Traveller 08/2021

6 08 | 2021 Interview ChristianWildfeuer „Wir atmen mit dem Tourismus“ Das Reisen hat in der Pandemie durch immer neue und wiederkehrende Einschränkungen, die überall andere sind, ein gutes Stück seiner Freiheit verloren. Im traditionellen Jahres-­ Abschlussinterview spricht Christian Wildfeuer, seit September Vorstandsmitglied bei der Europäischen Reiseversicherung, über die Zusammenarbeit mit den Partnern im Tourismus, neue Herausforderungen und seine große Hoffnung. EineaktuelleUmfragederEuropäischenReiseversicherung liefert einoptimistischesBildüber die Reiselust für 2022. Ist das eine realistische Einschätzungoder einBlick indie „Blase“ jener, die ohnehin zu den Vielreisenden zählen? ChristianWildfeuer: DieUmfrage fand unter den Kund_innen der EuropäischenReiseversicherung statt, die unserenNewsletter abonniert haben. Die Anzahl der Rückmeldungen war sehr gut und natürlich ist die Zielgruppe sehr reiseaffin. Es zeigen aber auchandere StatistikenundUmfragen, eswird wieder gereist; der Reisewille ist ungebrochen.Wir wissen aus der Vergangenheit, je umfassender die Einschränkungen, destogrößer derWunschdaraus wieder auszubrechen. Ich vergleiche es gerne mit einem trockenen Schwamm, der bei ein bisschen Feuchtigkeit wieder aufquillt. Die Welt ist zu groß und zu schön, um nicht zu reisen. Merken Sie das auch bei den Versicherungsabschlüssen? Die Versicherungsabschlüsse bewegen sich bei einer Reiseversicherung parallel mit dem touristischen Buchungsverhalten. Ein Gutteil unserer Produkte wird für eine Reise abgeschlossen und über Reisebüros und Reiseveranstalter verkauft. Wir atmen mit dem Tourismus mit. Der Anteil des Jahres-KomplettSchutz hat sich in den letzten beiden Jahren nicht erhöht? Der Anteil an Jahresversicherungen hat sich in der Vergangenheit sukzessive erhöht. Die Nachfrage nacheinemumfassendenVersicherungsschutz bei allenReisen, ohne sich jedesMal denKopf zerbrechen zumüssen, wird größer. InSummehabendie Reisenden jetzt ein höheres Sicherheitsbewusstsein, darum ist die Abschlussquote bei Jahresversicherungen höher. Ohne Reiseversicherung fährt heute kaum jemand auf Urlaub. Nochmals zurUmfrage: Fast neunvonzehnder Befragten sind dieses Jahr verreist, jedoch in einem engeren Radius. Sind Sie optimistisch, dass Fernreisennächstes Jahrwiederanziehen? Optimistisch sind wir immer (lacht). Wir wissen, dasswir involatilenZeiten leben.Mit denMöglichkeitender Bekämpfungder Pandemiewird ineinem gewissenMaße Normalität einkehren. In eine Destination, die sich glaubhaft als sicher präsentiert undwodieMaßnahmen state-of-the-art sind, wird man relativ raschwieder reisenkönnenundwollen. Die Kette, von den Reiseveranstaltern und Reisebüros über Airlines bis zu den Hotels, arbeitet daran, Reisen sicher zu machen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass imnächsten Jahr vieleDestinationen wieder relativ normal bereist werden können. WerdengrenzüberschreitendeReisennurmehr für Geimpfte möglich sein? Zunächst ist es eine Frage der Zeit: Wenn die Situation sich bessert, wird man andere Maßnahmen ergreifen können. Die Signale aus demTourismus zeigen derzeit aber stark in diese Richtung. Der Nachweis einer Impfung ist schließlich deutlich leichter handhabbar als ein jeweils aktueller Test. Wer einen längeren Zeitraum unterwegs ist, muss sonst denTestnachweis ständigneu erbringen. Ich kann nicht sagen, wie es mittelfristig gehandhabt wird, aber in absehbarer Zeit wird der Nachweis einer Impfung wohl notwendig sein. Impfpflicht, ReiseeinschränkungenundCo:Wie ist Ihre Einschätzung als Jurist, werden uns rechtlicheAuseinandersetzungendarübernoch länger begleiten? Es gibt sowohl wirtschaftlichals auch juristischeine Vielzahl von Fragestellungen, die neu sind. Juristisch gesehen ist die Situation nicht schwarz oder weiß. Es gilt Abwägungen darüber zu treffen, was ist noch zumutbar und was nicht und was ist gerechtfertigt und unter den aktuellen Umständen angemessen? ZumBeispiel dieDiskussionbei den Stornierungen: Wann liegen außergewöhnliche Umstände vor? Zu Beginn der Pandemie war es ganz klar ein außerordentlicher Umstand. Mittlerweile tätigtmaneineBuchungwährend einer Pandemie und muss bewerten, ob zu einem späteren Zeitpunkt ein unvorhersehbarer, noch außergewöhnlicherer Umstand vorliegt. Sind Sie mit mehr Rechtsfällen konfrontiert? Rechtsfälle gibt es generell relativwenige, das liegt anunsererUnternehmenspolitik, weil wir service- und kundenorientiert, kulant agieren. Im Bereich der Reiseversicherung versuchen wir klar darzustellen, was gedeckt ist undwas nicht.Wir handeln außerdemproaktiv. Das heißt, tritt eine neue Situation ans Tageslicht, besprechen wir uns zeitnah, umdenKolleg_innen sehr rascheineEinschätzung gebenzukönnen, diedannunserenVermittlerpartner_innen und Kund_innen klare Informationen über unsere Einschätzungweitergeben.Wir bereiten uns intern permanent auf mögliche geänderte Umstände vor undwiewir damit umgehenwürden. Wir nähern uns demEnde des Jahres und dem zweiten JahrestagdesAusbruchsderPandemie. Was haben diese beiden Jahre und das letzte Jahr mit der Europäischen Reiseversicherung gemacht? DasGeschäftsvolumen ist zwar eingebrochen, dennoch konnten wir ohne Staatshilfen, mit Kostendisziplin ein positives Ergebnis erzielen und trotz Pandemie nahezu alle unsere Mitarbeiter_innen halten. Wir haben glücklicherweise viele treue Kund_innen, die wiederkommen. Was es mit uns gemacht hat:Wir habenuns Zeit für Veränderungen genommen. Etwa dieUmstellung auf Homeoffice, die in dieser Geschwindigkeit davor undenkbar gewesenwäre. DieArbeit imUnternehmenhat sich geändert, es sindneue Skills gefordert, zumBeispiel in der zwischenmenschlichen Zusammenarbeit. Dafür gibt es Trainings für Mitarbeiter_innen und Führungskräfte.Wir habenuns neueProdukteund Services überlegt sowie unsere Produkte überar- © Europäische Reiseversicherung/Martina Draper

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