traveller 02/2022

02 | 2022 19 ziemlich gut gebucht ist. In der Economy Class dito. Zusammengefasst bedeutet das, reduzierte Kapazitäten und hohe Preise. Die Teuerung schlägt in allen Bereichen zu, wie viel teurer sind Reisen geworden? Für die Malediven im Sommer pro Person im Doppelzimmer auf einer gehobenen 5* Insel inklusive Flüge liegt der Preis zwischen 4.000 und bis zu 9.000 Euro, vor der Pandemie waren es zirka 3.000 bis 6.000 Euro. Der Kerosinzuschlag ist immens, Flüge sind exorbitant teurer geworden. Dazu kommt, dass bei den Fernreisedestinationen zu 90 Prozent in US-Dollar bezahlt wird. Der Wechselkurs ist seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs eine Katastrophe, da gibt es alleine durch die Währungsdifferenz eine Verteuerung um bis zu 15 Prozent. Wenn man es mit 2019 vergleicht, sind solche Reisen im besten Fall 15 Prozent teurer geworden, aber oftmals bis 30 Prozent. Wie preissensibel sind Ihre Kunden? Bei der Mehrheit ist es „noch nicht“ das Thema, es wird aber eines. Ich rechne damit, dass manche kürzer bzw. statt dreimal nur ein- bis zweimal verreisen werden, günstigere Zimmerkategorien buchen werden und Ähnliches. Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa (Inflation, Personalmangel, Teuerungsrate, etc.) wird sicher nicht spurlos an uns vorübergehen. Als Branchenvertreterin gesprochen, wird es für die breite Masse sicher eine herausfordernde Wintersaison – in allen Bereichen. Was gibt es Neues bei Pur Touristik, welche Highlights warten auf die Reisenden? Wir sind gerade in der Planungsphase und erscheinenmit demneuen Katalog voraussichtlich Ende August, Anfang September. Neu ist Europa mit wenigen ausgewählten, exklusivenDestinationen: Eine davon ist Montenegro im One&Only Portonovi Resort. Das ist das neue absolute Luxusprodukt, dass man an der Adria finden kann. Einfach wunderschön! Ich war selbst fünf Nächte in der Bucht vonKotor und binnoch immer schwer begeistert. Seit dem ersten Quartal neu im Programm ist Mexiko, das immer beliebter wird, mit sehr individuellen Angeboten. Zum Beispiel bietenwir private Besichtigungen imAnthropologieMuseum in Mexiko City am Abend nach den Öffnungszeiten an. Das heißt, Mexiko City kombiniert mit privaten Tagesausflügen und Badeaufenthalt. Sehr spannend ist auch Peru auf individueller Basis. Überall in Top-Hotels. Wir sind eine Maßschneiderei. Individualisierung und Spezialisierung machen dann den Unterschied aus? Der TopHighend-Kunde kann sein 5* Hotel online oder bei den großen Anbietern buchen. Nur, die Individualität des Angebots, genau auf die Bedürfnisse abgestimmt, funktioniert dannnicht. EinBeispiel: Der Kunde will eine bestimmte Beach Front Villamit zwei Schlafzimmern und der Terrassemit BlickRichtungMeer. Selbst indenTopLuxus-Hotels sind solche Zimmerkategorien nicht in Fülle vorhanden. Das kannman nicht irgendwo online buchen, dazubraucht‘s einenVeranstaltermit besten Kontakten zumHotel. Es geht weiter mit individuellenWünschen wie etwa Private Dining. Die Kundenbedürfnisse haben sich während der Pandemie nochmals geändert? An erster Stelle steht mehr Privatsphäre. Manwill nicht mehr nur ein normales Zimmer, sondern sucht Chalets, Bungalows, Pavillons. Das gilt selbst für DestinationenwieDubai. Wie erwähnt werden Private Dining, private Besichtigungen von Museen etc. aber auch Privatjets sehr oft angefragt; man versucht eine große Ansammlung vonMenschen zu vermeiden. Sie sind Präsidentin des ÖVT, die Generalversammlung steht am16./17. September in Salzburg im Kalender. Was ist geplant? Neben den rechtlichen Vorgaben, die man als Vereinbei einer Generalversammlung zu erledigen hat, bietenwir den Teilnehmern, denMitgliedern wieder sehr interessante Themen. Ein Thema ist nachhaltiges Reisen als Ergänzung zumPortfolio des Reisebüros. Außerdem werden neue Buchungssysteme mit integriertem Kundenbindungsprogrammen vorgestellt. Das heißt, wie ich zum Beispiel meinen Social-MediaAuftritt in die Systeme integrieren kann. Das Reisebüro muss sich im Zuge der Digitalisierung neu aufstellen. Ein drittes Schwerpunktthema ist New Work, der Wandel der Arbeitswelt undMitarbeiter, und RelationshipMarketing. Wie gelingt langfristige Kundenbindung? Das leben wir bei Pur Touristik seit 18 Jahren vor. Wir kreieren nicht nur Produkte und bieten diese an, sondern setzen immer auch auf die Beziehungsebene. Das heißt, wir binden den Kunden, egal ob B2B oder B2C, in die Entwicklung der Produkte mit ein. Die Betreuung erfolgt nicht nur bis zumunterschriebenen Vertrag, sondern wird auch danach gelebt. Für ein Reisebüro, das mit Endkunden zu tun hat, ist das wichtiger denn je. Wir können uns nicht darauf ausruhen, dass der Kunde in der Pandemie gesehen hat, wie wertvoll es ist, in einemReisebüro gebucht zu haben. Die Branche muss dranbleiben, wenn die Pandemie hoffentlich irgendwann Geschichte ist, damit der Kunde nicht wieder ins Internet abwandert. Stillstand ist Rückschritt? Dumusst permanent amBall bleiben. Es ist egal, ob du Luxusreisen verkaufst oder günstige Reisen, du musst für dich eine Nische finden, ein USP aufbauen. Die Zeiten des klassischen Reisebüros als reiner Generalist sind leider vorbei. Zur Generalversammlung möchte ich noch ergänzen: Natürlich werden ausgewählte Partner, Veranstalter auch ihre News präsentieren. Ich empfehle, sich bald anzumelden, die Deadline ist der 15. Juli. Diesmal haben wir auch branchenexterne Persönlichkeiten als Vortragende eingeladen, die neue Blickwinkel präsentieren. Die neue Tourismusstaatsekretärin Susanne Kraus-Winkler wird unsere Tagung eröffnen. Ich empfehle jedemMitglied – im eigenen Interesse – an der diesjährigen Tagung teilzunehmen, spannendeThemen und innovativer Austausch erwarten die Teilnehmer. Der Arbeitskräftemangel in der Branche ist latent. Wie geht Pur Touristik mit demThema um? Personalmangel ist das Schlagwort des Jahres – leider! Wir habenwährend der Pandemie niemanden gekündigt und jetzt auch flexiblere Arbeitszeitmodelle eingeführt. Ich habe für einen Teambuildingworkshop extra Experten aus Deutschland einfliegen lassen. Ich suche dennoch laufend nachMitarbeitern, in der Hoffnung, dass wir beizeiten aufstocken können. Ich gehe davon aus, dass sich die Situation amArbeitsmarkt imerstenQuartal 2023 verbessern wird. Wenn du deine Mitarbeiter halten willst, musst du dich permanent mit ihnen „beschäftigen“, ihnen Eigenständigkeit zugestehen und offen sein für neue Wege. Man muss auf Augenhöhe agieren, du kannst ja trotzdemChef sein. Undwirmüssen unser Image ändern. Das beginnt schonmit der Berufsbezeichnung Reisebürokaufmann oder Reisebüroassistent – total veraltet! Junge Menschen denken, in der Reisebranche verdient man kein Geld, aber so ist es nicht. Beim Image habenwir allemiteinander in der Branche die Entwicklung verschlafen. Dasmüssenwir jetzt korrigieren. ts „Nicht der Preis, sondern die persönliche Erwartung des Gastes und dessen Erfüllung definiert unser Produkt.“

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