traveller 02/2022

8 02 | 2022 Interview EDWARD HO „We cannot fly alone“ Was im November 1991 mit der Aufnahme von Wien als erste europäische und gleichzeitig erste Langstrecken-Verbindung der damals noch blutjungen EVAAir begann, wurde zu einer mittlerweile mehr als 30Jahre währenden Erfolgsgeschichte, die coronabedingt nur kurz gebremst wurde. Auch wenn Aufgaben und Herausforderungen für die globale Luftfahrt in Zeiten von Pandemie, Krieg,Teuerung und Klimaveränderung nicht einfacher werden, an der klaren Zielsetzung der privaten taiwanesischen Fluglinie ändert dies nichts. Im Gegenteil, wie EDWARD HO, General Manager Austria & CEE, im Interview ausführlich erklärt. traveller: Zwei Jahre Pandemie habendie Luftfahrt schwer getroffen. Wie gut ist EVA Air durch diese Zeit gekommen? EDWARDHO: Ja, es ist eine herausfordernde Zeit. Ich erinnere mich noch gut an unseren letzten regulären Flug am 23. März 2020 und die rasch folgendenÜberlegungen, inwelcher Formwir den Flugbetrieb aufrecht halten können. Wir haben dann bereits Mitte April und mitten im ersten Lockdown unsere Frachtflügemit demDreamliner wieder aufgenommen und diese rasch auf bis zu vier wöchentliche Flüge gesteigert. Das hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, wir halten diese Frequenzen seit nunmehr zwei Jahren auf stabilemNiveau. Die Möglichkeit der Kurzarbeit durch die österreichische Regierung hat hier sehr geholfen, wir konnten unseren gesamten Staff behalten. Von den rd. 30 Mitarbeitern waren ungefähr die Hälfte in Kurzarbeit, die anderen blieben inVollzeit undwurden vorrangig im Cargobereich sowie für Sonderprojekte eingesetzt. Es gab also fast zwei Jahre nur Frachtflüge nach Taiwan? Ja, eine reguläre Linienverbindung hat nicht stattgefunden, es gab aber in den erstenMonaten der Pandemie Repatriierungsflüge. Etwa in Zusammenarbeit mit der thailändischen Botschaft für Rückführungen von thailändischen Staatsbürgern. Läuft der Flugbetrieb im gesamten Netz nun wieder normal? Nein, leider noch nicht. Der Ladefaktor liegt im Vergleich zu 2019 weltweit immer noch bei rund 20 Prozent. Hingegen liegt der Bereich Cargo bei mehr als 93Prozent, Cargo ist wirklichein „Lebensretter“. Aber wir setzen alles daran, unseren Passagierdienst wieder vollumfänglich aufzunehmen. Was nur insofern schwierig ist, da die meisten asiatischenLänder inden letztenzwei Jahrengeschlossenwaren.WillmannachTaiwan reisen,mussman drei (neu!) Tage Quarantäne berücksichtigen. Seit 15. Juni ist der Transit wieder erlaubt, was den nötigen Schub, vor allemauch für unserenDirektflug von Wien nach Taipeh, bringen wird. (Anm.: Mit November 2022 kehrt EVA Air zu ihrem normalen Flugplan mit sieben wöchentlichen Rotationen zurück. Mehr imDetail auf travellere-online.at) Bald kommt der beliebte Stopp inBangkok zur Wiener Taipeh-Verbindung dazu? Wir freuen uns immens, dass die Wien-BangkokRoutemit 06. Juli – vorerst zweimal bzw. imAugust und Oktober dreimal wöchentlich – wieder zurückkommt. Und unsere Passagiere scheinen sich mit uns zu freuen, denn kaum war der Flug announced, waren die ersten vier Flüge ausgebucht. Die Passagiere überlaufen uns förmlich, die Buchungszahlen im Juli auf diesemLeg haben bereitsmehr als 90 Prozent erreicht. Das ist wirklich fantastisch, aber auch das Incoming liegt im August bereits bei durchschnittlich 70 Prozent Auslastung. Es geht Schritt für Schritt aufwärts! Cargohat also inden letzten zwei Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Inwiefern hat dies die Geschäftsstrategie vonEVAAir verändert? Die Evergreen Group und ihre Schwestergesellschaft Evergreen Line basieren als eine der weltweit größten Containerschiff-Reedereien auf Fracht, der Linien-Passagierdienst hat sich erst seit 1991 zu entwickeln begonnen. Seit mehr als 30 Jahren ist neben dem Fracht- auch der Passagierverkehr für das Unternehmen essenziell, mit Ausbruch der Pandemie wurde die Strategie aber sofort wieder auf Fracht umgestellt. Mit großem Erfolg, dennoch ist EVA Air ein Lufttransportunternehmen, das eben auch die Bedürfnisse der Passagiereweltweit zu erfüllen hat. Und dieNachfrage ist eine sehr, sehr große. Zurück zur Luftfahrt: Denktman inZeitenwie diesen an Streckenexpansion? Eventuell in Europa, wo EVA Air mit Wien, Amsterdam, London und Paris vier Ziele bedient? Oberste Priorität ist, den Flugverkehr zu diesen vier Zielenwieder konstant mit Erfolg bringender Auslastung bedienen zu können. Aber ja, wir möchten neue Service-Routen, die wir bereits vor zwei Jahren geplant haben, einführen. So stehen Direktflüge von Taipeh nach Mailand und München amWunsch-Flugplan. So sich die PandemieSituationen nachhaltig stabilisiert und Reisebeschränkungen entfallen, hoffen wir auf baldige Inaugurals. Nun liegt München sehr nahe zu Österreich, waswürde diese Verbindung für denWien-Flug bedeuten? Der Plan ist, mit München und Wien im Herzen Europas ein Twin-Hub-Konzept zu betreiben. Für Asiatenmacht es wenig Unterschied, ob sie nach Wien oder München fliegen. Denn von beiden Airports gibt es Verbindungen zu allen europäischenDestinationen. Auchwenn es anfangs vielleicht ein Wettbewerb ist, wäre ein Twin-HubKonzept für beide Flughäfen sehr effizient. Denn sowohl von Wien oder München kann nach Taipeh geflogen werden, und mit der Bangkok-Verbindung ab Wien stehen zudem weitere Flüge nachThailand zur Verfügung. Was für die Urlaubsplanung ein zusätzliches Asset ist. Unser Anspruch ist, das Produkt für den Passagier komfortabler zu machen. Reisen wird in Zeiten der allgemeinen Teuerung immer mehr zur Preisfrage. Wie wird es mit den Ticketpreisenweitergehenund ist aus Ihrer Sicht Low Cost ein Auslaufmodell? In den letzten Jahren sind die Ticketpreise bei nahezu allen Fluggesellschaften gesunken. Jetzt, in Zeiten der Pandemie, denken viele Airlines darüber nach, wie man die Preise erhöhen kann, umdie Kosten zu decken. Unserer Erfahrung nach hängt es vom jeweiligen Markt ab. Das Fluggeschäft muss sich an die Bedürfnisse der Passagiere anpassen. Was hat man davon, die Preise zu erhöhen, wenn sich diese dann aber kaum jemand leisten kann? Das Preis-Leistungsverhältnis muss ein ausgewogenes sein. Nehmen Sie unsere Economy-Class Durchschnittspreise nach Bangkok © EVA AIR „Der Plan ist, mit München und Wien im Herzen Europas ein Twin-Hub-Konzept zu betreiben.“

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