Interview

Gianni Onorato, CEO MSC Cruises sagt "Die Zukunft hat bereits begonnen!"

Am 16. August 2020 stach die MSC Grandiosa ab Genua wieder in See. Damit war MSC Cruises auch das erste internationale Kreuzfahrtunternehmen, das nach dem pandemiebedingten Komplettstillstand der gesamten Kreuzfahrtbranche den Betrieb wieder aufnahm. Im Gespräch mit traveller-online spricht Gianni Onorato, CEO von MSC Cruises, über Herausforderungen, Erkenntnisse und Höhepunkte.

Lassen Sie uns zum 16. August 2020 zurückgehen – ein ganz besonderer Tag in der Geschichte von MSC Cruises aber auch der gesamten Kreuzfahrtbranche?

Gianni Onorato:Es war ein unglaublicher Tag. Die MSC Grandiosa verließ Genua gegen 19:00 Uhr zu ihrer ersten Reise, nachdem wir monatelang akribisch daran gearbeitet hatten, ein Gesundheits- und Sicherheitsprotokoll zu entwickeln, das uns ermöglichen würde, wieder auf sichere und verantwortungsvolle Weise zu fahren. Dazu brauchten wir die Genehmigungen verschiedener lokaler, regionaler und internationaler Stellen.
 
Die Augen der Welt waren an diesem denkwürdigen Tag auf uns gerichtet und die Stimmung an Bord des Schiffes war fantastisch, sowohl bei den Gästen und der Besatzung als auch bei jenen an Land, die am Zustandekommen dieser ersten Reise beteiligt waren. Ich war ebenfalls an Bord und es war eine Erleichterung, dass wir uns wieder dem widmen konnten, was wir am besten können: Unvergessliche Kreuzfahrten anbieten. Letztlich war es aber der erste Schritt auf einer sehr langen Reise. Ich glaube, dass wir dazu beigetragen haben, die Weichen für die Wiederaufnahme des Betriebs in der gesamten Kreuzfahrtindustrie zu stellen, da unser Protokoll den Standard gesetzt hat. Und auch andere Teilen des Reise- und Gastronomie-Sektors haben unser Protokoll übernommen.
 

Was haben Sie zwölf Monate später gelernt?

Reise für Reise und Tag für Tag setzten wir die von uns ermittelten Gesundheitsmaßnahmen in die Praxis um. Wir sammelten Daten von jeder Kreuzfahrt, die wir unternahmen und unser Wissen wuchs, sodass wir wieder mit mehr Schiffen fahren konnten. Das Gesundheits- und Sicherheitsprotokoll, das wir vor 12 Monaten eingeführt haben, ist dasselbe, mit dem wir auch heute noch arbeiten. Die Grundprinzipien sind unverändert – ein Beweis für das Fachwissen, das in die Entwicklung dieser Maßnahmen eingeflossen ist. Natürlich wurde das Protokoll so konzipiert, dass es sich an die Situation an Land anpasst und diese widerspiegelt. So haben wir im letzten Winter, als die Regierungen restriktivere Maßnahmen einführten, unsere Maßnahmen an Bord verstärkt. Ebenso wurden im Sommer dieses Jahres die Maßnahmen an Land in vielen Ländern gelockert und wir waren in der Lage, bestimmte Aspekte des Protokolls auch an Bord anzuwenden.

Sie haben jetzt zehn Schiffe wieder in Betrieb, nächsten Monat wird die MSC Divina in der Karibik erwartet. Gibt es für Sie einen weiteren herausragenden Moment nach der ersten Abfahrt? Es sind ja nach und nach immer mehr Schiffe in See gestochen.

Im Mai öffnete die britische Regierung ihre Gewässer für die Inlandsschifffahrt. Das war ein entscheidender Moment für uns, vielleicht sogar noch wichtiger als die Abfahrt der MSC Grandiosa vor einem Jahr von Genua aus. Alle großen Kreuzfahrtunternehmen waren begierig darauf, in diesem traditionellen Markt für erfahrene Kreuzfahrtkunden und unter strengen Regeln und Vorschriften tätig zu werden.

Wir haben die Entscheidung getroffen, unser neuestes Schiff auf diesem Markt einzusetzen, um unser Engagement für britische Gäste zu untermauern und wir hätten nicht stolzer sein können, als die MSC Virtuosa als erstes Hochseeschiff seit mehr als einem Jahr Kreuzfahrtpause in britischen Gewässern in See stechen durfte. Wir haben bislang keine reinen Inlandskreuzfahrten in Großbritannien angeboten. Aber wir haben in diesem Sommer eine großartige Gelegenheit gefunden, Kreuzfahrten ab Southampton anzubieten und dabei mit neuen Anlaufhäfen in Portland und Liverpool in England sowie Greenock in Schottland zusammenzuarbeiten. Und nicht nur mit den Hafen- und Gesundheitsbehörden, sondern auch mit neuen Reiseveranstaltern und Fremdenverkehrsämtern, damit wir schnell sichere und geschützte Landausflüge konzipieren konnten.


All diese harte Arbeit hat sich ausgezahlt. Die MSC Virtuosa war für uns bislang ein großer Erfolg in Großbritannien, vielleicht hat dies ja auch den Weg für künftige Inlandsfahrten in britischen Gewässern geebnet.
  
Abgesehen von der sicheren Rückkehr in den Schiffsbetrieb, was hat sich sonst noch getan?

Die vergangenen 12 Monate haben, so glaube ich, unsere unerschütterliche Entschlossenheit gezeigt, unseren Ansatz des nachhaltigen Wachstums nie aus den Augen zu verlieren. Zwei neue Schiffe sind in diesem Jahr zu unserer Flotte gestoßen – die MSC Virtuosa im Februar und die MSC Seashore, die Ende Juli übergeben wurde. Das sind beachtliche Erfolge vor dem Hintergrund einer sich ausbreitenden Pandemie, die viele andere Reedereien dazu gezwungen hat, Schiffe zum Verkauf anzubieten und – leider – Schiffe für eine letzte Reise zum Schrottplatz zu fahren. Wir sind sehr stolz auf unser kürzlich bekannt gegebenes langfristiges Engagement für Kreuzfahrten im Roten Meer ab Dschidda/Saudi-Arabien, einem Gebiet, das sowohl als Reiseziel als auch als künftiger Quellmarkt großes Potenzial hat, da das Königreich großen Wert auf die Entwicklung seiner gesamten Tourismusinfrastruktur legt und entsprechende Ressourcen bereitstellt.
 
Darüber hinaus haben wir im Laufe des Jahres weitere Investitionen in Häfen auf der ganzen Welt angekündigt, darunter die Entwicklung neuer Kreuzfahrtterminals in Miami (USA) sowie in Barcelona (Spanien) und Ancona (Italien) und wir noch später in diesem Jahr eine neue Anlage in Durban (Südafrika) eröffnen. Außerdem haben wir ein Joint Venture mit der Palumbo-Gruppe unterzeichnet, um die Werft Palumbo Malta zu betreiben.
Und als ob das alles noch nicht genug für unsere künftige Entwicklung wäre, haben wir im Juni mit dem Stahlschnitt für das erste von vier Schiffen auf der Fincantieri-Werft in Monfalcone, Italien, unsere neue Luxusmarke „Explora Journeys“ aus der Taufe gehoben. Der Verkauf beginnt im nächsten Monat für die ersten Reisen im Jahr 2023 in dieser für uns neuen Welt der Luxuskreuzfahrten.


Das ist eine Menge Aktivität im letzten Jahr. Wie erklären Sie, dass Sie so viel erreichen konnten?

Das, was wir in den letzten 12 Monaten erreicht haben, wäre ohne das Engagement unserer Mitarbeiter an Bord und an Land sowie ohne die Unterstützung ihrer Familien und Angehörigen nicht möglich gewesen. Ich glaube, ihr Engagement, ihr Geist, ihr Einsatz und ihre Loyalität zeichnen uns aus. Und ich möchte auch das unglaublich hart arbeitende Reisegewerbe loben und ihm danken. Es war eine sehr schwierige Zeit für diesen Wirtschaftszweig, und ohne den grenzenlosen und professionellen Enthusiasmus, mit dem sie uns als sehr willige und fähige Partner zur Seite stehen, wären wir nicht in der Lage, in der wir uns heute befinden.  

Wie lautet Ihr Fazit, wenn Sie die vergangenen 12 Monate Revue passieren lassen? 

Trotz der Pandemie haben wir in den letzten 12 Monaten viele neue Wegmarken für die Zukunft gesetzt. Und unser geplantes Wachstum muss – und wird – mit einem sorgfältig geführten Ansatz zum Schutz der Umwelt, auf der unsere Schiffsflotte operiert, einhergehen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der DNA, der wir dank unseres maritimen Erbes vom ersten Tag an verpflichtet sind.

Dies wurde vor kurzem besonders deutlich, als wir ankündigten, dass wir entschlossen sind, das Design und den Bau des möglicherweise ersten wasserstoffbetriebenen Kreuzfahrtschiffs der Welt genau zu prüfen. Außerdem haben wir uns verpflichtet, bis 2050 einen kohlenstoffneutralen Betrieb zu gewährleisten, und wir sind auf dem besten Weg, das Dekarbonisierungsziel der Kreuzfahrtindustrie zu erreichen, das eine Verbesserung um 40 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2008 vorsieht. Diese mutigen Schritte sind entscheidend für die Dekarbonisierung der Kreuzfahrt und der Schifffahrt. Und das wird die Zukunft sein.  

 

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