Le Méridien Vienna

Der heimgekehrte Sohn

Der gebürtige Salzburger Hanspeter Soller übernahm im August des Vorjahres als Direktor das Le Méridien Vienna. Der erfahrene Hotelmanager im Gespräch über Veränderungen, Reize und eine „falsche“ Neueröffnung. 

Soller war damals Teil des Eröffnungsteams des Le Méridien in Wien. Nach zahlreichen leitenden Positionen in Österreich und Deutschland folgte er im August des Vorjahres als Direktor des Ringstraßenhotels auf Gabriela Benz, die nach vielen erfolgreichen Jahren an der Spitze in den Ruhestand ging. Anfangs noch relativ gut belegt, folgten im Herbst der Terroranschlag in Wien, der zweite Lockdown und die abermalige Schließung des Hotels. Für den erfahrenen Hotelmanager bedeutete das, seine Managementaufgaben auf die neue Situation anzupassen. 

Herr Soller, es gibt sicherlich eine einfachere Zeit, um die Leitung eines Hotels zu übernehmen. Sie müssen nun schon seit vielen Monaten auf das große Comeback des Le Méridien warten. Sind Sie und Ihr Team bereit, wenn es im Mai wieder losgehen könnte?

Hanspeter Soller: Ja, klar. Wir bereiten uns seit Monaten auf Öffnungstermine vor – die dann wieder verschoben werden. Unser Wunschtermin ist so schnell wie möglich. Mit Blick auf die Infektionszahlen nützt es aber eh nichts, denn ohne Aktionen bzw. Lockdowns gehen diese nicht runter. Es würde nichts bringen, wenn wir zwar aufmachen dürfen, aber dann niemand kommen kann. 

Ist es in dieser Situation von Vorteil, zu einer großen, international etablierten Gruppe zu gehören? Gibt das Sicherheit?

Sicherheit kann man so nicht sagen, aber natürlich ist die Marketing- und Verkaufskraft ein Vorteil im Vergleich zu eigentümergeführten Betrieben. Das Marriott-Kundenprogramm ist eine große Hilfe, um dann schneller wieder eine gute Auslastung erzielen zu können.

Sie kennen das Haus wie Ihre Westentasche, waren in den 2000ern Executive Housekeeper, Rooms Division Manager und zum Schluss Hotelmanager. Wie sehr hatte sich das Haus seit Ihrem Abschied verändert?

Das Haus hat sich durch eine Renovierung in den letzten Jahren natürlich stark verändert und erstrahlt dadurch in neuem Glanz.

Haben Sie alte Kollegen wiedergetroffen?

Es sind noch immer manche da, die gemeinsam mit mir schon bei der Voreröffnung des Le Méridien Vienna gearbeitet haben. 

Was werden Sie fortführen, was Ihre Vorgängerin Gabriela Benz aufgebaut hat und in welchen Bereichen wollen Sie Ihre Handschrift anbringen?

Frau Benz hat das Haus extrem gut positioniert. Gerade auch am lokalen Markt ist es durch viele hervorragend betreute Veranstaltungen sehr bekannt geworden. Da ich das Haus miteröffnet habe, ist es mir eine Ehre, dass ich es in diesem Sinne weiterführe. In diesem einen Jahr seit Ausbruch der Pandemie ist natürlich viel passiert. Nach dieser Zeit wird es dann fast eine Neueröffnung, das ist die große Herausforderung. Man kann auf bewährte Strukturen zurückgreifen, aber muss sich den Anforderungen der Zeit anpassen.

Was wird mit Veranstaltungen passieren?

Es hängt alles davon ab, was heuer noch möglich ist. Ich hoffe doch, dass wir irgendwann einmal wieder zurückkehren zu den Vor-Corona-Regeln, die planbare Veranstaltungen ermöglichen. Derzeit hanteln wir uns von Woche zu Woche. Ich glaube, dass für Firmen der persönliche Kontakt wieder sehr wichtig werden wird. 

Gibt es aktuell Anfragen oder sogar Buchungen für später im Jahr oder steht alles auf null?

Es gibt Buchungen – eingeschränkt. Niemand weiß, wann welche Grenzen aufmachen. Das Interesse ist da und der Wunsch nach Reisen wird nach der Krise stärker sein als je zuvor. Man hat im letzten Jahr gesehen, wie schnell sich gerade in Österreich die touristischen Destinationen wieder gefüllt haben.

Mit Blick auf Ihre Vita fällt Ihr Engagement bei Max Brown Hotels auf. Im Vergleich ist das doch eine ganz andere Ausrichtung, was hat Sie dort hingezogen?

Der Reiz war, weil ich schon viele Eröffnungen zu verantworten hatte, noch einmal ein ganz anderes Produkt mitzueröffnen. 

Sie kennen beide Seiten, die Stadt- und die Ferienhotellerie. Was macht den jeweiligen Reiz für Sie aus? 

In der Ferienhotellerie, und wie ich es bei Robinson mit den vielen Stammgästen kennengelernt habe, gibt es einen noch engeren Kontakt zum Gast. In der Stadthotellerie macht mir das internationale Flair sehr viel Spaß. Wien ist für mich eine der schönsten Städte der Welt. Es war immer mein Wunsch, irgendwann zurückzukehren. Somit ist ein Traum in Erfüllung gegangen.

Ein Blick in die Zukunft: Befürchten Sie einen Preiskampf in Wien, wenn dann wieder geöffnet werden darf?

Ich glaube nicht an einen großen Preiskampf. Die Leute werden zurückkehren und ich bin überzeugt, dass sie schnell zurückkehren werden, gerade weil Wien Wien ist. Anfangs werden nicht alle Häuser auf einmal voll sein. Die Stadt wird aber relativ gut aus der Krise rauskommen – daran glaube ich. 

Danke für das Gespräch.


Über Hanspeter Soller
Der gebürtige Salzburger (geboren am 1. September 1975 in Bramberg) sammelt nach Besuch der Hotelfachschule erste Praxiserfahrung als Kellner im Hotel Habachklause in Bramberg. Es folgten Stationen in verschiedensten Bereichen der Hotellerie in Betrieben in Österreich und Spanien sowie im Sales- und Marketingbereich der Vereinigten Bühnen Wien. Im Le Méridien Vienna war er noch vor der Eröffnung 2003 engagiert, zuletzt als Director of Operations. Es folgten Engagements in leitender Position in den Hotels W Barcelona, Robinson Club Jandia Playa, Robinson Club Ampflwang, Max Brown Vienna und Le Merdien Stuttgart. Seit August 2020 leitet er als Nachfolger der langjährigen Direktorin Gabriela Benz das Le Méridien Vienna. 

Mehr über Hanspeter Soller und wie er ein Tophotel in der Krise leitet, lesen Sie in der ersten Ausgabe von hotel & touristik essenz, die am 14. Mai erscheint. Inzwischen werfen Sie doch einen Blick in die Nullnummer.

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