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Griechenland

Krisen und Eigenverantwortung

Zwei private Initiativen auf der griechischen Insel Samos zeigen, wie sie trotz der wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen und Krisen der vergangenen Jahre die Zukunft ihrer Insel und die Möglichkeiten für die Bevölkerung mitgestalten wollen. Die Folgen der anhaltenden Finanzkrise und der zwischenzeitlich nachlassenden Flüchtlingsbewegung waren auf der Insel in der östlichen Ägäis schmerzlich zu spüren. Die wirtschaftlichen Einbußen betrafen vor allem die Tourismusbranche, den wichtigsten Wirtschaftszweig der Insel und damit auch die kleinbäuerlichen, landwirtschaftlichen Betriebe und eine Vielzahl von Arbeitsplätzen, die auf Tourismus angewiesen sind. Zuerst waren die Besucher verunsichert über die finanzielle Lage in Griechenland, im Jahr 2015 kamen Schreckensmeldungen von gestrandeten Flüchtlingen hinzu. Die Besucherzahlen sind auf ein Rekordtief abgerutscht, die wirtschaftliche Lage für viele mittelständische Unternehmen ist existenzbedrohend. Diese Situation zu verändern, ein positives Außenbild für die Insel zu schaffen und den Tourismus zu stärken, hat die Interessengruppierung FOS Friends of Samos sich als erstes Ziel vorgegeben. Erstmalig haben sich dafür gemeinsam mittelständische Unternehmer, Freunde, Förderer und Bewohner der Insel zusammengefunden. Mit dem Ziel Samos digital auf den neuesten Stand zu bringen und seine Bewohner fit für die Zukunft zu machen, wurde die Pythagoras Academy gegründet. Zwei Initiativen, die sich dafür einsetzen die Wirtschaft der Insel zu stabilisieren, Wohlstand und sozialen Zusammenhalt für die Bevölkerung zu unterstützen und den Besuchern weiterhin unvergessliche Urlaubstage zu ermöglichen. Die Gründung der FOS Friends of Samos erfolgte im August letzten Jahres. FOS bedeutet „Licht“ auf Griechisch und es könnte auch als Slogan dienen: Das Licht von Samos soll wieder leuchten. „Wir sind überzeugt, dass es sinnvoll ist, die Schwierigkeiten auf der Insel gemeinsam anzugehen. Als starke Gruppe können wir mehr erreichen als jeder für sich allein. Unser Ziel ist es, die Wirtschaft zu stärken und eine neue Identität für Samos zu vermitteln, die alle Samioten wieder mit Stolz nach außen tragen.“ so fassen Nikos Athanasiou und Otto Gerner, zwei Initiatoren, die Bestrebungen der Friends of Samos zusammen. Das Netzwerk solle wachsen, erklärt ein weiteres Gründungsmitglied, Dimitri Kasmirlis, denn wenn sich eine große Zahl der lokalen Unternehmen und Persönlichkeiten für die Insel stark mache, könne der Verbund wirklich große Veränderungen bewirken und die Wirtschaft auf der Insel nachhaltig verbessern. Neben dem Aufbau einer starken Marke für die Insel will FOS sich dafür einsetzen das umfangreiche touristische Angebot bekannter zu machen, zu ergänzen und die Insel für In- und ausländische Investoren noch attraktiver zu machen. Wichtig ist den FOS Gründern vor allem auch die Einbindung der Bevölkerung; es geht darum, Eigeninitiative und Selbstverantwortung zu fördern, Menschen mit neuen Geschäftsideen und bei Startups zu unterstützen, die Wirtschaftlichkeit bestehender Betriebe zu sichern und einen überregionalen Erfahrungs- und Wissensaustausch zu ermöglichen und zu fördern. Dies ist auch ein zentraler Aspekt der Pythagoras Academy. Sie bringt Experten aus aller Welt zusammen, um einheimische und internationale Studenten zu schulen und innovative Technologie-Lösungen für wirtschaftliche und soziale Herausforderungen zu erarbeiten. Unter dem Motto „Digital Samos“ hat die Academy ein Entwicklungskonzept für ländliche Regionen vorgelegt, welches den Schwerpunkt auf die Bereiche Online Banking, Vernetzung von Krankenhäusern und digitale Finanzdienstleistungen legt. Erste digitale Kontos wurden bereits eröffnet. 200 Kursteilnehmer werden 2017 zum CCNA (Cisco Certified Network Associates) ausgebildet, also mit einem grundlegenden Wissen im Bereich Digitale Netzwerke ausgestattet. Die Kosten für die Ausbildung von rund 2.000 Euro pro Teilnehmer werden von Cisco übernommen. Ein CCNA kann kleine und mittlere Netzwerke installieren, konfigurieren und betreiben, und die Absolventen können nach ihrer Ausbildung idealerweise die Insel beim Weg in eine wettbewerbsfähige Digitalisierung unterstützen. Die Bayer Stiftungen finanzieren derzeit den Aufbau einer „Impact Testing Unit“ (Abteilung zur Wirkungsanalyse) innerhalb der Pythagoras Academy, die Grassroot Innovationen, also „wurzel-nahe“, innovative Technologien entwickeln und testen wird, die später in anderen Märkten und Ländern angewendet werden können. Samos ist dafür ein besonders guter Standort: eine europäische Insel an der Schwelle zum Orient, quasi der Minimumfaktor, ein Markt an dem Erfolg überprüft und nachjustiert werden kann. Kurse zu Solarenergie sind ebenso geplant wie „Digital Literacy Lessons“, Kurse zu Grundkenntnissen digitaler Technologien. In Zusammenarbeit mit Airbnb und dem Bürgermeister von Samos lädt die Pythagoras Academy sogenannte digitale Nomaden ein, Zeit auf der Insel zu verbringen, um mehr digitales Wissen auszutauschen und Chancen für Einheimische und Besucher von Samos zu schaffen. Gründerin der Pythagoras Academy ist Paula Schwarz. Sie ist überzeugt von dem „enormen“ Potenzial, welches das Internet und neue Technologien bereithalten und hat bereits zahlreiche Projekten mit ihrem Unternehmen Startup Boat realisiert. Hochkarätige Unterstützung erhält die Academy von multinationalen Sponsoren wie Bayer CSR, den Bayer Stiftungen, Bayer Innovation, Cisco, der Thomson Reuters Stiftung, der Schwarz Stiftung und einigen Griechen, die im Ausland leben und sich für ihr Heimatland einsetzen möchten. Paula Schwarz ist Deutsch-Griechin, spricht beide Sprachen und kennt die Insel, ihre Bewohner und auch die Verunsicherungen und Vorbehalte. Und sie ist voller Zuversicht, wenn sie erklärt: „Wir sollten die Herausforderungen auf Samos annehmen, die Krise als Chance sehen für neue Impulse und Veränderung zum Positiven, und das Internet bietet hierzu viele bislang unterschätzte Möglichkeiten.“
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