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Day 8 – Abnormalität zum Quadrat

Jetzt klopft der Winter also lautstark an die Tür, und wär‘s ein normales Jahr, würde man sich auf die ersten Wedelschwünge auf verschneiten Pisten und überhaupt auf alles, was zum Skiurlaub dazugehört – vom wärmenden Wollmützerl bis zur Hightech-Skiausrüstung, vom Hüttenzauber bis zum vergnüglichen Après-Ski – freuen. Man würde traditionell über Preisgefüge und Leistbarkeit des winterlichen Urlaubsvergnügens lamentieren, um dann am Ende der Saison erneut einen Erfolg zu vermelden. Damit wird es heuer nichts, weil 2020 bekanntlich alles andere als ein normales Jahr ist. Diese ganze Abnormalität wird gerade an der hochpolitischen Diskussion um Skipistensperren und Verschiebung der Wintersaison deutlich.

Ich weiß nicht, ob’s dem ganzen Dilemma, in dem sich die heimischen Tourismusbetriebe gerade befinden, helfen würde: Aber vielleicht kann ja der Wettergott ein Wörtchen in der ziemlich schrägen Debatte um eine EU-weite Sperre der Skipisten und Verschiebung der Wintersaison in den Jänner 2021 ein Wörtchen mitreden. Obwohl, eine echte Alternative und Lösung des Problems wäre ein Winter, der gar keiner ist, auch nicht. Wetterkapriolen brauchen wir wie den sprichwörtlichen Kropf nicht, auch wenn die Prognosen und Wettermodelle für heuer einen Winter wie er eben sein soll – mit Schnee und Kälte – vorhersagen. Das Mädchen, La Nina, soll uns sogar weiße Weihnachten bescheren. Na schauen wir mal, dann sehen wir schon, denn eine Schneeflocke macht bekanntlich noch keinen Winter. Dazu herrscht in der Atmosphäre über dem großen Teich noch viel zu viel Chaos und damit wenig Unterschied zum irdenen Tohuwabohu rund um eine Wintersaison, der von der hohen Politik bereits zu Beginn ein Ende gesetzt werden soll. Weil Corona noch immer die unberechenbare Konstante in unserem aktuellen Alltag ist.

„Wir machen uns Sorgen um Österreich“, sagt Bayerns Ministerpräsident, Markus Söder, der aufgrund der weiter steigenden Corona Infektionen – auch in Deutschland – eine Schließung der europäischen Skigebiete – und damit auch in Österreich – fordert. Bis zumindest 10. Jänner, also über Weihnachten und Silvester soll es keinen Skitourismus in Österreich geben. Sollen keine Skilifte, keine Bergbahnen, keine Skischulen, keine Hotelbetriebe, keine Gaststätten, in Betrieb gehen. Kurzum, kein Winterurlaub überall, was das für die direkte und indirekte Leistungskette – vom kleinen Bäcker bis zum großen Hotelier – und die vielen Menschen, die in dieser zusammenhängenden Infrastruktur arbeiten und ihre Lebensgrundlage haben, bedeutet, bedarf keiner politischen Funktion und keines Hochschulstudiums.

Für Söder wäre es „ein Akt der europäischen Solidarität“, er hat bereits in der Vergangenheit vor einem „zweiten Ischgl“ gewarnt (Quelle: www.nachrichten.at). Herr Söder, das will auch in Österreich niemand, das will Ischgl nicht, das will kein Hotelier, kein Gastronom, kein Hüttenbetreiber, kein Skilehrer, kein Koch, kein Kellner, kein Bäcker, kein Fleischhauer, kein Landwirt, kein Transportunternehmer, kein niemand und auch Österreichs Politik nicht. Ja, Ischgl ist kein gutes Beispiel, aber mit Verlaub, derartiges hätte auch andernorts passieren können. Der berühmte Skiort muss jetzt mit seinem Stigma leben, hat aber wie alle österreichischen Tourismusorte und Betriebe seine Hausaufgaben mit viel Aufwand und hohen Kosten gemacht und erfüllt im Interesse der Gäste die höchsten Sicherheitsstandards. Da passt kein Blatt Papier dazwischen.

Aber natürlich, gegen die Pandemie an sich ist man hier wie dort noch immer machtlos, man muss an die Vernunft und die berühmte Eigenverantwortung jedes Einzelnen weiter laut und anhaltend appellieren. Dass dies und damit ein Urlaub in Österreich, dass ein verantwortungsbewusstes und sicheres Miteinander jedoch möglich ist, zeigte ein nicht unerfolgreicher Sommer an unseren wunderschönen Seen und Bergen. Wo sich ganz viele deutsche Gäste pudelwohl fühlten und auch wieder gesund nach Hause reisten.

Ja, es wäre, wie Sie sagen „ein Akt europäischer Solidarität“. Also keine Einbahnstraße, indem man einfach Europas Skigebiete zusperrt und damit ganze Berufsstände in den Ruin treibt. Was es braucht, ist Koordination und Planbarkeit. Es braucht klare Regeln und Ansagen der Politik und keine „knieweichen“ Erlässe mit einer Dehnbarkeit eines Gummiringerls. In Österreich, in Deutschland, in ganz Europa.

Bleiben Sie weiter gesund und bitte #stayhome!

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