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Branchentalk

Im Gespräch Edgar Lacker & Thomas Drechsler – "Wir müssen unsere Welt beschützen"

Von der Welttourismusorganisation UNWTO 1980 als Welttourismustag ins Leben gerufen, steht der 27. September seither Jahr für Jahr weltweit ganz im Zeichen des Tourismus. Und rückt damit einen der weltgrößten Wirtschaftszweige und Arbeitgeber für Millionen von Menschen in den Mittelpunkt. Zu feiern gibt es im Jubiläumsjahr dieses Tages im September, der allen Unternehmen und Menschen unterschiedlichster Gesellschaftsschichten und Kulturen, die im Tourismus tätig sind gewidmet ist, allerdings weniger. Vielmehr stellt die Corona Pandemie gerade die ganze Welt wirtschaftlich und gesellschaftlich auf den Kopf und gerade die Tourismus- und Airlinebranche vor immense Herausforderungen. Vom All Time High in 2019 – mit knapp 1,5 Mrd. internationalen Reiseankünften war das weltweite Tourismusaufkommen im vergangenen Jahr so hoch wie nie zuvor und auch in der Luftfahrt schlug die Kurve mit knapp 47 Mio. Flügen exponentiell nach oben aus – ist man heuer und wohl auch für die nächsten Jahre meilenweit entfernt.

Als „affiliated member“ unterstützt AVIAREPS, die weltweit führende Repräsentanz für Luftverkehr und Tourismus, bereits seit vielen Jahren die UNWTO. Anlässlich des heurigen „besonderen“ Welttourismustages im Umfeld der Coronakrise bat der traveller den Geschäftsführer und CEO von AVIAREPS, Edgar Lacker und den COO für Tourismus, Thomas Drechsler, zum Interview.

traveller: Welcher Stellenwert kommt in Pandemie-Zeiten dem Welttourismustag zu?

Thomas Drechlser: Die Tourismusbranche zählt weltweit zu den größten Wirtschaftszweigen. Bereits im Jahr 2004 wurden nach Angaben der Welttourismusorganisation im Tourismus Erlöse von mehr als 600 Mrd. US-Dollar erzielt. Mit weltweit rund 100 Mio. Beschäftigten gilt der Tourismus als einer der bedeutendsten Arbeitgeber und grenzüberschreitende Reisen machen 25 bis 30 % des Welthandels im Dienstleistungsbereich aus! Das sind Zahlen, die man sich ins Bewusstsein rufen muss und die den Stellenwert des Tourismus als Wirtschaftszweig verdeutlichen! Außerdem bedeutet Tourismus Reisen für Freiheit. Eine Freiheit, die derzeit nicht möglich ist, denn neben dem rein wirtschaftlichen Stellenwert hat Tourismus - sprich internationales Reisen - auch noch einen sehr emotionalen Stellenwert für jeden Einzelnen von uns!  Deshalb ist auch der Welttourismustag wichtig – in diesem Jahr mehr als je zuvor! AVIAREPS ist übrigens schon seit vielen Jahren ein „affiliated member“ der UNWTO und unterstützt die UNWTO immer gern.

Vor Corona zählte der Tourismus weltweit zu den größten Wirtschaftszweigen – was wird letztlich davon übrigbleiben? Wird sich der Tourismus gänzlich neu erfinden müssen

Thomas Drechsler: Es gibt wohl tatsächlich keinen Wirtschaftszweig, der in den vergangenen Jahrzehnten ein vergleichbares Wachstum wie die Tourismusindustrie verzeichnen konnte. Im Jahr 1950 gab es weltweit ca. 25 Mio. „Touristen“. Im Jahr 2020 waren es fast 1,5 Milliarden weltweit! Alleine in Deutschland werden Jahr für Jahr ca. 70 Mio. Urlaubsreisen unternommen. Ich glaube aber nicht, dass die Zukunft des Tourismus „cruises to nowhere“ oder „flights to nowhere“ sein wird, wie diese derzeit etwa von Qantas mit Abflug und Ankunft in Sydney (ohne Stopp – quasi als Rundflug) angeboten wird. Ich glaube allerdings sehr wohl, dass Themen wie „Sustainability“ in Zukunft eine noch größere Rolle bei der Auswahl des Reiseziels und der Art des Reisens spielen werden.Die Corona-Krise hat sicherlich aufgezeigt, wie fragil unsere Welt ist und dass wir sie schützen müssen, auch was den sogenannten „carbon footprint“, den CO2 Fußabdruck im Tourismus, betrifft.  

Wird aus Ihrer Sicht seitens der Regierungen – seitens der EU – ausreichend getan, um die Tourismusbranche zu stützen, zu unterschützen, zu retten? Oder „vergisst“ man vielleicht „bewusst“ auf den einen oder anderen Branchenzweig (etwa die stationären Reisebüros), um vielleicht die bereits eingeleiteten Direktvermarktungsstrategien der großen Konzerne zu beschleunigen?

Thomas Drechsler: Ich denke nicht, dass man „bewusst“ auf den einen oder anderen Branchenzweig, wie etwa die stationären Reisebüros, „vergisst“, um Direktvermarktungsstrategien großer Konzerne zu beschleunigen. Der Tourismus ist sicherlich global der von der Pandemie am härtesten getroffene Wirtschaftszweig. Egal ob Fluglinie oder Flughafen, Kreuzfahrtunternehmen, Mietwagenunternehmen oder Hotellerie etc., im Tourismus ist der Umsatz um 90 % eingebrochen. Sicherlich gibt es Unterstützung und es gibt wohl auch touristische Unternehmen, die „too big too fail“ sind, wie beispielsweise eine Lufthansa und/oder eine TUI und die entsprechend staatlich gestützt werden, während alle anderen täglich ums Überleben kämpfen müssen – und die Lage wird zunehmend dramatischer! Nicht nur für die stationären Reisebüros. Nehmen Sie einen Reiseveranstalter, der ein Spezialanbieter für Asien, Afrika oder für Amerika ist – was soll der denn derzeit verkaufen? Was zudem häufig vergessen wird, ist die Tatsache, wieviel und welche Jobs auch indirekt vom Tourismus abhängen. Bleiben die Touristen in Wien aus, stehen nicht nur die Hotels leer. Es leiden auch die Souvenirläden, der Einzelhandel, der Bäcker und das Café, die Ausflugsziele in der Umgebung und, und, und!

Wie sehen Sie die Zukunft der Luftfahrt? Wie heftig wird die Konsolidierung ausfallen?

Edgar Lacker: Das wird letztlich davon abhängen, wie lange diese Krise noch dauern wird, aber mit Sicherheit werden nicht alle Airlines diese Krise überstehen. Kleinere Staatsairlines werden solange überleben, wie deren Eigentümer, also die entsprechenden Staaten, bereit sind, die Kosten mitzutragen. Vielen Ländern ist enorm wichtig, einen Staatscarrier zu haben, entsprechend gehe ich davon aus, dass diese maximal unterstützt werden, um auch zukünftig ihren Auftrag zu erfüllen. Die großen Carrier werden sich reduzieren müssen, in ihren Flotten als auch personell, um auch langfristig bestehen zu können. Es ist positiv und wichtig, dass viele große Netzwerkcarrier mittels Staatskrediten die Möglichkeit bekommen, sich zu restrukturieren.

Wer wird das Match zwischen den traditionellen Netzwerkcarriern und den Low Cost Airlines (LCC) gewinnen? Ist möglicherweise gar ein Zusammenschluss denkbar?

Edgar Lacker: Ich rechne hier nicht mit Zusammenschlüssen von zwei völlig unterschiedlichen Geschäftsmodellen. LCCs sind ja traditionell und meistens in privater Eigner-Struktur mit bereits sehr verschlankten Strukturen und Kosten. Gewinnen werden letztlich diejenigen, die die größten Reserven haben und den Mut zu drastischen Maßnahmen aufbringen. Letztlich wird bei beiden Modellen alles davon abhängen, wie schnell die Kunden sich an das neue Normal gewöhnen und wieder mit Zuversicht das Reisen aufnehmen werden. Das hängt auch und vor allem mit den Ländern dieser Welt zusammen, unter welchen Kriterien diese wieder Touristen/Reisende ohne Quarantäne-Maßnahmen aufnehmen werden. Denn nur wenn eine sichere und normale Einreise möglich ist, z.B. mittels negativem Schnelltestbescheid, kann eine Rückkehr zur Normalität und steigendem Flug und Touristenvolumen erzielt werden. Lufthansa als auch Emirates gehen da airlineseitig bereits mit großen Schritten voran, bieten solche Schnelltests für ihre Kunden an. (Anmerkung d. Redaktion: Auch Austrian Airlines plant Corona Schnelltests für ihre Passagiere). Es liegt nun alles an den Destinationen, solche Tests anzuerkennen und ein normales Reisen zu erlauben bzw. zu ermöglichen.

Sind Allianzen aus Ihrer Sicht ein Auslaufmodell?

Edgar Lacker: Das kann ich mir nicht vorstellen.

AVIAREPS ist seit nunmehr 25 Jahren in der gesamten touristischen Leistungskette tätig und aktuell mit 67 eigenen Büros in 48 Ländern weltweit tätig – wie kommt man durch die Krise und wie sehen Sie die Zukunft für Ihr Unternehmen?

Edgar Lacker: Aufgrund unseres globalen Netzwerkes und unserer Kontakte konnten wir immer etwas vorausschauend agieren und auch unsere Kunden informieren, darüber, dass was kommen könnte, kommen würde …. Und dennoch hat die explosive Dynamik der Ereignisse in ihrem globalen Ausmaß vermutlich alle überrascht. 

Wie wir durch die Krise kommen? Wir tun das was alle professionellen Unternehmen tun: Kosten analog den reduzierten Einnahmen anpassen, den Cash-Flow und alle anderen Wirtschaftszahlen im Auge haben und trotzdem unsere Mitarbeiter „schützen“ - zum Glück gibt es in Österreich und Deutschland ein weitgehend funktionierendes Kurzarbeitszeit-Modell, an dem sich dann auch viele andere europäische Staaten im Zuge der Corona-Krise orientierten und etwas Vergleichbares implementierten - und natürlich die Services für unsere Kunden aufrechterhalten bzw. vom day-to-day in Krisen-PR umzuschalten. Tatsächlich haben uns viele Kunden dann auch in der Krise die Treue gehalten – wenn auch teilweise mit signifikanten Budgetkürzungen.  Es werden sicherlich Umdenkprozesse und Konsolidierungen stattfinden, sowohl beim Vertrieb als auch beim eigentlichen Reisen. Als weltweit agierendes Unternehmen mit einem globalen Kunden- und einem diversifizierten Service-Portfolio sehen wir der Zukunft positiv entgegen.

Und was das „Hier und Jetzt“ betrifft: Natürlich haben wir auch unsere Services an die derzeitige Situation angepasst. Es findet keine Tourismus-Messe statt? Also haben wir gemeinsam mit der Europäischen Kommission sehr erfolgreich eine virtuelle Reisemesse im Juni ins Leben gerufen. Unsere Kunden, also die Reiseziele, Airlines, Hotels aus aller Welt können derzeit die deutschen Reisebüros und Reisveranstalter nicht besuchen? Also haben wir Webinare und Webchats für unsere Kunden initiiert, u.a. auch für Wien Tourismus!

Ein Wunsch zum Abschluss unseres Gesprächs, für das ich mich herzlich bedanke, lautet …

Edgar Lacker: Ich würde mir wünschen, dass schnellstmöglich ein globales Umdenken stattfindet und ein globaler Tourismus wieder möglich sein wird, natürlich unter bestimmten Voraussetzungen und globaler Einhaltung von Hygieneprozessen. Einreisen in Länder, verbunden mit fünf bis 14tägigen Quarantänen, egal ob man einen negativen Befund vorweisen kann, sind nicht zielführend und schrecken Reisewillige ab. Es ist gut, wenn man in diesem Jahr Urlaub im eigenen oder angrenzenden Land verbracht hat, letztlich glaube ich aber, dass die Sehnsucht weltweit zu Reisen ein Grundbedürfnis der Menschen ist und es eben nur eine Frage der Zeit und der Möglichkeiten sein wird, bis dies wieder aufgenommen wird. 

Die Interviewpartner

Edgar Lacker ist als Chief Executive Officer von AVIAREPS für die strategische weltweite Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich. Er leitete die europäischen Aktivitäten von AVIRAREPS für einige Jahre und ist nun für die weltweite Führung des Gesamtunternehmens verantwortlich. Der geborene Österreicher ist begeisterter Fischer, diese Leidenschaft hat ihn mittlerweile von der Mongolei bis zu den Seychellen rund um die Welt geführt.

Thomas Drechsler ist als Chief Operating Officer Tourismus für das gesamte Tourismusportfolio von AVIAREPS mit mehr als 150 weltbekannten Unternehmen – von führenden Hotelmarken und Resorts, nationalen Tourismusorganisationen und Cityzielen, Kreuzfahrtunternehmen und Autovermietungen bis zu Themenparks uvm., - verantwortlich und ist leidenschaftlicher Ultra-Marathonläufer.

Weiter Informationen zu aviareps

Information
Das Statista-Dossier Weltweite Luftfahrt enthält Statistiken zum Passagier- und Luftfrachtverkehr, z.B. zu den größten Airlines, Flughäfen und Flugzeugbauern.

Zahlen Quelle: https://de.statista.com/

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