Interview

Martin Fast – Unsere Exklusivität ist Regionalität!

Das Einkaufswagerl, das der REWE Austria Touristik Geschäftsführer seit Oktober 2020 durch den österreichischen Touristikmarkt schiebt, ist wahrlich bestens bestückt. Stapelt sich darin neben der von Martin Fast seit Jahren erfolgreich verantworteten REWE Austria Touristik (RAT) mit den Marken JAHN REISEN, BILLA Reisen, ITS, MERKUR Ihr Urlaub und PENNY Reisen durch den Abgang des langjährigen DERTOUR Austria Geschäftsführers Gerhard Begher, nun auch die weltumspannende DERTOUR Austria Produktpalette. Ein Gespräch über den Weg einer Zusammenführung zweier im heimischen Markt bestens etablierter Geschäftsfelder, damit verbundener personeller Veränderungen und Neustrukturierungen sowie den exklusiven Anspruch auf Regionalität.

traveller: Seit Oktober 2020 ist Ihr Verantwortungsbereich mit DERTOUR Austria um ein Hochhaus gewachsen. Wie weit ist der Weg der Zusammenführung bereits beschritten?

Martin Fast: Der neue Aufgabenbereich und die damit verbundene neue Konstellation kam doch überraschend, aber Herausforderungen sind ja von jeher ein wesentlicher Bestandteil der Touristik, wie wir alle gerade durch- und erleben müssen. Es geht uns gut, unser Fokus ist klar nach vorne gerichtet. Waren wir – die REWE Austria Touristik und DERTOUR Austria – früher, und auch durchaus berechtigt, in vielen Dingen in einer gewissen „Zangenposition“, heben wir nun Synergien und produzieren alles aus einem Guss.

Bedeutet alles aus einem Guss, dass die Salzburger DERTOUR-Einheit nach Wien übersiedeln und ins REWE Austria Team integriert wird?

Nein, genau das bedeutet es nicht. Im Gegenteil, am Standort Salzburg wird nicht gerüttelt. Eine Verlegung der DERTOUR Austria Unit nach Wien ist unter meiner Führung kein Thema. Wir würden damit weder den Mitarbeitern, die ja mehrheitlich alle aus der Region Salzburg kommen und mit ihrem Arbeitsplatz über viele Jahre eng verbunden sind, noch uns damit einen Gefallen erweisen. Wir wollen dieses enorme Knowhow, dieses geballte Spezialwissen der DERTOUR Kollegen nicht verlieren, vielmehr bauen wir jetzt gemeinsam an der Zukunft und machen alles kompatibel. Dafür wird der Salzburg Standort gerade umgebaut und mit neuen Social-Areas, Küchen- und Sanitäreinrichtungen, neuer EDV und Telefonanlage auf einen modernen und einheitlichen Standard gebracht.

Trotzdem gibt es personelle Veränderungen bzw. eine neue Bereichsleiterstruktur?

Ja, die sind in einem derartigen Prozess wohl auch normal. So hat Bernd Stoiser, Leiter Vertrieb REWE Austria Touristik, mit 31. Jänner die passive Phase der Altersteilzeit angetreten und Alexander Ebner, Vertriebsleiter DERTOUR Austria, hat mit dem Wunsch nach einer neuen beruflichen Herausforderung nach 26 Jahren das Unternehmen verlassen. Mit Jörg Fermüller übernimmt ein ausgewiesener Vertriebsprofi die Vertriebsleitung, Verkaufsförderung, Verkaufssteuerung und B2B-Marketing für DERTOUR Austria und REWE Austria Touristik. Er wird also künftig beide Produkte betreuen und an den Bereichsleiter Kundenmanagement, Robert Biegler, berichten. Und bei Markus Fritz als Bereichsleiter Produkt laufen künftig alle Fäden rund ums Produkt aller Marken, Flugeinkauf, Transair usw. zusammen.

Es wird also künftig auch der Vertrieb auf nur „einem“ Bein stehen?

Auch im Vertriebsbereich wird es null Unterscheidung geben. Ganz neu ist der gemeinsame Weg aber nicht, denn bereits mit dem langjährigen DERTOUR Austria Geschäftsführer, Gerhard Begher, gab es etwa mit gemeinsamen Key Account Verträgen eine bestens funktionierende, übergreifende Zusammenarbeit.

Der Außendienst wird in den Bereich West (ohne Region Salzburg) unter der Betreuung von Benedikt Habsburg Lothringen und in den Bereich Ost, verantwortet von Claudia Staindel, gegliedert. Christian Harrer, bisher Außendienst bei der REWE Austria Touristik, übernimmt im Vertriebsinnendienst die Rolle des „System-Spezialisten“. Neben seiner Aufgabe als erster Ansprechpartner für den Counter bei komplexen Anforderungen an die CRS-Systeme wird er auch in Zukunft die Region Salzburg im Außendienst betreuen.

Im Vertriebsinnendienst kümmert sich Martina Schmid weiterhin um die Themen Agenturzulassung, Agenturverwaltung und Abrechnungsmodalitäten. Karin Lechner übernimmt die Teamleitung Verkaufsförderung und wird gemeinsam mit Simone Hofer-Maidorfer das erfolgreiche Schulungsprogramm CAMPUS auf alle Marken der DER Touristik ausweiten.

Kommen wir zum Produkt für einen Sommer mit noch sehr vielen Fragenzeichen: Alles drinnen, was der Kunde bei JAHN REISEN, BILLA Reisen und DERTOUR Austria gewohnt ist, zu finden?

Ja, alles drinnen, wir sind quer durch das große Portfolio bestens vorbereitet und haben alle Destinationen im Angebot. Einzig, die Flugkapazitäten sind eher noch „situationselastisch“, Flexibilität bleibt wohl auch für den Sommer 2021 ein wichtiger Reisebestandteil.

Die Reisebranche reagiert mit Flexpaketen und -tarifen auf die neue Flexibilität. Könnte diese zum neuen "Normal" werden?

Ich bin sicher, dass die Flextarife und -Pakete kein „Coronamodell“ sind, sondern bleiben werden. Weil sie dem Kunden von der Urlaubsplanung bis zur finalen Reiseentscheidung einfach Sicherheit geben und somit den Buchungsentschluss unterstützen. Zumal dieser, wie sich ja bereits vor der Corona-Pandemie deutlich zeigte, immer kurzfristiger ausfällt.

Werden demnach die gerade in Mode kommenden Flexpakete auch das Tarifgefüge nachhaltig verändern?

Grundsätzlich liegt die Entscheidung beim Kunden. Ob er eben gegen einen kleinen oder größeren Aufpreis maximale Flexibilität für seinen Urlaub „mitkaufen“ möchte. Unsere Flexpakete richten sich nach der Höhe des Reisepreises und reichen von neun Euro für einen Reisepreis bis 500 Euro (BILLA Reisen) bis maximal 59 Euro (für alle Marken außer BILLA Reisen). Also nicht wirklich die Welt für einen unbeschwerten Urlaub.

Wird der Urlaub also teurer? Aber darf der Urlaub in Noch-Krisen und hoffentlich bald Nach-Krisenzeiten in Anbetracht vieler schmaler Brieftaschen teurer werden, um entsprechend Absatz zu finden?

Also kurzfristig, in der ersten Animationsphase, wird es möglicherweise da und dort günstigere Preise geben. Generell bin ich aber davon überzeugt, dass sich das Preisniveau wieder heben wird, weil das Produkt Reise ein wertiges ist und daher auch entsprechend kosten muss. Die Möglichkeit, Geld in den Lockdowns auszugeben, war zudem überschaubar, Geld für Reisen ist durchaus vorhanden. In jedem Fall aber ist der Hunger nach Reisen enorm.

Das Volumen in den Destinationen rund ums Mittelmeer wird demnach auch im Sommer 2021 der Treiber sein?

Sagen wir so: Ich bin zuversichtlich, dass Griechenland, Spanien, Italien, Kroatien, dass die Badewanne Mittelmeer und Europareisen funktionieren werden. Und es wird unter dem Aspekt der Sicherheit erneut eine starke Selbstanreise-Saison werden. Was das Volumen betrifft, spielt jedoch der Zeitfaktor eine große Rolle. Denn der Reisestart wird nicht wie gewohnt mit 01. Mai, sondern später erfolgen, dennoch werden die Volumina deutlich höher als 2020 sein. Dem digitalen Pass wird – je nachdem, wann er verfügbar ist – dabei eine wesentliche Rolle zukommen. Und mit kommendem Winter kommt auch wieder Dynamik in die Fernstrecke.

Mit Fressnapf Reisen gibt es nun auch den Urlaub mit Hund, wie läuft diese neue Zusammenarbeit?

Hier hat Corona den geplanten Start für Sommer 2020 gestoppt, seit Jahresbeginn sind wir mit Fressnapf Reisen am Markt und das Echo ist erfreulich und vielversprechend. Dass dieses reine Selbstfahrerprodukt nicht übers Reisebüro buchbar ist, ist der Strategie und dem Geschäftsmodell von Fressnapf folgend, eine bewusste Entscheidung. Vorerst ist das breite Angebot nur auf den österreichischen Markt fokussiert, eine Expansion in weitere Quellmärkte ist aber nicht ausgeschlossen.

Noch eine Frage zur Rolle von Aldiana, ist Exklusivität ein Thema?

Aldiana ist für uns von großer Bedeutung, eine derart gut etablierte Marke und tolles Produkt fehlte im Portfolio von REWE Austria Touristik und DERTOUR Austria. Eine reine Aldiana-Exklusivität ist kein Thema, auch wenn man nie etwas ausschließen soll.

Lassen Sie mich aber zur Exklusivität noch etwas sagen: Regionalität ist unsere Exklusivität. Wir sind nämlich eines der wenigen touristischen Unternehmen, bei dem die Wertschöpfung, bei dem Produktion, Vertrieb, Einkauf, Verkauf, Vermarktung und Bewerbung in Österreich stattfinden. Wir agieren gemäß österreichischem Recht und bezahlen hier Steuern. Wir sind vor Ort und machen unser Geschäft von Österreichern für Österreicher. Und daran wird sich auch nichts ändern.

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