EU

Kommissarin warnt vor Reiseeinschränkungen

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hat die EU-Staaten vor überzogenen Reiseeinschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus und neue Mutationen gewarnt. Auch die EU-Kommission empfehle dringend, von allen nicht unbedingt nötigen Reisen abzusehen, sagte die Schwedin am Donnerstag in Brüssel. Zugleich sollten die EU-Staaten jedoch nicht zu drastische Maßnahmen ergreifen, die die wirtschaftliche Erholung erschweren oder das Gesundheitssystem behindern könnten.

"Wir müssen einen ausgewogenen Ansatz haben", sagte Johansson am Rande von Beratungen der EU-Innenminister. Aus Angst vor der Ausbreitung neuer Corona-Mutationen beschließen immer mehr Länder Reisebeschränkungen.

So hatte etwa der deutsche Innenminister Horst Seehofer am Donnerstag angekündigt, einen weitgehenden Einreisestopp aus Ländern vorzubereiten, in denen neue Varianten des Coronavirus besonders verbreitet sind - obwohl die Abstimmungen auf EU-Ebene noch laufen. Seehofer begründete den Alleingang damit, dass keine europäische Lösung absehbar sei, die den deutschen Vorstellungen entspreche.

Noch am Montag hatte auch die EU-Kommission Maßnahmen für jene Länder vorgeschlagen, in denen die Virusmutationen stark verbreitet sind. Demnach soll für Reisen aus diesen Ländern eine verpflichtende zweiwöchige Selbstisolation eingeführt werden. Auch zusätzliche Coronatests bei der Ankunft könnten erwogen werden. Derzeit verhandeln die EU-Staaten noch darüber. Bereits in der vergangenen Woche hatten sich die EU-Staats- und Regierungschefs darauf verständigt, den Reiseverkehr so weit wie möglich auszubremsen.

Inzwischen wird die Liste jener Staaten, aus denen Menschen problemlos in die EU einreisen können, immer kürzer. Wegen deutlich gestiegener Infektionszahlen gilt auch für Japan keine Ausnahme der zu Beginn der Pandemie eingeführten Einreisebeschränkungen mehr, wie der Rat der EU-Staaten am Donnerstag mitteilte. Dies ist das Ergebnis der regelmäßig Überprüfung der entsprechenden Liste.

Somit bleiben nur sechs Länder weltweit, aus denen Bürger normal in die EU einreisen dürfen: Australien, Neuseeland, Ruanda, Singapur, Südkorea und Thailand. Für alle anderen Staaten gelten drastische Einschränkungen. Seitens des österreichischen Außenministeriums gilt derzeit eine weltweite Reisewarnung mit Ausnahmen für Australien, Finnland, Griechenland, Island, Japan, Neuseeland, Norwegen, Singapur, Südkorea und den Vatikan. Zusätzlich gelten derzeit Landeverbote für Flüge aus Großbritannien, Südafrika und seit dem Wochenende auch für Brasilien.

Seehofer sagte am Donnerstag am Rande eines EU-Innenministertreffens, dass die Einreisen aus den Verbreitungsgebieten besonders gefährlicher Corona-Varianten nach Deutschland weitgehend gestoppt werden. Es müsse innerhalb der deutschen Regierung noch geklärt werden, welche Ausnahmen man zulässt. Eine Entscheidung soll bis zum Freitag fallen. Betroffen wären derzeit fünf Länder, die von Deutschland als Mutationsgebiete eingestuft sind: Großbritannien, Irland, Portugal, Südafrika und Brasilien.

In anderen Ländern gelten bereits strikte Einreisebeschränkungen. Portugal stellte am Mittwoch sämtliche Flugverbindungen mit Brasilien ein, wo vor kurzem eine neue Corona-Mutante entdeckt worden war. Die portugiesische Regierung ordnete außerdem die Schließung der Grenze zum Nachbarland Spanien ab Freitag an. Für zunächst zwei Wochen darf die Grenze nur noch in Notfallsituationen überschritten werden, wie Innenminister Eduardo Cabrita am Donnerstag in Lissabon mitteilte. Norwegen kündigte an, ab Donnerstagmitternacht seine Grenzen für fast alle Ausländer dicht zu machen. Finnland untersagte alle nicht notwendigen Reisen mit dem Flugzeug.

Israel kündigte indes an, auch seine Landgrenzen zu Jordanien und Ägypten für Reisende zu schließen. Bereits seit Dienstag ist der internationale Flugverkehr in Israel weitgehend eingestellt. Auch die britische Regierung kündigte Verschärfungen an. Künftig müssten sich britische Reiserückkehrer, die aus Hochrisikogebieten eintreffen, für zehn Tage in eine Hotel-Quarantäne begeben.

Die neuen Varianten des Coronavirus breiteten sich zuletzt in immer mehr Ländern aus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde die zunächst in Großbritannien registrierte Mutante inzwischen in 70 Ländern nachgewiesen. Die zunächst in Südafrika nachgewiesene Mutante wurde demnach inzwischen in 31 Ländern festgestellt. Für die zuerst in Brasilien aufgetauchte Mutante gab die WHO nun an, dass acht Länder betroffen seien.

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