Europa

Luftverkehr erholt sich langsamer

Der Luftverkehr in Deutschland wird nach einer Prognose der Deutschen Flugsicherung (DFS) die Coronakrise erst Mitte des Jahrzehnts vollständig hinter sich lassen. Weltweit ginge dieser Trend schneller voran, als in Europa, so der neue DFS-Chef Arndt Schoenemann. 

In Europa gehe die Erholung langsamer voran wegen der vielen Lockdowns und des unabgestimmten Handelns der EU-Staaten, sagte Schoenemann. Für heuer erwartet die DFS mit 46 % des Vorkrisenniveaus kaum mehr Verkehrsaufkommen als 2020.

Die DFS-Lotsen kontrollierten im vergangenen Jahr 1,46 Millionen Flüge im deutschen Luftraum, das waren um 56 % weniger als 2019. Die Gebühreneinnahmen sackten um mehr als die Hälfte ab auf knapp 450 Millionen Euro. Der deutsche Bund bezuschusste die Behörde im vergangenen Jahr mit 300 Millionen Euro.

Schoenemann erklärte, der Staat müsse die Liquidität der Firma auch heuer sicherstellen. Zugleich sei ein Kostensenkungsprogramm angelaufen, nach dem bis 2024 die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland von zuletzt 5.600 um rund 570 sinken soll. Dies sei aber sozialverträglich möglich, weil viele Beschäftigte in den kommenden Jahren in Ruhestand gingen und deren Stellen nicht nachbesetzt würden. "Wir wollen den Betrieb nicht gefährden durch schnellen Jobabbau", sagte Schoenemann. Die DFS könne auch durch Digitalisierung und Automatisierung effizienter arbeiten.

Dass Europa der Entwicklung in anderen Weltregionen hinterherhinkt, erklärte auch die Ratingagentur Moody's. In den USA legte der Inlandsflugverkehr schon seit März dank des schnelleren Impftempos zu. Für den Sommer sei ein Anstieg des Angebots auf 80 % des Vorkrisenniveaus zu erreichen. Auch in China und Australien hebe der heimische Luftverkehr wieder stärker ab. Europa hinke wegen des Anstiegs der Infektionszahlen in den vergangenen Monaten und des langsameren Impftempos hinterher. Moody's erwartet, dass in europäischen Ländern ab Juli die Reisebeschränkungen fallen.

Die Aussichten für den weltweiten Luftverkehr bewertet die Ratingagentur aber nicht länger negativ. "Impfungen werden Regierungen ermöglichen, Reisebeschränkungen wie Quarantäne und Coronatests zu lockern", begründete die Agentur den Wechsel ihrer Bewertung von negativ auf positiv. Der Luftverkehr könne sich in den nächsten 12 bis 18 Monaten deutlich erholen trotz rekordhohen Covid-Infektionszahlen in Indien und Lockdowns in anderen Ländern, erklärte Moody's-Experte Johnathan Root. Privatflüge in den Urlaub oder zum Besuch von Freunden und Verwandten legten als erste zu. Bei Geschäftsreisen und Langstreckenflüge werde es länger dauern. Doch die Rückkehr von Beschäftigten in die Büros in vielen Ländern im Herbst werde das Geschäft beleben.

Die große Abhängigkeit von Geschäftsreisen und Langstreckenflügen dämpft die Erholung des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport vom Coronaschock. Im ersten Quartal zählte Fraport in Frankfurt nur rund 2,5 Millionen Passagiere, ein Rückgang um 78 % gegenüber dem Vorjahr. Im Gesamtjahr erwartet der Airport weniger als 20 bis 25 Millionen Passagiere - also im besten Fall knapp 35 % des Rekordniveaus von 2019, als der Andrang am größten deutschen Flughafen mit gut 70 Millionen Fluggästen groß war.

Die Flugpreise für Reiseziele in Europa sind unterdessen nach einer Auswertung des Vergleichsportals Idealo derzeit stabil. "Es lässt sich keine Preisexplosion, aber auch kein extremes Preisdumping erkennen", erklärte Lara Mercier, Marketing-Managerin von Idealo, auf Basis einer Auswertung von Buchungsdaten für Flüge aus Deutschland von Juni bis September.

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