Freiflug

Energie für die Ferien

Nach den harten Wochen des Homeschoolings gibt es endlich Ferien. Im eigenen Home. Für die Kinder eine halbe Freude, für die Eltern höchstens eine Viertelfreude, für die Tourismusbranche bleibt der Kummer. Ein Kommentar von Thomas Schweighofer.

Wer von Ihnen ist so gut gereift, um sich noch an die Einführung der „Energieferien“ – so nennt sie der Volksmund – zu erinnern? Ich helfe Ihnen, vor vielen Monden wollte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) den Westen für ihre Israel-freundliche Politik bestrafen, drosselte die Erdölproduktion und trieb die Preise in ungeahnte Höhen. 1974 führte die Regierung Kreisky als Reaktion auf die Ölpreiskrise unterrichtsfreie Wochen ein, um Heizöl in Österreichs Schulen zu sparen. Schon davor gab es autofreie Tage, einmal in der Woche musste das Vehikel in der Garage bleiben. Beim Klimaschutz war man damals also schon weiter als heute. Aus Zwang, vielleicht hilft nur das … aber ich schweife ab.

Die Energieferien also. Wer kennt diese heute noch unter diesem Namen? Der Begriff ist ja wohl schon so veraltet wie Restaurantbesuche (das heißt heute „Was bestell ma bei Mjam?“) oder Sommerurlaub (wurde von „Gemma spazieren in den Park, aber nicht zu lange, weil dann ist der Mjam schon da!“ abgelöst). Wobei die Idee einer Pause zwischen den Schuljahrhälften einen sehr schönen Nebeneffekt mit sich brachte, der Jahrzehnte hervorragend funktionierte. Der Februar wurde zum August des Winters, nämlich der tourismusintensivste Monat der Saison. Die Leute nutzten die Zeit für einen Skiurlaub, manche brachen sich die Beine, anderen brach das Herz, weil der fesche Tiroler Skilehrer mehr als eine liebte, aber insgesamt war es für die Meisten mitunter die schönste Zeit des Jahres. 

Heuer brechen sicher deutlich weniger Knochen und innere Organe, dafür steigt das Fieber bei jenen, die von und mit dem Tourismus leben. Die Gäste, die in den nächsten Wochen nicht kommen dürfen, können dann, wenn es wieder erlaubt ist, nicht doppelt kommen. Wie heißt es so schön: Ein Hotelbett ist ein verderbliches Gut. Zumal die Nebensaisonen, so wichtig sie in den vergangenen Jahren geworden sind (oder sein sollten), nie so stark die Geldbörsen der Gäste lockern, wie es Ski- und Schneegaudi vermögen. Was man bei alledem nicht vergessen darf, und da liegt der arme Hund begraben, ist, den Leuten geht aufgrund von Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder bei Obi in Auftrag gegebenen Gartengroßprojekten nicht nur das Geld aus, bei vielen schmilzt das Konto an Urlaubstagen dahin wie das Skihaserl in den kräftigen Armen vom Toni. 

Wer seinen Skiurlaub schon länger gebucht hatte, in gutem Glauben, bis dahin sei eine sportlichere und fröhlichere Freizeit möglich, konnte nicht mehr so leicht umjustieren. Dabei waren Eltern schon in den vergangenen Monaten dazu gezwungen, ihre Urlaubstage für Betreuungspflichten aufzuwenden. Wie viele freie Tage sind schlussendlich dann noch übrig für den Rest des Jahres – und wer kriegt die? Besser ein einzelner Skitag im nahen, kleinen Skigebiet mit zwei Liften als eine Woche Skizirkus in Salzburg? Dann lieber nur sieben Tage Santorin statt der beiden Wochen? Oder doch nur ein kurzer Städtetrip, weil die neue Poolhütte im Garten stellt sich schließlich nicht von selbst auf? Energieferien also übers ganze Jahr verstreut und nur im ursprünglichen Sinne. Soll heißen, weniger Emissionen wegen erzwungener Einschränkungen. Wenn weniger gereist wird, fällt das Stück vom Kuchen naturgemäß kleiner aus. Für einige in der Tourismusbranche wird das zu wenig sein, um nicht wirtschaftlich zu verhungern.

Wobei, möglicherweise ist der Hunger in der Gesellschaft nach Abwechslung und Reizen außerhalb der eigenen vier Wände mittlerweile so groß, dass Reisen zur „Lebensnotwendigkeit“ wird. Vielleicht braucht es dazu aber wieder eine gute Idee, wie es die Energieferien damals waren. Mein 5-Jähriger etwa spricht voller Freude immer von den „Silvesterferien“. Ich frage dann: „Jakob, was meinst du damit?“ Und er antwortet: „Na, die Silvesterferien jetzt. Wo man nicht in den Kindergarten muss.“ Ach so! Bei uns zuhaus heißen die Energieferien, also die Semesterferien, nun also offiziell Silvesterferien. Wenn das kein guter Grund ist, um ein paar Tage auszuschnaufen, weiß ich auch nicht. 

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