Flughafen Wien

Stark gebeutelt in die Erholungsphase

Nach zwei Jahren Pandemie ist der Flughafen Wien für das neue Geschäftsjahr durchaus optimistisch, erwartet eine weitere Stabilisierung der Verkehrsströme und rechnet für 2022 mit rd. 17 Millionen Fluggästen.

Irgendwie hat die Erholung der Luftfahrt und damit verbunden die Genesung von Flughäfen etwas von „Zurück in die Zukunft“, und die könnte, wenn man Epidemiologien, Virologen und Simulationsexperten glauben darf und sich vor allem Omikron & Co an alle wissenschaftlichen Prognosen und Hochrechnungen hält, irgendwann zwischen Ostern und Frühsommer beginnen. Na schauen wir mal, denn letztlich hängt es weiterhin von der Impfbereitschaft der Bevölkerung – europa- und weltweit – ab.

Weil, so das Flughafen Wien Vorstandsduo, Julian Jäger und Günther Ofner, im Rahmen der Präsentation des Jahresergebnisses 2021: „Die Impfung ist DAS entscheidende Mittel, um aus der Pandemie zu kommen und die zur Erholung der Luftfahrt- und Tourismusbranche führt.“ Sind dann zudem die Reisebestimmungen EU-weit kein kunterbunter Fleckerlteppich, sondern ein für alle gleich gültiger und überschaubarer wie verständlicher Maßnahmenkatalog – dem sich gerne auch weitere Staaten anschließen können – zeigt die Reise-Recovery-Kurve rasch nach oben.

Ein Beleg dafür, dass es an der Reiselust der Menschen nicht liegt, im Gegenteil. Denn mit Einführung der Vorstufe des Grünen Passes (3-G Nachweis) Mitte Mai 2021 und dem mit Juli 2021 EU-weit gültigen Grünen Pass stiegen die Passagierzahlen am Flughafen Wien um plus 237 Prozent bzw. verfügten Mitte Juli – noch rechtzeitig für die Sommerferienzeit - die Hälfte der impfbaren österreichischen Bevölkerung bereits über den ersten Stich, im Schengenraum sind aktuell rd. 90 Prozent der Bürger geimpft. 

Der Flughafen Wien weist unter seinen rd. 5.000 Mitarbeitern – allesamt seit März 2020 in Kurzarbeit, die mit Ende März 2022 enden soll – eine Immunisierungsquote von mehr als 90 Prozent auf, fährt in den Terminals eine strikte und umfassende Schutzmaßnahmen -Strategie – jeder ankommende Passagier wird auf den 2G bzw. gültigen PCR Status kontrolliert und bietet seit Mai 2020 im Airport Health-Center Antigen- und PCR-Testmöglichkeiten an. 

Im Felgeaufschwung zu alter Stärke

Vor diesem Hintergrund scheint das Jahresziel des Flughafen Wien mit prognostizierten 17 Millionen Passagieren durchaus realistisch, denn wenn gereist werden kann, wird auch gereist, ist Jäger überzeugt und erwartet demzufolge schon mit Ende März bzw. Ostern im April einen deutlichen Passagieraufschwung, der mit den bereits jetzt stattlich bestückten Sommerflugplänen der Fluglinien – allen voran des Platzhirschen Austria Airlines – dann weiter „Flug“ aufnehmen soll. Zwar ist man damit noch immer von den Spitzenwerten aus 2019 weit entfernt, aber zumindest wieder am Weg dorthin, oder wie es Günther Ofner ausdrückt: „Wir müssen uns jetzt wieder schrittweise nach oben turnen.“

Wenn man weiß, dass der VIE zuletzt 1998 zehn Millionen abgefertigte Passagiere in der Jahresbilanz stehen hatte, wird deutlich, dass diese Turnübung mit 10,4 Mio. Fluggästen im Krisenjahr 2021 und einem Minus von 67,1 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau 2019 für den VIE wie für die gesamte Flughafen Wien Gruppe kein einfacher Felgeaufschwung wird. Denn mit gesamt 13,1 Millionen Passagieren in der Gruppe und einem Minus von 66,8 Prozent müssen auch Malta und Kosice noch ordentlich „turnen“, um den Turnaround zu schaffen. Der Ausblick, so Ofner, lasse aber hoffen, was jedoch nichts am rigorosen Sparprogramm ändert.

Neben der bereits erwähnten Kurzarbeit gilt unverändert ein Investitionsstopp. So ist die Renovierung des Pier Ost vorläufig auf Eis gelegt und auch der Bau der 3. Piste bleibt als langfristiges Projekt auf der Agenda, über das man sich erst wieder beginnt Gedanken zu machen, wenn die Passagierzahlen die „alten“ lichten Höhen von 30 Millionen erreichen. Weiter voranschreiten wird aber die Süderweiterung, die gerade für den Non Aviation Bereich – Gastronomie und Shopping – mehr Flächen und somit auch Einnahmen bringen soll. Bereits im kommenden Sommer soll der in hellem und modernen Design neugestaltete Terminal 2 mit einer großen, zentralen Sicherheitskontrolle, neuen Shops und Gastronomieangeboten sowie einer 2.360 m2 großen exklusiven Lounge wiedereröffnet werden.

Das neue Gesicht des Flughafens

Mit 1,3 Milliarden Euro Umsatzverlust liegt die Corona-Krise wie ein schwerer Stein im Magen, dass der Flughafen Wien dennoch ohne weiterem Schuldenaufbau durch die letzten zwei Nullerjahre gekommen ist, ist, so Ofner „dem soliden wirtschaftlichen Fundament, der staatlichen Zuwendung (Kurzarbeit) und natürlich dem unglaublichen Einsatz der Mitarbeiter – wir kamen bisher ohne betriebsbedingte Kündigungen durch die Krise – zu verdanken.“ 

Krise hin oder her, woran sich nichts ändert und wovon das Vorstandsduo auch keinen Millimeter abweicht, sind Investitionen in Klimaschutz und Umweltmaßnahmen. 20 Millionen Euro werden gerade in Österreichs größte Photovoltaik-Anlage (24 Hektar) investiert, die demnächst in Betrieb gehen und die Fernwärme-Lieferung dann CO2-neutral erfolgen wird. Womit der Flughafen den CO2-neutralen Betrieb früher als geplant erreicht und dem Ziel, ein Green Airport zu werden, einen großen Schritt näher rückt. Und auch die AirportCity wächst mit einem 45.000 m2 großen Logistikpark der Deutschen Logistik Holding DHL und einem 21 Hektar großen Logistikzentrum der Helios Real Estate weiter.

„Die Betriebsansiedelungen entwickeln sich geradezu stürmisch, das Gesicht des Flughafens wird’s sich stark verändern,“ freut sich Ofner, bedauert aber gleichzeitig den Baustopp des Lobau-Tunnels. Weil damit die Verkehrssituation und verkehrstechnische Anbindung für den Wirtschaftsstandort, aber vor allem auch für die Bewohner in den nahen Gemeinden eine kaum mehr tragbare wird. 

Und so erwartet das Flughafen Management für 2022 neben 17 Millionen Passagieren einen Umsatz von 560 Mio. Euro, ein EBITDA von 172 Mio. Euro und zumindest ein Nettoergebnis in Höhe von 20 Mio. Euro, was, so Ofner je nach Pandemieentwicklung auch noch besser ausfallen könnte. Ja, und dann sollte es nach drei Jahren auch wieder eine Dividende geben – auch ein Novum für die erfolgsverwöhnten Aktionäre.

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