Interview

Siobhan McManamy – "Österreicher bleiben länger"

Der traveller traf Siobhan McManamy, acting CEO/Director of Markets of Tourism Ireland, in Dublin zum exklusiven Interview über den irischen Tourismus zwischen Corona und Klimakrise.

Die Pandemie hatte enorme negative Auswirkungen auf den gesamten europäischen Tourismus. Wie schlimm hat es Irland getroffen?

Siobhan McManamy: Der irische Tourismus war von der Pandemie ganz besonders betroffen, wir hatten zwar immer wieder offene Phasen, aber in Wahrheit hatten wir ganz besonders strenge Maßnahmen mit sehr langen Lockdowns. In den Öffnungsphasen kamen dann britische Touristen und auch die Irländer selbst entdeckten die Liebe für ihr Land. Im ersten Jahr dufte man ja nur in der eigenen County reisen. Im Sommer 2021 war es ein ganz normaler Sommer, die Touristen genossen ganz großartige Ferien. Wir waren schwer begeistert, dass die Gäste so schnell zurückkamen.

Vor der Pandemie, im Jahr 2019, konnte Irland erstmals 11,3 Millionen Touristen begrüßen. Wie groß war der Einbruch während der Pandemie?

Sicher um die 80 %, wie gesagt, wir hatten unheimlich oft geschlossen. Im heurigen Jahr erwarten wir 60 bis 70 % von 2019. Wir sind sehr gut gebucht.

Was ist die größte Herausforderung nach der Pandemie?

Wie überall auf der Welt – der enorme Personalmangel. Sie haben sicher schon von den Problemen auf den Flughäfen gehört, die irischen Flughäfen sind aber dabei, die Anzahl der Mitarbeiter aufzustocken. Ich selbst war in den letzten zwei Wochen dreimal am Flughafen und habe nie länger als 20 Minuten vom Taxi bis nach der Security gebraucht, aber ich weiß, es gibt Spitzenzeiten, wo man dann wirklich lange warten muss. Doch ich bin überzeugt, die irischen Flughäfen bekommen dieses Problem jetzt in den Griff. Shannon beispielsweise setzt in der Security neue Maschinen ein, bei denen man die Flüssigkeiten und Laptop nicht mehr aus dem Handgepäck nehmen muss. Das geht dann auch viel schneller.

Wie stark beeinflusst Irland der Krieg in der Ukraine?

Nicht mehr als alle anderen Länder auch. Wir nehmen ukrainische Flüchtlinge mit offenen Armen auf.

Hat der Krieg keine Auswirkungen auf die amerikanischen Gäste, die ja in Irland bedeutend sind?

Interessanterweise, nein. Wenn sonst Krieg in Europa ist, kommen die Amerikaner nicht, aber dieses Mal spüren wir davon gar nichts, wir haben eine gute Buchungslage aus den USA. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Amerikaner ihre Reisen von Jahr zu Jahr verschoben haben.

Verglichen mit anderen Ländern ist Österreich mit 82.000 Touristen jährlich ein kleiner Markt. Bemühen Sie sich dennoch darum?

Der österreichische Markt ist für uns besonders interessant, denn die Österreicher bleiben im Schnitt länger und sie reisen zu anderen Zeiten. Wir haben 400 Golfplätze und jede Menge Österreicher:innen, die hier Golf spielen. Wir unterstützen mit unserem Repräsentanten Simon Bopp in Wien und einer Niederlassung in Frankfurt.

Wie unterstützt Ireland Tourism österreichische Reisebüros, die Destination Irland zu verkaufen?

Wir haben unsere Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern während Corona noch ausgebaut, denn ein sehr großer Anteil des Geschäftes kommt über die Reiseveranstalter, sie sind der Fels in der Brandung, alles andere kommt dann on top. In Österreich kümmern sich Simon Bopp und sein Team um alle Anfragen österreichischer Reisebüros, sie helfen, wenn es Probleme gibt mit Lösungsvorschlägen. Außerdem bieten wir gratis Broschüren Material an und haben Reisebüros kurze Video Clips zur Verfügung gestellt (z.B. für Social Media oder E-Newsletter Einbindung), die verschiedene Irland Themen aufgreifen und mit dem Logo von der ÖRV sowie Slogan – Ihr Reisebüro – wir machen Urlaub perfekt. Dazu haben wir mit Partner wie DERTOUR ein Irland Podcast gemacht oder Workshops angeboten.

Gibt es gezielte Marketingaktivitäten für den österreichischen Markt?

Wir haben da ganz spezielle Image-Kampagnen, aber auch Pressereisen für Reise- und Lifestyle-Journalist:innen. Ganz besonders stark bespielen wir die Social Media Kanäle, denn die Fotografien unserer Landschaften sind so spektakulär, die eignen sich dafür sehr gut.

Welche Regionen in Irland sind für die österreichischen Gäste besonders attraktiv?

Sicher einmal die Küstenregionen, die sind wirklich beeindruckend, vor allem für Gäste, die aus Gegenden kommen, wo es diese Küstenlandschaft nicht gibt. Golf ist ebenfalls sehr beliebt, in Irland ist das ein Volkssport. Für einen Irland-Urlaub sollte man nicht die ganze Zeit verplanen, denn an manchen Orten möchte man länger bleiben, weil es so schön ist oder weil man nette Menschen kennengelernt hat. Man kann auch herrlich teure Hotels mit Bed & Breakfast Unterkünften kombinieren, was dann einen einzigartigen Urlaub macht.

Abgesehen vom Krieg in der Ukraine, ist der Klimawandel die größte Bedrohung für die gesamte Welt. Irland gilt als besonders nachhaltig, Sie haben auf der Website sogar einen eigenen Nachhaltigkeitsguide, der darauf aufmerksam macht, wie der CO2 Abdruck aussieht und wie man ihn verbessern könnte. Der Guide beschäftigt sich vor allem mit der Anreise. Was tut Irland sonst noch, um nachhaltigen Tourismus zu fördern?

Da wir eine Insel sind, haben wir einen CO2-Abdruck, denn die Leute müssen ja irgendwie anreisen. Daher sollten wir den Rest des Urlaubs so nachhaltig wie möglich gestalten und dafür gibt es viele Initiativen wie etwa jene, dass man einen Ort so verlässt, wie man ihn vorgefunden hat. Es gibt in Dublin eine Food-Cloud, wo jeden Abend die übrig gebliebenen Lebensmittel eingesammelt und verteilt werden. Wir  sind da auch erst am Beginn der Reise. Aber wir haben jetzt die Kosten für den öffentlichen Verkehr um 20 % gesenkt. Das gilt für Bahn und Bus. Und mit diesen öffentlichen Bussen können auch die Touristen reisen, was einen Urlaub ganz besonders macht, noch dazu weil die Iren gerne weiterhelfen. So lernt man Land und Leute nachhaltig kennen.

Vor der Pandemie waren UK, USA und Europa die wichtigsten Märkte. Wie werden sich diese entwickeln und gibt es neue Märkte für Irland?

Touristen aus den USA bringen uns die höchsten Umsätze, vor der Pandemie hatten wir mit der Entwicklung des chinesischen Marktes begonnen, aber das hat Corona verhindert. Eigentlich geht es uns darum, möglichst viele Gäste aus vielen Nationen mit unterschiedlichen Reisegewohnheiten zu bekommen, denn wir haben nicht so große Hotelkapazitäten, daher ist für uns die saisonale Balance einfach besonders wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere führende Informationen finden Sie unter www.ireland.com und bei Simon Bopp: sbopp@tourismireland.com / 01 585 363 021

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