthansa nur ein Fünftel der Kapazität im Vergleich zu 2019 bereit, die sie allenfalls zur Hälfte mit Passagieren füllen kann. In Deutschland gilt für Reiserückkehrer aus Risikogebieten mit einer Inzidenz über 50 derzeit eine Quarantänepflicht von bis zu zehn Tagen. Doch die Diskussion über Rechte für Geimpfte erhöht den Druck auf die Politik, das zu ändern. Bei dem für Juni angekündigten EU-Impfpass sind noch viele rechtliche und technische Fragen offen.

Die Coronakrise färbte die Bilanz der deutschen AUA-Konzernmutter im ersten Quartal 2021 erneut tiefrot. Von Jänner bis März schrieb der Konzern unter dem Strich einen Verlust von einer Milliarde Euro, der Umsatz brach um 60 % auf 2,56 Milliarden Euro ein. Dank Kostensenkungen war der Fehlbetrag aber nur halb so hoch wie im Vorjahresquartal, als die Pandemie weltweit ab März den Passagierluftverkehr fast zum Erliegen gebracht hatte. Die AUA hat das erste Quartal 2021 mit neuerlich mehr als 100 Mio. Euro Verlust hinter sich gebracht.

Einen Ausblick gab die Lufthansa auch auf die kommenden Jahre: Für 2024 prognostiziert sie eine Angebotskapazität von 90 bis 95 %, wobei sich die Nachfrage nach Ferienflügen stärker erholt als die nach Geschäftsreisen. Im kommenden Jahr sollen es 70 % sein.

Die Airline-Gruppe, zu der neben der Hauptmarke Lufthansa auch AUA (Austrian Airlines) Swiss, und Brussels Airlines sowie der Ferienflieger Eurowings gehören, wurde so schwer vom Coronaschock getroffen, dass sie mit einem milliardenschweren Finanzpaket gerettet werden musste. Die Verschuldung lag zuletzt bei 10,9 Milliarden Euro, die verfügbaren Mittel waren fast genauso hoch. Von den neun Milliarden Euro Staatshilfe sind 5,4 Milliarden Euro noch nicht abgerufen. Während alle Airline-Töchter Verluste einflogen, erzielte das Frachtgeschäft erneut einen Rekordgewinn, da die Frachtpreise bei knappem Angebot hoch sind. Lufthansa Cargo verdiente operativ 314 Millionen Euro. Auch die Wartungssparte Lufthansa Technik schrieb schwarze Zahlen mit 60 Millionen Euro Betriebsgewinn.

Analysten äußerten sich zuletzt skeptisch. Die Ratingagentur Moody's erklärte, die Sommerreisesaison werde in Europa erst ab Mitte August Fahrt aufnehmen. Dafür müsse sich das Impftempo aber deutlich beschleunigen. "Das Risiko wächst, dass die lang erwartete Erholung sich auf 2022 verschiebt", erklärte Bernstein Research. In diesem Jahr werde noch keine Fluggesellschaft wieder schwarze Zahlen schreiben.

Noch im laufenden Jahr könnte sich die Lufthansa mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung frisches Geld besorgen. Wenn die Aktionäre dem Plan bei der Hauptversammlung im Mai zustimmen, "müssen wir uns überlegen, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist", sagte Finanzchef Remco Steenbergen. "Es kann dieses Jahr, aber auch nächstes Jahr sein. Er ließ offen, wie viel Geld der Konzern dann tatsächlich mit der Ausgabe neuer Aktien hereinholen will. Es werde aber weniger sein als der Rahmen von 5,5 Milliarden Euro, der bei dem Aktionärstreffen zur Abstimmung steht.

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