traveller 02/2022

02 | 2022 23 © liliya – stock.adobe.com, Silverpics – stock.adobe.com Die genannte Initiative sowie viele weitere grüne Maßnahmen sind unter www.traveller-online.at in der Kategorie „Green“ nachzulesen. Haben Sie ein innovatives Klimaschutz-Projekt, eine besondere touristische Maßnahme, die nachhaltiges Reisen unterstützt, dann schreiben Sie an n.vejnoska@traveller-online.at Grüne Initiativen Die Rädchen drehen sich nicht mehr Die Apparatur Tourismus ist eine sensible. Geht ein kleines Rädchen kaputt, kommt die gesamte Leistungskette schnell ins Stocken oder gar zum Erliegen. Hilft hier mehr Diversität? Die Flugbranche hat es aktuell schwer. Nicht nur beeinträchtigt der in jeder Branche zur Verzweiflung bringende Personalmangel den reibungslosen Betrieb am Airport, auch der große Ansturm der Reisenden sollte eigentlich Grund zur Freude geben. Der Flughafen Wien sowie Austrian Airlines sehen sich zwar für den Sommer gut gerüstet – man habe zuletzt mehr als 100 neueMitarbeiter:innen amVIE eingestellt, undmit einem Personalstand von 80 % im Vergleich zu 2019 kann das aktuelle Passagieraufkommen gut abgedeckt werden, wie es heißt. Die rot-weiß-rote Airline freut sich auch über Zuwachs – 150 neue Flugbegleiter:innen sind für den Hochsommer und die Feriensaison vorbereitet. Doch das Rädchen, so klein es auch ist, kann schnell einmal die gesamte Leistungskette bremsen. So sorgt nun einUnfall in der Raffinerie Schwechat für Aufsehen – und damit für eine weitere Verschärfung der Situation am Flughafen. Die Fluglinien werden angehalten, in anderen Ländern zu tanken, bevor sie nachÖsterreich zurückkehren. Eine zweite kleinere Raffinierie hält zumindest einen Teil der Produktion aufrecht. Wann aber die Anlage wieder vollständig in Betrieb genommenwerden kann, ist unklar. Geschätzt wird die Dauer der Reparatur auf „mehrere Wochen“. Fliegen mit alten Pommes Damit bleibt die Frage nach alternativenVersorgungssystemenund -antrieben offen, welche die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren und im Falle eines Ausfalls nicht sofort das ganze System lahmlegenwürden. Mittlerweile hat man sich in der Branche aber auf Sustainable Aviation Fuels (SAF) eingeschworen, immerhin wäre für das synthetisch hergestellte Kerosin – zumeist aus Raps, aber auch ausHackschnitzeln, Klärschlamm oder altem Frittieröl – bereits ein Teil der nötigen Infrastruktur da. Das Kerosin wird derzeit als wahrer Gamechanger gehandelt und soll bei seiner Verbrennung nur so viel CO2 ausstoßen, wie es zuvor der Atmosphäre entzogen hat. Der bisher eingesetzte Anteil mit 0,5 Promille ist nach wie vor marginal, bis 2025 sollen aber bereits zwei Prozent des nachhaltigenKraftstoffs verpflichtend getankt werden, was beimweltweitenAufkommen schon eine Steigerung auf das 40-Fachewäre. Die Erzeugung – sofern sie aus erneuerbaren Quellen stammen soll – braucht jedoch eine gigantische Menge an Energie, also für den weltweiten Bedarf rund 240.000 km² Photovoltaik-Anlagen. Das ist mehr als die Fläche Rumäniens. Es bleibt schwierig: Von einemEhebett ins nächste zu hüpfen, ist ein Ansatz, aber bisher auch leider der einzige. Die Branche ist noch (lange) nicht bereit, sich vom schwarzen Gold – ob aus der Erde oder vom letzten Mal Schnitzel frittieren – zu trennen. Die „echte“ Diversität lässt weiter auf sich warten, denn auchmassentaugliche Elektroflugzeugemit leistungsfähigen Batterien werden technisch nicht vor 2030 möglich sein, Wasserstoff-Großraumflugzeuge liegen noch in weit fernerer Zukunft jenseits der Jahrhundertmitte. Teurer wird Fliegen künftig allemal und umdie Pariser Klimaziele zu erreichen, werden wir um eine Reduktion auch nicht herumkommen. Die steigenden Preise bewegen sich aber in einemRahmen, der nachwie vor günstiger wäre als vor 20 Jahren – schmerzen tut es heute aber umsomehr. Und nicht zuletzt hat auch die Politik so einige Fäden in der Hand, um den Wettbewerb gerechter und Fliegen etwas umweltfreundlicher zu gestalten.

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