Freiflug

Hoffnung

Mehr als den Schanigarten haben Sie uns nicht gegönnt. Alle Flehensrufe verhallten in den Säulenhallen der Parteizentralen. Langsam bleiben uns nur mehr Kalendersprüche und Weltraumprinzessinnen. Ein Kommentar von Thomas Schweighofer.

Die Küchenkalender haben ihre besten Zeiten hinter sich. Während sich die Oma früher über täglich neue Weisheiten zum Abreißen freute, landen heute ungefragt und ungebeten mit lautem Pling Nachrichten mit mehr oder weniger intelligenten Sprüchlein auf unseren Funkfernsprechern. Das ist manchmal ärgerlich, hin und wieder entfleucht dem Gesicht doch ein überlegendes Stirnrunzeln.

„‘Und ich habe mich so gefreut!‘ sagst du vorwurfsvoll, wenn dir eine Hoffnung zerstört wurde. Du hast dich gefreut – ist das nichts?“, schrieb ehedem Marie von Ebner-Eschenbach. Nicht schlecht. „Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens.“, wusste Friedrich Nietzsche. Da hatte er wohl recht. „Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“, grübelte Immanuel Kant. Stimmt, glücklich ist der, dem das gelingt. Doch so schön langsam gehen uns die guten Sprüche aus.

Wie haben sie nicht alle getrommelt, die Gastronomen und Hoteliers, die Branchenvertreter und auch wir in den Medien, mit scheinbar guten Argumenten für ein sicheres Wiederaufsperren. Aber da half nicht einmal ein ehemaliger Minister mit lauter Stimme an der Spitze der Kammer und Mitkämpfer für die Sache, um die Regierung in die gewünschte Richtung zu leiten. Das Bemühen kann man wohl kaum jemanden absprechen, den Erfolg aber schon. Was bleibt, ist, dass die Begründungen für die Verlängerung des wirtschaftlichen Staus einmal mehr mager sind. Die Angst vor steigenden Infektionszahlen wird vorgeschoben, denn sie lässt sich nur zum Teil mit den verhängten bzw. verlängerten Maßnahmen in Zusammenhang bringen. Wir wissen noch immer nicht genau, wo sich Menschen tatsächlich anstecken. Klar ist nur, das geschieht dort, wo sich Menschen begegnen. Daher braucht es Regeln. Die sind für den Handel deutlich weniger strikt, als sie zum Beispiel für Gastronomie oder Hotelbesuche nach den vorgelegten Konzepten gelten würden.

Die Weltgesundheitsorganisation rechnet jedenfalls nicht mit einem baldigen Ende der Corona-Pandemie: „Es wäre sehr verfrüht und unrealistisch zu glauben, dass wir bis Ende des Jahres mit diesem Virus fertig werden“, so WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan. Spitaleinweisungen und viele Todesfälle könne man aber durch kluges Handeln verringern. Auch das hören wir schon lange. Von den kommenden schwierigen Wochen ganz zu schweigen. Da stellt sich doch gleich die Frage nach der Gescheitheit unserer Maßnahmen. Schon vor Monaten wäre ein wirklich strikter Lockdown für alle mit rigorosen Kontakteinschränkungen die richtige Antwort gewesen, nun ist es zu spät. Noch immer fehlen klare Bedingungen für ein mögliches Wiederaufsperren, wir wanken von einem Rätselraten ins nächste. Von einem ganzheitlichen Konzept bis hin zu EU-einheitlichen Reiseregeln gar nicht zu reden. Wahr ist auch, dass die Brotkrumenpolitik für die Wirtschaft – im Sinne von manchen ein bisschen was erlauben, die anderen sollen nur weiter hoffen – ein Ende haben muss.

Klar, Österreich ist nicht wie Neuseeland, eine Insel am Ende der Welt mit stark eingeschränktem Transit, aber dort wurde nach nur einem neuen positiven Fall (!) die ganze Stadt Auckland in Quarantäne gesteckt. Wir sind auch nicht so wie unser Nachbar Schweiz, wo eine Wintersaison samt geöffneten Hotels unter strikter Einhaltung von umfassenden Schutzkonzepten möglich war – ohne explodierende Fallzahlen. Der 7-Tage-Mittelwert ist aktuell sogar um die Hälfte geringer als in Österreich. Die Positivitätsrate (das ist der Anteil positiver Tests in Prozent) liegt allerdings bei 5,2 %, in Österreich (aufgrund der Vielzahl an Tests) bei 0,92 %. Die Wahrheit der Zahlen ist somit eine relative.

Aber was soll zu Ostern so viel besser sein, dass es ein Wiederhochfahren rechtfertigt? In Städten und Ausflugszielen treffen sich an öffentlichen Plätzen die Massen. Bei den Myrafällen im Pistingtal fordert eine Privatinitiative nun sogar Schrankenanlagen. Wer offenen Auges die Situation beobachtet, weiß, der Osterhase legt nicht deutlich niedrigere Infektionsraten ins Körberl, viel eher werden es bunt bemalte faule Eier sein.

Langsam wird uns neben dem herzlichen Lächeln und dem guten Schlaf also auch die Zuversicht genommen. „Helft mir, Obi Wan Kenobi! Ihr seid meine letzte Hoffnung.“ lautete in einem meiner Lieblingsfilme die flehende Nachricht der Prinzessin des Planeten Alderaan an den alten Jedi-Meister. Ich knotze mich auf die Couch und entfliehe in fremde Welten. Da weiß ich, dass die Geschichte am Ende gut ausgeht. In der Realität bleibt mir nur ein letzter Rest Hoffnung – noch.

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