traveller 02/2022

02 | 2022 5 Kommentar So sehr hätte uns ein Reisesommermit nur positiven Nachrichten gutgetan. Es war alles angerichtet, die riesige Reiselust in den Süden sorgt für viel Betrieb in denReisebüros, volle Flieger und gefüllte Betten. Auch der Alpenraum ist gefragt, selbst wenn die euphorischen Meldungen von den Seenregionen heuer leiser klingen als 2021. In den Städten wuseln die Menschenmassen wie in alten Zeiten durch die Einkaufsstraßen, drängen in die Museen und lassen sich in denGastgärten ihren Eiskaffee schmecken. Alles eitleWonne, wenn da nicht die Krisenmonster mit gefletschten Zähnen hinter der nächsten Ecke lauernwürden. Die Pandemie, klar, da haben wir alle schonRoutine entwickelt. Aber, dass auch in der Hitze des Sommers einem zusätzlich zur Sonne auchdie Sorge umsteigende Infektionszahlen die Schweißperlen auf die Stirn treibt, das hätten wir gerne vermieden. Was im Herbst wieder auf uns zukommt, das weiß ehniemand so genau. Nicht einmal die echten und die selbsternannten Experten. Vielleicht verläuft dieKurve dannflacher, weil sie davor schonhöher ist. Sicher ist nur, vorbei ist noch lange nichts. Der Ausnahme- ist der Normalzustand. Normal ist das hingegen nicht, was sich derzeit an Flughäfen abspielt. Allein für Juli strich die Lufthansa rund900 Flüge inEuropa anWochenenden, was etwa fünf Prozent der Kapazität entspricht. Billigflieger Easyjet hat tausende Flüge gecancelt. Der Grund ist der Personalmangel aufgrund von Erkrankungen (Corona!) undUnterbesetzung. Vor allemdas Bodenpersonal ist ausgedünnt als Folge von Entlassungen und Jobwechsel. An deutschen Airports etwa sind laut FlughafenverbandADV rund 20 Prozent der Stellen unbesetzt. In Europas LuftfahrtindustriegingendurchdieCoronakrise600.000 Arbeitsplätze verloren, weltweit sind es 2,3Millionen Jobsweniger. Die sindnichtmit einemFingerschnippserwieder da. Vor allemdieBodendienste sind schwer nachzubesetzen, weil die Kombination von niedrigen Löhnen für harte Arbeit undwenigWertschätzung für nur geringeMotivation sorgt. EinEinstiegsgehalt von1.700Brutto lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Zusätzliche Diäten steigern das Einkommen, sind jedoch unzuverlässig. Das Argument gilt schon in der Gastronomie, woman sichmit Trinkgelderndas oftmals vergleichsweise niedrige Grundeinkommen auffettet, nur bedingt. Garantiendafür gibt es halt nicht. Dass mittlerweile Arbeitgeber Gehälter deutlich über demKVanbietenmüssen, umüberhaupt eine Chance zu haben, kennt man aus den meisten Branchen. Es zeigt aber einGrundproblem, für das es besser bald als später eine Lösung braucht: Das Wirtschaftssystem hat sich durch die Digitalisierung, Globalisierung unddemografische Entwicklung verändert, das Steuersystemnicht. Die Steuern auf Arbeit sind viel zu hoch, gerade bei personalintensiven Branchen der Dienstleistung wie dem Tourismus läuft der Rechenstift heiß, damit sich der Betrieb noch auszahlt. Die Arbeitskräfte bekommen zu wenig Netto vom Brutto. Auf der anderen Seite wird Amazon für Rekordumsätze an der Börse gefeiert. Im Jahr 2020 erzielte der Multi alleine in Europa (Firmensitz in Luxemburg) 51,3 MilliardenEuroUmsatz, bezahlte keinenCent Steuernund erhielt sogar eine Steuergutschrift inHöhe von 56 Millionen Euro! Den normalen Betrieben wirdnichts anderes übrigbleiben, als über dieMaßengut zubezahlen. Tunoder können siedas nicht, müssen sie Leistungen einschränkenoder zusperren. Beides sorgt nicht für bessereGeschäfte. Reisen ist ein Grundbedürfnis, aber nicht lebensnotwendig. DerGipfel der Teuerungswelle steht erst bevor, die Auswirkungen auf viele Lebensbereiche sind nochnicht abschätzbar.Mit Blickauf all dieseMonster könnte uns der Optimismus verloren gehen – aber gerade den braucht es. Ich bin überzeugt, es kommen wieder bessere Zeiten. Genießen auch Sie dieUrlaubszeit, wennmöglich, und schnaufen Sie durch. Ich wünsche Ihnen sonnige Tage. System mit Reformbedarf Inhalt Aktuell Die Zukunft der Allianzen ������ 06 Agenttour nach Zakynthos ���� 16 TRVLX: Auftakt in Georgien ��� 21 Interview Edward Ho, EVA Air �������������������������������������� 08 Phillies Ramberger, Pur Touristik ������������������������������� 18 Special Highlights Winter 2022/23 ���� 12 Grüne Seite ������������������������������� 23 Kreuzfahrttrends ��������������������� 24 Island entdecken ��������������������� 28 IMPRESSUM Medieninhaber und Verleger: Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H. | Verlagsort/Anschrift Medieninhaber/Redaktion/Herausgeberin: Euro Plaza 5, Gebäude J, Kranichberggasse 4, 1120Wien | Tel.: +43/1/866 48-0, Fax: DW -100 | Internet: www.manstein.at | Geschäftsführung: Mag. Markus Gstöttner | Herausgeberin: Mag. 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