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Interview

"Es geht um Vernunft und Verantwortung"

Am 23. Juni sollen die ersten Splashies nach Kalabrien reisen, um im 4**** Minerva Club Resort Golf & Spa die Party ihres Lebens zu feiern. Auch wenn dies aufgrund der Corona-Pandemie und der weltweiten Reiseeinschränkungen aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich erscheint, abgesagt ist Summer Splash 2020 wie auch Maturareisen der Marktbegleiter bis dato nicht. Weil es für die Region Kalabrien sowie den Reisezeitraum bis jetzt keine Reisewarnung seitens der Bundesregierung gibt und damit weder für die Maturanten noch für Didi Tunkel, Erfinder des legendären Summer Splash und der größten Event-Maturareise, Null Planungssicherheit gibt. Daher appelliert der Geschäftsführer des renommierten Jugend- und Event-Reiseveranstalters Splashline an das zuständige Ministerium, eine rasche und verbindliche Entscheidung zu treffen und alle Event-Maturareisen heuer abzusagen, denn: „Das Risiko für Event-Maturareisen ist heuer einfach zu hoch.“ Ein Interview über Vernunft, Verantwortung und unternehmerisches Risiko.  

traveller: Mit Ihrem Event-Reiseveranstalter treffen Sie die durch die Corona Krise gesetzten Maßnahmen und Reiseeinschränkungen doppelt? Wie geht es Ihnen und Ihrer Splashline?

Didi Tunkel: Die Event- und Reisebranche hat die Krise mit Sicherheit am schlimmsten getroffen, das beantwortet glaube ich bereits die Frage nach meinem Befinden. Wie das für uns als Splashline ausgeht, wenn wir Summer Splash tatsächlich absagen müssen, kann man sich ausmalen. Denn da gibt es kein Überleben, außer, die Regierung stellt eigene Hilfspakete für die Eventreise-Branche bereit. Allerdings denke ich dabei nicht an Kredite mit Haftungen und Betriebskostenübernahmen, sondern es helfen ausschließlich nicht rückzahlbare Zuschüsse. Sieht man sich jedoch an, wie gleichgültig die österreichischen Reiseveranstalter und Reisebüros der zuständigen Bundesministerin sind, kann man sich ausrechnen, wie „wurscht“ wir Event-Reiseveranstalter ihr und der Regierung sind. Da bin ich Realist. 

Status quo ist, dass Summer Splash noch stattfindet, weil es zum aktuellen Zeitpunkt (noch) keine Reisewarnung bzw. Reiseverbot für die Region Kalabrien für den Reisezeitraum gibt, was dann auch ein kostenloses Stornieren ermöglichen würde. 

Genau, deshalb fordere ich von der Bundesregierung eine verbindliche Entscheidung. Summer Splash wie alle anderen Maturareisen sollen dem gesunden Menschenverstand folgend, heuer nicht stattfinden, auch eine Verschiebung in den September wäre verantwortungslos. Was Maturanten sowieso nicht interessieren würde, die heurigen Schulabgänger wollen auch nicht erst im nächsten Jahr ihre Maturareise feiern. Wir wissen aktuell nicht, ob die Maturanten ausreisen und auch wieder in Österreich einreisen dürfen und ich möchte mir auch nicht vorstellen müssen, wenn am Summer Splash Corona-Fälle auftreten. Schließlich ist körperliche Distanz das exakte Gegenteil von dem, was sich Maturanten auf der Reise ihres Lebens wünschen. Ich möchte nicht für ein Ischgl 2 oder die zweite Welle in Österreich verantwortlich sein. Bis Juni bzw. September ist es nicht mehr weit, darum braucht es dringend eine klare Aussage des Außenministeriums und der Regierung – und zwar gleich fürs ganze Jahr.

Von welchem Buchungsvolumen sprechen wir für Summer Splash 2020 und wie groß wäre der finanzielle Gesamtschaden?

Bis 10. März, bis zum Erlass des Veranstaltungsverbots, haben 6.800 Maturanten Summer Splash gebucht und die finanzielle Frage für die Splashline ist, ob wir Summer Splash absagen müssen oder durchführen können. Denn unser Geschäftsjahr beginnt am 01. Oktober 2019 und endet am 30. September 2020. Bis März, also ein halbes Jahr, finanzieren wir alles vor (ein bei Splashline üblicher Vorgang). Dann kam mit „ÖBB S´cool“ die erste Eventreise im Jahr und mit 1.500 Buchungen von Oberstufenschülern der größte Schulskikurs Österreichs. Am 10. März kam die Veranstaltungsverbots-Verordnung und wir mussten die erste Reise des Jahres absagen. Gleich danach, von 27. – 29.03., hätte „Sound Everest“ in Haus im Ennstal mit 2.500 Buchungen stattfinden sollen. Auch dieses Event musste abgesagt werden, wie „Spring Break Europe“ Ende Mai mit 5.000 Teilnehmern in Novalja und die neue Lehrabschlussreise „LARS“ am Millstätter See mit 400 Buchungen, die bis März eingingen. 
Wenn nun auch noch Summer Splash abgesagt werden muss (noch von 23.06. - 07.07. in Kalabrien geplant), stünden in diesem Geschäftsjahr 1,8 Mio. Euro an Kosten Null Euro Einnahmen gegenüber. Weil wir dann nämlich in diesem Geschäftsjahr keinen einzigen Kunden gehabt hätten. Was das bedeuten würde, ist wohl jedem klar. Da gibt es kein Überleben mehr. Hilfspakete greifen in unserem speziellen Fall nicht, weil die bei uns aufgrund des verschobenen Geschäftsjahres üblichen Vorlaufverluste niemanden in der Regierung interessieren. Hilfskredite über 1,8 Mio. Euro, auch mit Staatsgarantie, interessieren mich nicht, weil ich mit einem Prozent Umsatzrendite in unserer Branche 15 Jahre brauchen würde, bis ich alles zurückgezahlt hätte. Und was 15 Jahre in unserer Branche bedeuten, wissen alle Branchenkenner nur zu gut. Meine Mega-Krise – 2016 die Türkeikrise mit 9.000 Stornos und neun Millionen Umsatzverlust - ist gerade einmal vier Jahre her, wir haben uns erst davon erholt und jetzt spielt das Corona Virus auf der Splashline-Bühne. 

Wird Summer Splash von den Maturanten bereits storniert bzw. steht ihr mit Euren Kunden proaktiv in Kontakt?

Stornierungen gibt es aktuell weniger. Aber das liegt sicher daran, weil noch nicht kostenlos storniert werden kann. Die Maturanten bzw. deren Eltern warten einfach ab, bis die Reisewarnung auch für Ende Juni ausgesprochen ist. Einer Umfrage unter den Maturanten, die Summer Splash gebucht haben, zufolge würden jetzt 60 % stornieren, wenn dies kostenlos möglich wäre. Unsere Kunden werden über die aktuelle Situation auf https://2020.summersplash.at/covid19 informiert und selbstverständlich beantworten wir per E-Mail oder telefonisch alle individuellen Fragen. 

Splashline appelliert an den Mitbewerb, Abstand von kreativen Gutschein-Lösungen zu nehmen, heißt: Splashline erstattet den Reisepreis (Anzahlungen) an den Kunden zurück? 

Ich finde die Gutscheinlösung, die die Reisebranche fordert, absolut gut und zielführend. Aber nur für „normale“ Reisebüros und Reiseveranstalter, nicht für uns Event-Maturareise-Veranstalter, weil einen Maturanten von heuer keine Maturareise im nächsten Jahr interessiert. Da sind diese jungen Menschen bereits in einer komplett anderen Lebenssituation. Heißt: Wir müssten das Geld im kommenden Jahr retournieren, dann schlägt das Liquiditätsproblem eben 2021 voll auf.  Und was die meisten glaube ich vergessen: Die Gutscheine stellen in der Bilanz eine Verbindlichkeit gegenüber dem Kunden und keinen Ertrag dar, was bedeutet, dass das Jahresergebnis 2019 auch mit Gutscheinen tiefrot bliebe.
Zudem ist die Maturareise für viele Eltern eine zusätzliche Reise im Jahr und oft eine finanzielle Belastung. Ich denke mir, die Menschen da draußen, von denen gerade viele in Kurzarbeit oder gar arbeitslos sind, brauchen das Geld in der Tasche und nicht einen weiteren Gutschein, den sie vielleicht bereits für den Familienurlaub angeboten bekommen haben. 
Die Splashline-Kunden erhalten ihr Geld verlässlich und garantiert in Bar zurück. Das haben wir schon im März bei „ÖBB S´cool“ und „Sound Everest“ so gehandhabt, wo wir innerhalb der im Pauschalreisegesetz festgelegten Frist von 14 Tagen alle Gelder retourniert haben. Welche Probleme uns Reiseveranstaltern das enge Korsett des PRG bereitet, zeigt sich am Beispiel des Schulskikurses. Drei Wochen nach Absage von „ÖBB S´cool“ hat der Bildungsminister ein Notfallpaket erlassen, das besagt, dass Stornogebühren von Schulveranstaltungen (Skikurse, Sprachreisen etc.) vom Staat übernommen werden. Jedoch dürfen wir Reiseveranstalter keine Stornogebühren bei Höherer Gewalt und Absage der Reise verlangen und müssen noch dazu innerhalb von 14 Tagen die Gelder zur Gänze rückerstatten. Aber wir bei Splashline lassen uns auf keine Spielchen ein, an den unternehmerischen worst case möchte ich jedoch nicht denken. 

Hat die Event-Maturareise, solange es keine Impfung gibt, eine Zukunft und ist für Summer Splash 2021 eine seriöse Planung überhaupt möglich?

Maturanten möchten über mehrere Nächte auf engstem Raum auf verschiedenen Dancefloors feiern, auch in Mehrbettzimmern zusammenwohnen und so das Ende eines Lebensabschnittes feiern. Außer es gibt ein schnelles medizinisches Wunder, wird das wohl auch 2021 noch nicht möglich sein. Knapp 4.000 Maturanten haben bereits für Summer Splash 2021 gebucht, seit März steht aber alles still und die Zuwächse sind Null. Man wird sehen, was passiert! 

Ihr Appell an die verantwortlichen Politiker lautet daher:

Wir brauchen rasche und klare Entscheidungen, sprich Reisewarnungen für unsere Reisezeiträume. Wir haben bei dieser Art von Reisen enorme Vorlaufzeiten und benötigen Planungssicherheit. Ich habe auch überhaupt kein Problem, wenn für 2020 alles verboten wird und alle Reisen abzusagen sind. Man muss es nur klar und deutlich aussprechen. Wir Unternehmer vertragen die Wahrheit, auch wenn sie hart und im Fall der Splashline existenzgefährdend ist.  

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