Interview

Rainer Stoll & Yngrid Arnold Riveros – Wo sich Tourismus und Naturschutz ergänzen

Nachhaltigkeit steht bei Reisenden hoch im Kurs. So bricht laut Aussagen des Zukunftsinstituts eine neue Ära für den Tourismus an, eine Zeit, die von ökologischen und gemeinschaftlichen Werten geprägt sei. Das ist nichts Neues für den Naturreiseveranstalter travel-to-nature. Warum das so ist, darüber sprachen Geschäftsführer Rainer Stoll und Yngrid Arnold, Direktorin Marketing im Interview.

Herr Stoll, Sie haben bereits 1997 travel-to-nature gegründet. Was waren Ihre Beweggründe? 

Rainer Stoll: Ich habe mich schon immer für unsere Natur interessiert, bereits als kleiner Junge. Daher habe ich auch später als einer der ersten in Deutschland Umweltökologie studiert. Nach dem Studium habe ich beim Umweltversandhandel Waschbär gearbeitet. Hier hatte man sich dazu entschlossen, als Ausgleich für das verwendete Katalogpapier, Bäume in Costa Rica anzupflanzen. Um dies zu tun, bin ich erst einmal nach Mittelamerika gereist. Das war meine erste Reise nach Costa Rica und der Grundstein für travel-to-nature war gelegt. Ich war so fasziniert von dem Land, im Einklang mit den Einheimischen und mit der Natur die Destination zu entdecken, dass ich das unbedingt weitermachen wollte. Wir gründeten Waschbär-Reisen, ich kaufte das Unternehmen und habe es 1998 in travel-to-nature umbenannt. Einige Jahre später ergänzten unsere beiden Tochtergesellschaften, die birdingtours und die For Family Reisen GmbH, travel-to-nature. 

Und sie verfolgen in allen Firmen die gleiche Philosophie? 

Rainer Stoll: Ja, wir leben den Nachhaltigkeitsgedanken in allen Bereichen. Aber natürlich möchten wir mit unserem Produkt, mit travel-to-nature auch zeigen, dass sich Tourismus und Naturschutz nicht ausschließen, sondern ergänzen. Bei unserem Angebot geht es darum, die Schönheit der Natur zu erleben, sie zu schützen und zu erhalten. Wir möchten schließlich unseren Kindern und Enkelkindern eine schöne Welt hinterlassen. Wichtig dabei ist auch die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.

Yngrid Arnold Riveros: Ja, die Beziehung zu den Menschen vor Ort ist sehr respektvoll, es ist ein Umgang auf Augenhöhe. Wir zahlen faire Löhne, helfen den Leuten weiterzukommen und sich zu entwickeln. Ich komme selbst aus Peru, habe als Reiseleiterin angefangen und andere Unternehmen beobachtet, die einem ihre Konzepte aufdrücken wollten. Bei Travel-to-nature ist das anders. Wir entwickeln Konzepte und Projekte gemeinsam mit den Einheimischen. Das ist die Seele des Unternehmens.

Was heißt das konkret? Was machen Sie anders als andere Reiseveranstalter?  

Rainer Stoll: Wir haben als einer der ersten Veranstalter überhaupt mit Reiseleitern vor Ort gearbeitet. Mittlerweile ist das zwar gängig, in den 90er Jahren war das jedoch eine Seltenheit. Nach wie vor haben wir fast nur familiengeführte Hotels in unserem Programm, keine Hotelketten. Zudem achten wir darauf, dass lokale Strukturen erhalten bleiben und wir Unternehmen vor Ort helfen. So integrieren wir den Imker oder auch Handwerkskünstler in unsere Reisen. Auch legen wir Wert auf lokale Produkte und unterstützen sehr stark lokale Projekte. 

An Projekten haben sie bereits zahlreiche ins Leben gerufen, beispielsweise Schulen in Nepal gebaut oder minderjährige Mütter in Peru unterstützt. Das wohl größte Projekt ist aber das Regenwaldprojekt „Reserva Bosque La Tigra“ in Costa Rica.  

Rainer Stoll: Ja, absolut. Das ist unser Vorzeige-Projekt für das wir sogar einen berühmten Paten, den Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar gewinnen konnten. Es begann 2005 mit einer vier Hektar großen Fläche, die wir gekauft haben, um dort. einheimische Bäume zu pflanzen. Sie wurde 2013 auf 8,5 Hektar erweitert. Inzwischen haben wir mehr als 40 Hektar Wiese erstanden. In zirka 200 Jahren wird es aussehen wie ein natürlicher Regenwald. Wir haben jetzt, nach den ersten Jahren gemerkt, dass es bereits positive Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat, dass viele Tiere zurückkehren. Auch entstand hier die La Tigra Rainforestlodge, die sich komplett über Wasserkraft und Fotovoltaik mit Strom versorgt, inmitten dieser einzigartigen Natur. Hier eröffnen wir im August eine Regenwaldschule, in der Schüler erfahren sollen, wie wichtig der Regenwald für Ihr Land ist. Unterstützt werden wir bei diesem Projekt von mehreren Partnern wie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sowie vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. 

Und wie finanzieren Sie die anderen Projekte?

Rainer Stoll: Einen Teil der Projekte haben wir durch die Spenden unserer Kunden realisiert. Den Großteil der Projekte finanzieren wir über Tourismus: bei der Buchung einer Reise bei travel-to-nature fließen automatisch 25 Euro in gemeinnützige Projekte. Bis jetzt konnten wir mehr als 500.000 Euro daraus generieren und damit vor Ort Gutes tun. 

Ein Erfolgsmodell, ebenso wie Ihr Unternehmen, das mehrmals ausgezeichnet wurde…. 

Rainer Stoll: Das stimmt und darauf sind wir sehr stolz. Wenn ich daran denke, dass ich mit travel-to-nature als ein-Mann-Betrieb angefangen habe. Heute beschäftigten wir 15 Mitarbeiter und haben mehr als 30 Länder im Portfolio, wobei Costa Rica immer noch unsere Top-Destination ist. Aber auch Uganda, Tansania und Namibia sowie südamerikanische Ziele sind beliebt, ebenso wie Kanada oder Estland. 

Yngrid Arnold Riveros: Unser Angebot ist wirklich sehr vielfältig und auf ganzer Linie nachhaltig, daher auch die vielen Auszeichnungen. Wir haben inzwischen mehr als zehn goldene Palmen und viele grüne Palmen von der Zeitschrift Geo Saison bekommen, unzählige Travel-Awards und wir sind dieses Jahr nominiert für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Das freut uns sehr und ist auch eine Wertschätzung unserer Arbeit.

Apropos Wertschätzung. Durch Corona soll die Wertschätzung der Menschen für Nachhaltigkeit und für ihre Umwelt gestiegen sein. Was denken Sie, hat sich die Haltung der Menschen geändert? 

Yngrid Arnold Riveros: Ich denke schon, die Menschen sind verstärkt draußen, Outdoor-Reisen sind immer gefragter. Doch auch durch unsere Arbeit und unsere Projekte, animieren wir die Menschen dazu, stärker auf ihre Umwelt zu achten, nachhaltig zu reisen, machen sie auf die Lebensumstände und auf die Situation vor Ort aufmerksam. Und wir bringen auch den Menschen in den einzelnen Ländern dazu, sich für den Erhalt ihrer Umgebung einzusetzen, beispielsweise auch durch unsere Regenwaldschule, die im August in Costa Rica eröffnet wird. 

Wie sehen Ihre Ziele für die Zukunft aus?

Rainer Stoll: Wir möchten das La Tigra-Modell-Projekt auch in anderen Regionen etablieren. Litauen und Ruanda haben wir bereits im Blick, wir sind aber auch im Gespräch mit anderen Ländern. Denn dieses Vorzeigeprojekt verdeutlicht, dass Naturschutz und Tourismus durchaus Hand in Hand gehen und funktionieren können. Es zeigt, dass Nachhaltigkeit und Naturschutz für alle gut sind: für die Natur, für die Menschen vor Ort und für die Touristen.

www.travel-to-nature.de 

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter

Mit nur einem Klick zur Anmeldung für Newsletter und E-Paper. Immer up2date in der Touristik mit dem traveller.

Anzeige

Aktuelles E-Paper

Anzeige
Anzeige