Im Gespräch mit Paul Schwaiger

Wien muss man einfach anfliegen!

Nach fünf Jahren Pause hat Condor Wien mit Flügen nach Palma de Mallorca, Kreta/Heraklion, Kos und Rhodos wieder ins sommerliche Ferienflugangebot aufgenommen und bekundet bereits „Hunger“ nach mehr, wie der traveller im Gespräch mit Paul Schwaiger, Commercial Sales Director Condor, anlässlich des Erstflugs auf die beliebte Baleareninsel erfuhr. Und natürlich war auch der neue Streifenlook Thema.

traveller: Condor ist also wieder „online“, was war für die Fortsetzung der Österreich-Verbindungen ausschlaggebend?

Paul Schwaiger: Das Vorhaben gab es schon länger, aber es kamen halt ein paar „Geschichten“ dazwischen. Zuerst die Thomas Cook Pleite, auf die eigentlich fast nahtlos die Pandemie folgte – alles kein business as usual und wir waren vorrangig darum bemüht, das gut etablierte Kerngeschäft soweit möglich weiterzuführen bzw. zu reaktivieren. Als dann Wien von Low Costern förmlich überlaufen wurde, machte ein Wiedereinstieg aus unserer Sicht wenig Sinn. 
Jetzt ist die Zeit reif, wir haben eine schwierige Phase überwunden, die Pandemie klingt – hoffentlich – aus und die Menschen beginnen wieder zu reisen. Viele sind ja in den letzten Monaten bewusst jeglicher Mobilität ferngeblieben, Reisen geht aber nun mal nicht ohne. Also war klar, dass Condor jetzt wieder nach Wien muss.

Ist man nun gekommen, um zu bleiben, so man das heute überhaupt sagen kann?

Ein klares Ja! Der Markteintritt wurde in vielen Gesprächen mit den Reiseveranstaltern vorbereitet. Aus dieser Ecke war der Ruf laut, die österreichischen Partner wollten die Condor sehr gerne wieder hier haben. Das ist für Condor ein sehr wichtiges Commitment, weil wir als Ferienflieger logischerweise mit Reiseveranstaltern und Reisebüros, die selbst paketieren, zusammenarbeiten. Daraus resultiert auch mit etwa zwei Drittel der größte Teil unseres Geschäfts, auf den Einzelplatzverkauf entfallen rund ein Drittel. 

Man stationiert allerdings keine Maschinen in Wien?

Wir beginnen mal mit einem überschaubaren Programm und Flügen, die im „W“ von München über Palma nach Wien geführt werden und stellen aktuell keine Flugzeuge nach Wien. Der Nightstopp erfolgt in Wien, worauf sich die Crews schon riesig freuen. Am nächsten Tag geht es dann von Wien über Palma retour nach München. Mit Kreta/Heraklion, Rhodos und Kos verfahren wir ebenso. Dabei bleibt es auch mal für diesen Sommer. Es ist ein Anfang, von dem wir überzeugt sind, dass er sehr erfolgreich wird. Geflogen wird übrigens bis Oktober. 
(Informationen zu den Flügen HIER)

Wird es Condor-Flüge für die Wintersaison 2022/23 ab Wien geben?

Das ist noch ein wenig zu früh, aber wir werden relativ schnell den Sommer 2023 planen und das Einstiegsangebot deutlich verstärken. Die Stationierung einer Maschine in Wien würde ich ab da nicht mehr gänzlich ausschließen. Wie wir dann auch wieder intensiv über eine Langstrecken-Verbindung nachdenken, in Anlehnung an die Flüge von Wien nach Punta Cana und Varadero bis 2017/18. Eine österreichische Langstreckenverbindung wäre denkbar, vielleicht klappt es ja bereits für Winter 2023/24. Ich bin stark für Wien und Österreich, weil es ein sehr guter Markt ist und man eine Stadt wie Wien einfach anfliegen muss. 

Könnte die allgemeine Teuerung die Erfolgsziele für den Sommer 2022 und die generellen Expansionspläne von Condor beeinflussen?

Wir gehen eigentlich davon aus, dass die Urlaubsbuchungen in vollem Umfang zurückkommen. Zwar viel kurzfristiger als vor der Pandemie, das hat sich aber bereits während der Krise abgezeichnet. So stark, wie die Buchungen aktuell erfolgen, habe ich keine Zweifel, dass die Menschen wieder reisen möchten. Dass Inflation, Kerosinpreis, Energie- und Alltagskosten entscheidenden Einfluss auf die Urlaubsbuchungen haben, glaube ich eigentlich nicht, weil der Verzicht auf Urlaub schon relativ lange vorhält. Und damit bin ich nicht alleine, auch seitens der Veranstalter ist man überzeugt, dass Sehnsucht und Reiselust überwiegen. 

Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit den österreichischen Veranstaltern beschreiben?

Als sehr gut und partnerschaftlich. Ob großer Veranstalter oder mittelständischer Spezialist - davon gibt es in Österreich sehr gute – wir arbeiten mit allen gerne zusammen. Wir sind hier auch bestens aufgestellt, weil unsere Betriebssysteme so gebaut sind, dass jeder touristische Partner mit uns zusammenarbeiten kann. 

Condor ist in den österreichischen Reisebüros keine Unbekannte, was auch von kontinuierlicher Präsenz in „offline“ Jahren zeugt?

Ja, man kennt uns und sind dank unserem Sales Agent Aviareps auch bestens vertreten. Deshalb bin ich auch fest überzeugt, dass wir den Wiedereintritt in den Markt auch sehr gut hinbekommen werden. Ich kann wirklich sagen – und ich kenne die Mannschaft in allen Fachbereichen nach fünf Jahren wirklich sehr gut: Condor ist extrem gut durchtrainiert. Schon auf Grund der Krisen, die man überstehen musste, aber auch was die Einstellung zum Geschäft betrifft. Wir stehen als Airline ja nicht alleine da, sondern sind eng mit Reiseveranstaltern und Vertriebsorganisationen verbunden. Und, wir verfügen wie hier in Österreich mit Aviareps über profunde und verlässliche Geschäftspartner. 

Wird man auch wieder gezielte Maßnahmen und Aktivitäten für den österreichischen Vertrieb setzen?

Ja, Condor wird wieder physisch in den Büros präsent sein, den ganzen Markt bespielen und es wird auch wieder Famtrips geben. Für Fragen steht das Team von Aviareps jederzeit gerne zur Verfügung. Auch für Gruppen- und Incentive-Veranstalter, denn auch hierfür bietet Condor ein großes Spielfeld. (Anfragen per E-Mail an: sales.austria@condor.com)

Die Buchungslage sieht also bereits erfreulich aus?

Die Steigerungen der immer kurzfristigeren Buchungen überraschen uns von Woche zu Woche. Ich habe auch keinen Zweifel, dass es in diesem Tempo weitergeht. Es ist eine totale Verschiebung des Buchungszyklus feststellbar, denn noch gar nicht langer Zeit waren die Sommerbuchungen mehrheitlich bereits im Jänner und Februar vorhanden.

Wie schaut die Preisstruktur von Condor im Einzelplatzverkauf aus?

Wir sind mit unseren Preisen so aufgestellt, dass wir insgesamt ökonomisch gesichert „fliegen“. Heißt: Die Kosten müssen gesichert gedeckt sein. Diese Maxime gilt schon sehr lange und wird auch mit dem neuen Gesellschafter (Attestor), der Investment zur Verfügung gestellt hat, um die Langstreckenflotte erneuern zu können, dauerhaft weiterverfolgt. Sinnvoll wirtschaften also, daher wird man 9,99 Euro Preise bei uns vergebens suchen. Diese Tarife sind weder verantwortungsbewusst noch sozial verträglich.

Ein Beispiel: Was kostet ein Ticket Wien-Palma im Einzelplatzverkauf?

Zu ausgewählten Daten und als sehr reduziertes Angebot beginnen die Abpreise bei 50 Euro oneway. Im Durchschnitt kommt das Return-Ticket auf etwa 150 Euro, die griechischen Ziele sind aufgrund der etwas längeren Strecke ein wenig teurer. 

Ein effizientes Yield Management ist für Airlines die halbe Miete …

Was Steuerung betrifft, sind wir ziemlich gut. Wir schauen sehr genau, welche Preise bei welchen Veranstaltern in den Systemen sind, steuern entsprechend, um eine ausreichende Auslastung zu erhalten und somit die durchschnittlichen Erlöse pro Sitz zu maximieren. Als Airline ist man vom ökologischen, wie ökonomischem Grundprinzip getrieben, die Flieger nicht leer fliegen zu lassen. Schafft man es verkaufs- und vertriebsseitig nicht entsprechend, kann man preislich reagieren. Aber eben nicht in den Low Cost Tiefen, das macht keinen Sinn.

Ist Austrian in Österreich die Benchmark, orientiert man sich am rot-weiß-roten Ferienflugangebot?

Natürlich ist Austrian Airlines unser Lieblings-Wettbewerber, die AUA macht Vieles sehr gut. Als National-Carrier ist Austrian der dominierende Mitbewerber und die absolute Benchmark, an der wir uns durchaus orientieren. 

Condor hat mit Eigentümerwechseln, Thomas Cook Pleite und letztlich noch die Corona Krise ein langes Auf und Ab hinter sich. Wie stabil ist die neu gestreifte Condor?

Wir sind jetzt in einem konstanten und gesunden Fahrwasser, all die Schwierigkeiten mit Gesellschafterinsolvenz, Thomas Cook Pleite, Pandemie oder der lange Kampf mit Lufthanse sind durchgestanden. Wir haben das Glück, mit Attestor einen starken Mehrheits-Gesellschafter (51 %) mit Option auf hundert Prozent zu haben. Die Entscheidungen, die davor im Management gedacht wurden, wie die erforderliche Erneuerung der Langstreckenflotte wurden mitgetragen und finanziert. Condor ist jetzt mit einer sehr sauberen Zukunftsstrategie stabil aufgestellt und stark auf die Touristik fokussiert. Und die ist – das hört man auch von Marktteilnehmern – aktuell en vogue. 

Der Wettbewerb mit Eurowings Discover und damit mit Lufthansa wird also nicht aufhören?

Was ich der Lufthansa in aller Freundschaft am allermeisten wünsche, ist, dass sich die Geschäftsreisesparte in vollem Umfang rasch erholt. Im touristischen Segment bringen wir über 66 Jahre Erfahrung mit, um uns dem Wettbewerb zu stellen. 

Nur, wie realistisch ist die vollständige Erholung des Business Travel Segments?

Ich halte das für sehr realistisch, weil bereits eine gewisse Sättigung an Teams- und Videokonferenzen feststellbar ist und sich auch deutlich zeigt, dass Unternehmen ihre Geschäftspartner persönlich treffen möchten – auch auf der Kurz- und Mittelstrecke. Es ist der ganzen Leistungskette zu wünschen, dass auch das Businesssegment in vollem Umfang zurückkommt, die touristischen Reisen sowieso. Hier bin ich absolut überzeugt, dass sich diese bereits in diesem Jahr wieder voll beleben und auch der Nachholbedarf abgeflogen wird. 

Wie geht es Condor aktuell mit dem Revival von Neckermann Reisen?

Durchaus ein wenig emotional, aber wir pflegen mit ANEX, unter dessen Dach sich ja auch die Marken Öger und Bucher befinden, mit denen wir seinerzeit extrem gut zusammengearbeitet haben, eine gute Partnerschaft.  Es ist jetzt nur eine andere Form und mit deutlich weniger Volumen. Es ist durchaus mutig, eine Marke wie Neckermann Reisen zu revitalisieren, man wird sehen, was daraus wird. Die glorreichen Neckermann-Zeiten werden wohl nicht mehr zurückkommen, dazu hat sich zu viel verändert.

Zur Langstrecke, was sind die präferierten Condor-Ziele?

Abgesehen von den touristischen Kerndestinationen mit der DomRep, Kuba, Mexiko oder den Malediven, wo wir überall sehr stark aufgestellt sind, sind die USA mit einem verstärkten Angebot und erhöhten Frequenzen zu beliebten Zielen das Thema des Jahres. Das USA-Geschäft hat ja zwei Jahre praktisch nicht stattgefunden, jetzt im ersten post-pandemischen Sommer bringen wir mit New York, Boston, San Francisco und Los Angeles vier neue Destinationen. Der Buchungszulauf ist sehr gut und ich erwarte nach dem Wegfall der Reisebeschränkungen einen richtigen Dammbruch für amerikanische Ziele. 

Wohin man dann bald mit neuer Langstreckenflotte fliegen wird. Was darf man sich vom neuen Bordprodukt erwarten?

Ich kann mal nur so viel sagen: Es wird fantastisch und das beste Ferien-Langstreckenprodukt am Markt. Geflogen wird weiterhin im Drei-Klassen-Modus mit Business-, Premium Eco- und Economy-Class. Wo die Verpflegung auf der Langstrecke unverändert kostenfrei bleibt und um zukaufbare Elemente, auch im Inflight-Entertainment, erweitert wird. Alles zur neuen A330er Flotte und den besonderen Bequemlichkeiten verraten wir in den kommenden Wochen.  

Und man verschafft sich gerade einen neuen Look und fliegt im bunten Streifenlook. Ein aufmerksamkeitswirksamer wie polarisierender erneuter Marken-Relaunch?

Die Condor-Flieger im Streifenlook sind gerade omnipräsent, geht diese kontroverse Diskussion ums Design in dieser Dynamik weiter, ist das mehr als der halbe Weg. Man redet drüber, mehrheitlich positiv, aber natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Die Plainspotter fragen auf allen Kanälen nach, wo und wann der gestreifte Flieger fliegt. Es ist aber nicht nur das Fluggerät, durch die Visualisierung wird das gesamte Marketingfeld abgedeckt. 

Werden Kabine und Crew ebenfalls „gestreift“ sein?

In der Kabine wird es deutlich dezenter, das Streifenmuster wird sich gediegener und nur in bestimmten Elementen durchziehen. Mehr Infos zum Kabinenprodukt folgen in den kommenden Wochen.

Condor hat in der langen Unternehmensgeschichte mehrmals Aussehen und Namen gewechselt. Bleibt Condor jetzt Condor? 

Die Marke Condor ist 66 Jahre alt und hat sich über die Jahre viele Verdienste erworben. Das wegzuschmeißen, war mit Verlaub gesagt grotesk. Jetzt bleibt es bei der Stärke der Marke Condor, jetzt bleibt es bei Condor im Streifenlook.

Abschließend, was erhofft sich Condor im ersten Jahr von und mit Österreich?

Ich wünsche mir und glaube daran, dass wir den Sommer sehr erfolgreich hinbekommen, auch mit dem Einstieg in Wien. Und der ist wirklich so gedacht, dass wir kommen, um zu bleiben. Weil Wien für Condor sehr wichtig ist, denn unser Spielfeld ist von jeher der gesamte deutschsprachige Markt. Wir fliegen viele Menschen über Frankfurt in die Ferne, gerade aus Österreich haben wir sehr großen Zulauf und viele treue Kunden. Die wir alle behalten, mit dem neuen Produkt verwöhnen und nicht mehr loswerden möchten. Da geht es dann in weiterer Folge auch um Condor-Flugzeuge in Wien der rot-weiß-rote ist übrigens mein persönlicher Favorit … 

Danke für das Gespräch.  

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