Traveller 08/2021

08 | 2021 7 beitet. Der ReiseDoc – also telemedizinische Betreuung –wurde eingeführt. Last but not least haben wir unsereOrganisation internneu aufgestellt und die Touchpoints zu den Kund_innen und den Vermittlerpartner_innen neu definiert. Die Europäische Reiseversicherung ist personell, technisch, von den Produkten und Services her bestens aufgestellt für den Restart. Wie geht es Ihnen persönlich in Ihrer neuen Funktion als Mitglied des Vorstands? Es ist in der Krise sicherlich herausfordernd, aber ich habe die Funktion während der Krise bewusst angenommenundwurdenicht von ihr überrascht. Ich bin seit 17 Jahren im Unternehmen tätig und hatte das Vergnügen, schon in den vergangenen sehr gutenZeitenTeil des Teams der Europäischen Reiseversicherung zu sein und in führenden Positionenmitgestalten zu dürfen. An diese guten Zeiten werden wir wieder anschließen. Wie gestalten Sie Ihre Führungsaufgaben? Gerade jetzt, wo es gesamtwirtschaftlichdurchaus kritisch ist, ist es umsowichtiger, dieMitarbeiter_innen zumotivieren und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Die Unternehmensleitung muss vorleben, dass man nicht stagniert, sondern weiter an der Zukunft arbeitet.Worinwir uns alle einig sind, Reisen wird wiederkommen. Die Gesellschaft hat auf harteArt gelernt, dassGesundheit das höchsteGut ist. Man will sich daher auch auf Reisen schützen. Diesen Schutz wollen wir mit unseren Versicherungsprodukten ohneWenn und Aber umfassend bieten. Sie sind ja ein junger alter Hase in der Touristikbranche. Vonder gutenaltenTouropabis zu Gulet Touristik war Recht und Qualitätsmanagement IhrVerantwortungsbereich.Welchen Stellenwert hattendamalsReiseversicherungen, beimKonsumenten aber auch in der Beratung bzw. imVerkauf des Reisebüromitarbeiters? Das Thema Sicherheit auf Reisen ist den österreichischenReisebüros undReiseveranstaltern schon immer ein vorrangiges Anliegen gewesen. Das Reiseverhalten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch geändert: Es sind fernere, exotischereZiele gefragt, eine individuellereGestaltung, das Freizeitverhalten hat sich geändert und die demografische Entwicklung – Stichwort Golden Ager – bietet neue Zielgruppen. Dazu diverse geopolitische Krisen wie Terroranschläge, NaturkatastrophenundPandemien. Parallel dazugibt es neue rechtliche Bestimmungen wie die Informationspflicht über eine Reiseversicherung bei einer Pauschalreise. Einweiterer Punkt ist, dass Kund_innen informierter sindals früher. DieQualität undKomplexität der Beratung und der Detailgrad an Information sind gestiegen. Aber auchdas Bewusstsein für Risiken ist heute höher. Nachder Krisewirddie Nachfrage auf jedenFall steigenunddieAbschlussquoten werden höher sein. Wird dann auch bei einem niedrigeren Reisebudget versichert? In Zeiten wie diesen wird bei der Sicherheit auf Reisen nicht gespart. Da ist auch bei kleinerem Budget eine Reiseversicherung ein fast schon unerlässlicher Bestandteil. Man muss zwei Dinge unterscheiden: dieReisekostenunddasRisiko.Man kann mit einem niedrigen Budget auch weit weg reisen, aber je weiter weg man von zu Hause ist, desto teurer wird der Rücktransport imUnglücksfall. Vielerorts ist zudemdermedizinische Standard ein anderer. Das Reisebudget korreliert also nicht immer mit dem Risiko. Nachhaltigkeit imTourismus indenAngeboten sinddieThemenderGegenwart.Wieübernimmt hierdieEuropäischeReiseversicherungVerantwortung?Was kannman unter einer nachhaltigen Reiseversicherung verstehen? Natürlich gibt es eine nachhaltige Reiseversicherung. Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, die sich uns bieten. Wir beziehen Strom ausschließlich aus erneuerbarer Energie. Warmwasser und Heizung, der Postversand, Mobilität und Reisen imUnternehmen werden CO2-kompensiert. Wesentliches Kriterium für unsere Unternehmensplanung ist ESG, also Environment, Social and Governance (Anm.: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Als Teil der Generali Group nehmen wir an einer Vielzahl an Initiativen und Projekten teil. Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Verantwortung und gute Arbeitsbedingungen für dieMitarbeiter_innen dürfen keine Schlagworte sein. Wir arbeiten sukzessive daran und informieren auch transparent über unsere Nachhaltigkeitsaktivitäten. Nicht jedesReisebürowirddieKrisewirtschaftlich überstehen. Was bedeutet das für das Geschäft undGeschäftsmodelle einesReiseversicherers? Wir hoffen natürlich, dass es alle unserer Partner schaffen. Der Großteil davon ist gut aufgestellt und wir sind zuversichtlich, dass die politischen Maßnahmen so greifen, dass die Betriebe nachhaltig überleben. Was alle motivieren sollte: Das Geschäft für Reisebüros wird nicht kleiner sein nach der Krise – im Gegenteil. Die Veränderung wird strukturell wahrscheinlich eine Seitwärtsbewegung sein. Einfach gesprochen: Wenn es in einem Ort zwei Reisebüros gibt und eines davon zusperrenmuss, werden dessenKund_innen nicht ins Internet, sondern ins andere wechseln. Der Trend wird anhalten, wer die bessere Beratung und ein gutes Service bietet und damit einen Mehrwert gegenüber einer Buchung im Internet, wird zu den Gewinnern zählen. WelcheSpurenwollenSiealsVorstandsmitglied imUnternehmen hinterlassen? Ich hoffe, dass ich in der Vergangenheit schon ein paar Spurenhinterlassenhabe. DasThema Sicherheit auf ReisenwirdweiterhindasThema sein, das uns beschäftigt. Wir werdenmit höchster Qualität und modernem, bestem Service agieren. Daran werde ichmitmeinenKolleg_innenweiterarbeiten. Was wir uns auf die Fahnen geschrieben haben, sind langjährige Partnerschaften. Wir nennen das Lifetime Partner für Kund_innen und Vermittlerpartner_innen – in gutenwie in schlechtenZeiten. EineZukunftsfrage ist, diebestenMitarbeiter_innen zu finden, zu haben, zu fördern. Was wir schon bisher vorgelebt haben, ist die technologischeWeiterentwicklung undder Anspruchals Innovationsführer. Da braucht es Mut, immer wieder Neues auszuprobieren und keine Angst davor zu haben, dass ein Versuch einmal scheitert. Voraussetzung dafür sind ein positives Geschäftsergebnis und nachhaltigesWirtschaften. Nur so könnenwir unsere Leistungen erbringen und unsere Mitarbeiter_innen halten. Traditionell steht am Ende des Jahres-Abschlussinterviews ein Wunsch, eine Botschaft und ein Appell: Was wünscht sich Christian Wildfeuer für 2022? Der Wunsch, den wir alle in uns tragen: Gesundheit. Mein Appell ist, dass wir als Gesellschaft zusammenhalten. Probleme lassen sich nur gemeinsam lösen, ob imPrivaten oder Beruflichen, auf wirtschaftlicher, sozialer und auf internationaler Ebene. Zusammenhalt und Unterstützung braucht es auch bei Meinungsverschiedenheiten. Die großeHoffnung, die ich hege, ist die Rückkehr der Freiheit uns wieder persönlich zu treffen und die Welt zu bereisen und das Leben – in vollen Zügen oder vollen Flugzeugen (lacht) – genießen zu können. ts Zur Person Mag. Christian Wildfeuer ist Jurist und war lange im Tourismus tätig, bevor er 2004 im Unternehmen begonnen hat. Er ist seit 2009 Gesamtprokurist bei der Europäischen Reiseversicherung und seit 2014 auch Geschäftsführer der beiden Tochterunternehmen TTC und Care Consult. Seit 01. September ist er neuer Vorstand bei der Europäischen Reiseversicherung und als Chief Insurance Officer verantwortlich für die Bereiche Versicherungstechnik und Schaden sowie Recht.

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxNTI=