Im Gespräch

Jörg Eichler – „Wir legen noch eine Schippe drauf“

Premium waren die Rostocker Flusskreuztschiffe mit der roten Rose im Logo immer schon. Jetzt setzt A-ROSA noch ein großes Plus davor, um dem modernen Zeitgeist und geänderten Kundenwünschen zu entsprechen. Was A-ROSA alles unter Premium PLUS auf seinen modernen und bald komplett batteriebetriebenen Schiffen versteht und warum man für die Zukunft zuversichtlich ist, erfuhr der traveller in einem ausführlichen Gespräch mit dem A-ROSA CEO, Jörg Eichler.

traveller: Die Corona-Pandemie verändert das ganze große Produkt Reise sowie Ansprüche und Bedürfnisse der Kunden. Was bedeuten diese Veränderungen für A-ROSA?

Jörg Eichler: Wir alle sind nicht nur beruflich, sondern auch privat von der Pandemie betroffen, Corona hat uns alle verändert. Für uns als Unternehmen war daher bald klar, dass wir nicht einfach dort anknüpfen können, wo wir abrupt gestoppt wurden. Also haben wir eine Marktforschung lanciert – wahrscheinlich die größte, die wir je gemacht haben – und haben unsere Vertriebspartner, Kunden, Mitarbeiter und Gesellschafter hinsichtlich möglicher Veränderungen und Weiterentwicklung des Produkts sowie neuer Erwartungshaltungen nach Corona befragt. Das Ergebnis lautet Rückbesinnung und Rückzug auf Familie und Mulitgeneration. Diese Werte, die ja gezwungenermaßen in der Corona-Zeit gewachsen sind, sind den Menschen wieder wichtig(er) geworden.

Meinen Sie damit, dass Overtourism von Corona „ausgebremst“ wird?

Die Flussbranche war ja nie ein Massenprodukt, hat beim Thema Overtourism also nie wirklich eine Rolle gespielt. Generell glaube ich, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Menschen schnell mal für 19 Euro in den Flieger steigen, um übers Wochenende für ein Instragram-Bild nach Barcelona oder sonst wohin zu fliegen. Es mag sein, dass es aufgrund der Kapazitäten es kurzzeitig zu Angebotspreisen kommt, um den Menschen nochmals eine Brücke zu bauen, die die Airlines vielleicht benötigen. Mittelfristig sehe ich deutlich steigende Preise und wenn die jüngere Generation ihre Fridays for Future-Aktivitäten ernst nimmt, passen meiner Meinung nach schnelle und billige Reisen nicht mehr in das neue Kunden-Anforderungsprofil.

Wird es also nicht mehr so wie früher werden?

Grundsätzlich glaube ich, dass das Leben wie vor Corona nicht mehr zurückkommt. Wozu die aktuelle weltpolitische Situation und der Krieg in der Ukraine massiv beitragen. Und, die ganz großen globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Nahrungssicherheit für die Weltbevölkerung usw. sind ja weiter vorhanden. Die Menschen werden also ganz genau wählen, welchen Urlaub sie sich leisten wollen. Der muss nachhaltig, regional und individuell sein, denn die Menschen möchten sich in diesen schweren Zeiten etwas gönnen – und das muss dann auch richtig gut sein.

Die Individualität und Qualität des Reiseprodukts ist also ein noch wichtigeres Kriterium?

Alles, was mehr Rückzug und Individualität bietet, hat stark zugenommen. Diesem starken Trend entsprechend haben wir unser Produkt für 2023 verändert bzw. ausgeweitet, gerade auch im kulinarischen Bereich. Hier hat der Mensch mittlerweile klare Präferenzen hinsichtlich Regionalität. Er möchte Produkte, Lebensmittel und Getränke aus jenen Ländern und Orten, in denen er sich befindet und keine Lebensmittel, die um die halbe Welt transportiert werden. Auch die Künstler, die auf den Schiffen auftreten, sollen regionalen Bezug haben, wie man auch nicht mehr in großen Gruppen im Ausflugsbus sitzen möchte. Also bieten wir einen großen Teil unserer mehr als 500 Ausflüge nun in der neuen Kategorie „exklusiv & individuell“ mit persönlichem Guide an.

A-ROSA war immer ein Premium-Flussprodukt und wird jetzt Premium Plus, was heißt das genau?

A-ROSA stand immer für beste Qualität und war sehr individuell, jetzt legen wir noch „eine ordentliche Schippe“ drauf und investieren nochmals stark in die Qualität der Nahrungsmittel, in eine noch bessere Getränkeauswahl im Premium Alles Inklusive-Angebot mit erlesenen Weinen und Spirituosen, werden nochmals deutlich nachhaltiger und damit zu einem Premium Plus-Anbieter. Es ist ein richtiger Qualitäts-Booster.

Inwieweit ist A-ROSA von der aktuellen politischen Situation in der Routenführung betroffen?

Wir haben zum Glück nur wenige Donau-Deltareisen, bisher kam es kaum zu Stornos, die meisten Kunden warten ab. Wir befahren bereits seit der ersten Auseinandersetzung (2014) nicht mehr den ukrainischen, sondern den rumänischen Deltaarm und sind somit im sicheren EU-Raum unterwegs. Natürlich beobachten wir genau und passen im Falle einer Eskalation – die nicht zu erwarten ist – die Routen entsprechend an.

Von einer Krise in die nächste, steht das Produkt Reisen darob möglicherweise vor einem Existenzproblem? Wenn der Kunde lieber im sicheren Umfeld bleibt und gar nicht mehr wegfährt?

Wenn nach Corona ein Reisesegment gewinnt, habe ich immer gesagt, dass Flussreisen neben dem stationären Urlaub – der Deutsche geht an die Ostsee, in den Schwarzwald oder Bayerischen Wald und der Österreicher an seine wunderschönen Seen und in die Berge – der große Gewinner ist. Weil Donau und Rhein 80 % des Umsatzes vom gesamtem Flussmarkt ausmachen.

Der Fluss ist eigentlich seit dem Restart, seit Mitte 2021, raus aus der Pandemie, wir sind bis Jänner 2022 planmäßig durchgefahren. Auch Hochsee- und Fernreisen werden sich erholen, aber es wird länger als am Fluss dauern. Die Kunden haben, solange die Pandemie nicht beendet ist, noch gewisse Bedenken in ferne Länder zu fliegen. Beim Ukraine-Konflikt ist es ähnlich, nach der ersten Schockstarre wird Urlaub im eigenen Land und auf Flüssen – auf Donau, Rhein, Rhone, Seine oder am Douro – wieder gut funktionieren.  

Die Gästestruktur von A-ROSA ist eine internationale, fehlt fürs große Ganze der internationale Kunde?

Mit 85 % kommt unsere Gästemehrheit aus dem DACH-Raum, internationale Gäste hatten wir in 2020/21 kaum an Bord. In 2022 sehen wir erstmals wieder Passagiere aus UK, wo wir auch über eine eigene Vertriebs- und Marketingniederlassung verfügen. Es kommen auch wieder Gäste aus BENELUX und Skandinavien. Auf unsere Gäste aus Südafrika, Australien oder den USA werden wir wohl noch etwas warten müssen.

Flusskreuzfahrt ist mit dem alten Muster nicht mehr vergleichbar. Was sind für Sie die gravierendsten Veränderungen?

Für A-ROSA ist der größte Change klar die Fokussierung auf Multigeneration und Familien. Dann das Vorurteil, dass nur ältere Menschen an Bord sind und es langweilig ist, gilt schon lange nicht mehr. Heute gibt es mit Gastkünstlern, Themenreisen, Mode-, Krimi-, Yoga- oder Wellness-Cruises eine sehr lebendige Bordunterhaltung, die sich komplett von früher unterscheidet. Und dann dachte man immer, dass es an Bord von Flussschiffen beengt ist. Das war in 1970/80er Jahren auch so, als die Kabinen gerade mal neun m² klein waren, manche Marktteilnehmer fahren auch noch mit diesen Größen. Als Reisebüro muss man daher genau das Kleingedruckte lesen.

Auf unserem Neubau A-ROSA SENA beginnt die kleinste Kabine bei 21 m² plus Balkon, das ist größer als 90 % der Balkonkabinen auf Hochseeschiffen weltweit. Wir geben dem Gast mit einem großen Wellnessbereich mit Sauna, Eisgrotte und Whirlepool, einem großen Swimmingpool, Kinderpool, mehreren Restaurants und einem umfangreichen Entertainmentangebot sehr viel Platz und Raum für individuelle Gestaltung.

Und dann natürlich das große Thema Nachhaltigkeit …

Das ist die dritte große Veränderung, die die Flussbranche gemacht hat. Sie ist in punkto Nachhaltigkeit allen touristischen Branchenzweigen enteilt und hat was Nachhaltigkeit betrifft, großes Potenzial, um sich von Flugpauschalreisen klar abzuheben.

Die gesamte A-ROSA Flotte verfügt über Landstrom, der mittlerweile in fast allen großen Städten verfügbar ist. Wir tanken generell nur Diesel, zudem haben wir bei den letzten Neubauten Abgas-Reinigungstechnologien integriert. Und jetzt bringen wir mit das weltweit ersten batteriebetriebenen Flussschiff im Hybridmodus. Zudem war unsere Crew schon immer nach guten Schweizer Arbeitsverträgen beschäftigt.

In der Außenwahrnehmung ist dieser Vorsprung aber noch nicht wirklich angekommen, es gibt weiter großen Erklärungsbedarf. Dem Reisebüromitarbeiter kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Nur, inwieweit kann man ihm diese Informationspflicht zumuten?

Wir setzen hierbei sehr viel auf Schulungen und Weiterbildungen der Reisebüromitarbeiter, die wir ständig anbieten. Zudem versuchen wir bei jeder Gelegenheit, unsere Partner selbst an Bord zu holen – denn sie müssen das neue Flussprodukt selbst erleben und werden davon überzeugt sein. Auf unser neues Batterieschiff A-ROSA SENA, das eine neue Schiffsgeneration darstellt, müssen alle Kollegen aus den Reisebüros rauf.

Arbeitet A-ROSA mit präferierten Partnern oder allen Reisebüros zusammen?

Wir versuchen, so breit wie möglich zu agieren. Wer mit uns arbeiten möchte, ist herzlich willkommen. Denn nicht der Kunde muss das Produkt suchen, sondern das Produkt muss zum Kunden und dort sein, wo der Kunde sich aufhält. Und das sind alle Reisebüros. Die dann nach entsprechendem Umsatz den Platinpartner-Status in unserem A-ROSA Vertriebskundenclub erreichen können und sich damit zu den 150 besten Vertriebspartnern weltweit zählen dürfen. Mit vielen Benefits, versteht sich.

Bleibt A-ROSA was Kataloge oder Verkaufsunterlagen betrifft, weiter am analogen Weg?

Solange ich bei A-ROSA bin, solange wird es auch Kataloge geben. Das gemütlich zu Hause lesen gehört zur Urlaubsberatung- und Buchung dazu. Wir leben im Mulitchannel-Zeitalter, in dem der Kunden alle Kanäle nutzt. Gemütlich auf dem Sofa durch den Katalog schmökern, ebenso wie am iPad. Der neue Katalog für 2023 (erscheint im Mai) wird der bisher dickste und umfangreichste und im Magazinstil um viele individuelle Artikel ergänzt sein. Parallel dazu bieten wir für die Reisebüros ein Informationsheft, Counterinfos, Deko-Elemente und kleine Broschüren für den Kunden, um Appetit zu machen – da werden wir nicht kürzen. Aktuell produzieren wir so viel Printmaterial wie nie zuvor.

Wie lautet der USP von A-ROSA als entscheidendes Verkaufsargument im Kundengespräch?

Es gibt weltweit keinen vergleichbaren Anbieter mit dieser breiten Zielgruppenansprache, mit einem echten Kids Club sowie einem umfangreichen Kinder- und Familienprogramm – Stichwort Multigeneration.

Das Individualitäts- und Flexibilitätskonzept sowie das Premium Plus Buffetkonzept sind bis heute einzigartig. Ab der nächsten Saison – und ab Mai diesen Jahres schon auf der A-ROSA SENA – kann der Gast täglich bis Mittag wählen, ob er das Essen vom Buffet selbst wählen oder als Menü serviert haben möchte. Das findet man sonst nirgends. Und dann die angesprochene Konsequenz in punkto Nachhaltigkeit, die stark in die Regionalität hineinspielt. Alles starke Verkaufsargumente.

Premium kostet, wie teuer ist A-ROSA für eine Familie mit zwei Kindern in der Hochsaison?

Was uns nach wie vor deutlich von allen Anbietern unterscheidet: Wir bieten, auch auf der neuen A-ROSA SENA, Familienkabinen und Kinder bis 15 Jahre reisen bei uns kostenfrei. Eltern mit zwei Kindern bekommen die zweite Kabine geschenkt, das ist einzigartig. Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern kommt in der Hochsaison also mit zwei Kabinen – nur eine wird bezahlt – auf total rd. 3.000 Euro AI, exklusive Anreisekosten. Die Kunden werden vom Bahnhof abgeholt und mit dem kostenfreien Shuttlebus zum Schiff gebracht. 

Ist Nachhaltigkeit mittlerweile buchungsentscheidend?

Für uns ist es im Moment zukunftsentscheidend. Ich bin der Meinung, dass unser Geschäftsmodell nur in einer intakten Umwelt stattfinden kann. Wer jetzt nicht konsequent den Hebel umlegt, kann in Zukunft in diesem Markt nicht mehr agieren. Der sogenannten Kipppunkt wird kommen – ob in drei, fünf oder sieben Jahren. Dann wird Nachhaltigkeit buchungsentscheidend sein. Nur, wenn man erst dann beginnt, das Unternehmen darauf auszurichten, ist es zu spät. Für uns ist es daher schon jetzt und aus voller Überzeugung das Gebot der Stunde, nachhaltig zu handeln.

Noch ein paar Worte zuSicherheit und Hygiene an Bord, die ja für die Kreuzfahrtindustrie nicht wirklich neu ist?

Wir waren schon immer extrem hygienisch an Bord, hatten quer übers Schiff Desinfektionsgeräte stehen und die Mitarbeiter standen mit wachem Blick daneben. Ein Durchhuschen war und ist nicht möglich. Es findet zweimal täglich ein Kabinen-Cleaning statt, das Schiff wird mehrfach täglich gewienert und gerade beim Essen und am Buffet wurde immer akribisch auf Hygiene geschaut. Die Industrie hat generell hohe Hygienestandards, wir wie viele Marktteilnehmer haben sich den strengen amerikanischen Standards verschrieben.

Und was wird von den rigideren Maßnahmen aus Corona-Zeiten bleiben?

Wir werden wohl das Einbahnstraßensystem im Buffetbereich beibehalten, denn dadurch entzerrt sich der Andrang und gibt dem Gast ein tolles Gefühl. Auch die Plexiglastrennwände, dort wo es zwischen den Tischen enger ist und von den Gästen geschätzt wird, werden wir erhalten. Das gibt einfach mehr Privatsphäre und reduziert die Geräuschkulisse.

Zum Schluss steht noch ein Wusch, ein Appell …

Ich bin in Dresden geboren, sozusagen im Kalten Krieg aufgewachsen. Jegliche Art von Gewalt ist mir zuwider. Die aktuelle Situation in der Ukraine macht einfach unfassbar traurig. Daher mein Wunsch: Bitte, setzt Euch zusammen, findet eine Regelung und beendet diesen wirklich komplett sinnlosen Krieg. Lasst uns in Europa zurückkehren in ein friedlicheres Zeitalter. Ich habe zurzeit keinen stärkeren Wunsch. Dass wir nochmals in dieses alte Ost-West-Muster zurückfallen, macht mich extrem betroffen und traurig.

Interessierte Reisebüros können sich an die A-ROSA Agenturbetreuung wenden:

A-ROSA AGENTURBETREUUNG
Mail: sales@a-rosa.de
Tel.: +49 (0) 381-440 40 229

Viel Information findet sich im Extranet unter www.a-rosa.de/reisebuero

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