Brünn

Ein kulturelles Feuerwerk für seine Gäste

Die Kultur- und Musikstadt Brünn hat sich für seine Gäste nach den Covid-bedingten Einschränkungen besonders prächtig herausgesputzt. Auch wer eine entspannte Anreise schätzt, um ein einmaliges kulturelles und kulinarisches Angebot sowie Land und Leute zu genießen, wird die tschechische Metropole ins Herz schließen. 

Vom Hotel International aus, ganz nah der Altstadt und dem pulsierenden Leben der City, begeben wir uns auf die Spuren des weltbekannten Komponisten Leos Janácek, der in Brünn den größten Teil seines Lebens verbrachte und wo auch die meisten seiner Werke ihre Uraufführung erlebten. Eine prägende Station ist die Augustinerabtei St. Thomas, wo Janácek als begabter aber armer Schüler eine fundierte musikalische Ausbildung bekam. 

Auf den Spuren von Mendel und Janácek

Hier treffen wir auf einen weiteren berühmten und prägenden Sohn der mährischen Metropole: Es ist Gregor Johann Mendel, der Begründer der Vererbungslehre, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert. Er war ein bedeutender Wissenschafter und Abt der Brünner Abtei St. Thomas. In seinem noch heute erhaltenen handgeschriebenen Manuskript beschrieb er anhand von Versuchen über Pflanzen-Hybride seine Regeln der Vererbung. Freilich wurde die Bedeutung seiner Entdeckungen erst nach seinem Tode im Jahr 1884 anerkannt. Heute ist das Wort Hybrid gemäß den neuen Zeiten wieder in aller Munde.

Wer die Brünner Abtei St. Thomas besucht, wird sich auch das Stiftsmuseum der neu gegründeten Abtei Alt Brünn nicht entgehen lassen, das die reichen Sammlungen des Augustinerordens und des Klosters beherbergt. Mit zahlreichen Exponaten aus der mittelalterlichen, barocken und modernen Kunst. Ein Highlight ist das von Peter Paul Rubens gemalte Bildnis des Heiligen Augustinus. 

Zum Museumskomplex gehört auch eine einzigartige Augustiner-Barockbibliothek mit wertvollen historischen Bänden, aufbewahrt in prächtigen Schränken mit kunstvollen Schnitzereien. Wer hier als Besucher verweilt, sieht sich auf geheimnisvolle Weise als Teil und Zeuge längst vergangener Zeiten. Im Jahr 2023 feiert das Kloster sein 700-jähriges Bestehen und gemeinsam mit der Festivalorganisation „Meeting Brno“ sind viele Veranstaltungen rund um dieses Jubiläum in Planung. 

Meeting Brno und der Versöhnungsmarsch

Die bereits 7. Auflage von „Meeting Brno“ findet heuer vom 22. bis 31. Juli 2022 statt und wird mit Veranstaltungen auch an das Erbe von Gregor Johann Mendel erinnern. Nicht zu vergessen der Versöhnungsmarsch am 23. 7. 2022, als 20.000 Brünner vor nunmehr 76 Jahren zur österreichischen Grenze getrieben wurden. Zu dieser Veranstaltung – immer ein berührendes Erlebnis für die Teilnehmer – werden viele Persönlichkeiten und Zeitzeugen aus Tschechien, Österreich und Deutschland erwartet. Schließlich versteht sich „Meeting Brno“ als Kulturfestival, das die Geschichte der größten mährischen Stadt mit ihren tschechischen, deutschen und jüdischen Einflüssen erinnern und gleichzeitig in die Zukunft führen möchte. 

Wir treten wieder hinaus aus dem Stiftsmuseum, genießen bei einem Spaziergang den Anblick der St. Peter und Paul Kathedrale auf dem Petrov-Hügel, den imposanten Turm des Alten Rathauses, das Flair der einladenden Marktplätze und die Erhabenheit der zahlreichen Kirchen, die zu kurzer Rast und Einkehr während oder nach dem Stadtbummel einladen.

Prost und na Zdravi, Mister Janácek

Jetzt brauchen wir eine Stärkung. Umso mehr als Brünn auch kulinarisch einiges zu bieten hat. Da ist die Ceska-Straße mit ihren zahlreichen Kaffeehäusern, Konditoreien, Gaststätten und Beiseln ein idealer Ausgangspunkt. Wir folgen auch hier den Spuren des berühmten Sohnes der Stadt und betreten mit Leos Janácek die „Stopkas Pilsner Bierstube“. Allein der erste Schluck des herrlichen Biers lässt uns im Paradiese weilen. Prost, Herr Janácek. Na Zdravi, Pane Janacek. Die Brünner prosten ihren österreichischen Nachbarn zu und wir fühlen uns als Gäste sehr geehrt und willkommen.

Langsam bricht die Dämmerung herein und wir machen uns fein für das Brünner Nationaltheater, das Národni divadlo Brno, das mit seinen drei Häusern das Zentrum für Janáceks Opernschaffen ist . Für uns steht Bohuslav Martinus „Griechische Passion“ auf dem Programm nach einer Novelle („Der wiedergekreuzigte Christus“) des griechischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis in einer Inszenierung von Jiri Herman, dem Opernchef des Hauses. Radim Dolansky, der Kommunikator und Pressechef des Hauses, ermöglicht auch ein persönliches Pausentreffen mit Jiri Herman, der Bezug nimmt auf die Aktualität des Stückes angesichts des Krieges und der Flüchtlinge in der Ukraine.

Ein Ballett namens Beethoven

Brünn ist wahrlich ein Paradies für Freunde der Musik und der schönen Künste und Gastgeber zahlreicher Festivals. Für dieses Angebot wurde die Stadt von der UNESCO mit dem Titel „Creative City of Music“ ausgezeichnet.
Eine weitere Kostprobe des Brünner Nationaltheaters gab uns die Ballett-Company mit ihrer beeindruckenden Aufführung „Beethoven“ in Anlehnung an die Symphonien von Ludwig van Beethoven und den schwierigen Verlauf seines Lebens anlässlich seines 250. Geburtstages. Die Choreographie von Ballettchef Mário Radacovsky vereint gekonnt moderne und klassische Elemente des Tanzes. Wieder ein Highlight im Kulturprogramm der Stadt Brünn.

Moderne Architektur und tragisches Schicksal

Schließlich verabschieden wir uns mit einem Besuch der Villa Tugendhat, einem herausragenden Familienwohnsitz im 1. Drittel des 20. Jahrhunderts. Ludwig Mies van der Rohe schuf mit diesem Entwurf im Auftrag von Greta und Fritz Tugendhat ein Denkmal moderner Architektur. Das Schicksal der Industriellenfamilie war freilich durch ihre jüdische und deutsche Herkunft ziemlich tragisch: 1938 mussten sie emigrieren, dann besetzte die Gestapo das Haus, das Ende des Krieges von der Sowjetarmee verwüstet wurde. Erst in den 80er-Jahren wurde das Haus wieder erneuert und wird seit 1994 als Museum der Stadt Brünn verwaltet. 

Von der Terrasse der Villa Tugendhat haben wir einen herrlichen Blick über die Stadt und wir nehmen Abschied von Brünn, das uns mit seiner Historie, seiner Kultur und Tradition, seiner Musik und seinen Festivals so sehr beeindruckt hat. Wir nehmen Abschied von Leos Janácek, von Johann Gregor Mendel und vielen anderen Persönlichkeiten, die diese Stadt in unvergleichlicher Weise prägen. 

Weitere Infos: 

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