Gastbeitrag

FLEX-Tarife können nur eine Übergangslösung sein!

Der Ansatz der Reiseveranstalter ist gut: Nämlich, den reisewilligen Kunden schon jetzt eine Möglichkeit zum Buchen zu geben und von einfachen Storno- und Umbuchungsregeln zu profitieren. Der Alltag am Counter zeigt jedoch ein anderes Bild. Mitarbeiter in Kurzarbeit, ein unendliches Dickicht an Informationen was die Reisebestimmungen, die generelle Lage der Touristik und die mittlerweile schon lange Liste der Flextarife betrifft – dazu kommt die weiterhin große Ungewissheit, unter welchen Voraussetzungen im Sommer wieder Reisen möglich sein werden.

Eines ist klar: Flextarife können und dürfen nur als Notlösung für die kommenden Wochen gesehen werden, um den Kunden, die nicht länger mit einer Buchung zuwarten möchten, eine Option zu geben. Denn auf Dauer ist es den Reisebüromitarbeitern nicht zumutbar, immer mehr Informationen zu verarbeiten und dabei nicht den kompletten Überblick zu verlieren.

Eine Reisebuchung stellt sich – neben der gewohnten Beratung zum gewünschten Reiseziel – inzwischen eher wie ein Notariatsakt als der Ausgangspunt zur „Urlaubsfreude“ dar. Da sind die Informationspflichten zu Pauschalreisegesetz, Formblätter, Einreise- und Ausreisebestimmungen vom jeweiligen Reiseland als auch von Österreich, Versicherungsbestimmungen, ARB der Reiseveranstalter, AGB des Vermittlers, uvm. gilt es, zu beachten. Und jetzt kommen noch die Flextarife dazu – die wiederum bei jedem Veranstalter anders geregelt sind.

Die Idee ist gut

In der Praxis wird nicht nur für den Reisebüro-Mitarbeiter, sondern auch für den Kunden die Informationsflut immer undurchschaubarer! So sollten die Flextarife nur als Notlösung für die nächsten Wochen angesehen werden, um Kunden, die proaktiv auf die Reisebüros zukommen, eine der fragilen Situation angepassten Reise-Möglichkeit zu bieten.

Hilfreich, aber nicht einfach

FTI hat eine einfache und leicht merkbare Regel geschaffen: Der Flextarif gilt für alle Buchungen bis zu einem Abreisezeitraum bis 31. Oktober. Der Tarif ist ebenso schnell mit drei Prozent vom Reisepreis bis max. 300 Euro berechnet, bei Storno ist nur der Flexpreis-Tarif zu bezahlen. In den CRS wie BUMA, NEO oder Toma ist es mit der Anforderung S und der Leistung: FLEX sehr einfach, mit einer weiteren Leistungszeile zu buchen. Schauinsland macht es zum Fixpreis von 29 Euro, gültig für Buchungen bis 30. April und derselben Leistungsanforderung wie FTI. TUI staffelt die Flexpreise, ebenso DER Touristik.

Doch so einfach, wie es sich hier auf den ersten Blick darstellt, ist die „flexible“ Sache nicht. Denn ein großer Anteil an Reisen ist halt nicht nur eine Pauschalreise mit einem Charter-Kontingentflug, dann nämlich wird es kompliziert. Bausteinreisen, aber auch Pauschalreisen mit Linienflügen sind bis auf ein paar wenige Ausnahmen ausgenommen, ebenso dynamische Paketierung und Mixx-Produkte. Gerade in den letzten Jahren hat sich auch bei Pauschalreisen der Anteil von automatisiert zugesteuerten Flügen extrem erhöht, eine Buchung, für die ein Flextarif in Frage kommt, wird dann ganz schnell zur anspruchsvolleren Rechercheaufgabe im System. Flextarife können also nur eine Notlösung sein, bedeuten sie doch einerseits eine Menge an Mehrarbeit und bergen zudem die Gefahr von noch mehr Stornoabwicklungen in Folge.

Die EU muss Fahrt aufnehmen

Für den Vertrieb ist viel wichtiger, dass die Reisebestimmungen für den Sommer endlich auf Schiene gebracht werden. Die Reisebranche und Branchenvertretungen wie die Wirtschaftskammer, der ÖVT und ÖRV fordern seit Wochen zu Recht einheitliche Reiseregeln mit leicht verständlichen Impf- und Testnachweisen. Der EU-Impfpass würde Reisen wieder leichter möglich machen und zumindest für die bereits geimpften Kunden wieder Planungssicherheit für eine Reisebuchung geben, denn die Reisefreiheit für Geimpfte bedeutet ein Zurück zu den vollen Grundrechten, und nicht, wie von manchen Impfgegnern behauptet, ein Privileg. Alternativ muss man für Jene, die auf die Impfung noch warten müssen bzw. sich nicht impfen lassen wollen, eine einfache Teststrategie schaffen. Je schneller der europäische Impfpass kommt, desto schneller wird auch der Tourismusmotor wieder anspringen. Wozu es endlich auch eine bessere Impfstrategie der EU braucht – und, falls sich die Impfstoffversorgung nicht maßgeblich verbessert – notfalls auch nationale Lösungen bei der Verteilung und Zulassung der Vakzine.

Die aktuelle Auswertung von Statista macht das Dilemma sichtbar: Israel hat 61 %, die Seychellen 40 %, die VAE 40 %, Großbritannien 19 %, die USA und Bahrain je 12 % und Serbien sieben Prozent der Bevölkerung geimpft. Die EU im Schnitt 3,8 %, womit die Bezeichnung „Schnarchnasen-EU“ vom Präsidenten der österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, eine mehr als zutreffende ist.

Es ist höchste Zeit, dass die EU und die EMA endlich Abschied vom „Tanker“ nehmen – wie selbst die Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen das Impfprogramm der EU beschrieb und auf ein Schnellboot umsattelt. Denn mit jeder Impfdosis mehr, die verimpft wird, wird auch das Boot „Tourismus“ wieder mit mehr Sprit versorgt und kann wieder volle Fahrt aufnehmen. Dann werden auch die Flextarife wieder in der Versenkung verschwinden und unsere Kunden werden ihre Traumreisen wieder sorglos und mit großer Vorfreude buchen können und wollen.

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