Linz

Imagefilm beschert Aufmerksamkeit und Diskussionen

Eine selbstironische Imagekampagne des Linz Tourismus sorgt international für große Aufmerksamkeit. Das Video "LinzistLinz" polarisiert mit Sagern wie "Linz ist a bissi rassistisch" oder "alles andere als perfekt" und führte zu einem Schlagabtausch zwischen Stadtpolitik, der das Positive zu kurz kam, und Tourismusverband. In einer Diskussion am Mittwochabend an der Linzer Universität legten Beteiligte wie Experten ihre Sicht dar und betonten das Fruchtbare an Konflikten.

Die Motivation der Videomacher Sinisa Vidovic und Dinko Draganovic (Forafilm) sei gewesen, "etwas Mutiges, etwas Anderes zu machen". Sie wollten mit Selbstironie, Charme und Humor zeigen, "dass wir cooler sind als ein normaler Imagefilm". Mit dieser Reichweite hätten sie nicht gerechnet. Das Video hatte in einer Woche mehr als 290.000 Aufrufe auf der Plattform Youtube. Tourismusdirektor Georg Steiner hob hervor, dass die Rückmeldungen in den sozialen Medien überwiegend positiv seien. Demgegenüber berichtete Peter Binder in Vertretung von Bürgermeister Klaus Luger (beide SPÖ), dass bei der Stadt viele negative Kommentare eingegangen seien. 

Das Video sei gut gemacht, doch am Schluss blieben Klischees über, die nicht originär auf Linz zurückzuführen seien und auch die positive Auflösung nach all den – ironisch gemeinten – negativen Schlagworten gelinge nicht. "Über die Verhältnismäßigkeit hätte man reden sollen", wandte Binder ein, der Film passe nicht zum Image, das man für Linz erarbeiten wolle. Es wäre fair gewesen, zuerst mit der Stadt das Gespräch zu suchen. Vidovic kündigte an, dass dem Video Printsujets folgen werden, die auch eine positive Auflösung in Form eines Textes hätten. 

Luger hatte den Film vorab nicht gesehen – worüber ein Hickhack mit dem Tourismusverband entbrannte – und ließ aus dem Urlaub wissen, er bilde nicht sein Linz ab. "Es war ein Turbo für das Video, dass der Bürgermeister so einsteigt", sagte Steiner, der das Video letztendlich in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat veröffentlichen ließ. Es gehe nicht darum, die Stadt touristisch hinzudesignen sondern in Wert zu setzen. Er stehe zu dem Film.

Für Marketing-Professor Christoph Teller ist es irrelevant, ob der Politik das Video gefällt. "Der Zielgruppe muss es gefallen." Freilich werde der "Nationalpatriotismus ein bisserl verletzt", die Art und Weise wie das Video funktioniert, bediene sich des Humors und der Satire. So erreiche man Emotionen und eine Zielgruppe, die sonst nicht so involviert sei. Provokation habe immer etwas bewirkt, warf Kuratorin Maren Richter ein. 

Ob die Zielgruppe, laut Steiner "alle Neugierigen", erreicht wird, werde sich erst in den Buchungen der kommenden Monate zeigen, sagte Linzer-City-Ring-Managerin Ursula Fürstlberger-Matthey. Wobei Teller zu bedenken gab, dass die Menschen nicht allein wegen eines Videos in die Stadt kommen. Dazu bedürfe es eines wohlabgestimmten Maßnahmensets, von dem das Video nur ein Teil sei.

Kira Schinko, Geschäftsführerin des Designstudios OrtnerSchinko, brach eine Lanze für die Diversität in der Werbung, forderte die Politik auf, der Kreativwirtschaft Raum zu lassen und prognostizierte einen Erfolg, immerhin spreche jeder über das Video, während es für den Markenexperten Thomas Börgel nicht zum Markenkern der Stadt passt. Schinko wünschte sich von Luger zum Video das Bekenntnis: "Ok, es ist nicht mein Humor, aber es ist auch Linz".

Das "auch" als Betonung des Gemeinsamen stellte ebenso Fürstlberger-Matthey beim von Diskussionsleiter Rektor Meinhard Lukas eingeforderten Schlusswort in den Vordergrund. Binder hob die Bedeutung des Diskurses, Teller und Steiner das Fruchtbare an Konflikten hervor. Richter sah in der Reibungsfläche Potenzial und wünschte sich, dass die Diskussion in der Stadt weitergeht. 

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