traveller 02/2022

18 02 | 2022 Interview PHILLIES RAMBERGER Ab in die Ferne Für Phillies Ramberger und ihr Team im Büro in Gumpoldskirchen ist der Servicegedanke gegenüber Partnern und Kunden das höchste Gut. Das zahlt sich aus in guten wie in schlechten Zeiten.Wohin es die Reisenden heuer zieht, welche Auswirkungen dieTeuerung auf das Geschäft hat und welche neuen Highlights Pur Touristik im Programm hat, verrät sie im Gespräch mit dem traveller. Wie läuft das Geschäft für Pur Touristik oder anders gefragt: Wie sonnig ist der Sommer? Nach über zwei Jahren Pandemie freuen wir uns sehr über den Aufschwung, der Reisewille der Kund:innen ist stärker denn je. Noch haben wir es geschafft, keinen Rückstau zu produzieren. Das heißt, Anfragen werden binnen 24 Stunden bearbeitet, selbst jetzt inPhasen, woder Ansturmenorm war (vor allemso kurzfristig). DurchunseredurchgehendeErreichbarkeit – trotzKurzarbeit –während der gesamtenPandemiehabenwir auch vieleneue Reisebüros als Partner gewonnen. Der Sommer ist überraschend sehr gut gebucht, etwas Sorge bereitetmir derHerbst/Winter. Undwir haben– ichwill’s jetzt nur nicht verschreien (lacht) – kaumbis keine Beschwerden, obwohl die Pandemie die gesamte Tourismuslandschaft verändert hat. Als Nischenveranstalter im Highend-Bereich liefern wir sehr individuelle Reisepakete. Nicht der Preis, sondern die persönliche Erwartung des Gastes und dessen Erfüllungdefiniert unser Produkt. DasGeschäft im Sommer war für uns als Fernreiseveranstalter immer eher ruhig – heuer ist keine Redemehr davon. DieMaledivenwerden sehr, sehr gut gebucht, ebenso Dubai, auch Mauritius und vereinzelt auch die Seychellen. Wie groß ist die Buchungsdynamik für den Herbst und Winter? Die Herbstferien sind schon sehr gut und Weihnachten ist extremgut gebucht. IndenTop-Häusern mussmandarumkämpfen, diegewünschtenVillenKategorien zu bekommen. Ausgenommen zu den Ferienzeiten wird aber weiterhin sehr kurzfristig gebucht. Das ist für mich vollkommen nachvollziehbar – es fehlt diePlanbarkeit, niemandweiß im Moment wie der kommendeWinter wird – Schlagwort Pandemie, hohe Inflation, Ukrainekrieg usw. Was heißt kurzfristig bei einemLuxus-Fernreiseveranstalter? Im ersten Quartal waren es teilweise zehn Tage bis eineWoche vor Abflug; das ist eine Challenge. Ich hoffe, dass es in der kommendenWintersaison zumindest drei bis vier Wochen vor Abflug sein werden. Kunden imLuxus-Segment sind großteils entweder selbst erfolgreiche Unternehmer oder in einer hohen Position tätig. Für sie ist eine langfristige Planungssicherheit derzeit nicht existent. Die Zeiten sind vorbei, dass fünf Monate vorher eine Reise gebucht wird – außer für die Ferienzeiten. Ist dieser Trend, dass sich bei den Fernreisedestinationen mehr im Sommer abspielt, gekommen, um zu bleiben? Der Umfang war diesen Sommer echt überraschendbei der Fernstrecke. Ich vermute doch, dass es eine nachhaltige Veränderung gibt, nur ob des Ausmaßes bin ichmir nicht sicher. Es spielen verschiedene Faktorenmit: Der Klimawandel ist weltweit zu spüren und hat nicht immer nur unmittelbar negative Auswirklungen. Auf die Malediven wäre man früher zwischen Juni und September aufgrund der Regentage nicht hingeflogen; das ist dort nichtmehr so. Außerdemsindmomentandie Preise für Europa imWarmwasserbereich ziemlich hoch. Wenn zwei Wochen in Europa in einem tollen 5*-Resort für die ganze Familie genauso viel kostenwieDubai oder acht TageMalediven, dann greifen die Kunden eher darauf zurück. Ein Veranstalter muss flexibel sein? Der Markt ist extremvolatil geworden. Du kannst nur erfolgreich tätig sein, wenn du in allen Bereichen absolut höchste Flexibilität beweist. Verfügbarkeiten, Stornobedingungen, Buchungsfristen – überall ist die gewohnte Planbarkeit verlorengegangen. Bis vor der Pandemie habe ich genau gewusst, wir machen 80 Prozent unseres Jahresumsatzes in den Abreisemonaten Oktober bis April. Das gilt jetzt nicht mehr. Ergo bringt es nichts, große Zimmerkapazitäten einzukaufen. Die Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine Rolle bei Flugreisen. Der Kunde fliegt vielleicht nicht mehr dreimal im Jahr eine Langstrecke, sondern nur eine und bleibt dafür länger. Wie schwierig ist es derzeit, Flüge zubekommen bzw. merkt man, dass es knapper wird? Ja, es ist knapper. Wie erwähnt, wird für die Fernreise die Reisezeit zwischen Juni und August immer gefragter. Wir haben einen hohen Business Class-Anteil und es ist weltweit zu beobachten, dass die Business Class trotz horrender Preise © Thomas Schweighofer

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