Griechenland

COVID-19 und Hitze – Die brennenden Themen

Wie schon in den vergangenen Jahren haben wir auch im Sommer 2021 die Reise ins südwestliche Kreta angetreten. Die gewohnte und sehr geschätzte Gastfreundschaft bzw. die Schön-Wetter-Garantie waren auch in diesjährigen Sommer unsere Begleiter und machten den Urlaub zu dem, was Urlaub ist: Zeit der Entspannung und Erholung. Dennoch wurde die Urlaubsidylle von zwei Themen, die uns seit geraumer Zeit verfolgen, überschattet. Zum einen die COVID-19-Pandemie, zum anderen eine insbesondere in diesem Sommer vergleichsweise lang andauernde Hitzeperiode bzw. damit einhergehende Waldbrände.

Wenngleich der Flug von Wien nach Chania weitgehend voll besetzt war, der Tourismus in Griechenland – wie in anderen Ländern auch – war auch im Sommer 2021 bei weitem noch nicht auf Vor-COVID-19-Niveau. Wie heimische Hotel- und Restaurantbesitzer berichteten, ist die Tourismusentwicklung – nach einem weitgehend touristenfreien Juni (Griechenland hat offiziell am 15. Mai die Sommersaison 2021 gestartet) – seit Mitte Juli 2021 zaghaft angelaufen. Der südwestliche Teil Kretas wird von vielen langjährigen Stammgästen frequentiert und schien somit im Vergleich zu anderen Teilen der Insel vergleichsweise gut dazustehen. Im Nordteil der Insel waren allerdings viele Hotels und Restaurants geschlossen, da angesichts stark steigender Inzidenzen in Griechenland und insbesondere in Kreta Reiseveranstalter aber auch Reisende selbst ihre Urlaube storniert haben, was ein Öffnen von Tourismusbetrieben unrentabel machte. Die stark steigenden Coronazahlen führten letztlich übrigens dazu, dass im August zwischen 01:00 und 05:00 Uhr morgens in Kreta ein Lockdown light eingeführt wurde, der auch penibel kontrolliert wurde.

Klimawandel macht zu schaffen

Neben den COVID-19 bedingten Einschränkungen war das zweite Top-Thema die fast – für Einheimische und Gäste gleichermaßen – unerträgliche Hitze, die sich im Juni bzw. August als besonders langanhaltend bzw. hartnäckig erwies. Wenngleich diese Tatsache in vielen Ländern jährlich wiederkehrt, dürfte der Sommer 2021 bezüglich Dauer und Intensität der Hitzeperioden besonders ausgeprägt gewesen sein und das normale Ausmaß bzw. die damit einhergehenden Folgen wie unkontrollierbare Waldbrände weit überschritten haben.

Nach einem vergleichsweise milden und weitgehend niederschlagarmen Winter verschärfte sich damit die ohnedies prekäre Wassersituation weiter. Die neben dem Tourismus wichtige Einkommensquelle des Olivenanbaus wurde dadurch negativ beeinträchtigt und lies die Einkommen weiter sinken. Tatsache ist aber, dass lang andauernden Hitzeperioden, aber auch sonstige Wetterextreme wie kleinräumig starker Niederschlag und Überflutungen – laut einhelliger Meinung der Klimaforscher – häufiger werden.

Klimawandel und die damit einhergehenden Wetterextreme machen touristischen Zielgebieten in Griechenland und anderen Teilen der Welt zu schaffen. Wer glaubt, Hitze sei dem (touristischen) Geschäft zuträglich, irrt. Hitzebedingt blieben beispielsweise Touristen in den klimatisierten Hotels und konsumierten – abgesehen von Getränken – dementsprechend weniger, wie lokale Restaurantbesitzer berichteten. Darüber hinaus mussten hitzebedingt touristische Attraktionen im Sommer 2021 gesperrt werden (z.B. Museen in Athen, aber auch Outdoor-Gebiete, wie die Samaria-Schlucht, die fast den gesamten August geschlossen blieb), was sich auf die Einnahmen weiter negativ auswirkte.

Es geht um Bewusstseinsbildung

COVID-19 und Klimawandel, zwei Bereiche, die an den Grundfesten des Tourismus rütteln, aber gleichzeitig auch ein Fingerzeig dafür sind, dass nachhaltiges Denken und Handeln für uns und die nachfolgenden Generationen überlebensnotwendig für das Leben im Allgemeinen und für den Tourismus im Besonderen sind. Die Lösungsansätze für all diese Herausforderungen sind zu komplex, um diese in ein paar Worte fassen zu können. In erster Linie geht es aber, bei Anbietern und Gästen gleichermaßen, hinsichtlich der Tatsache, dass die Ressourcen der Erde nur in beschränktem Ausmaß zur Verfügung stehen, um Bewusstseinsbildung. COVID-19 wird mittelfristig bewältigbar sein, während klimatische Veränderungen – ab einem gewissen Zeitpunkt – unumkehrbar sind.

Dr. Peter Laimer ist Tourismusexperte der Statistik Austria und Vorsitzender der UNWTO Expertengruppe zur Messung der Nachhaltigkeit des Tourismus (MST).    

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