Deutschland

Österreich wieder Hochrisikogebiet

Deutschland erklärt Österreich wegen der gestiegenen Corona-Infektionszahlen ab sofort wieder zum Hochrisikogebiet. Nicht geimpfte und nicht genesene Österreicher bzw. deutsche Urlaubsrückkehrer müssen damit nach der Einreise in Deutschland in Quarantäne. Ein Freitesten aus der zehntägigen Quarantäne ist frühestens nach dem fünften Tag möglich.

Spahn bestätigte laut Reuters bei der Pressekonferenz in Berlin am Freitagvormittag, was bereits erwartet worden war: Österreich gilt ab Sonntag 0.00 Uhr aus deutscher Sicht als Hochrisikogebiet was die Ausbreitung des Coronavirus betrifft. Zu Mittag folgte dann die offizielle Einstufung auf der Homepage des staatlichen Robert-Koch-Instituts. Demnach sind nur die Gemeinden Mittelberg und Jungholz und das Rißtal im Gemeindegebiet von Vomp und Eben am Achensee von den verschärften Einreisebestimmungen ausgenommen. Neben Österreich kamen auch Tschechien und Ungarn auf die deutsche Liste der Risikogebiete. Die USA gelten dagegen ab Sonntag nicht mehr als Hochrisikogebiet.

Als Hochrisikogebiete werden vom Robert-Koch-Institut Länder und Regionen mit besonders hohen Infektionsrisiko eingestuft. Mit der Einstufung ist automatisch auch eine Reisewarnung des deutschen Auswärtigen Amts verbunden. Diese wurde am Freitagnachmittag erlassen. "Mit Wirkung vom 14. November 2021 wird vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Österreich, mit Ausnahme der Gemeinden Mittelberg und Jungholz und dem Rißtal im Gemeindegebiet von Vomp und Eben am Achensee, gewarnt", heißt es nun auf der Webseite des deutschen Außenministeriums. Eine Reisewarnung erleichtert deutschen Touristen die kostenlose Stornierung bereits gebuchter Reisen, bedeutet aber kein Reiseverbot.

Basierend auf der deutschen Coronavirus-Einreiseverordnung gilt für den kleinen Grenzverkehr sowie für Grenzpendler und Grenzgänger aber eine Ausnahme von der Anmelde- und Absonderungspflicht. "Für Arbeitnehmer und Personen, die sich weniger als 24 Stunden im Nachbarland aufhalten, ändert sich damit vorerst nichts", sagte der bayrische Landrat Bernhard Kern (CSU) am Freitag laut dpa. Schwer werde es erneut für Paare, deren Partner jenseits der Grenze leben, für Familien und Freunde.

Geimpfte und Genesene sind von der ab Sonntag wieder geltenden Quarantänepflicht ausgenommen. Sie müssen sich künftig vor der Einreise nach Deutschland verpflichtend digital anmelden und dabei ihr Impf- oder Genesungszertifikat hochladen. Bei der Einreise ist die Bestätigung der Anmeldung mitzuführen.

Für die heimische Tourismus- und Gastrobranche ist die Einstufung eine Hiobsbotschaft. Die Einschränkung trifft zwar in erster Linie ungeimpfte Gäste, das Problem ist aber, dass sich Kinder unter zwölf Jahren in Deutschland immer in eine fünftägige Quarantäne begeben müssen, unabhängig davon, welche Maßnahmen für die Eltern gelten. Damit könnte es dennoch Stornierungen hageln.

Touristiker befürchten daher, dass Urlauber mit Kindern unter zwölf Jahren den Winterurlaub in Österreich nun absagen. "Österreich tut alles dafür, umso rasch wie möglich wieder von der Liste der Hochrisikostaaten gestrichen zu werden", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Freitag in einer Stellungnahme. Köstinger will in Bezug auf die Kinder unter 12 Jahren für eine gleichlautende Regelung wie in Österreich einsetzen. Laut einer aktuellen Umfrage der Österreich Werbung, auf die das Tourismusministerium verweist, machen Familien mit Kindern unter 12 Jahren knapp 22 % der deutschen Gäste aus.

Das Bundeskanzleramt reagierte am Freitag gefasst auf die Entscheidung des für den heimischen Tourismus wichtigen Nachbarlandes: "Wir haben die Entscheidung des Robert-Koch-Institut erwartet und wurden von unseren Nachbarn darüber auch vorab informiert", hieß es in einer Stellungnahme. Die Einstufung zeige die Wichtigkeit der Impfung, egal ob ersten, zweiten oder dritten Stich. "Denn für die voll immunisierten Menschen hat die Einstufung aus Deutschland keine Auswirkung, sie müssen auch weiterhin nicht in Quarantäne. Das entspricht im Übrigen der in Österreich geltenden Regelung von 2G im Freizeitbereich".

Man zeigt sich wenig überrascht

Christian Schützinger, Chef von Vorarlberg Tourismus, seit von der Reisewarnung Deutschlands angesichts der hohen Infektionszahlen wenig verwundert. Die Unsicherheit in Deutschland, Österreich betreffend, werde steigen. "Das wird zu Stornos und Zurückhaltung bei den Buchungen führen", so Schützinger über den Effekt der Reisewarnung. Dabei sei die Buchungslage bisher sehr gut. Die Nachfrage sei da, "aber eben sehr fragil". 

Vorarlberg habe einen hohen Anteil an deutschen Gästen, sie sind der Hauptmarkt für den hiesigen Tourismus. Aufgrund der 2G-Regel in der Beherbergung dürften sich ohnehin nur geimpfte und genesene Gäste im Land aufhalten, "aber wir dürfen die Kinder nicht vergessen", betonte Schützinger. "Die Wintersaison dauert bis Ende April, da kann noch viel passieren. Wir müssen die Entwicklung in den nächsten Wochen abwarten", meinte Schützinger. Die Gäste rechneten zudem inzwischen mit Unsicherheiten bei der Reiseplanung. "Man ist flexibel geworden, das haben wir schon in der Sommersaison gesehen", so der Touristiker.

Weniger starke Auswirkungen als im vergangenen Jahr erwartete am Freitag Vorarlbergs Tourismuslandesrat Christian Gantner (ÖVP), "weil die Quarantänepflicht bei Erwachsenen nur für nicht-geimpfte Gäste gilt". In den vergangenen Wochen seien bereits 85 bis 90 % der Gäste geimpft gewesen, zudem sei in Österreich die Beherbergung, der Besuch von Gastronomie und Freizeitanlagen ohnehin nur mit 2G-Nachweis möglich. Ausnahmen von der Anmelde- und allfälligen Absonderungspflicht gebe es nach derzeitigem Stand unter anderem für Grenzgänger sowie für Personen, die sich weniger als 24 Stunden für Ausflüge oder Einkaufsfahrten bzw. weniger als 72 Stunden für Verwandtenbesuche im Hochrisikogebiet bzw. in Deutschland aufhalten.

Wie Schützinger sah er Handlungsbedarf bei Kindern, die von der Quarantänepflicht betroffen sind. "Hier muss noch eine Lösung gefunden werden", fordert er. Der Landesrat verwies zudem auf das Corona-Sicherheitskonzept "Winterkodex Vorarlberg", der sich bereits bewährt habe. "Es gibt viele Menschen, für die Sicherheit das entscheidende Kriterium bei der Wahl des Urlaubsortes ist. In Vorarlberg sind sie richtig", warb Gantner um Gäste.

Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zeigte sich nicht über die Reaktion Deutschlands überrascht. Die Reisewarnung habe sich "bereits abgezeichnet", sagte Platter. Der Landeshauptmann, dessen Bundesland zu den besonders von der Maßnahme betroffenen zählt, betonte aber, dass für Geimpfte und Genesene der Urlaub ohne große Einschränkungen möglich sein wird. "Sicherheit ist das Herzstück des heurigen Winterurlaubs", meinte Platter, der darauf verwies, dass Deutschland aktuell rund 70 Länder als Hochrisikogebiete einstufe. Die Tiroler Tourismusbetriebe und Skigebiete hätten sich jedenfalls mit "umfassenden Hygiene- und Sicherheitskonzepten" akribisch vorbereitet.

Österreich war erst vor fünf Monaten – im Juni – von der deutschen Risikoliste gestrichen worden. Im vergangenen Herbst hatte die Bundesrepublik die österreichischen Bundesländer nacheinander auf die Risikoliste gesetzt und schließlich am 01. November ganz Österreich, mit Ausnahme des Kleinwalsertals und Jungholz, zum Risikogebiet erklärt.

Über den Sommer hatte Deutschland die Reisewarnungen für alle EU-Länder aufgehoben. Zuletzt wurden die Slowakei, Litauen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien und Slowenien wieder auf die Liste der Hochrisikogebiete gesetzt.

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