airberlin-Pleite

"Für Beschäftigte nicht gut gelaufen"

Ein Jahr nach der Insolvenz von airberlin und der österreichischen Tochter NIKI hat sich für die Passagiere nach Branchengaben die Lage weitgehend normalisiert. Die Lücken im Flugplan seien größtenteils geschlossen und Tickets im Durchschnitt günstiger als zuvor, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) mit.

Anders sieht es für die 8.000 früheren Angestellten der airberlin aus: Viele haben sich beruflich verschlechtert, verdienen im neuen Job weniger oder sind arbeitslos. Davon geht die Gewerkschaft Verdi aus.

"Für die Beschäftigten ist es überhaupt nicht gut gelaufen", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle der Deutschen Presse-Agentur. "Aus meiner Sicht war es eine ziemliche Katastrophe." Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hatte nach jahrelangen Verlusten am 15. August 2017 Insolvenz angemeldet.

Nach dem letzten Flug im Oktober 2017 stiegen die Preise für innerdeutsche Flüge zwar zunächst kräftig an. Inzwischen lägen sie aber um 1,3 % unter dem Oktober-Wert und damit auf dem Niveau von 2012, sagte BDL-Präsident Klaus-Dieter Scheurle. Nach Daten des Statistischen Bundesamts waren im Juni neben Inlandsflügen auch Flüge in Europa und darüberhinaus günstiger als vor einem Jahr. Ein Grund ist, dass besonders Billigflieger wie Eurowings, easyJet oder Ryanair in die airberlin-Lücke stießen.

Verbraucherschützer weisen jedoch darauf hin, dass einzelne Tickets dennoch mehr kosten können als vor einem Jahr – auf Strecken, wo nun nur eine Airline fliegt. Zudem trugen die Folgen der airberlin-Insolvenz als ein Grund zu zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen in den vergangenen Wochen bei. Denn noch haben nicht alle Käufer ihre Teile der einst zweitgrößten deutschen Airline schon vollständig integriert.

airberlin war nach einem Bieterwettstreit zu großen Teilen an Lufthansa und Easyjet gegangen, die Tochter NIKI sicherte sich am Ende der Rennfahrer Niki Lauda. Bei seiner Laudamotion steigt Ryanair als Mehrheitseigentümer ein.

airberlin geht nach einem Medienbericht davon aus, dass 85 % der rund 8.000 Beschäftigten heute wieder einen Job haben. "Dass die irgendeine Beschäftigung gefunden haben, das halte ich schon für realistisch", sagte Verdi-Verkehrsexpertin Behle. "Es kommt aber nicht nur auf die Beschäftigung an sich an, es kommt auch auf die Qualität an. Und da ist die Situation doch schwierig."

Viele Flugbegleiter hätten im Luftverkehr nichts mehr gefunden, es sei denn zu deutlich schlechteren Konditionen. "Ich weiß von Lohnverlusten von bis zu 40 %, da gibt es große Probleme", meinte Behle. Während der Käufer Easyjet die Übernahme von 1.000 airberlinern vertraglich mit Verdi geregelt hatte, sei der Übergang zu Eurowings sehr schwierig gewesen – besonders für ältere Mitarbeiter und für Kolleginnen, die aus der Elternzeit zurückkehren wollten.

Behle betonte, die Insolvenz treffe die Beschäftigten viel stärker als die Passagiere. "Sie sind die eigentlichen Leidtragenden", sagte die Gewerkschafterin. "Wenn man sich das Flugchaos in Deutschland anguckt, das ist auch unerfreulich. Aber für die Beschäftigten ging es ja um die Existenz."

Unkomplizierter sei die Stellensuche für die Piloten gewesen: "Sie haben größtenteils eine neue Beschäftigung gefunden, aber auch sie haben viel Geld verloren." Gut funktioniert hätten die Transfergesellschaften für Mitarbeiter aus der Verwaltung und der Technik, in die mehr als 1.500 Beschäftigte gewechselt waren. Behle hob hervor, dass das für die airberlin-Verwaltung nur durch die Hilfe des Landes Berlin möglich gewesen sei.

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