2022 – Unsere Zeit für Reisen!

"Unsere künftigen Probleme liegen in Europa!"

Harald „Harry“ Schobesberger ist seit 1977 im Reisegeschäft, kann also über reichlich Erfahrung, auch was Krisen und Katastrophen betrifft – und davon gab es in diesen sage und schreibe 44 Jahren in der schönsten Branche der Welt reichlich – berichten. Im zweiten Beitrag der Serie „2022 – Unsere Zeit für Reisen!“ spricht der Vollblut-Touristiker über seine zwei harten Jahre und die Kraft für die Zukunft.

traveller: Zwei Jahre Pandemie – wie geht es Ihrem Unternehmen heute und war 2021 „besser“ als 2020?

Harald Schobesberger: Harte zwei Jahre liegen hinter uns! Natürlich war 2020 das schlimmste Jahr, denn wir hatten 2019 ganz viele Vorausbuchungen für 2020 und die galt es rückabzuwickeln. Viele Kunden bangten um ihr Geld und waren nervös. Auch wir waren nervös, wie und ob wir das Ganze überstehen werden. Die Belastung für die Mitarbeiter war unmenschlich. Wir hatten schon ein Erfolgserlebnis, wenn wir für unsere Kunden von gewissen Airlines das Geld zurückbekommen hatten und dieses rücküberweisen konnten. Das waren aber auch die einzigen Erfolgserlebnisse für uns. Da war 2021 besser, weil wir doch einige Buchungen machen konnten. Zu guter Letzt ließen einige Kunden auch ihre Zahlungen bei uns stehen. Das Vertrauen in unser Unternehmen hat uns sehr gefreut.

Was waren für Sie und Ihr Unternehmen die größten Herausforderungen in dieser Zeit?

Die Kurzarbeit und die Rückabwicklung waren für uns die größte Herausforderung. So viel Arbeit für nichts und wieder nichts! Dass wir uns als Team nur mehr gelegentlich sahen, weil durch Kurzarbeit und teilweise Homeoffice wir kaum zur gleichen Zeit im Büro waren, erwies sich als nicht gut. Einige Mitarbeiter haben dadurch unser Unternehmen verlassen und manche die Branche für immer. 

Sind Sie Mitglied eines Verbandes (ÖRV oder ÖVT) und waren bzw. sind Sie mit der Arbeit der Interessensvertretungen (auch des Fachverbandes in der WKO) und den Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen durch die öffentliche Hand zufrieden?

Mein Unternehmen ist Mitglied beim ÖRV. Hier wurde auf breiter Ebene - WKO, ÖRV und ÖVT - wirklich sehr gut zusammengearbeitet und für die Branche das beste ausverhandelt. Möge diese Zusammenarbeit auch nach der Pandemie so fortgesetzt werden, womöglich auch mit den Deutschen Reisebüroverbänden, denn unsere künftigen Probleme liegen in Europa! Die Unterstützung, die uns als Reisebüro zugekommen ist, ist schwer in Ordnung und gibt uns wieder Kraft für die Zukunft!

Wie stellt sich das Reisejahr 2022 dar – welche Erwartungen und Hoffnungen haben Sie?

Das Reisejahr 2022 hat soweit mal sehr gut begonnen. Wir haben Geschäftsjahr 31.12., daher ist für uns das Jahr noch sehr jung. Die Kunden kommen wieder ins Reisebüro, auch manche Kunden, die man schon länger nicht mehr gesehen hat, weil sie offensichtlich direkt gebucht haben und nun doch das Reisebüro bevorzugen.

Haben, müssen bzw. werden Sie Ihr Portfolio verändern?

Ja, unser Portfolio hat sich tatsächlich verändert. Wir versuchen, soweit es geht, nicht mehr selbst Veranstalter zu sein, sondern nur noch dort, wo es keine vernünftigen Angebote der Reiseveranstalter gibt. Aus diesem Grund haben wir uns auch von der Generalagentur des Tauchschiffes Nautilus getrennt.

Was sind für Sie die Lehren aus der Krise und was glauben Sie, hat der Kunde aus der Krise „gelernt“? Wird sich das Reisegeschäft verändern?

Wir waren auf die Krise nicht vorbereitet. Wir müssen künftig so weit sein, dass wir kurzfristig auch auf Homeoffice umstellen können. Das gelingt momentan noch nicht wirklich, weil unser Asset ja der persönliche Kundenkontakt ist. Die Kunden haben gelernt, dass es wichtig ist, einen Reisebüropartner zu haben, der die komplexen Vorgänge in der Welt kennt und jederzeit auch Hilfestellung leisten kann und der auch da ist, wenn das Service-Personal der Airlines untertaucht! 

Was ich noch sagen möchte: Die Corona Krise ist natürlich nicht zu toppen, was das Potenzial an Problemstellungen betrifft. Seit einiger Zeit hat sich aber eine Menge Verwaltungsaufwand angesammelt, der zermürbend ist.

Die Datenschutzgrundverordnung: Diese haben wir natürlich umgesetzt, aber in der Praxis ist das der totale Wahnsinn. Unsere vorvertraglichen Informationspflichten bringen eine Papierflut, die niemandem hilft? Am wenigsten dem Kunden, sondern vielmehr jenen, die sich im Internet Datenschutzerklärungen abhaken lassen, die dem Unternehmer alle Türen öffnen, ohne dass der Kunde das checkt.

Die Pauschalreiseverordnung: Die „Verbundenen Reiseleistungen“ sind für unsere Kunden unverständlich. Die sogenannten X-Produkte ebenfalls. Hier gegenüber dem Kunden rechtlich im „Grünen Bereich“ zu bleiben, ist fast unmöglich! Das Ganze funktioniert nur, weil wir dem Kunden das so gut erklären, dass er im Falle eines Schadens nicht gegen uns vorgeht. Der Kunde ist hier verständnisvoller als der Gesetzgeber!

Die Kundengeldabsicherung: Ist grundsätzlich in Ordnung, aber warum müssen andere Dienstleister, Händler, das nicht auch machen? Wenn ich eine Küche um 20.000 Euro bestelle und 7.000 Euro anzahle, haftet auch nicht der Staat dafür, sondern es ist das Risiko des Rechtsgeschäftes, das ich damit eingehe. Ist unsere Branche eine, die Schlimmes im Schilde führt? Und warum müssen Airlines diese Kundengeldabsicherung nicht machen? Die kassieren Milliarden von den Kunden, ohne dass der Kunde weiß, ob der Flug stattfindet oder ob es die Airline am Abreisetag noch gibt!

Die Margensteuer: Das ist ein Thema, das überhaupt nicht darstellbar ist. Nur ein Beispiel: Wenn man eine auslastungsabhängige Reise durch mehrere Länder organisiert, kann man die Margensteuer erst mühsam errechnen, wenn die Reise durchgeführt ist, abführen müssen wir die Steuer aber schon vor Abreise. Der bürokratische Aufwand ist enorm, noch dazu wenn die Branchensoftware Bewotec darauf überhaupt nicht reagiert und es keine automatisierte Lösung gibt (z. B. in MyJack)

Das sind einige der Dauerprobleme, mit denen wir uns ständig herumplagen müssen und dann noch Corona. Es bleibt schwierig!

Über urlaubswelt.com

Der Slogan „Träume nicht – buche einfach“ spricht für das Reisebüro mit Angeboten an weltweiten Zielen. Städtereisen, Kulturtrips, Kreuzfahrten, Flüge, Tauchreisen, Pauschalen, internationale Hotels, Last Minute Angebote und nahezu alles zum Thema Reisen findet man im Reisebüro in Schörfling am Attersee, wo sich Inhaber, Harald „Harry“ Schobesberger mit seinem hochmotivierten Team um die Reisewünsche der reisfreudigen Klientel bemühen. Harry erreichte 2019 mit seinen neun Mitarbeitern an die sieben Millionen Euro Umsatz pro Jahr als Reisebüro und Reiseveranstalter. Mehr zum umfangreichen Angebot unter www.urlaubswelt.com. Harald Schobesberger ist per-E-Mail an schobesberger@urlaubswelt.com erreichbar.

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