Homeoffice-Book II

Day 5 – Shop till you drop …

Nicht lapidares Einkaufen und Decken der Grundbedürfnisse, sondern Shoppen als Erlebnis – am liebsten in einer riesigen Mall – zählt für viele Menschen zur liebsten Freizeitaktivität und Wochenendgestaltung. Und auch, wenn das Internet und damit die Einkaufswelt längst eine unendliche und zu einer enormen Konkurrenz für den stationären Handel geworden ist, mit dem echten und persönlichen, dem haptischen Einkaufserlebnis, wird die synthetische Onlinewelt nie mithalten können. Weil die fachkundige Beratung, weil einfach der Mensch, fehlt. Dennoch ist das Leiden, jetzt in der Coronakrise, für die Unternehmer aus dem Textil-, Einrichtungs-, Sport-, aber auch aus dem Buch- und Reisehandel kaum mehr zu ertragen und der zweite Lockdown könnte für viele zum ewigen werden. Retten, was zu retten ist, muss also die Devise lauten, auch wenn das den Bruch mit Tabus bedeutet. Manche sind sowieso längst nicht mehr zeitgemäß.

Die Konkurrenz der internationalen Online-Versandriesen ist für den traditionellen Handel nicht fremd. Jetzt allerdings in der Pandemie, da die Welt und damit der Handel zugesperrt und der Konsument von seiner Freizeit-Lieblingsbeschäftigung weggesperrt wird, bekommen die Amazons & Zalandos dieser Welt noch zusätzlich Oberwasser und werden für den österreichischen stationären Handel zur echten Überlebensfrage. Zwar haben ganz viele Betriebe nun rasch ebenfalls ihr Portfolio mit Onlineshops internettauglich gemacht, den Krieg wird man selbst mit der größten Kraftanstrengung damit aber schwer gewinnen können. Und ein bisserl muss man sich schon auch selbst an der Nase nehmen, denn überraschend kam eigentlich nur Mr. C und nicht die digitale „Pandemie“. Darüber zu sinnieren bzw. zu diskutieren ist unerheblich, jetzt geht es nur darum, diesen „Krieg“ zu gewinnen und den Unternehmern aller Branchen einen nachhaltigen Restart zu ermöglichen. Und mit der Liberalisierung der Öffnungszeiten – ein ewiges polarisierendes Thema – sollte man beginnen. Bzw. hat das der Wirtschaftskammerpräsident, Harald Mahrer, bereits getan. Ein bisserl patschert, wie man das auf gut Wienerisch sagt, aber vielleicht doch endlich zukunftswirksam. Man wird sehen.

Ob der Vorschlag, oder auch die Forderung, des WKO-Präsidenten, nach Ende des Lockdowns an den zwei Sonntagen vor Weihnachten (13. und 20.12.) den gesamten Handel zu öffnen, durchgeht, ist aktuell Schauplatz zwischen den Fronten. Für Mahrer und die Sonntags-Befürworter ist natürlich jeder Tag, der das Weihnachtsgeschäft noch halbwegs beflügeln kann, ein gewonnener. Bei der Gewerkschaft, der Arbeiterkammer, der Gesundheitsbehörde und interessanterweise auch beim Handelsverband stößt die Mahrersche Anregung auf Ablehnung. Warum? Da spielen vielleicht auch ein paar Befindlichkeiten eine Rolle, denn die Vorsitzende der GPA, Barbara Teiber, moniert, dass sie erst aus den Medien von Mahrers Ansinnen erfahren habe. Das ist, wenn man immer wieder von guter Sozialpartnerschaft und gemeinsamer Krisenbewältigung redet, kein zulässiger Zug. Nur das alleine ist’s natürlich nicht, man ist gegen erweiterte Öffnungszeiten – jetzt und später. Die Arbeiterkammer spricht von Unverantwortlichkeit und sieht durch diese zwei zusätzlichen Einkaufstage weder Entflechtung der Kundenströme noch einen höheren Umsatz. Und für den Handelsverband sind es die erhöhten Personalkosten, die sonntags schlagend werden und somit gerade kleinere Betriebe weiter belasten. All das sind treffende Argumente, gerade was die Mitarbeiter betrifft. Denn sie stehen immer in der ersten Reihe, sie sind der Prellbock und müssen sich, abgesehen vom aktuellen hohen gesundheitlichen Risiko, vom stressgeplanten Kunden oft einen krummen Hund schimpfen lassen. Aber auch dieser Zustand ist nicht wirklich neu, wer in seinem Verwandten- oder Freundeskreis Menschen hat, die in einem Dienstleistungsgewerbe arbeiten, weiß, was die „Helden des Handels“ tagtäglich – und ganz besonders jetzt in der Coronakrise – aushalten müssen.

Fragt man jedoch einen dieser Mitarbeiter, erhält man ein freundliches „wir machen unseren Job sehr gerne und gibt es einen anderen, einen besseren Weg?“  Es sind unsere Arbeitsplätze, um die es geht. Überlebt das Unternehmen, überleben auch wir und unsere Familien, so der einhellige Tenor. Denn eigene Onlineshops – so lässig das auch alle gerade finden – sind für viele Handelsangestellte nicht bloß eine temporäre Alternative, sondern eine weitere Gefahr. Denn wenn diese „Notlösung“ gut funktioniert und vom Kunden angenommen wird, braucht man uns dann auch nicht mehr, so die logische Schlussfolgerung, Da ist was dran, oder?

Und, denken wir vor allem jetzt den einen Schritt weiter: Corona wird, da das Licht am Ende des Tunnels bereits heller zu werden beginnt, irgendwann im Griff und damit bald vorbei sein. Und dann werden sie rasch wieder kommen, die vielen kaufkräftigen Touristen aus aller Welt. Die dann hoffentlich auch hier sagen können: Shop till you drop, Vienna is top!

Damit bleiben Sie gesund und bitte #stayhome!

Info-Hotlines

Unter wko.at/regionaleinkaufen geht’s zu vielen österreichischen Online-Plattformen

Coronavirus-Hotline der AGES: 0800 555 621
Telefonische Gesundheitsberatung: 1450
Hotline des VKI zu reiserechtlichen Fragen: 0800 201 211
AK/ÖGB-Hotline zu arbeitsrechtlichen Fragen: 0800 22 12 00 80
Wirtschaftskammer: 0590900 4352
Rotes Kreuz: www.roteskreuz.at/home

Außenministerium - Online-Registrierung: www.bmeia.gv.at/reise-aufenthalt/auslandsservice

WKO_Info-Service für Betriebe: www.wko.at/corona

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