Freiflug

Das Comeback des Jahres

Nun gut, Jesus ist unmöglich zu schlagen, aber Lauda, Lazarus, Winston und Co könnte der Tourismus hinter sich lassen. Ein Kommentar von Thomas Schweighofer.

Wer von Ihnen kennt sie nicht, die Tiefschläge. Wenn sich eine Türe schließt, dann … bleibt sie zu. Manchmal jedoch gelingt es uns, das Schlechte bewundernswert zu überwinden und sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Die Menschheit als solche hat bewiesen, dass sie eine besonders zähe Art ist. Weiche, verletzliche Geschöpfe, aber gleichzeitig so widerstandsfähig wie Kakerlaken. Extreme Klimabedingungen hätten beinahe schon einmal das Aus bedeutet. Amerikanische und israelische Wissenschaftler entdeckten durch Genuntersuchungen, dass vor 70.000 Jahren nur mehr etwa 2.000 Menschen auf der Welt lebten. Es ist ein großartiges Comeback in diesen paar Jährchen, heute gibt es 7,9 Milliarden von uns. Leider legen wir es mittlerweile wieder darauf an.

Wer es weniger mit Biologie, sondern mehr mit Musik hat, der wird diese Erzählung mögen. Die Rockhelden von AC/DC legten 1979 mit „Highway to Hell“ ein unglaublich erfolgreiches Album vor, das sie 9,5 Millionen Mal verkauften. Sechs Monate später war Sänger Bon Scott tot. Ein natürlicher Tod in dieser Branche: Drogen und Alkohol. Die Band stand vor der Auflösung, doch dann kam mit Brian Johnson ein neuer Sänger an Bord. Das nächste Werk „Back in Black“ stieg zur erfolgreichsten Hard-Rock-Scheibe überhaupt auf mit 50 Millionen verkauften Einheiten und ist damit das meistverkaufte Album weltweit nach Michael Jacksons „Thriller“.

Apropos Alkohol: Der griechische Gott Dionysos – in einer ganz wunderbaren Kombination gleichzeitig der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase – erschien einmal Aischylos im Traum und befahl ihm zu dichten. Trotz des göttlichen Beistands verlor er bei seinem ersten Versuch im wichtigsten Dichterwettbewerb Athens. Er wurde Soldat, kämpfte bei Marathon gegen die Perser, reiste und bildete sich, sammelte Lebenserfahrung und gewann später noch dreizehnmal den Wettbewerb. Ein großartiges Comeback mit einem schwarz-humoristischen Ende: Aischylos wurde vorausgesagt, er würde beim Einsturz eines Hauses sterben. Da begab er sich auf freies Feld, wo ihm eine Schildkröte auf den kahlen Schädel krachte, die ein Adler fallengelassen hatte.

Bleiben wir bei Legenden und Göttlichkeit. Der Bundeskanzler mag sich und er mag seinen Job. In dieser Reihenfolge. Stets sehr selbstbewusst tritt er vor die Öffentlichkeit und warnt und verspricht, was dann kommt oder nicht. Am 03. April 2020 meinte Sebastian Kurz: „Ich wünsche mir, dass wir in einem Jahr zurückblicken und gemeinsam feststellen, dass wir die Krankheit besiegt, Leben gerettet haben, und der Wirtschaftsstandort Österreich ein Comeback feiert …“ Nun, das hat die internationale Allianz der Nationalisten mit ihrer Krisenbekämpfung verhindert. Von einem Sieg war vor einem Monat noch keine Rede, erst jetzt lichten sich wieder die dunklen Wolken.

Die Buchungen ziehen mit den guten Nachrichten an. Passen die Umstände, wird es in Österreichs Ferienregionen schwer, kurzfristig ein Bett für die begehrtesten Wochen des Sommers zu finden. Wer sich nach ruhigen Städten und Attraktionen sehnt, sollte jetzt buchen. Die Sehnsucht nach Abwechslung vom Gewohnten ist groß, das gilt nicht zuletzt auch für viele Ziele im Ausland. Vieles deutet also darauf hin, dass der Tourismus ein großartiges Comeback feiern wird. Von einem niedrigen Niveau aus: 2020 stürzte der Tourismus global betrachtet um über 70 % auf das Niveau von vor 30 Jahren. Im besten Fall, prophezeit die World Tourism Organization (UNWTO), geht es ab Juli bei den Ankünften wieder steil nach oben mit einem Plus von 66 % bis Ende des Jahres. In diesem Fall würden die Ankünfte aber immer noch 55 % unter den Werten von 2019 liegen.

Trotzdem, der Optimismus ist zurück. Vor allem, weil die Monate der Entbehrungen den Menschen ganz klar vor Augen geführt haben, dass es zuhause in den eigenen vier Wänden und Hecken zwar sehr schön sein kann, aber dass Reisen, wenn schon nicht lebensnotwendig, das Leben doch sehr viel lebenswerter machen: mit Erfahrungen, Begegnungen und Geschichten, die echt sind. So wie jene über ein Gespräch des französischen Seemanns Robert Surcouf mit einem britischen Gegner, den er in der Schlacht besiegt hatte. Ein elegantes Comeback nach einem scheinbar niederschmetternden Angriff. Der Brite rief: „Ihr Franzosen kämpft für Geld, während wir für die Ehre kämpfen.“ Surcouf erwiderte: „Jeder kämpft für das, was ihm am meisten fehlt.“

Wie oft bewiesen: Was in einem Moment aussichtslos sein mag, kann noch in einem Sieg enden. Geschichte wird stets von den Siegern geschrieben – jetzt sind wir dran.

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