Traveller 01/2022

Sehnsucht Mittelmeer Ausgabe 01 2022 28. April 2022 | Nr. 1962 Österreichische Post AG, GZ 20Z042187, Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H., Euro Plaza 5 Gebäude J, Kranichberggasse 4, 1120Wien; Retouren an Postfach 100, 1350Wien. Einzelpreis: 2,00 € ÖRV Kongress Zeit wird’s

Südengland: Cornwall und Devon 29.5. - 5.6., 17. - 24.7., 24. - 31.7., 7. - 14.8.22 Flug ab Wien, Bus, *** u. ****Hotels/meist HP, Eintritte, RL ab € 1.890,– Wales - Naturschönheiten im keltischen Land 16. - 24.7.2022 Flug ab Wien, Bus, *** und ****Hotels/HP, Eintritte, RL € 1.990,– Höhepunkte Schottlands mit Lewis, Harris und Isle of Skye 10. - 19.6., 29.7. - 7.8., 12. - 21.8., 19. - 28.8.2022 Flug ab Wien, Bus, Fähren, *** und ****Hotels/meist HP, Eintritte, RL ab € 2.850,– Faszination Island mit Snæfellsnes Halbinsel 3. - 13.7., 17. - 27.7., 24.7. - 3.8., 31.7. - 10.8., 14. - 24.8.22 Flug ab Wien, Geländebus/Kleinbus, *** und ****Hotels/ meist HP, Eintritte, RL € 3.990,– Rund um Island zu Gletschern und Vulkanen 19. - 27.6., 12. - 20.7., 19. - 27.7., 2. - 20.8., 9. - 17.8., 16. - 24.8., 23. - 31.8.2022 Flug ab Wien, Bus/Kleinbus, *** und ****Hotels/meist HP, Eintritt, RL ab € 2.690,– Wandern in Island Die schönsten Naturerlebnisse der Insel 31.7. - 15.8.22 Flug ab Wien, Geländebus, Hotels und Gästehäuser/meist HP, Eintritte, RL ab € 4.800,– Skandinavien mit Lofoten und Nordkap 9. - 23.6., 16. - 30.6., 24.6. - 8.7., 1. - 15.7., 9. - 23.7., 16. - 30.7., 23.7. - 6.8., 29.7. - 12.8., 7. - 21.8.2022 Flug ab Wien, Bus, Schiff, *** u. ****Hotels/meist HP, Eintritte, RL ab € 2.990,– Mit dem neuen Havila-Postschiff zum Nordkap + Geführte Landgänge mit österr. Reiseleitung inkl. 22. - 29.6., 26.10. - 4.11.22 Flug ab Wien, Ausflüge, 1x ****Hotel/HP und umweltfreundliche SchiffsReise auf Havila Castor/Außenkabine/VP, Landgänge, Eintritte, RL ab € 2.950,– Das mittelalterliche Zentrum der Ostsee - Gotland mit Ostschweden 15. - 22.7.2022 Flug ab Wien, Bus, Fähren, ****Hotels/ meist HP, Eintritte, RL € 1.990,– Stockholm - Südschweden 30.6. - 8.7., 23. - 31.7.2022 Flug ab Wien, Bus, meist ****Hotels/meist HP, Schifffahrt, Elchsafari, Eintritte, RL € 1.990,– Höhepunkte Irlands 25.6. - 2.7., 9. - 16.7., 16. - 23.7., 23. - 30.7., 6. - 13.8., 20. - 27.8., 27.8. - 3.9.22 Flug ab Wien, Bus, ****Hotels/ meist HP, Bootsfahrt, Eintritte, RL ab € 1.660,– Irland intensiv mit Nordirland 11. - 25.6., 25.6. - 9.7., 2. - 16.7., 9. - 23.7., 16. - 30.7., 30.7. - 13.8., 13. - 27.8., 20.8. - 3.9.2022 Flug ab Wien, Bus, meist ****Hotels/meist HP, Eintritte, RL ab € 2.890,– Kneissl Touristik Zentrale Lambach, zentrale@kneissltouristik.at, ☎ 07245 20700, www.kneissltouristik.at Kopenhagen, Nyhavn © Scanrail - stock.adobe.com Nordland 2022 Naturwunder pur | Großbritannien, Irland, Skandinavien, Island

01 | 2022 3 Kommentar Wie wir wissen, sind die Kinder die Chefs, wenn es darum geht zu entscheiden, welcher sommerliche Familienurlaub sein muss. Zumindest drehen sie denKompass in die richtige Richtung. „Meer“ war die lautstarke Antwort meiner zwei kleinen lieben Teufelchen auf die Frage, wohin es gehen soll. Die beiden letzten Sommerurlaube verbrachten wir in Österreich und genossen alle Vorteile (Natur, kurze Anreise, Flexibilität, man weiß, was man kriegt ...) und erlebten auch die bekanntenNachteile (Wetter, man kennt, was man kriegt, Wetter, kein Meer, Wetter ...). Diesmal also wieder der Traum in Azur oben und unten. Mallorca sollte es sein, da waren wir schon einmal und das noch relativ spärlich gefüllte Langzeitgedächtnis der Kids hatte den durchwegs gelungenen Aufenthalt inCan Picafort als wiederholenswert gespeichert. Somit machtenwir uns auf die Suche und klopften sprichwörtlich an die Tür des Reisebüros imNachbarort; denn die Schwägerin, unsere eigentliche Betreuerin derWahl, hatte zwar nicht den Tourismus, aber denBranchenbereich gewechselt. Startup für Gruppenreisen statt Counter. Schade – und leider müssen wir weitersuchen. Denn imReisebüro blieb die erwünschte Beratung so gut wie aus, uns wurden lediglich zwei Kataloge in die Hand gedrückt und eine Preisliste ausgedruckt. Als das nächste Pärchen durch die Tür blinzelte, vertröstete der Betreuer diese mit „Kommen‘s in fünfMinutenwieder, wir sind gleich fertig.“ Meine Frau und ich blickten uns verdutzt an. Dienstleistungsqualität schaut anders aus. So enttäuscht setzten wir uns zuhause auf unsere jeweiligen vier Buchstaben und checkten das Onlineangebot eines Reiseveranstalters. Irgendwann fanden wir das Gesuchte und buchten – um nur eine Stunde später eine Absage der Anfragebuchung zu bekommen. Ohne Begründung oder Hilfe, sondern nurmit demHinweis, auf derWebsite doch ein anderes Ziel zu wählen. Was ist da los, warum will uns niemand? Also buchten wir beimzweiten Veranstalter unsererWahl die zweiteDestination unsererWahl; nur umdiesmal einen halben Tag später eine Absage zu bekommen. Wenigstensmeldete sich jemand telefonisch und entschuldigte sich. Lange Rede, kurzes Ergebnis: Irgendwann kamen wir dort zu unserer bestätigten Buchung. Nach Griechenland! Weil auch wunderschön, die Frau sowieso dorthin wollte undwir eh heuer noch eine Städtereise nach Spanien geplant haben. Was lernen wir daraus: Qualität ist keine Selbstverständlichkeit, weder analog noch digital. Das Geschäft mit uns hat der gemacht, der wertschätzend geholfen hat. Da spielen die paar Euro, die man anderswo vielleicht noch herausverhandelt hätte, keine Rolle. Nehmt eure Kunden ernst, sonst wird es irgendwann ernst für euch – „Zeit wird‘s!“ möchte ich den anderen zurufen. Unter dem gleichen Motto steht der Frühjahrskongress des ReiseVerbands, demwir in dieser Ausgabe breit eine Bühne bieten. Neben demWunsch, dass wir die Pandemie endlich hinter uns lassen, wieder unbeschwert reisen können und den Klimawandel ernst nehmen, braucht es endlich Taten, damit der Krieg in der Ukraine endet. Die eingangs beschriebenen Problemchen sind null und nichtig imAngesicht der Gewalt, die Menschen einander antun und androhen. Imrussischen Fernsehenwerden in einigen Formaten unverblümt taktische Details diskutiert eines möglichen Einmarschs in die baltischen Staaten. Da wird einem Angst und Bange. „Slawa Ukrajini“ ist zum Schlagwort des Widerstands gegen die putingetreuenAggressoren geworden. „Ruhmder Ukraine“ bedeutet es übersetzt oder „Hoch lebe die Ukraine“. Ich reihemich ein und ergänze laut „Hoch dem Frieden“, da wie dort und überall. Es ist Zeit! Die lange Reise in den Süden Inhalt Aktuell Vorwort & Grußworte ������������� 04 ÖRV-Ausschüsse berichten �� 08 Wichtige Nachwuchsarbeit ���� 10 Umfrage: Starker Verband ���� 38 Interview Eva Buzzi, ÖRV �������������������������������������������� 06 Oberkanins & Haselmayr, FTI Österreich ��������������������������� 14 Soukop & Bohn, Costa ������������������������������������������ 32 Special Sehnsucht Mittelmeer ������������� 16 Aufwind an den Airports ������� 28 Kreuzfahrten boomen ������������ 34 Agentmix Natürliche Schönheiten ���������� 42 IMPRESSUM Medieninhaber und Verleger: Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H. | Verlagsort/Anschrift Medieninhaber/Redaktion/Herausgeberin: Euro Plaza 5, Gebäude J, Kranichberggasse 4, 1120Wien | Tel.: +43/1/866 48-0, Fax: DW -100 | Internet: www.manstein.at | Geschäftsführung: Mag. Markus Gstöttner | Herausgeberin: Mag. Dagmar Lang, MBA | Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H. eine 100% Beteiligung der dfv Mediengruppe, Frankfurt/Main | Sprecher der Geschäftsführung Deutscher Fachverlag GmbH: Peter Esser, Sönke Reimers | Alle anderen im Mediengesetz (§25 MedienG) aufgelisteten Angaben finden Sie unter: www.traveller-online.at/impressum | Firma des Herstellers: Friedrich Druck& Medien GmbH | Herstellungsort: Zamenhofstraße 43, 4020 Linz | Titelbild: Anna Berkut – stock.adobe.com traveller – INDIVIDUELL | AKTUELL | UNABHÄNGIG Chefredakteur: Mag. Thomas Schweighofer (ts) | Sales &Marketing: SusanneWernbacher-Pretsch (Leitung), Manuela Sommer | Redaktion: Brigitte Charwat (bc), Dagmar Lang (dl), Nadine Vejnoska (nv) | Online-Redaktion: Nadine Vejnoska | Sekretariat: Gisela Imnitzer (DW 211 / g.imnitzer@manstein.at) | Aboverwaltung: vertrieb@manstein.at | Produktion: Georg Vorstandlechner (g.vorstandlechner@manstein.at) | E-Mail: redaktion@traveller-online.at | www.traveller-online.at, www.facebook.com/travelbruno, linkedin.com Thomas Schweighofer Chefredakteur t.schweighofer@manstein.at © Yagnik – stock.adobe.com

4 01 | 2022 Vorwort &Grußworte Warum es Zeit wird Wir haben uns dieses Jahr für das Thema „Zeit wird‘s“ entschieden. Es ist höchste Zeit, dass der Krieg in der Ukraine beendet wird, dass die Pandemie endlich vorbei ist und dass wir endlich wieder unbeschwert reisen können. Gerade die Pandemie hat vielen bewusst gemacht, dass (gemeinsame) Zeit unser wichtigstes Gut ist, und diese Erkenntnis wird nicht nur entscheidenden Einfluss auf unser Leben, sondern auch massive Auswirkungen auf die Wirtschaft und natürlich auf die Reisebranche an sich haben. Es wird eine unserer Hauptaufgaben nach der Pandemie sein, dem gesteigerten Sicherheits- und Vertrauensbedürfnis der Menschen wieder gerecht zu werden. Der Post-Corona-Tourismus wird ein Beziehungs- und Entwicklungstourismus sein; es wird den Reisendenmehr als je zuvor umauthentisches Erleben und die Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen gehen. Die Welt des Reisens wird eine andere sein, als jene, die wir vor COVIDgekannt haben. Der Bogen der Kongressthemen spannt sich von den Auswirkungen der Pandemie über die Digitalisierung, Teamgeist, Geschäftsmodelle der Zukunft, Menschen imMittelpunkt bis zumThema Nachhaltigkeit und ich freue mich über die Zusage aller hochkarätigenVortragenden. Die laufendenBuchungen zeigen, dass die Reiselust nach wie vor ungebrochen ist. Genießen, Erholen und Entdecken stehen auf der Wunschliste der Kunden ganz oben. Hoch im Kurs steht auch die Eigenanreise mit dem PKW. Als Destinationen sind Italien, Kroatien, Spanien, Griechenland und Deutschland gefragt. Auch für die Türkei werdenZuwächse erwartet. BeimUrlaub inÖsterreichwirdmindestens das Vorjahresniveau erreicht werden. Durch den gestiegenen Wunsch nach Sicherheit und Expertise können auch die Reisebüros verstärkt reüssieren. Dr. Walter Säckl,ÖRV-Generalsekretär Reisebranche ist wichtiger Impulsgeber Mit der Corona-Krise wurde insbesondere die Reisebranche vor große Herausforderungen gestellt. Es ist erfreulich, dass dieser zentrale Bereichmit der Rückkehr in Richtung Normalität wieder positive Signale sendet und Aufbruchstimmung zu vernehmen ist – auch wenn durch den schrecklichen Krieg die nächste große Herausforderung zu bewältigen ist. Für uns als Land ist es wichtig, dass wir den Menschen gerade in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Instabilität jetzt umso mehr Stabilität, Sicherheit und Zuversicht geben. Gerade Oberösterreich ist ein Land, wo man die Dinge gemeinsam mutig anpackt. Um Kraft für die Zeit des „Anpackens“ zu erhalten, sind Zeiten der Erholung im In- und Ausland auch von großer Bedeutung. Ob Frühjahrsurlaube, Wellness, Wanderungen und Ausflüge, kulturelle Erlebnisse, Urlaub amMeer – Oberösterreich freut sichwieder auf die vielseitigen Angebote der Reisebranche. Mit demThema „Zeit wirds“ wird die Sehnsucht vieler Menschen angesprochen. Ich danke demÖsterreichischen ReiseVerband für den gemeinsamen Gedankenaustausch der Mitglieder, für das Engagement auf dem Gebiet des nachhaltigen Tourismus und für die Erarbeitung zukunftsorientierter Branchenlösungen. Ich begrüße alle Teilnehmer:innen zum61. Frühjahrskongress des ÖsterreichischenReiseVerbands imOÖNachrichtenforumsehr herzlich. Ichwünsche viel Erfolg bei der Vermittlung neuester Erkenntnisse, beim Lesen des „traveller“ und einen schönen Aufenthalt bei uns im wunderschönen „Upper Austria“. Mag. Thomas Stelzer, Landeshauptmann OÖ © OÖNachrichten FORUM

01 | 2022 5 Auf ein Neues! Umdenken „Auf ein Neues“ ist eine wunderbare Formulierung. Sie passt auf den motivierten Neubeginn nach einer erholsamen Pause genauso wie auf einen weiterenAnlauf. Ebenso gut lässt sie sich als Toast ausbringen: auf den Beginn eines neuen Jahres oder eines neuen Gemeinschaftsprojektes. Auf ein Neues suchenwir nachMitteln undWegen, der Pandemie die Stirn zu bieten und das Beste aus der Situation zu machen, die durch den Krieg in der Ukraine neue Verunsicherungmit sich bringt. Dochwie geht man dies ambesten an? Wir haben uns im Vorjahr für eine mutige Kampagne mit dem Titel „Linz ist Linz“ entschieden und wurden belohnt mit viel Reichweite, ehrlichen Rückmeldungen und Reiseanfragen vor Ort. Das Wagnis ist gelungen! Wir haben mit der Kampagne ein Stück Linzer Kommunikationsgeschichte geschrieben, die auch noch in Zukunft in Erinnerung seinwird. DochwelcheWertehaltung stand hinter der Kampagne und wird in weiteren Maßnahmen auch dieses Jahr sichtbar? Es sind grob vier Grundsätze, die uns antreiben und in unserem Tun leiten. Wir glauben: Tourismus kann auch erfolgreich sein, wenn man sich nicht nur auf althergebrachte Landmarks, alte Bauten und Geschichte konzentriert. Lebensqualität als Attraktion anstatt historischer Kulissen. Destinationenmüssen sich ganzheitlicher aufstellen. Gästeerlebnisse dürfen sich nicht nur auf eigens designte Touristen-Ausschnitte einer Stadt konzentrieren. Die Zusammenarbeit vonGesellschaft, Kultur und Tourismus bedingt mehr Verständnis füreinander von beiden Seiten. Individualität und Ganzheitlichkeit wird zum neuen Wettbewerbsfaktor. Die Menschen und nicht dieHäuser sind die Stadt. In Zeiten von allgegenwärtiger Digitalisierung sind Gastgeberqualitäten von Menschen mehr denn je gefragt. Warum ich dies mit Ihnen teile? Weil ich zutiefst überzeugt bin, dass wir in der Reisebranche Neues wagen dürfen! Das zeigt meine Erfahrung. Der Slogan „Linz verändert“ begleitet uns in Linz seit dem Europäischen Kulturhauptstadtjahr 2009 und hat uns Jahr für Jahr „Auf ein Neues“ motiviert, offener und auch agiler zuwerden. Seither setztenwir auf Schwerpunktthemen, die uns helfen, unwiderstehliche Geschichten über die Stadt zu erzählen und spannend zu halten. 2022 variierenwir das Schwerpunktthema „Menschen“ und geben den Frauen eine Bühne, holen sie vor den Vorhang und erzählen die Stadt „weiblich“. So findet sich auf unserer Website, in unseren Broschüren wie Texten das generische Femininum sowie zahlreiche Frauen, die die Stadt prägten und heute Linz in Museen, Konzerthäusern und Dienstleistungsbetrieben lebendig gestalten. Auf ein Neues heißt es auch in unserer Organisation, in der nach einem Entwicklungsprozess einige Kolleginnen neu beginnen und ich, ebenso wie mein Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Grubauer, mit Jahreswechsel die Kommandobrücke verlassen werden. Ich freue mich daher sehr, ein letztes Mal mit Ihnen in Austausch zu gehen, um Zukunftsbilder des Tourismus zu entwerfen, damit dieser auf ein Neues ein kraftvoller prägender aber auch willkommener Teil der Gesellschaft wird. Prof. Georg Steiner, Linzer Tourismusdirektor Nachhaltiger und zukunftsfitter Tourismus „Zeit wird’s“ – das Motto des ÖRV Kongresses spricht dieser Tage vielen Menschen aus der Seele: UnserenGästen aus Österreich und aus demAusland, die sich danach sehen, wieder unbeschwert zu verreisen und zu genießen. Für uns Touristiker wiederum wird’s Zeit, endlich wieder uneingeschränkt Gastgeber zu sein. Studien und Befragungen in den Kernmärkten stimmen uns dahingehend für den bevorstehenden Sommer optimistisch. Die Menschenwollen reisen und das Interesse anUrlaub in (Ober)Österreich ist groß. Mit neuen Angeboten und Gästeservices in den Regionen sowie gezielten Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen werden wir dieses Interesse auch in konkreteNachfrage undBuchungen bei denBetrieben lenken können. Dochwohin geht die Reise imTourismus langfristig? Die Pandemie hat unser Leben, unser Zusammenleben und Zusammenarbeiten verändert. Werte wie Nachhaltigkeit gewinnen an Bedeutung und werden zur Handlungsmaxime für den Tourismus. Digitale Services unterstützen uns mittlerweile in alltäglichen Bereichen, die früher schwer vorstellbar waren. Auch im oberösterreichischen Tourismus entstanden neue Tools für die Zusammenarbeit und digitale Services für die Reiseplanung und Freizeitgestaltung, vom Oberösterreich Chatbot „Flo“ (der erste bundeslandweite touristische Chatbot Österreichs) bis hin zur Bonus-App „myOberösterreich“. Und es ist für den Tourismus mehr denn je Gebot der Stunde, in branchenübergreifenden Netzwerken zu arbeiten, Impulse aus anderen Wirtschaftsbereichen zuzulassenund Synergien zunutzen –mit demSport, der Kultur, der Landwirtschaft, der Wirtschaft und Industrie und vielen anderen. Oberösterreich hat dazu mit der Landes-Tourismusstrategie einen konsequenten Weg der Kooperation eingeschlagen. Etwa, wenn es um die nachhaltige Entwicklung und Nutzung unserer Naturräume und einen sensiblen Ausgleich der unterschiedlichen Nutzer-Interessen geht, um Natur und Tourismus in Einklang zu bringen. Oder in der Kulinarik, für die gemeinsam mit Partnern aus der Landwirtschaft, demGewerbe und demTourismus die kulinarische Positionierung Oberösterreichs erarbeitet wurde und nun unter dem Motto „hungrig auf echt“ miteinander umgesetzt wird. Auch in der stärkeren Zusammenarbeit von Tourismus und Wirtschaft steckt für Oberösterreich, übrigens demBundeslandmit denmeisten Patentanmeldungen, viel Potenzial für Innovationen. So begleiten wir derzeit gemeinsammit der Wirtschafts- und Standortagentur des Landes, Business Upper Austria, und dem Land Oberösterreich im Rahmen des „Tourismus-Inkubator“ kreative Start-Ups und Jungunternehmer voller Ideen auf ihrem Weg zur Unternehmensgründung im Tourismus. Für einen nachhaltigen und zukunftsfitten Tourismus, der auch den digitalen Wandel aktiv mitgestaltet. Wenn wir voneinander lernen und im Austausch Neues entstehen lassen, gestalten wir gemeinsam unseren Lebensraum und bieten unseren Gästen einen echten Erlebensraum. Wer das echteÖsterreich erlebenmöchte, kommt nach Oberösterreich! Mag. Andreas Winkelhofer, Geschäftsführer Oberösterreich Tourismus © ÖRV, Land Oberösterreich, Tom Mesic, Oberösterreich Tourismus/FlorianVoggeneder

6 01 | 2022 Interview Mag. Eva Buzzi Es ist eine Einstellungsfrage Der Österreichische ReiseVerband (ÖRV) kehrt mit seinem Frühjahrskongress in Linz, der unter dem Motto „Zeit wird’s“ steht, nach Oberösterreich zurück. Der traveller sprach mit ÖRV-Präsidentin Mag. Eva Buzzi über den wichtigen Blick über den Tellerrand, neue Ausrichtungen und warum die Branche in ein paar Jahren nicht mehr die gleiche sein wird. traveller: Der Kongress steht unter demMotto „Zeit wird’s“. Haben wir die Krisenzeit, die schlimmste Zeit für die Branchewirtschaftlich gesehen hinter uns? Mag. Eva Buzzi: Optimismus braucht es immer! Wir sind eine Branche, die stets voraus- und nicht zurückblickt; das Krisenende verschreien sollte man nicht, aber wir glauben daran, dass die nächste Zeit aus touristischer Warte eine blendend schöne wird. Die Buchungslage ab Jänner bis Ende Februar war sehr gut für den Sommer, dann kamendie Ukraine unddie Preisrallye. Darfmanwirklich weiter optimistisch bleiben? Man muss differenzieren, von welchem Teil der Branche wir reden. Der klassische Outgoing-Veranstalter, die Outgoing-Reisebüros, spüren seit Mitte Februar eine Buchungseuphorie, die zwischendurch kurz eine kleine Delle bekam. Davon ist gerade nichts mehr zu bemerken – außer bei den Kolleg:innen, die auf Reisen in die entsprechende Region spezialisiert sind. Wo es nach wie vor dramatisch aussieht, ist der Incoming-Städtetourismus und für Kongressveranstalter. Da war die Ukraine-Krise ein zusätzlicher Schlag in die Magengrube, weil die russischenGäste für dieses Segment durchaus wichtig sind und zudem für Amerikaner ein Krieg in Europa, der 1.000 Kilometer entfernt ist, quasi als next door gilt. Merkt man das auch bei ÖBB Rail Tours, dass Städte in Europa weniger gebucht werden? Gar nicht. Die Europäer fahrenweiterhin gerne in andere europäische Städte, es ist nur zu wenig, um den ausbleibenden Überseemarkt aufzufangen. Unsere Nightjets sind brechend voll. Das ist die größte Wiederauferstehung seit Lazarus (lacht). Wirmerken sehr deutlich, dass das Nachhaltigkeitsthema schnell zurückgekommen ist, nachdem Covid etwas in den Hintergrund trat. Die Nachhaltigkeit ist eines der Themen des Kongresses. Gibt es jetzt die Entwicklung bei den Reisenden, Nachhaltigkeit nicht nur zu wollen, sondern auch Geld dafür auszugeben? © Andreas Scheiblecker

01 | 2022 7 DerThemenkomplex hat nicht unbedingt immer etwasmit Geld zu tun. Wir bemerken einen starken Schub der Nachfrage für nachhaltige Angebote gerade aus Richtung der Jugend. Die wollen mit ihren Elternmanchmal lieber imLiegewagen verreisen statt mit demFlugzeug. Oder an der Destinationmit denÖffis fahren. Nachhaltigkeit ist vor allem eine Einstellungsfrage und erst in zweiter Linie eine finanzielle Frage. Das kommt von der Mitte der Gesellschaft und spielt sich nicht nur in einem elitären Zirkel ab. Das Thema ist mir persönlich sehr wichtig und dasmüssenwir als Branche auch leben. Mit Blick auf das Programm fällt auf, dass auf der Bühne nicht viele Touristiker stehen werden, sondern Referenten und Themen breit gefächert sind. Darf man das als über den Tellerrand schauen verstehen? Absolut. Was wir in der Formnicht mehr wollten, ist, dass wir uns gegenseitig die Welt erklären. Das wird in Zukunft zu wenig sein, wir müssen von anderen Branchen und Strömungen lernen. Ein Kongress bietet die beste Möglichkeit, um Themen, Problemstellungen, Herausforderungen – eine der größten ist die Klimakatastrophe, die unsere Branche „nachhaltig“ beeinflussen wird – zu betrachten. Deshalb bieten wir an, Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und anschließend diskutieren wir darüber. Wenn sich die Branche neu einstellenmuss, in welche Richtung gilt es neu zu denken, was Angebote und Serviceleistungen betrifft? Ich tuemir schwer, den alten Branchen:häsinnen gute Tipps zu geben. DieNachfrage nach bestimmten Produkten wird uns genau zeigen, was der Kunde will. Wir müssen ihn dabei unterstützten, solche Angebote zu bekommen. Wir müssen uns jedenfalls darauf einstellen, dass die Branche in fünf Jahren nicht mehr die gleiche sein wird. Wie genau, das gibt meine Kristallkugel im Moment nicht her. Hilf dir selbst, dannhilft dir – der Staat.Welche Hilfsleistungen brauchendie Reisebüros jetzt, damit es nicht zu einer verzögerten Insolvenzwelle kommt? Die vorliegenden Förderungen wurden bis Juni verlängert, darunter fällt die Kurzarbeit, die für die Branche sehr wichtig ist. Was wir allerdings stärker befürworten würden, ist eine Art Kombilohnmodell. In den stark betroffenen Branchenbereichen wie Städte und Incoming würden wir Mitarbeiter brauchen, die nun Angebote legen, die jetzt in die Akquisition gehen. Nur geht das mit dem Kurzarbeitsmodell überhaupt nicht zusammen, weil sie die Arbeit in der Intensität gar nicht durchführen dürften. Unser Vorschlag von ÖRV, WKÖ und ÖVT wäre, dass der Staat für die betroffenen Bereiche im Ausmaß der Umsatzreduktion einen Lohnkostenzuschuss gewährt, damit die Leute arbeiten können und die Betriebe es sich leisten können. Das ist noch nicht auf wohlwollende Ohren durchgedrungen, aber wir bleiben dran. Insgesamt mussman aber „Danke“ sagen, wie gut der Staat bisher in der Krise für die Reisebüros gesorgt hat. Was noch fehlt, ist einKonzept oder Plan, was zu tun ist, falls imHerbst die Infektionszahlen wieder in die Höhe schießen sollten? Genau, den Plan braucht man aber schon imSommer, damit man sich darauf einstellen kann. Das gilt für alle Branchen, die Schulen querbeet. Noch meine persönlicheMeinung: Man sollte nochmals klarstellenund vermitteln, wiewichtig die Impfung auch in Zukunft sein wird. Kammer, ÖRV und ÖVT sprachen zuletzt mit gleicher Stimme. Ist diese enge Zusammenarbeit gekommen, um zu bleiben? Natürlich, das hat sich bewährt. HerzlichenDank an Phillies Ramberger undGregor Kadanka, einen besseren, ehrlicheren und vertrauensvolleren Austausch kann ich mir nicht vorstellen. Wie eng war die Verbindung des ÖRV mit der Branche in der Krise? Inwieweit konnte der Verband helfen? Man hat informiert, unterstützt, geholfen – wobei es nicht leicht war, weil man sich nicht regelmäßig gesehen hat. Die Ansprüche der einzelnen Mitglieder sind auch völlig unterschiedlich. Ein kleines Reisebüro braucht etwas anderes als ein Tochterunternehmen eines deutschen Konzerns. Da war ich immer selbstkritisch über zielgerichtete Information, ob ich etwas Interessantes vermittelt habe oder ob es nur der laue Durchschnitt war, der amEnde niemanden interessiert. Der Kongress wird, die Anmeldungen betrachtet, einer der erfolgreichsten überhaupt. Die Branche hungert nach Information und danach, sich gemeinsam austauschen zu können und Meinungen zu vertreten – wir haben ja auch Generalversammlung – was die zukünftige Ausrichtung betrifft. Was bedeutet künftige Ausrichtung? Da geht es um die Themensetzungen. Die liegen zum Teil auf der Hand wie die Personalfrage. Wo kriegen wir die Leute her, die wir brauchen? Wie bilden wir die Leute aus? Generalsekretär Walter Säckl ist als ausgebildeter Personaler der Richtige, sich noch intensiver darum zu kümmern, wie wir demFachkräftemangel vonallenSeitenher begegnenkönnen.DasweitereSchwerpunktthema ist die Nachhaltigkeit und wie sich die Branche aufstellt. Im Programm steht, dass der PostCoronaTourismus auch einBeziehungs- undEntwicklungstourismus sein wird. Wie kann er das leisten und über die altbekannte Stärke der Völkerverbindung hinaus? Das wird er immer sein. Zweitens, wie schon besprochen, der nachhaltigeTourismus, der nicht nur eine klimapolitische Frage ist, sondern sehr wohl auch sozioökonomische Aspekte hat. Tourismus ist für viele Länder eine der wichtigsten Einkommensmöglichkeiten.Wie kann ichdasweiterführen, ohne das System zu zerstören? Das gilt zu besprechen, waswir leistenmüssenundkönnenundwas unsere „Urlaubslieferanten“ vonuns brauchen. Da wird sich einiges neu aufstellen. ts Mag. Eva Buzzi imWordrap Der ÖRV ist für mich ... … eine gute Möglichkeit, der so wichtigen Branche des Tourismus eine laute Stimme zu verleihen. Ich bin Präsidentin des ÖRVweil ... … es mir Spaß und Freude macht, genau diese Stimme zu sein. Ein schönes Erlebnis der letzten beiden Jahre war … … der letzte Kongress in Wr. Neustadt, als die Branche endlich wieder zusammengekommen ist und wir uns unglaublich viel zu sagen hatten. Meinen Sommerurlaub verbringe ich heuer …. … in Österreich, wobei ich keinen klassischen Sommerurlaub verbringe. Wochenenden im Sommer in Österreich finde ich wunderschön. Ich bin dann eher die Frühjahrs- und Herbsturlauberin. „Was wir in der Form nicht mehr wollten, ist, dass wir uns gegenseitig dieWelt erklären. Wir müssen von anderen Branchen ... lernen.“

8 Aktuell © Piman Khrutmuang – stock.adobe.com, tampatra – stock.adobe.com, Mondial, MSC Cruises, Andreas Scheiblecker, Ruefa/Juerg Christandl, Foto Georg Wilke ÖRVAusschüsse Alle Hände voll zu tun! Die Reisebranche und das Produkt Reise durchleben gerade eine Zäsur, altbekannte Probleme und Themen kombiniert mit den Herausforderungen nach zwei pandemischen Jahren an Gegenwart und Zukunft stellen auch die Arbeit im ÖRV und in den fünf Ausschüssen – Veranstalter, Retail, Flug, Incoming und Kreuzfahrten - auf ein neues Niveau. Das Revival der Pauschalreise und eine „hatscherte“ Pauschalreiserichtlinie. Dynamische Produkte und Flex-Tarife. Stabile Absicherungsmodelle und keine Zwischenlösungen. Insolvenzabsicherung von Airlines nicht nur im Sinne des Gleichheitsprinzips. Die Digitalisierung ist längst mehr als der ROPO-Effekt. Zukunftsmodell Veranstalter&Vertrieb und die neue Relevanz des Reisebüros. Beratungsgebühr – wenn nicht jetzt, wann dann? Die Sache mit dem Preis, denn billig war gestern. Ist kurzfristig das neue Last Minute? Der Mitarbeiter, das höchste Gut in der touristischen Leistungskette – aber woher nehmen und wie motivieren? Was macht den Job im Reisebüro mit neuem Namen sexy? Zeit wird’s für nachhaltiges Reisen, Fliegen und Schifferl fahren! Diese und viele weitere touristische „Schwergewichte“ sind Themen, die die Branche und damit auch die Arbeit der Ausschüsse im ÖRV beschäftigen. Und Corona hat dort und da noch weitere Löcher aufgetan, die es nun gilt, zukunftsorientiert wieder zu schließen. Was aktuell die größten Hürden sind und worauf man sich in den fünf Ausschüssen fokussiert, hat der traveller bei den Ausschuss-Vorsitzenden nachgefragt. Gregor Kadanka, Leiter Incomingausschuss „Es wäreWahnsinn, die Unternehmen jetzt hängen zu lassen.“ Gerade jetzt, da es in gewissen Bereichen wieder bergauf geht (z.B. in den Nahmärkten in Ferienregionen) dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass es Teilbereichen noch sehr schlecht geht. Im Incoming sind das das Städte- und Rundreisesegment sowie die Fernmärkte. Hier wäre wirklich notwendig, zielgerichtet Hilfen anzubieten. Ich glaube hier fest an eine Erholung, aber die wird aufgrund des Ukraine Kriegs verzögert passieren. Es wäre jedoch „Wahnsinn“, jetzt nach zwei Jahren massiven Problemen durch COVID auf den letzten Metern die Unternehmen hängen zu lassen. Es braucht daher: • Zuschüsse für besonders betroffene Betriebe (z.B. „Durchhalteprämie“) • Unterstützung von Betrieben mit direkten Geschäftsbeziehungen zu Ukraine/Russland Gott sei Dank gehen die Infektionszahlen endlich merklich zurück. Als Destination sind wir aber wieder strenger als unser Mitbewerb – wo bereits jetzt faktisch alle Beschränkungen aufgehoben werden. Das drückt nicht nur auf die Stimmung, sondern führt vermehrt dazu, dass Kunden sich für andere Destinationen entscheiden oder geplante Veranstaltungen wieder absagen. Wir sehen auch, dass ab Oktober fast keine Veranstaltungen geplant werden – alle fürchten sich vor einer „Herbstwelle“ und wissen nicht, was dann passiert. Daher: • Rasche Aufhebung aller COVID-Beschränkungen (oder zumindest ein fixes Datum dafür) • Ebenso wichtig ist die rechtzeitige Erstellung eines Corona-Maßnahmenkonzepts, sollte es im Herbst/Winter wieder zu einer Corona-Welle kommen. Frühzeitige Kommunikation ist hier der Schlüssel. Für die Margensteuer stehen die Klärung von Spezial-Fragen – auch mit dem BMF – und Schulungen der Unternehmen am Forderungskatalog, auf dem auch der Fachkräftemangel mit drei Rufzeichen ganz oben steht. 01 | 2022

9 Manuela Gollner, Leitung Kreuzfahrtenausschuss „Die Kreuzfahrtindustrie ist sehr robust!“ Die Reedereien haben eine gemeinsame Schulungsoffensive für die Counterkräfte gestartet. Die Erst-Webinar-Reihe war mit jeweils mehr als 100 Teilnehmern sehr erfolgreich. Die zweite Serie folgt in Kürze. Zudem wurde unter dem Titel „10 gute Gründe eine Kreuzfahrt zu empfehlen“ ein Arbeitspapier für den Counter erarbeitet, das sehr gut angenommen wird. Damit möchten wir u. a. hervorheben, dass die Kreuzfahrt eine Urlaubsform für jegliche Re isewünsche ist und somit jeder Kunde ein potenzieller neuer Kreuzfa hrt-Stammkunde ist. Der Kreuzfahrtkunde bucht vorrangig im Reiseb üro und ist oftmals ein treuer Stammkunde. Aktuell nimmt die Kreuzfahrtindustrie wieder richtig Fahrt auf! Durch die vielen Erleichterungen (z.B. sind indiv iduelle Landgänge wieder größtenteils möglich) steigt die Buchungsnachfrage deutlich an. Es wird weiterhin noch sehr kurzfristig gebucht, was bei Kreuzfahrten früher eher unüblich war. Gleichzeitig werden aber a uch lange im Voraus Buchungen verstärkt getätigt. Die vielen in Auftrag gegebenen Neubauten und Taufen der neuen Schiffe verschiedener Reedereien zeigen, dass die Kreuzfahrtindustrie sehr robust ist, die schwierig en letzten zwei Jahre sehr gut gemeistert hat und in eine erfolgreiche Zukunft blickt. Eva Buzzi, Leitung Veranstalterausschuss „Die Personalfrage steht imMittelpunkt.“ Weitere Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Vertrieb: Die Pandemie hat vielen Kunden deutlich vor Augen geführt, welchen Mehrwert die Veranstalterbuchung im Reisebüro hat. Dies gilt es weiter zu betonen und in der Kommunikation stark einzusetzen. Personal, HR, Sourcing: Gemeinsam mit den anderen Bereichen/Ausschüssen steht auch in dieser Periode wieder die Personalfrage imMittelpunkt. Schwerpunkt: Woher bekommen wir gute Mitarbeiter und wie halten wir sie in der Branche? Hoteleinkauf: Der Leistungseinkauf wird in Zukunft – Stichwort dynamische Preise und Inflationsschub – immer herausfordernder werden. Hier gilt, gemeinsam als Veranstalterlandschaft aufzutreten. Nachhaltigkeit: Das Thema Nachhaltigkeit wird nun immer öfter und offensiver von den Kunden ins Verkaufsgespräch hereingetragen. Es gilt, sich in der Kommunikation vorzubereiten (siehe Kreuzfahrten) und den Kunden dahingehend richtig zu beraten (Kompensation usw.). Helga Freund, Leitung Retailausschuss „Die Reisebüros zukunftsfit machen.“ Ein spannendes Programmmit einer sehr zentralen und zukunftsweisenden Frage imMittelpunkt wird den Retailausschuss beschäften: Wie schaffen wir es, denWert des Reisebüros in jeglicher Hinsicht nachhaltig nicht nur zu sichern, sondern sukzessive zu steigern? Die Ereignisse der letzten Jahre (nicht nur die Pandemie, auch Pleiten von Airlines und Reiseveranstaltern) haben uns verstärkt Zulauf von qualitäts- und sicherheitsbewussten Urlauber:innen gebracht. Wie machen wir diese nun zu Fans, die kontinuierlich buchen und uns immer weiter empfehlen? Wie können wir uns als Arbeitgeber:innen mit den unbestritten schönsten Aufgaben hier modern und frisch positionieren? Was muss eine Ausbildung bieten, welche neuen Skills integrieren wir in die fachliche wie auch praktische Ausbildung, umbei unseren zukünftigenMitarbeiter:innen zu punkten? Fakt ist – das Image und Bild des Reisebüros soll deutlich umfassender und differenzierter werden und auch das widerspiegeln, was viele von uns schon machen, nämlich als moderne Drehscheibe physisch wie auch digital zu allen Leistungsträgern zu agieren und das Verhältnis damit im Idealfall immer weiter positiv zu entwickeln. Da es dazu neben einem neuen Verständnis auch gute Tools braucht, werden wir die Zusammenarbeit mit TDA (Travel Data Analytics) forcieren. Um eben die Entwicklungen der Reisebuchungen bzw. die Trends im österreichischen Tourismusmarkt bestmöglich zu managen – ein wichtiger Baustein, um die Reisebüros fit für die Zukunft zu machen. Thomas Kreillechner, Leitung Flugausschuss „Die Krisen der letzten Jahre spielen uns in die Karten“ Good news – das Business erholt sich nachhaltig! Und wir nehmen im Flugausschuss 2022 drei große Themen und zentrale Aufgabenstellungen für die Zukunft in Angriff. Das ist zum einen ein cleveres und kundenfreundliches Vorgehen in Sachen Distributionpolitik der Leistungsträger (besonders Airlines/NDC), die uns als Branche sowohl im Leisure- wie auch Businesssegment fordert. Wie können wir die Transparenz und damit das Ver trauen der Kund:innen in uns Vermittler sicherstellen – welche Tools bra uchen wir, was können wir hier innovativ anbieten? Dann geht es darum, i m Bereich Business Travel das Thema Network Access Fee (NAF) als zukü nftige Basis der Zusammenarbeit mit unseren Kund:innen zu positionie ren. Klingt paradox, ist aber so – hier spielen uns die Krisen der letzten Jahr e in die Karten, der Mehrwert der 24/7 Bereitschaft und Erreichbarkeit der TMC ist vielen Kund:innen jetzt so richtig bewusst geworden. Mit dem Geschäftsmodell der NAF können Basisleistungen und je nach Kundenbedarf entsprechende Leistungen on top verrechnet werden – was absolut den Erwartungen an modernes Travelmanagement entspricht. Und dann gibt es noch ein Herzenspro jekt, das 2022 abheben soll. Wir haben mit „TMC – Business Travel PLUS“ ein Gütesiegel samt Kriterienkatalog entwickelt, das unseren Kund:innen no ch mehr Sicherheit bietet. Das Commitment ist freiwillig, wird unsere Mitg lieder jedoch klar als Profis mit Qualitätsfokus in denThemen Finanzgebahr ung, IT-Sicherheit und MA-Auswahl sowie als in Österreich tätige und zertifizierte Anbieter:innen kennzeichnen. 01 | 2022

10 01 | 2022 BSHR Den Jungen eine Stimme geben! Die Corona-Pandemie hat den Fachkräftemangel in fast allenWirtschaftszweigen massiv verstärkt, Tendenz weiter steigend. So auch in der Reisebranche, nur woran liegt es, dass sich gerade die schönste Branche derWelt bereits seit vielen Jahren in der Nachwuchsarbeit schwertut? Eine neue Berufsbezeichnung soll nun helfen, das Mitarbeiterproblem zu lösen. Der traveller sprach mit Dipl.-Päd. Günter Moser, BEd. MA, Direktor der Berufsschule für Handel und Reisen (BSHR). Corona hat auch die Lehrtätigkeiten in der BSHR auf den Kopf gestellt, denn wie die allgemeinbildenden waren auch die berufsbildenden Schulen und damit auch die Berufsschule für Handel und Reisen in den letzten zweieinhalb Jahren massiv in ihrer Lehrtätigkeit be- und eingeschränkt. Blended Learning war auch hier alternativlos, und je länger die Pandemie und das ständige Maßnahmen-Auf-und-Ab dauerte, umso mühsamer wurde es für Lehrer wie Schüler. Denn übermehrereMonate gab es kaum eine Woche, in der das gesamte Lehr-Team und die Schüler aller Klassen anwesendwaren. Dabei, und das ist nach den letztenmageren zwei Jahren wirklich erfreulich, berichtet GünterMoser, „sitzen in der jetzigen erstenKlasse der dreijährigen Lehrzeit mit zwanzig Schülern so viele wie schon lange nicht mehr.“ Im Vorjahr waren es gerade mal sechs junge Menschen aus ganz Österreich, die sich für den Lehrberuf des Reisebüroassistenten entschieden. Und eben für diesen Beruf sucht der Österreichische ReiseVerband (ÖRV) in Zusammenarbeit mit der Berufsschule in einer branchenweiten Ideenfindung einen zeitgemäßeren Namen, weil der Zusatz „-assistent:in“ mit den geänderten Anforderungen nicht mehr zusammenpasst. Zudem möchte man den Lehrberuf wieder attraktiver gestalten und eine neue Zielgruppe ansprechen. All das ist gar nicht verkehrt, aber ob ein neuer Name bei unverändertemInhalt das Mitarbeiterproblem lösen und der Branche die händeringend gesuchten ambitioniertenKräfte bringen wird, ist wohl zu kurz gedacht. HarterWar for Talents „Es ist zumindest ein Anfang,“ sagt Moser, und die BSHR unterstützt diesen Schritt sehr gerne. Aber, da istMoser überzeugt: „Es braucht vor allemeinen zeitgemäßerenZugang. Dahingehendnämlich, was man den künftigenMitarbeiter:innen bietet.“ Weil die Reisebranche mit ihrem Nachwuchsproblem nicht alleine ist, der Fachkräftemangel zieht sich längst quer durch alle Wirtschaftszweige und der sogenannte „War for Talents“ ineinemzunehmend wettbewerbsorientierten Umfeld und unter geänderten Rahmenbedingungen wird durch den demografischenWandel nochweiter befeuert. Heißt: Nach den Babyboomern gibt es weniger Nachwuchs, und Corona sowie die damit verbundenen geänderten Arbeitsmodelle haben die Situation noch weiter verschärft. Auf diesen Zug muss man aufspringen, sagtMoser, einflexibleres Arbeitszeitmodell wäre ein kluger erster Schritt. „Vielleicht solltemandenMitarbeiter:innenHomeoffice fallweise ermöglichen und man sollte die Branchenbenefits, all das, was dieBranche inden1980/90er- Jahrenattraktivgemacht undvonanderenBranchen abgehoben hat, wieder mehr hervorkehren. Das Produkt Reisen ist dochnoch immer spannendund faszinierend, gerade für junge Menschen, man sollte denNewcomern z.B. Agenttouren daher bereits in den Lehrjahren ermöglichen.“ Den Jungen mehr zutrauen Auch das ist nicht verkehrt, nur waren gerade in den letzten beiden Jahren Infotouren aus bekannten Gründen nicht an der Tagesordnung und die Tätigkeiten in den Büros auch nicht gerade von hoher Spannung, dafür von großer wirtschaftlicher Tragweite geprägt. Zu tun gab’s, was das schöne Tagesgeschäft betraf, wenig, manwarmehrheitlich mit Stornos und Schadenbegrenzung befasst. Kommt man dann als Lehrling in dieser Phase in den Echtbetrieb, ist die Motivation rasch dahin. Vielleicht, so der Denkansatz aus der BSHR, könnten man, um die Motivation wieder zu wecken und die Attraktivität des Jobs zu erhöhen, die Mitarbeiter:innen so schnell als möglich wieder auf Tour schicken. Und, man sollte ihnen mehr zutrauen, ihnenmehr Verantwortung übertragen und eigene Aufgabenbereiche – wie Social Media – übergeben, fürMoser überhaupt diewichtigsten Komponenten in der Neuausrichtung. Denn, und auch das ist mittlerweile nicht neu, die Branche © goodluz – stock.adobe.com

Aktuell Es liegt in unserer Natur. Mit dem Nachtreisezug klimafreundlich* Europa entdecken. * Pro Person und km verursacht die Fahrt mit dem Zug in Österreich einen 27-mal geringeren CO₂-Ausstoß als die Fahrt mit einem durchschnittlichen Pkw und 51-mal geringere CO₂-Emissionen als ein Flugzeug. Quelle: CO₂-Bilanz, berechnet durch Umweltbundesamt. © ÖBB, Harald Eisenberger nightjet.com benötigt bzw. sucht junge Menschen, die die Social-Media-Kanäle der jeweiligen Unternehmen bespielen. „Warumalso überantwortet man ihnen nicht diesenAufgabenbereich? In den Lehrplänen ist Social Media längst ein fixer Bestandteil,“ erklärt Moser. Der Zufall ist berufsentscheidend Denn der junge Mensch von heute und damit auch der Nachwuchs für den Reisebürojob ist nicht mehr der gleiche wie vor zwanzig Jahren. Das sieht man auch in der BSHR, die Lehrlingsschüler von heute haben einen anderen Zugang zumLeben, die Berufswahl erfolgt oft zufällig und die Identifikation mit dem Job ist mitunter nicht immer gleich sichtbar. „Ich bin seit 22 Jahren in der Berufsschule, auch meine Kollegen haben mitunter den Eindruck, dass der Anteil derer größer geworden ist, die mehr oder weniger zufällig in die Branche gestolpert sind. Sei es aufgrund von Schulabbruch oder weil sie (noch) keinen Plan haben, was sie denn beruflichmachen sollen. Da klingt Reisen natürlich ansprechend. Das gab es wohl früher auch schon – ich bin auch eher zufällig in der Reisebranche gelandet –, aber heute hat man manchmal wirklich das Gefühl, dass sich nur noch ganz wenige bewusst für diesen schönen Beruf entscheiden. Wir fragen das auch immer wieder ab undwerden in dieser Wahrnehmung bestätigt.“ Damit wird es aber mit Motivation, Identifikation und dem Gusto machen für einen Beruf schwierig, egal, wie immer dieser auch heißenmag. Dann sitzt die Branche nämlich auf einem sehr kurzen Ast, wenn der Nachwuchs per Zufall hineinstolpert und es mehr oder weniger gleich ist, obman Milch, Mode oder Reisen verkauft. Dann kann auch die beste Berufsschule keine Wunder bewirken. Ganz so schwarz sieht man es an der BSHR allerdings nicht. „In der aktuellen ersten Klasse sind viele dabei, die eine weiterführende Schule abgebrochen und nach einer Lehre gesucht haben. Und die Reisebranche, dieThematik Reisen, Freizeit und Urlaub, hat sie am meisten gereizt,“ weiß Moser. Hilfe durch Mut und Pioniergeist Weniger reizvoll für die Jungen sind allerdings starre Arbeitszeiten, der reisefreudigeNachwuchs möchte nicht mehr montags bis freitags nine to five 40 Stunde die Woche arbeiten. Nun ist aber gerade das Verkaufen von Reisen eine dem geändertenKonsumentenverhalten angepasst, zeitlich unabhängige Dienstleistung. Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten im Reisebüro wäre somit eine überlegenswerte, oder Herr Moser? „Die Anpassung an das geänderte Konsumentenbedürfnis passiert aus unserer Sicht zu wenig. Lehrlinge möchten flexiblere Arbeitszeiten, die der Markt auch zulassen würde. Ich glaube, es gibt wenige Branchen, wo man beides derart gut verbinden und vereinbaren könnte. Es gibt beispielsweise Hotels, die ihrenMitarbeitern bis zu vier Wochen Aufenthalt bieten, er lernt dabei das Produkt sehr gut kennen und demUnternehmen kommt diese Formder ‚Weiterbildung‘ günstig, weil der Mitarbeiter für diese Zeit keinen Arbeitsplatz beansprucht. Manmüsste also nur ein bisschenmutig sein und Pioniergeist zeigen.“ Vielleicht auch für eine Jobform, die inDeutschland bereits etabliert ist, inÖsterreich aber noch immer an den nötigen arbeitsrechtlichen Voraussetzungen scheitert. Dabei wäre gerade der mobile Reiseberater eine dem Zeitgeist entsprechende Alternative, die der mehrheitlich weiblich geprägten Branche entgegenkommen könnte. Wenn diese nämlich irgendwann eine Familie gründen, Kinder bekommen, aber dennoch weiter arbeiten möchten. Dass ein derartiges Arbeits(zeit)modell möglich ist, zeigt das Beispiel eines Linzer Reisebüros, wie Moser anmerkt. Das nur nach Vereinbarung geöffnet ist, man trifft sichmit denKunden individuell entweder im Kaffeehaus oder kommt zum Beratungs-

12 01 | 2022 Aktuell gespräch ins Haus. „DiesesModell wird noch eher zaghaft umgesetzt, funktioniert aber dort, woman es praktiziert, sehr gut und ist aus meiner Sicht ein guter Ansatz.“ ThinkTank für Reiseinfluenzer Woran es liegt, dass die Reisebranche eher veränderungsresistent ist, kann auchGünterMoser nicht beantworten, schon altgediente Reiseprofis sprechen immer wieder davon, dass die Branche scheinbar in den 1980er Jahren stehen geblieben ist. Vielleicht sollteman die Jungen fragen, wie sie sich den Job im Reisebüro vorstellen? Ein Think Tank beispielsweise, den man sehr gut in der Berufsschule ansiedeln könnte undder auch vonden Lehrern mitgetragen würde, um den Lehrlingen Gestaltungsspielraum zu geben, bekundet Moser seine Idee. „Man könnte den Jungen damit das Gefühl geben, dass sie aktiv einbezogen werden und etwas bewirken können. Lassen wir sie doch ihre Stärken und Interessen – gerade hinsichtlich Social Media, Digitalisierung und Nachhaltigkeit – einbringen. Den Nachwuchs in einem gesicherten Rahmen quasi Influenzer spielen lassen, was ja viele sein wollen. Gleichzeitig wissen sie aber, dass, wenn man diesen Job ernst nimmt, es anstrengend und man auf sich selbst gestellt ist. Die Branche könnten diesen Trend nutzen und den Mitarbeiter, egal wie viele Follower er hat, für seine „Influenzer-Tätigkeit“ entlohnen. Aus meiner Sicht wäre das eine klareWin-Win-Situation, denn ein 50jährigerMitarbeiter wird sichnichtmehr für Tiktok oder Instagramengagieren, abgesehen davon, dass er die Zielgruppe nicht anspricht. Es würde aber auch eine entsprechende Umsetzung im Nachgang brauchen, nur für die Übung in der Schule brauchen wir derartiges nicht.“ Auch die Verbände könnten sich hier stärker engagieren, der ÖRV könnte beispielsweise die Lehrlinge der dritten Klasse an einem Kongress teilnehmen lassen, wo sie ihre Vorstellungen von der „Branche reloaded“ den Entscheidern präsentieren könnten. Den Jungen ein Gesicht und eine Stimme geben, sagt Moser, was eine persönliche Verbindung zu ihrem künftigen Beruf herstellen würde. Natürlich, betont Moser, braucht es aber unverändert den erfahrenen und langjährigen Mitarbeiter, der auch künftig seine Klientel bedienen soll, der junge 20jährige nur eben seinesgleichen. Was dann den Generationencrash in den Unternehmen, der ja immer wieder durchklingt, entzerren würde. Erfahrene Mitarbeiter wollen sich von Rookies halt nicht einfach etwas sagen lassen. Mit diesem Muster steht man sich nicht im Weg, imGegenteil, man könnte zielführend möglichst viel Potenzial abschöpfen und auch eine sehr effektive und vor allem „menschgesteuerte“ Konkurrenz zu Online-Plattformen bietet. Es muss mehr ins Börsel Wenn gute Ideen dann aber im Echtbetrieb wie eine Zigarette wieder ausgedämpft werden, darf man sich nicht wundern, wenn demNachwuchs der Spaß am Job rasch vergeht. Auch davon, sagt Moser, könne man erzählen. Davon, dass Lehrlinge nach einem Jahr im Büro in der dritten Klasse wiederkommen und noch kein einziges Mal weg waren oder ihre Ideen gehört werden wollten. Letztlich nennt Moser noch jenen Punkt, der spätestens in der dritten KlasseThema wird, und der für viele Newcomer erklärter Grund ist, warum sie nicht sehr lange in der Branche bleiben werden: die Bezahlung. „Es wird zwar immer abgestritten, aber der KV hinkt noch immer hinter vergleichbaren Branchen hinterher. Allein beim Lehrlingsgehalt im Vergleich zum Versicherungskaufmann verdient der Reisebürolehrling im ersten Jahr um 100 Euro weniger. Bis ins dritte Jahr sind es dann mehr als 200 Euro weniger.“ Hier besteht also dringender Handlungsbedarf, ein wirklich lautes Starkmachen der Wirtschaftskammer ist notwendig, sonst helfen alle noch so ambitioniertenMaßnahmen – von neuer Berufsbezeichnung bis zum coolen Think Tank – relativ wenig. Nachhaltigkeit hat Priorität Die Berufsschule geht in jedem Fall an der Seite der Branche den Veränderungswegmit und sieht sich alsMotor, der versucht, weiter rund zu laufen. Stichwort Nachhaltigkeit und nachhaltiger Tourismus, denman ja immer schon als große Chance für die Branche gesehen hat. So wurde dieses eminente Thema in die Lehrpläne reklamiert, seitens der Berufsschule hat man auch stets versucht, dieseThematik miteinzubeziehen. Nur, so Moser, kommt aus der Branche leider relativ wenig Zuspruch, „was ich persönlich überhaupt nicht verstehe. Denn auch dies wäre eine Möglichkeit, um die Menschen verstärkt in die Büros und weg von den Plattformen zu holen. Wennman nämlich von einemMitarbeiter beraten wird, der kompetent ist und zumindest nachhaltige Alternativen vorschlagen kann. Vor der Pandemie hatte man das Gefühl, dass die Branche vermehrt auf dieses wichtigeThema aufspringt, jetzt schaut es wieder anders aus. Bei den letztenGesprächenmit Branchenvertretern war Nachhaltigkeit nicht mehr relevant, nachhaltiges Reisen dürfte momentan maximal peripher interessieren. Wohl, weil man gerade andere Sorgen hat und schauenmuss, dass man die Kundenwieder zurück ins Reisebüro holt. Nur, in ein paar Jahren wird Nachhaltigkeit buchungsentscheidend sein,manmuss dahingehend jetzt aktiv werden.“ Auch die Politik kann helfen Stichwort Lehrpläne, diese wurden vor einigen Jahren kompetenzorientiert aktualisiert und werden auch entsprechend umgesetzt. Was, so Moser, sehr gut funktioniert und dass man nun als Berufsschule auch bei den Lehrabschlussprüfungen beisitzt, ist ein weiterer Modernisierungsschritt. Dem nun mit der bevorstehenden Vereinheitlichung mit den Bundesländern bald der nächste folgt. Und was die Politik betrifft, hat Direktor Moser auch einige Ideen: In erster Linie steuerliche Vergünstigungen, so sollte man Privatreisen in vollem Ausmaß absetzbar machen. Oder, dass die mindestens 50 Prozent der Ausfallszeit von kurzarbeitenden Lehrlingen für Aus- und Weiterbildung verwendet werden soll – eine Vorgabe aus Pandemie-Zeiten – etwa auch in Form von Reisen erbracht werden können. „Würde hier die Politik Zugeständnissemachen, wären das Assets, die man künftigen Mitarbeitern gut verkaufen könnte“. Wann, wenn nicht jetzt mutig sein und von alten Wegen abzuweichen? Sind doch Krisen bekanntlich die größten Chancen für Veränderungen. DempotenziellenMitarbeiter zeitgemäße Angebote machen, der dem Kunden dann einen unschlagbaren Grund gibt, imReisebüro und nicht online zu buchen. Weil er nur im Reisebüro persönlich, kompetent und sicher betreut wird. Völlig egal, wie immer die Berufsbezeichnung für den schönsten Job der Welt künftig auch lauten mag. bc „Lassen wir die Jungen ihre Stärken und Interessen einbringen und geben ihnen Gestaltungsspielraum“, so Günter Moser, Direktor der Berufsschule für Handel und Reisen. © BSHR

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