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Branchentalk

Im Gespräch mit Guido Hackl, KLM-Air France

Vor etwas mehr als einem halben Jahr feierte KLM, die königliche Luftfahrtgesellschaft der Niederlande ihr 100jähriges Jubiläum. Nach dem Zusammenschluss mit Air France im Jahr 2004 entstand ein Big Player, der zuletzt rund 101 Millionen Passagiere beförderte. Das Unternehmen war gut aufgestellt und KLM avancierte mehr und mehr zu einem Vorreiter für eine nachhaltige Zukunft der Luftfahrtbranche. Doch mit dem Ausbruch von Covid-19 ist auch das europäische Luftfahrtkonsortium von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie hart getroffen. Nur noch etwa zehn Prozent des bisherigen Streckennetzes werden aktuell bedient, darunter auch der Flughafen Wien.

traveller: KLM (KL) fliegt während der Corona Krise weiter zwischen Amsterdam (AMS) und Wien, während Air France (AF) die Verbindung nach Paris eingestellt hat. Besteht auf der AMS Strecke weiterhin so viel Bedarf?

Guido Hackl, General Manager KLM-Air France, Austria/CEE: Neben dem Heimflug österreichischer Staatsbürger nutzen auch slowakische, ungarische und slowenische Staatsbürger die Verbindung Amsterdam-Wien. Auf dem Hinflug haben wir hauptsächlich niederländische, US- und französische Staatsbürger, die hauptsächlich für Familienbesuche reisen. Sie leben in Österreich, sind aber französische, amerikanische oder niederländische Staatsangehörige. Darüber hinaus haben wir auch Geschäftsreisende in die USA und zu anderen Langstreckenzielen, die wir aktuell anfliegen. Das stark reduzierte europäische Netz ist so konfiguriert, dass es mit nahezu allen Flügen im Interkontinentalnetz verbunden ist.

Aktuell gibt es ein Flugverbot für Passagierflüge zwischen den Niederlanden und Österreich, wie können die KLM-Flüge trotzdem planmäßig durchgeführt werden?

Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit den österreichischen Behörden und den diversen Botschaften zu unseren Flügen. Diese werden als Rückführungsflüge durchgeführt und wie bereits erwähnt werden nur österreichische Staatsbürger, Personen mit einer gültigen Aufenthaltserlaubnis und Bürger unserer Nachbarländer, die nach der Landung ihre Heimreise fortsetzen, transportiert. Wir betreiben derzeit keinen regulären Linienverkehr.

Zuletzt wurden von der Bundesregierung die Flugverbote bis 22. Mai verlängert, planen Sie die Wiederaufnahme der Paris - Flüge ab diesem Termin?                                                                                                                                             

Derzeit ist der Flugplan von Air France bis Ende Mai 2020 auf dem neuesten Stand.
Wir erwarten eine langsame Erholung, zunächst auf Inlandsstrecken als auf europäischen Strecken. Höchstwahrscheinlich werden wir im Juni schrittweise neu starten, aber eine Bestätigung ist noch erforderlich. In jedem Fall werden wir unsere Flüge nach Amsterdam nach dem 22.Mai wieder täglich und ohne die momentanen Einschränkungen durchführen.

Wie wird sich das Österreich-Geschäft Ihrer Meinung nach heuer entwickeln? Rechnen Sie mit einer entsprechenden Nachfrage, sobald sich wieder die Möglichkeit für Flüge bietet?

Natürlich wird es eine Art Erholung geben, abhängig von den Beschränkungen in den verschiedenen Ländern. Wir erwarten, dass sich Reisen aus geschäftlichen Gründen schneller erholen als Urlaubsreisen. Im Freizeitverkehr wird es in der ersten Phase hauptsächlich Reisen zu Freunden und Verwandten geben. Urlaubsreisen werden sich im Sommer wahrscheinlich nur langsam erholen, abhängig von den möglichen Einschränkungen pro Land.

Welche Auswirkungen hat die Corona Krise auf das AF/ KLM Streckennetz?

Infolge des Ausbruchs von Covid-19 steuern Air France und KLM derzeit durch einen Sturm beispiellosen Ausmaßes, was sich in den Zahlen für das erste Quartal 2020 widerspiegelt. Im Laufe des März wurde der größte Teil der Flotte am Boden gelassen und die Anzahl der durchgeführten Flüge wurde im Vergleich zur Situation vor Covid-19 auf weniger als zehn Prozent reduziert.
AF: Ab 11. Mai sollte sich der Verkehr allmählich erholen und Anfang Juli 2020 15 % des üblichen Flugplans erreichen. Die Flüge werden zunächst auf Frankreich und den Schengen-Raum beschränkt bleiben. Der Verkehr außerhalb der Grenzen der Union wird voraussichtlich nicht vor Ende August wieder aufgenommen. Die Wiederaufnahme der Langstreckenaktivität bleibt ebenfalls sehr ungewiss. Es wird hauptsächlich von der Entscheidung der USA abhängen, den Luftraum für die Franzosen und Europäer wieder zu öffnen. Die Vereinigten Staaten sind unser größter Markt.
KL: KLM betreibt jetzt 15 % seines ursprünglich geplanten Netzwerks und ergreift nun auch alle möglichen Maßnahmen, um später in diesem Jahr wieder einen großen Teil des Netzes betreiben zu können. Es wird erwartet, dass KLM und Transavia dennoch lange brauchen werden, um das Vorkrisenniveau zu erreichen.

KL und AF haben zusammen staatliche Kredite in der Höhe von insgesamt elf Mrd. Euro erhalten. Eine Absicherung des Flugbetriebes scheint damit vorerst gesichert, wie wird das Angebot der KL/AF Gruppe Ihrer Meinung nach zukünftig aussehen?

AF: Die Ziele des im letzten November vorgelegten Transformationsplans bleiben unverändert. Dieser Plan wird von der Regierung unterstützt und die Kredite in Höhe von sieben Mrd. werden uns ermöglichen, diesen trotz Krise umzusetzen. Wir werden die Umsetzung in zwei Bereichen beschleunigen: Der Rationalisierung des Inlandsnetzes, das im vergangenen Jahr noch Verluste in Höhe von 200 Mio. Euro verursachte, und der Umstrukturierung der nicht einsatzbereiten Support-Funktionen.
Hinsichtlich Umwelt hat sich Air France drei Ziele gesetzt, um die CO2-Emissionen bis 2030 um 50 % zu senken. Die erste Zielsetzung besteht darin, die CO2-Emissionen der Inlandsflüge bis 2024 um 50 % zu senken. Wir werden dies erreichen, indem wir die Aktivitäten reduzieren, aber auch durch den Einsatz von umweltfreundlicheren Flugzeugen. Das zweite Ziel ist die weitere Erneuerung der Flotte. Wir haben zum Beispiel 60 Airbus A220 bestellt, um die A318 und A319 Maschinen zu ersetzen, was alleine diese Emissionen um 20 bis 25 % reduzieren wird. Schließlich haben wir beschlossen, Biokraftstoffe so weit wie möglich als Teil der nationalen Roadmap zu verwenden, sobald sie in Frankreich verfügbar sind. Dies ist im Moment noch nicht der Fall.
KL: In den letzten Wochen hat KLM zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Folgen dieser Krise in den Bereichen Medizin, Betrieb, Personal und Finanzen auszugleichen. Diese Woche wurden einige Erstflüge mit Vorsicht hinzugefügt und zusätzliche Maßnahmen in Bezug auf sanitäre Maßnahmen ergriffen, um zusätzlich die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern zu gewährleisten.
Infolgedessen betreibt KLM jetzt 15 % seines ursprünglich geplanten Netzwerks. KLM ergreift nun auch alle möglichen Maßnahmen, um später in diesem Jahr wieder einen großen Teil des Netzes betreiben zu können.
KLM ist sehr dankbar und schätzt die sehr gute Unterstützung der niederländischen Regierung. KLM hofft, auch in Zukunft eine wichtige soziale Rolle in der niederländischen Gesellschaft spielen zu können und wird seine Ambitionen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Innovation nachdrücklich fortsetzen.

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