Lufthansa

Bald ohne Staatshilfe

Das milliardenschwere Rettungspaket des deutschen Staates für die AUA-Mutter Lufthansa in der Coronakrise könnte schneller als gedacht Geschichte sein.

"Wir waren eines der ersten Unternehmen, was von der Bundesregierung gerettet wurde. Wir wollen auch eines der ersten Unternehmen sein, das die Rettungsmittel zurückzahlt - hoffentlich noch vor der Bundestagswahl", sagte Vorstandschef Carsten Spohr am Freitag bei der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Berlin.

Die deutsche Regierung, die neben Krediten und stiller Beteiligung mit der Rettungsaktion zum größten Lufthansa-Aktionär wurde, wolle "möglichst bald" einen Rückzug des Staates, erklärte der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Die Airline müsse durch die Hilfe schnellstens wieder auf die Erfolgsspur zurück. "Und der Staat muss da raus", betonte der Minister.

Die Lufthansa war durch den Einbruch der Passagierflüge in der Coronakrise in Existenznot geraten und musste mit einem Finanzrahmen von neun Mrd. Euro von Deutschland und den Sitzländern ihrer Tochter-Airlines - etwa Österreich - gestützt werden. Auf Deutschland entfielen insgesamt 6,8 Milliarden Euro des staatlichen Rettungspakets für die Lufthansa. Als das Paket vor rund einem Jahr geschnürt wurde, galt eine Rückzahlung bis 2023 als wahrscheinliches Szenario. Doch die Lufthansa musste seither nicht alle verfügbaren Mittel in Anspruch nehmen und konnte den KfW-Kredit über eine Milliarde schon zurückzahlen, sodass der Konzern dem Staat derzeit rund eine Milliarde Euro schuldet. Hinzu kommt das 20-prozentige Aktienpaket, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) für rund 300 Millionen Euro kaufte. Bei der Schweiz, Österreich und Belgien hat die Lufthansa noch 1,2 Mrd. Euro Schulden.

Der MDax-Konzern läutete in dieser Woche die Vorbereitungen zu einer Kapitalerhöhung ein, mit der die Hilfe beglichen werden könnte. Diese soll Insidern zufolge ein Volumen von rund drei Milliarden Euro haben. Sobald die stille Einlage des Staates getilgt ist, Spohr zufolge womöglich noch vor der Wahl am 26. September, kann der WSF das Aktienpaket verkaufen. Dann wäre die Airline auch die Auflagen der EU los, die sie im Gegenzug für staatliche Hilfe einhalten muss: das Verbot, Dividende an Aktionäre zu zahlen, oder Zinsen an Anleihebesitzer oder Bonuszahlungen an Führungskräfte. Scheuer ergänzte, die Erholung des Fluggeschäfts in den kommenden Monaten müsse abgewartet werden, um zu sehen, wie schnell das möglich wäre. "Die Lufthansa darf nicht auf alle Ewigkeit staatlich beeinflusst sein", sagte er.

Im vergangenen Jahr lag der Passagierluftverkehr weltweit und auch bei der Lufthansa monatelang fast völlig am Boden. Mit den sinkenden Covid-Infektionsraten und -Impfquoten erholt sich das Geschäft seit einigen Wochen kräftig, da Reisebeschränkungen in Europa zurückgenommen werden können. Die Lufthansa kann derzeit 30 Prozent der Passagiere im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 befördern. Für August werden 55 Prozent erwartet, sodass der Jahresschnitt bei 40 Prozent liegen würde. Die Aussichten für die Luftfahrt werden an der Börse wieder besser eingeschätzt, sodass Airlines wieder Geld von privaten Investoren einsammeln können.

Der wichtigste nächste Schritt für eine Erholung der Lufthansa wäre die vollständige Öffnung der Transatlantikrouten, die vor der Pandemie am meisten Gewinn abwarfen. Deutschland und alle anderen EU-Länder lassen gegen Covid geimpfte Reisende aus den USA demnächst wieder einreisen. Umgekehrt können die Europäer aber noch nicht wieder in die Vereinigten Staaten reisen. Die US-Regierung will in einer Arbeitsgruppe mit der EU einen Plan entwickeln. Die Luftfahrt hofft, dass es Anfang Juli zu einer Entscheidung kommt. "Uns fehlen natürlich die Geschäftsreisenden und uns fehlt insbesondere die Öffnung mit den USA", sagte Spohr. Die Bundesregierung will sich dafür einsetzen, wie Scheuer erklärte. "Wir brauchen auch die andere Richtung, dass auch die Flüge nach den USA wieder möglich werden." Das sollte in den nächsten Wochen erreicht werden.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte bei der Konferenz mit Blick auf die Ausbreitung der Virusvariante Delta in Großbritannien zur Vorsicht beim Reisen. "Ich bitte um Verständnis, wenn wir an manchen Stellen ein bisschen vorsichtig sind", sagte Merkel. "Wir wollen nicht rein und raus aus den Kartoffeln" mit den Reisebeschränkungen, ergänzte sie.

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