2022 – Unsere Zeit für Reisen!

„Das Geschäft hat sich verändert!“ 

Zwei Jahre Pandemie bedeuten für die Reisebranche eine harte Zäsur, man befindet sich noch immer irgendwo zwischen Hoffen und Bangen um die wirtschaftliche Zukunft. Wie es dem touristischen Mittelstand heute geht und was man sich vom neuen Reisejahr erwartet, lesen Sie ab heute regelmäßig in der neuen Serie „2022 – Unsere Zeit für Reisen!“ Alfred Rohrmoser von flugfieber.com macht den Anfang.

traveller: Zwei Jahre Pandemie – wie geht es Ihrem Unternehmen heute und war 2021 „besser“ als 2020?

Alfred Rohrmoser: Die Pandemie hat die gesamte Reisebranche auf den Kopf gestellt. 2021 war insofern besser, da wir für Griechenland, Kroatien, Italien und Österreich Kunden und so zumindest über den Sommer eine sinnvolle Beschäftigung hatten. Im Herbst hatten wir sogar einzelne Gruppen wie Betriebsausflüge in Österreich. Allerdings waren die Umsatzeinbrüche 2020 und 2021 schon von einem dramatischen Umfang, gar keine Frage. Ich denke auch, dass 2022 noch sehr herausfordernd wird. Vor allem weil jetzt in der Branche ein großer Umbruch stattfindet und uns zum Teil auch Systemplayer wegfallen bzw. in vielen Bereichen auch einfach Leistungsträger nicht mehr vorhanden sind. 

Was waren für Sie und Ihr Unternehmen die größten Herausforderungen in dieser Zeit?

Das größte Problem war die fehlende Planbarkeit und sich die ständig ändernden Reiseregeln, die eine Beratung und Verkauf in weiten Teile unmöglich machten. Nach wie vor haben wir einen Fleckerlteppich an Reisebestimmungen und komplizierte Auflagen mit Registrierung und Testpflichten nicht nur in den Fernzielen, sondern auch in Europa. Ein großes Problem waren auch die fehlenden Verkaufsunterlagen seitens der Veranstalter in gedruckter Form, aber auch gedruckte Buchungshilfen usw. Wir als Reisebüros wurden geradezu mit E-Mails geflutet, bei rund 130 Agenturverträgen mit Reiseveranstaltern, Reedereien und weiteren Leistungsträgern war das Chaos perfekt. Jeder Veranstalter wollte Kosten sparen und hat uns teils täglich mit Neuerungen und Änderungen mit E-Mails überhäuft.

Beispiel FLEX-Tarife: Jeder Veranstalter hatte dafür einen eigenen Leistungs- und Anforderungscode generiert, anstatt dass man branchenübergreifend eine einheitlichen Anforderungs-Leistungscode „FLEX“ gemacht hätte. Es schaut immer alles simpel aus, nur wenn auch bei so einfachen Dingen jeder seine eigene Suppe kocht, wird’s für den Vertrieb sehr schwierig, den Überblick zu behalten. Generell ein Problem waren die vielen Systemumstellungen bei zahlreichen Veranstaltern, wodurch die Verwirrung am Counter noch größer wurde. Die größte Herausforderung war jedoch ohne Zweifel, den Über- und Durchblick bei den ständig geänderten Reisebestimmungen zu behalten.

Sind Sie Mitglied eines Verbandes (ÖRV oder ÖVT) und waren bzw. sind Sie mit der Arbeit der Interessensvertretungen (auch des Fachverbandes in der WKO) und den Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen durch die öffentliche Hand zufrieden?

Wir sind ÖVT-Mitglied. Ja, die Arbeit der Wirtschaftskammer und der Interessensverbände war sensationell. Ohne den unermüdlichen Einsatz der Branchenverbände würde es wahrscheinlich die meisten Touristikunternehmen gar nicht mehr geben. Die Verbände konnten wichtige Unterstützungsleistungen mit der Regierung ausarbeiten, die dafür sorgte, dass auch in Zukunft nicht nur ein paar internationale Großkonzerne – hier vor allem Internetportale – überleben, sondern dass es auch weiterhin eine österreichische Vielfalt der Touristikunternehmen gibt. Sowohl in der Hotellerie als auch bei Reisebüros und Reiseveranstaltern. 

Wie stellt sich das Reisejahr 2022 dar – welche Erwartungen und Hoffnungen haben Sie?

Das erste Quartal ist gelaufen, Omikron und die komplizierten Reisebestimmungen sorgen dafür, dass eigentlich nur Stornos für bestehende Winterbuchungen hereinkommen und die Kunden kaum noch nachfragen. Allerdings sehe ich ab Ostern bzw. Pfingsten eine gute Chance, dass der Tourismusmotor wieder anspringt. Da sind aber noch einige Hausaufgaben zu machen. Aktuell etwa informieren sich viele Kunden über mögliche Reiseziele für den Sommer, wollen aber noch keine fixen Reiseangebote, sondern sich eben nur vorab informieren. Sie kommen daher vermehrt ins Reisebüro, um sich Kataloge zu holen und nachzufragen. Nur ist’s halt ein Trauerspiel, wenn man kaum Kataloge zur Hand hat. Das ist ungefähr so, wie wenn ich zum Mediamarkt gehe, um einen Fernseher zukaufen und die Regale sind leer. Was macht dann der Kunde, genau: Er kommt kein zweites Mal, sondern informiert sich im Web. Also treibt man derzeit auf Grund fehlender Produkte die Kunden geradezu auf Online-Portale. 

Es gibt aber auch erfreuliche News, denn gerade viele kleine und Spezialveranstalter haben ihr Katalogprodukt stark ausgebaut, und wir sehen auch, dass diese Veranstalter davon stark profitieren. Neben Idealtours, Nicko Cruises, Phoenix, I.D.Riva, Olimar oder Hurtigruten ist es vor allem Schauinsland Reisen, die mit ihrem breiten Katalogprodukt einen klaren Vorteil haben und die Büros damit auch ausreichend bestücken. 

Neben dem Katalogthema ist aber auch die leichte Buchbarkeit ein Thema. Die große Hoffnung ist, dass für alle geimpften Personen ab Frühjahr das Reisen wieder einfacher wird. Entscheidend wird sein, dass man alle anderen Bestimmungen wie Registrierung und komplizierte Tests (die man eh nicht rechtzeitig erhält) fallen lässt. Vollständig immunisierte Personen (dreifach geimpft oder genesen plus Impfung) sollten die volle Reisefreiheit erhalten und die Test- und Registrierungspflichten sollten wegfallen, dann springt auch der Tourismusmotor wieder an. Aus meiner Sicht wird es auch daran liegen, ob die Touristik heuer anspringt oder nicht. 

Haben, müssen bzw. werden Sie Ihr Portfolio verändern?

Derzeit ist man auf Grund der Reisebeschränkungen im Produkt noch zu sehr eingeschränkt. Asien ist de facto kaum bereisbar, Afrika hat ebenfalls wegen schlechter Impfquoten noch viele Fragezeichen. Fernreisen sind also immer noch schwierig einschätzbar. Auch das Kreuzfahrtprodukt ist äußerst schwierig, da gibt es bei den Kunden noch viele Bedenken. Ich denke, 2022 wird nochmals vorwiegend ein Jahr der klassischen Pauschalreise innerhalb Europas. 

Ein generelles Problem in der Reisebranche ist noch immer, dass wir es in den letzten zwei Jahren nicht geschafft haben, den Kunden zu vermitteln, dass man auch das Eigenanreise-Produkt verstärkt im Reisebüro buchen soll. Was aber auch damit zusammenhängt, dass zu wenige Hotelkapazitäten in Österreich und Kroatien in den Reisebüro-Systemen verfügbar waren. Hier kann man nur erneut einen Appell an die heimischen Hotels richten, verstärkt auch Zimmerkontingente an Reiseveranstalter und Incomer zu vergeben, damit das Produkt buchbar ist. Gleiches gilt für Kroatien, Familienzimmer waren letzten Sommer bereits im Juni für den gesamten Sommer vergriffen.

Was sind für Sie die Lehren aus der Krise und was glauben Sie, hat der Kunde aus der Krise „gelernt“? Wird sich das Reisegeschäft verändern?

Derzeit ist das Buchen kompliziert geworden, uns fehlen oft Charter- und fixe Kontingentplätze. Der dynamische Mix von Produkten hat gerade in der Pandemie seine Schwächen gezeigt. Wurde vor drei Jahren das X- und dynamische Produkt als Zukunft der Reisebranche propagiert, ist es jetzt eigentlich genau umgekehrt. Daher kann man auch nur an die Airlines appellieren, wieder auf die Branche zuzugehen und den Veranstaltern gute Konditionen und Fixplätze anzubieten, da die Kunden klassische Produkte – die Sicherheit geben - buchen möchten.

Was zudem auffällt: Die Kunden sind bereit, mehr Geld für Reisen auszugeben, haben aber kein Verständnis, wenn z. B. Airlines für jede Leistung extra verlangen und es keinen erkennbaren Unterschied mehr zwischen Billigfliegern zu traditionellen Airlines gibt. Eine Kundin hat es kürzlich im Beratungsgespräch für eine Zypernreise perfekt ausgedrückt: Wenn ich einmal im Jahr auf Urlaub fliege, dann will ich auch einen bequemen Flug mit Sitzabstand und einer Mahlzeit und mich nicht wie eine Sardine in eine Dose gequetscht fühlen. Ergänzt hat die Kundin übrigens noch, dass sie ein Ticket möchte, indem alles inkludiert ist – also Sitzplatzreservierung, Mahlzeit usw., und sie nicht zwei Tage vor Abreise mit dem Zubuchen von Sonderleistungen beginnen muss. Ich denke, auch diesbezüglich sind Airlines gefordert. 

Ja, das Geschäft hat sich geändert, die Kunden wollen bei allen Leistungsträgern wieder mehr Qualität erhalten. 


Über flugfieber.com-Reisen

Reisen aller Art sowohl online als auch im Reisebüro buchen, war die Idee von Geschäftsführer Alfred Rohrmoser. Das oberste Ziel war, ein Reisebüro anzubieten, welches dem Kunden die Möglichkeit gibt, von Last-Minute Reisen bis zum Abenteuerurlaub und unabhängig von Konzernen und Reiseveranstaltern für seine individuellen Bedürfnisse aus einer Hand zu buchen. Das Reiseunternehmen hat seinen Sitz im Salzburger Leogang, mehr zum umfangreichen Portfolio unter www.flugfieber.com. Alfred Rohrmoser ist per E-Mail an info@flugfieber.com erreichbar. 

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